Blogger Relations und Musik

House of Reggae hat das Ohr an der Straße

Klassischer Platzhalter :)

Ein paar Gedanken zur Beziehung zwischen Bloggern und Labels.

Vor fast zwei Jahren habe ich hier 5 Social Media Tipps für Reggae Artist & Labels veröffentlicht. Sie wurden viel diskutiert und zum Teil – was mich besonders freut – auch umgesetzt. Ob das mein Verdienst ist, weiß ich nicht. Zumindest scheinen aber Einige im Musikgeschäft das Thema Blogger Relations endlich verstanden zu haben.

Warum ich heute mal wieder darüber schreibe? Weil ein gewisser Mike Schnoor eine Blogparade zur Beziehung zwischen Bloggern und Unternehmen / Agenturen gestartet hat. Ich kenne den Mann nicht, finde das Thema aber sehr spannend. Als Blogger und Social Media Mitarbeiter in einem Unternehmen beschäftige ich mich mit beiden Seiten. Ich schreibe nachfolgend Labels statt Unternehmen, weil mein Thema ja Musik ist.

Was ist Blogger Relations?

Es ist eines dieser duften Wörter, die sich ein Marketing- oder Kommunikationsexperte ausgedacht hat. Abgeleitet von Public Relations, was nichts anderes als Öffentlichkeitsarbeit ist. Statt Journalisten und Redaktionen stehen die Blogger im Fokus. Wir sollen die gute Kunde vom neuen Lied, Album oder Musikvideo in die Welt bringen.

Warum suchen Labels nach Blogger Kontakten?

Je nach Genre und Bekanntheit ist es ziemlich schwierig, mit seiner Musik in die traditionellen Medien (Print, TV, Radio) zu kommen und Reichweite zu bekommen. Bei Bloggern ist die Hürde meist geringer. Wir sind nicht an Vorgaben wie Sendezeit, Platz im Heft und so weiter gebunden. Wir können prinzipiell immer veröffentlichen und eigentlich auch alles, Text, Bild, Ton, Video. Zudem haben einige von uns inzwischen sehr hohe Reichweiten und eine treue Gefolgschaft, die wir mit unserer Meinung mehr oder weniger beeinflussen. Abgesehen davon sind wir authentischer und meist günstiger als Werbeanzeigen. Ich bekomme regelmäßig Download-Links, CDs und manchmal auch Einladungen zu Konzerten. Ziel ist dabei immer, dass ich hier im Blog darüber schreibe und am besten noch meine Netzwerke damit füttere. Es geht also um einen Artikel und vielleicht noch einen Backlink zur Labelseite.

Warum gehe ich als Musikblogger auf Anfragen ein?

Als Blogger habe ich mich über die letzten sechs Jahre weiterentwickelt. Dadurch haben sich auch meine Ansprüche verändert.In seinem Blogbeitrag zur Parade unterscheidet Jens Stoewhase in Hobby Blogger und professionelle Blogger. Ich befinde mich irgendwo dazwischen. House of Reggae ist mehr als ein Hobby, ich muss damit aber nicht mein Leben und meine Familie finanzieren. Zum Glück, denn sonst würde mir vermutlich die Liebe flöten gehen.

Als damals das erste Label bei mir anfragte, ob ich über ein Album schreiben möchte, war ich aufgeregt und sehr dankbar. Ich habe sofort angenommen in der Hoffnung, dass der Kontakt bleibt, ich noch mehr Musik bekomme und durch den Artikel weitere Labels auf mich aufmerksam mache. Hat geklappt. Ich verstehe deshalb die kleinen Blogger Mädchen, die sich über Lippenstifte freuen, sehr gut. Wenn sie dranbleiben, werden auch sie sich verändern.

Ich bekomme inzwischen so viel Musik und Material zugeschickt, dass ich mich gar nicht mehr um jede einzelne Platte, jedes einzelne Video kümmern kann. Auf Anfragen gehe ich nur ein, wenn mir ein Künstler / Lied / Album sehr gut gefällt, ich den Künstler / das Label kenne oder ich exklusive Informationen bekomme. Oder wenn Vinyl im Spiel ist. Dafür habe ich eine Schwäche.

Inhalt wichtiger als die richtige Ansprache

Ich lese häufiger die Frage, wie man Blogger richtig anspricht. Thomas Pleil hat dazu einen vierteiligen Blogger Relations Baukasten beschrieben: Zuhören. Diskutieren. Verlinken. Treffen. Ziemlich komplex. Auf Unternehmensseite recherchiere ich, lese und kontaktieren dann. Das hat bisher immer geklappt. Als Blogger ist mir Inhalt wichtiger als Ansprache. Wenn vorab ordentlich recherchiert wurde und das Thema zu mir passt, nehme ich auch Pressemitteilungen. Eine persönliche Note ist die Sahne auf dem Pudding. Wenn der Pudding aber schon schlecht ist, braucht man ihn nicht mit Sahne verzieren.

Bezahlung

Erst vor ein paar Tagen las ich einen Artikel von Social Media / Marketing Experte Danny Brown: Why Influencers Deserve To – And Should – Be Paid by Brands. Ich finde das richtig. In der Diskussion um Journalisten und Blogger als Influencer (Leute, die andere beeinflussen) wird häufig vergessen, dass Journalisten in der Regel von einer Redaktion bezahlt werden. Blogger hingegen arbeiten auf eigene Rechnung. Vermutlich haben die meisten einen richtigen Job und schreiben nebenbei. Wer von seinem Blog leben will, muss Werbeplätze anbieten oder eben Arbeitseinsatz und Reichweite. Das sollte vergütet werden.

Wie diese Bezahlung aussieht, hängt sicher stark von der Relevanz der Blogs und der finanziellen Situation des Bloggers ab. Große Blogs haben seit einiger Zeit richtige Mediadaten ähnlich wie Zeitung. Anhand dieser werden Preise für Kooperationen festgelegt. Ich habe einen festen Job und ein festes monatliches Einkommen. Deshalb kann ich es mir leisten, House of Reggae aus Liebe zu betreiben. Ich verlange kein Geld, wenn ich über ein Album schreibe oder ein neues Musikvideo veröffentliche. Mir geht es vor allem darum, die Künstler und Labels zu unterstützen, die ich mag. Klar freue ich mich im Gegenzug über Gästelistenplätze, Promo-Vinyl oder ähnliches.

Dankbarkeit

Aber egal, ob Geld oder Sachwerte im Spiel sind, als Label und Künstler (und auch Unternehmen) sollte man dankbar sein. Es ist doch überhaupt kein Problem, eine nette E-Mail zu schreiben, Blogbeiträge in den eigenen Social Media Netzwerken zu teilen. Das ist so einfach wie gut. Und auch als Blogger darf man ruhig mal dankbar sein. Blogger Relation beinhaltet Beziehung und Beziehung ist immer zweiseitig. Schließlich sitzen auch beim Label oder der Agentur nur Menschen, die sich genauso über ein Lob freuen wie ich.

Als Blogger sollte man auch mal einer Agentur etwas zurückgeben.

Warum nicht mal die Guten beim Namen nennen? Spezielle Anfrage an Uwe Kaa, Irievibrations Records, Ronny Trettmann, Don Bonn, Michael Comba (Irie Révoltés) und alle anderen, die Blogger Relations verstanden haben.

Nils

Nils

Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: socialdread (at) googlemail (dot) com. | Alle Beiträge

2 Kommentare zu “Blogger Relations und Musik

  1. Pingback: Aufruf zur Blogparade “Blogger Relations” | Mike Schnoor

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