Liebes YAAM (ein offener Brief)

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Liebes YAAM, zum Glück liegen die Ereignisse schon ein paar Stunden zurück, die mich zu diesem offenen Brief veranlassen. Andernfalls hätte meine eigene Blacklist meinen Artikel gesperrt. Ich war gestern Abend in schlimmer innerer Verfassung. Ich bin nicht einmal sicher, ob du daran Schuld bist.

Seit Tagen freute ich mich auf die Sound System Show von Johnny Osbourne und Lone Ranger. Ich liebe diese Jungs, habe sie bisher aber nur auf Platte gehört. Das gestrige Konzert bei dir war ein Pflichttermin für mich. 21 Uhr Einlass. 22 Uhr Start. Das kann ich als Angestellter schon mal machen, so unter der Woche. Für Berliner Verhältnisse war ich relativ pünktlich gegen 21.30 Uhr bei dir. Für Berliner Verhältnisse warst du normal gefüllt – also kaum.

Zu meiner Überraschung änderte sich dieser Zustand ziemlich schnell. Du warst kurz nach 22.00 Uhr bis hinten voll. Gut, dachte ich, spielt der Barney Millah im Warm-up noch eine Viertelstunde großartige Lieder und dann geht es los. Soul Stereo übernimmt das Mischpult, Johnny und der Ranger nehmen dich eineinhalb bis zwei Stunden auseinander. Ich fahre nach Hause und habe noch genug Schlaf, um ausgeruht zur Arbeit zu kommen.

Aber nein. Es wurde 22.30 Uhr und ich musste mir immer noch anschauen, wie Barney ein Notebook bedient. Es wurde 23 Uhr, es blieb dasselbe Bild, nur ich wurde immer frustrierter. Ich war nicht gekommen, um Barney Millah zu sehen. Das kann ich in Berlin fast jedes Wochenende haben. Ich war gekommen, um Johnny Osbourne und Lone Ranger zu erleben.

Eineinhalb Stunden nach dem offiziellen Start kamen sie endlich und spielten eine unfassbare Show. Ich hätte sie gern komplett gesehen, musste aber schon früher los, wegen der Arbeit am nächsten Tag. Und auf dem gesamten Radweg Richtung Pankow fragte ich mich: Warum werden die Zeiten auf deinen Flyern nicht eingehalten?

Wenn das am Wochenende passiert, in Ordnung. Unter der Woche wäre eine halbe Stunden auch akzeptabel. Mir ist auch klar, dass das Berliner Publikum – wie oben bereits erwähnt – oft lange auf sich warten lässt und niemand vor halber Halle spielen möchte. Aber warum geht es nicht los, wenn du voll bist? Liegst das an dir? Liegt das am Veranstalter? Liegt das an den Künstlern?

Liebes YAAM, ich weiß, du hast momentan ganz andere Sorgen. Aber vielleicht lässt es sich einrichten, dass Konzerte von Montag bis Donnerstag einigermaßen pünktlich beginnen. Ich besuche dich doch so gern, habe aber keine Lust, immer nur die Hälfte mitzubekommen.

Mit freundlichen Grüßen,

Socialdread

Ps: Liebe Leser, mich würde sehr interessieren, wie das in eurer Stadt läuft und ob es diese „soon come“ Mentalität auch bei Konzerten anderer Genres gibt? Ich freue mich auf den Austausch.

Nils
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

5 Gedanken zu „Liebes YAAM (ein offener Brief)

  1. Das nervt mich auch total,auch am Wochenende. Ich habe nichts gegen 1 bis 1,5 h Stunden Verspätung,aber alles was darüber geht,finde ich schlichtweg scheiße.

  2. verspäteter Konzert-Anfang ist zum Kotzen !!
    zu:David (posting einen drüber)
    1-1,5 Std Überfälligkeit ist nicht akzeptabel !!

    Ich mußte wg verspät. Anfang schon viele Konzerte frühzeitig bzw. nach der Vorgruppe verlassen.
    bzw bin gar nicht hingegangen weil vorher „ca.“ – Angabe war und vorher 2 Soundsys. angekündigt wurden.

    Ist es affiges Star-Getue von den Musikanten ?!
    Natürlich, manche Wurst meint es damit spannend zu machen;
    macht diese aber nur unsympatisch !

    Oft ist es der „Saal-Geber“ der sagt, laßt euch Zeit (dann laufen noch ein paar mehr Bier durch).

    Max. 15 Min akzeptiere ich!

    Ich/wir gehen nur noch Freitag/Samstag ins Konzert.!
    (5-10 Club-Konzerte im Jahr mit Bus + Bahn erreichbar; max 30km Umkreis)

    (wird Zeit das mal gegen verspät. Anfangszeiten geklagt wird !
    siehe Justin Biber: die Teenies tun mir wirklich leid ! Verarsche hoch3)

  3. jua, mit vorgruppen kann es schonmal ein 1, 2, 3 stunden dauern bis der hauptact auf der bühne steht. ohne sehr gute mitstreiter kann das gut frustrieren. (oder wie es torch mal machte; einfach 3-4 krachervorgruppen dahin stellen, gegen halb 3 auf die bühne kommen und trotzdem alles abbrennen. :)

    aber ich versteh da deine logik nicht so ganz. wenn da vorne eine hammershow tobt, denke ich eigentlich nicht ans gehen. und wer nicht gerade chirurg, busfahrer oder sowas ist, kann doch mal müde auf arbeit anschlurfen, oder?

  4. Hallo lieber „Socialdread“ und danke für deinen Brief!
    Wir haben im Yaam tatsächlich (wie in vielen Berliner Clubs) oft das Problem der verzögerten Anfangszeiten bei Konzerten. Wie du ja selber schon vermutet hast, liegt es an unterschiedlichsten Gründen – mal ist einfach zu wenig los (die Berliner tun sich oft schwer vor 0uhr überhaupt auszugehen) und man möchte die Band nicht vor leerem Haus spielen lassen, mal verspäten sich die Musiker, etc…
    Am Donnerstag war es tatsächlich so dass die Jungs erst sehr spät in Tegel gelandet sind (21:30!) und der Veranstalter Mühe hatte sie ohne zu langem Aufenthalt im Hotel weiter ins Yaam zu schleusen… Dann noch der obligatorische Henessy im Backstage getrunken um in den Mood zu kommen und dann war es doch schon etwas später als die beiden bereit waren für Showtime… Für ihr Alter zwei superfitte Herren und total sympatisch und entspannt, aber ist dann eben doch ein etwas zu tighter Zeitplan gewesen.
    Es tut uns Leid für alle die am nächsten Tag arbeiten mussten und unter dem späten Konzertanfang gelitten haben – hat sich aber trotz allem wirklich gelohnt, denn die Show war einmalig! Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an Veranstalter, Musiker und Gäste, dass ihr diesen unvergesslichen Abend im Yaam möglich gemacht habt!
    Wir werden weiterhin unser bestes geben die angekündigten Zeiten auch einzuhalten! Ihr könnt uns dabei unterstützen indem ihr pünktlich kommt ;)
    One Love

    1. Liebe Lea,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Johnny Osbourne und Lone Ranger waren wirklich unfassbar gut. Jetzt kann ich auch ein bisschen besser nachvollziehen, warum es später los ging. Wenn man vor der Bühne steht und keine Informationen hat, sieht die Welt ganz anders aus. Vielleicht wäre es an solchen Abenden hilfreich, wenn der Warm-up Deejay einfach mal ans Mikrofon geht und ansagt: „Die Jungs sind gerade erst gelandet. Geht leider etwas später los“. Das schafft zumindest bei mir mehr Verständnis für die Situation.

      Eine Liebe ;)

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