GEMA, ein Verstehversuch

GEMA

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Wem nützt die GEMA und andere Unklarheiten.

An der GEMA komme ich als musikalischer Blogger nicht vorbei. Ja, ich bin auch genervt, wenn ich mir auf YouTube ein Video anschauen möchte und nur sehe: „Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar …“ Dann lese ich neulich beim Kotzenden Einhorn und Kraftfuttermischwerk, dass die mir unbekannte, aber wohl äußerst beliebte Sendung „Space Night“ eingestellt werden soll. Warum? Wegen neuer Tarife der Verwertungsgesellschaft.

Ich gestehe, dass ich mich bisher nicht wirklich mit der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte beschäftigt habe. Das muss ich ändern, denn die einseitige Diskussion ist mir zu langweilig. Vor ein paar Tagen tauschte ich mich mit meinen House of Reggae Fans auf Facebook über die Verwertungsgesellschaft aus. Sehr interessant, weil sich nicht nur Kritiker, sondern auch Fürsprecher gemeldet haben.

Warum eigentlich GEMA?

Zunächst war mir gar nicht klar, für wen die GEMA relevant ist: Komponisten, Textdichter und Musikverleger (Label). Darunter fallen natürlich auch alle Artists und Bands, die selbst Texte oder Lieder schreiben. Die Verwertungsgesellschaft sorgt dafür, dass die Genannten Geld bekommen, wenn ihre Musik oder Texte öffentlich gespielt werden.

Eigentlich eine gute Idee. In den Anfangsjahren des Reggae war es ja nicht unüblich, für einen Tune ein bisschen Essensgeld zu bekommen. Wenn der dann ein Hit wurde, verdiente der Schreiber gar nichts mehr. Jeder Künstler kann sich schnell ausrechnen, ob sich eine Mitgliedschaft lohnt. Einmalige Aufnahmegebühr + jährlich 25,56 Beitrag. Wenn du das wieder rein bekommst und noch ein bisschen oben drauf, passt es schon.

GEMA vs. YouTube

Wie bereits erwähnt, nervt es mich, wenn Videos auf YouTube mit der GEMA-Begründung gesperrt werden. Der bekannte Hintergrund ist, dass das Videoportal nicht den von der GEMA geforderten Betrag pro View bezahlen möchte. Entsprechend bekommt YouTube nicht die Nutzungsrechte und darf die Videos nicht zeigen.

Klingt logisch. Was YouTube dann als Entschuldigung einblendet, ist Propaganda. Die GEMA ist, soweit ich recherchiert habe, die einzige europäische Verwertungsgesellschaft, die sich nicht von der weltgrößten Videoplattform abzocken lassen möchte. Leider steht sie damit häufig ihren Mitgliedern im Weg, die sich über jeden Klick unter dem Video freuen.

Warum bekommt David Guetta mehr als Ganjaman?

Diese Frage kam in der Facebook-Diskussion auf. Dazu muss ich zunächst sagen, dass Ganjaman meiner Meinung nach gar kein GEMA-Künstler ist. (Mir wurde stichhaltig bewiesen, dass Ganjaman doch GEMA-Artist ist.) Vereinfacht also: Warum bekommen Stars mehr als kleine Musiker, obwohl sie den gleichen Beitrag zahlen? Weil es bei der GEMA nicht auf die Qualität der Musik ankommt, sondern auf die Reichweite.

Wenn ein David Guetta wöchentlich Auftritte hat, im Club genauso gespielt wird wie im Radio und mehrere tausend CDs verkauft, bekommt er eben auch mehr als ein unbekannter Musiker, der vielleicht vier Mal im Jahr ein Konzert gibt.

Gute Idee, schlecht verkauft

Für Texter, Komponisten und Labels ist die GEMA aus meiner Sicht eine gute Idee. Sie verkauft sich jedoch extrem schlecht. Allein der Erklärungsversuch, was ein Konzert und was eine Party ist, spricht Bände. Durch den Tarifdschungel habe ich mich gar nicht erst geklickt. Und die Tarifreform 2013 ist nochmal ein ganz anderes Thema. Auch wäre es gut zu wissen, wie viel von den Lizenzgebühren tatsächlich an die Mitglieder ausgeschüttet werden?

Nachtrag vom 1. Februar 2013: GEMA vs. Stern

Gerade habe ich beim Kraftfuttermischwerk einen neuen Blogbeitrag zum Thema GEMA verklagt YouTube gefunden. Hintergrund: Die Verwertungsgesellschaft will, dass das Videoportal diese Propaganda-Entschuldigungs-Anzeige abschafft. Der Stern hat dazu eine Bildergalerie mit seiner Meinung nach satirischen Vorschlägen veröffentlicht. Daraufhin veröffentlichte die GEMA einen offnen Brief an die Chefredakteure des Stern.

Und nun, nun machen sich natürlich wieder alle über die GEMA lustig. Ich frage mich hingegen: Was wollt ihr eigentlich? Ich zitiere Philipp Grütering, Sänger der Band Deichkind. In einem Interview mit DIE WELT sagte er:

Wir sind bei der Gema, denn wir wollen Geld mit unserer Musik verdienen.

Ganz genau. Viele eurer Lieblingsbands oder -künstler sind dort Mitglied, um Geld zu verdienen. Das machen sie ganz freiwillig. Aus meiner Sicht vertritt die GEMA nur die Interessen ihrer Mitglieder und versucht das Beste für sie rauszuholen. Was, wie bereits weiter oben geschrieben, gerade im Fall YouTube eher kontraproduktiv ist. Offenbar sind die meisten Mitglieder dennoch sehr zufrieden mit dem, was für sie gemacht wird. Oder gab es schon einen Aufschrei und massive Austritte seitens Songschreiber, Komponisten und Labels? Zumindest mir ist nichts bekannt.

Mein Vorschlag: Schreibt euren Lieblingsbands etc. doch mal auf die Facebook-Fanseite, dass sie sich bitte bei der GEMA abmelden möchten, damit ihr ihre Videos kostenlos auf YouTube anschauen könnt. Bin gespannt auf die Reaktionen.

Eure Meinung

Sollte ich Sachverhalte falsch verstanden oder dargelegt haben, bitte ich um Aufklärung. Und noch mehr interessiert mich eure Meinung zum Thema GEMA. Schreibt sie in die Kommentare.

8 Kommentare zu “GEMA, ein Verstehversuch

  1. Jonathan Jaschinski
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    Ich habe in der F.A.Z. gelesen, dass die 4 größten Labels EMI, Sony BMG, Warner und noch jemand 3/4 der Einnahmen bekommen und fast die alleinige Entscheidungsgewalt in der GEMA haben, und nur der Rest an die Indie-Labels und Künstler geht. Aber an sich ist die GEMA eine gute Idee um zu gewährleisten, dass die Künstler sich ganz auf die Musik konzentrieren können, indem sie angemessen entlohnt werden. Dass Youtube versucht die GEMA abzuzocken kann ich mir im Übrigen auch gut vorstellen. Wahrscheinlich wäre eine Reform der GEMA mal vonnöten..

     
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  2. Socialdread Socialdread
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    @Jonathan Vermutlich liegt das daran, dass die erfolgreichsten Künstler mit den größten Reichweiten bei den vier großen Labels unter Vertrag sind ;)

     
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  3. Flo
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    Du hast es soweit richtig verstanden das mit der GEMA.

    Wie dieser Verein (!) allerdings aufgebaut und strukturiert ist, ist etwas komplexer. Es gibt zum Beispiel 3 Stufen der Mitgliedschaft und auch die Auszahlung der Tantiemen ist etwas komplexer. Hier bringt es zum Beispiel auch nichts wenn ein Song nur in München gespielt wird (als Beispiel). Denn es kommt nicht nur auf die Häufigkeit eines gespielten Songs an sondern auch um die geographische Abdeckung in der das Lied gespielt wird. Das ist ein bedeutender Punkt in der Abrechnung.

     
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  4. Flo
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    Generell ist die gute Institution (vom Grundgedanken). Aber wie sie es machen bzw. wie sie sich in den letzten Jahren präsentieren und ihre „Verluste“ die sie eingefahren hat weil sie eben nicht rechtzeitig auf „moderne“ Kommunikationsmittel eingegangen ist bzw. beachtet hat, ist mehr als schlecht.

     
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  5. Socialdread Socialdread
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    @Flo Bezüglich der Mitgliedschaften habe ich nur die Info gefunden, dass es zwei unterschiedliche Gruppen gibt: Texter und Komponisten oder Musikverleger (Label).

     
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  6. dave
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    Aus meiner Sicht viel zu vereinfacht dargestellt! Tolles Fazit: An sich ist eine Verwertungsgesellschaft sinnvoll und wichtig für die Künstler…
    Trotzdem bleiben viele gute Gründe die GEMA zu hassen! Für Künstler, Produzenten und kleine Verleger wie für DJ´s, Klubgänger und Youtube-Nutzer. Die Umverteilung ist einfach defakto unfair und bevorzugt nur die Großen. Einen GEMA-Artikel zu verfassen ohne auf diese Haarsträubenden Ungerechtigkeiten in den Verteilerschlüsseln ein zu gehen, ist aus meiner Sicht einfach nur schlecht recherchiert oder genauso Propaganda wie die Youtube Bilder.

     
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    1. Socialdread Socialdread
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      @Dave Tatsächlich habe ich mich nicht detailliert in die Umverteilung reingearbeitet. Wenn du genauere Daten hast, teile sie gern mit mir. Klar dürfte sein, dass Leute, die mehr gespielt werden, auch mehr bekommen.

       

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