Black Roots: On The Ground (Album Review)

Kategorien Gute Musik
Black Roots / On The Ground (Sugar Shack Records)
Black Roots / On The Ground (Sugar Shack Records)
Black Roots / On The Ground (Sugar Shack Records)

Die Black Roots aus Bristol haben nach 20 Jahren das neue Album „On The Ground“ aufgenommen – und klingen im positivsten Sinne nach ihren Anfangsjahren. Roots Reggae galore.

Langsam verliere ich den Überblick über das, was Mike Darby und seine Crew da drüber in Bristol machen. Vor einiger Zeit starteten die Briten mit dem Label Bristol Archive Records und einer Mission:

„We aim to showcase music from the diverse Bristol Music scene and provide a historical account / document of all things Bristol that should never be forgotten. Many of the artists and releases are rare, unknown or never before released.“

Hauptsächlich konzentrieren sie sich auf Post Punk und Reggae, von den 1970er Jahren aufwärts. Anfangs fragte ich mich: Bristol, knapp 500.000 Einwohner – warum braucht man ein eigenes Label, um die Reggae Geschichte dieser Stadt aufzuarbeiten?

Black Roots sind zurück aus der Vergangenheit

Seit ich die zweite Ausgabe der „The Bristol Reggae Explosion“ besitze, kenne ich die Antwort. Bristol platzte vor talentierten Sängern und Bands. Weil die „Explosion“-Reihe so erfolgreich ist, haben Darby und sein Team nun diverse Sub-Labels gegründet, auf denen sie Alben und Singles dieser Talente wieder- und neu veröffentlichen.

Eines dieser Sub-Labels ist Sugar Shack Records. Eine dieser talentierten Bands sind die Black Roots, die sich 1979 in Bristol zusammenfanden. Die ursprünglich acht Musiker nahmen zehn Alben auf. Mitte der 1990er verschwanden sie aus Augen und Ohren. Nach 20 Jahren haben sie wieder zueinander gefunden und das unglaubliche Album „On the Ground“ aufgenommen.

Schwer wie ein Schmetterling

Unglaublich, weil es klingt, als hätte jemand die Black Roots in ihren Anfangstagen mitten in der Aufnahme eingefroren, jetzt wieder aufgetaut und einfach weiterspielen lassen. Jamaikanischer Roots Reggae aus den 1970ern ist Vorbild, aber der Bass mindestens zehn Kilogramm schwerer. Dennoch erscheint die Musik sehr leicht. Der Harmonie-Gesang sitzt, die Bläser kommen und gehen majestätisch elegant.

Und dann haben die Black Roots auch noch was zu sagen. Bestes Beispiel dafür ist „Capitalism“. Klingt musikalisch nach Schmetterling über der sommerlichen Blumenwiese, lauem Wind, Pavillon im Garten. Und während man schunkelt und mit summt, dringt die Botschaft ins Bewusstsein. Bittere Medizin verabreicht auch der Arzt auf dem Zuckerwürfel. Der Anziehsachenhändler meines Vertrauens schrieb mir auf Facebook:

„Hab die Jungs auf dem Sardinia Reggae Festival gesehen und wenn die Scheibe nur halb so gut wie der Auftritt ist, haben wir eine neue Platte des Jahres!“

Lieber Torsten, die Platte des Jahres ist bei mir schon vergeben: First Light „Jugdement Time“. Die Black Roots spielen in der Jahresendabrechnung aber definitiv ganz oben mit.

Mehr Meinungen zu „On The Ground“ findet ihr bei Louder Than War.

Trackliste: Black Roots / On The Ground

  1. I Believe
  2. Pompous Way
  3. Long Long Ago
  4. Militancy
  5. Earth Land
  6. I am Flying
  7. Slavery
  8. Oh Mama Africa
  9. Hide Out
  10. On The Ground
  11. Call Me Out
  12. No Fee
  13. Struggle
  14. Landscape
  15. Without Direction
  16. Capitalism
  17. Come And Sing

Black Roots im Plattenladen

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

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