Stereo Luchs im Interview

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Stereo Luchs

In den vergangenen Jahren schlich sich der Stereo Luchs immer mal wieder neben Phenomden aus dem Gebüscht. Jetzt steht einer meiner Lieblingsartists aus der Schweiz bald allein auf der Lichtung. Zeit für ein längst fälliges Interview.

Hallo Silvio, bitte stell dich kurz vor.

Erstmal vielen Dank für die Anfrage und deinen Support. Kurz: Ich komme aus Zürich, heiße Stereo Luchs und mache seit ein paar Jahren Reggae und Dancehall auf Schweizerdeutsch.

Ich habe dich zum ersten Mal auf Phenomdens Album „Style Generator“ (2007) gehört. Waren das deine ersten Aufnahmen?

Der erste offizielle Release war etwas vorher, eine Kombination mit Phenomden auf Pioneers „Rodeo Europe“ Sampler: „Füür“, damals noch unter meinem Selector Namen (Silokko, Anm.). Danach machten wir „Style Generator“. Ein paar Songs aufgenommen habe ich schon früher. Die blieben alle auf der Harddisk liegen. Wahrscheinlich auch besser so.

Wie bist du überhaupt zu Reggae und Dancehall gekommen?

Ich habe als Jugendlicher vor allem Rap gehört. Dazu kamen die üblichen verdächtigen Reggae und Dancehall Artists, die man halt kannte. Irgendwann begann das für mich immer interessanter zu werden. Ende der 1990er lief recht viel in Zürich, mit Sounds wie Boss Hi-Fi und Ali Baba, die häufig spielten.

Stereo Luchs

Es gab zu der Zeit viele Artists live zu sehen. Wir hatten Vibes auf den Dances und begannen Platten zu kaufen. 2001 habe ich mit einem Freund den Sound Vibes Galaxy gegründet und war da Selector. Phenomden hat seine ersten Songs bei uns am Sound performt.

Wie hast du Phenomden kennengelernt?

Wir kennen uns seit der Schulzeit und generieren Vibes seit damals. Er supportet mich und ich supporte ihn so gut das immer geht. True Friend!

Wenn ich richtig recherchiert habe, war nach „Style Generator“ vier Jahre Pause. 2011 warst du auf dem „Tonight Riddim“ von Silly Walks. Außerdem hast du wieder einen gemeinsamen Tune mit Phenomden auf dessen Album „Eiland“. Warum hat man vier Jahre nichts von dir gehört?

„Style Generator“ war ein Spaßprodukt und entstand größtenteils bei uns zuhause im Keller. Ich sah das nicht wirklich als ernsthaften Artist-Start.

In diesem Jahr bist du vergleichsweise aktiv: ein neuer Tune für das „Helvetia Connection“ Mixtape von Boom Di Sound, auf Youtube kreist ein DnB Remix von „Was Isch Los“. Du hast dein eigenes Label „Pegel Pegel!“ gegründet und die selbstproduzierte Single „Under Mim Guinness“ veröffentlicht. Nimmst du die Musik jetzt ernster?

Ich glaube nicht, dass ich die Musik früher weniger ernst genommen habe, eher meine Perspektive als Artist. Ich habe der Sache nicht zuletzt aufgrund von positiven Feedbacks im letzten Jahr noch mehr Zeit und Priorität gegeben. So bald man mehr Zeit in etwas investieren kann und sieht, was dabei herauskommen kann, motiviert das extrem.

Stereo Luchs - Under Mim Guinness (Pegel! Pegel!)

Zurzeit bin ich an einem Album und habe mit den The Scrucialists noch ein kleines Nebenprojekt am Laufen. Ich werde mich dabei nicht auf ein Genre oder einen Stil beschränken. Alte Schule, neue Schule, jede Schule. In letzter Zeit nervt mich die „früher vs. heute“ Musikdiskussion etwas. Ein guter Tune ist ein guter Tune, egal ob mit Plastiksnare und Autotune oder Liveband und Space-Echo.

Gibt es eine Grund, weshalb du nicht wie Phenomden über One Ton veröffentlichst, sondern auf deinem eigenen Label?

Es gab keinen eigentlichen Grund, es nicht auf One Ton zu machen. One Ton ist ein cooles Label mit viel Erfahrung und, so viel ich weiß, das erste der Schweiz mit Fokus auf Reggae. Ich hatte aber einfach Bock etwas eigenes aufzuziehen. Das bot sich an, da wir den größten Teil eh selbst produzieren und ein vernünftiges Studio zu Verfügung haben. Die deutschsprachige Schweiz ist klein und somit die Nische für den Sound, den ich mache, umso kleiner. Dadurch ist es einigermaßen überschaubar und man kann das Zeug auch selbst machen.

Im Forum auf Dancehallmusic.de schrieb jemand, dass 2013 eine Stereo Luchs EP kommen soll.

Das stimmt nur halb. Es wird ein Album sein.

Wirst du vor dem Album noch etwas veröffentlichen?

Es sollte noch die eine oder andere Riddim Selection erscheinen, und dann sicher eine standesgemäße Album Single im Vorfeld.

Was ich abschließend gern wissen würde: Gibt es bei euch auch Frauen, die Reggae auf Schweizerdeutsch machen?

Ehrlich gesagt fällt mir gerade keine ein. Ich denke aber in der nächsten Zeit wird man von einigen neue Artists hören. Empfehlen kann ich Alina Amuri, eine sehr begabte Soul Sängerin, die in ihrer Musik auch Reggae einfließen lässt.

Under Mim Guinness

Stepp Usem Reservat

Phenomden & Stereo Luchs – Stadt



Jetzt bleibt mir nur noch zu sagen: Folgt dem Luchs auf Facebook, Soundclound und natürlich auf seine Website und auf Pegel Pegel!

Nils
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

5 Gedanken zu „Stereo Luchs im Interview

  1. Vibes Galaxy hat mich damals auf dem DHM Link Up in Bern schon sehr beeindruckt.
    Wusste garnicht das Luchs der Selector war.
    Hatte mir damals die Nr. des MCs besorgt um sie mal nach DE zu buchen.
    Schade das es den Sound anscheinend nicht mehr gibt.

  2. Frauen im Schweizer Reggae sind sehr rar. Janaa ist daran ein eigenes Album aufzunehmen, das braucht aber noch Zeit. Im Internet finden man sie nur unter Lion Räbi & Janaa

    lg Sami D (Kulturattentat)

    1. @Iriesami Vielen Dank für den großartigen Tipp. Lion Räbi und Janaa gefallen mir sehr. Wer ihn auch hören will, hier klicken . Bin jetzt schon gespannt auf das Album.

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