Interview: Uwe Kaa ist „Endlich Single“

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Uwe Kaa? Das ist doch der von den Roots Rockers aus München. Richtig, wenn auch nicht mehr ganz. Denn seit einiger Zeit ist der Reggae-Sänger auch allein unterwegs und hat mit „Dancehall Story“, „Wunderschön“ und „Nie Genug“ einige Hits auf dem Konto. Ende Oktober erscheint sein Solo-AlbumEndlich Single“ (Irievibrations Records). Was dich auf der Platte erwartet und was es für Uwe Kaa heißt Single zu sein, liest du im Interview mit Houseofreggae.de.

Houseofreggae (HoR): In diesem Jahr feierst du gleich zwei Jubiläen: Zehn Jahre Roots Rockers Soundsystem und dein Solo-Debüt „Endlich Single“.

Uwe Kaa: Genau. Passender Weise erscheint am 31.10. nicht nur mein Solo-Album, sondern auch der neue Clubwise-Mix des Soundsystems. Ein Double-Feature sozusagen, nachdem wir uns für alles ziemlich viel Zeit gelassen haben.

HoR: Anscheinend hast du den richtigen Moment abgepasst, denn deutscher Reggae steht 2008 hoch im Kurs. Ganjaman, Kimoe und Mono & Nikitaman haben bereits viel beachtete Alben veröffentlicht. Du legst im Oktober nach. Kann man mit dieser Musik hierzulande eigentlich den Schuhschrank seiner Freundin füllen?

Uwe Kaa: Das kommt auf die Ansprüche der jeweiligen Freundin an. Von den Tonträger-Verkäufen alleine mit Sicherheit nicht. Da spielt Vieles zusammen: Veröffentlichungen, Live-Shows, Merchandising und so weiter.

HoR: Und wie sieht es mit dem Dubplate-Business aus?

Uwe Kaa: Ich selbst voice natürlich Dubplates. Da aber Deutsch als Sprache nicht so universell einsetzbar ist wie Englisch oder Patois, beschränkt sich mein Wirkungskreis doch eher auf Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zwar hab ich schon für Bass Odyssey aus Jamaika und Rootsman aus England Dubs aufgenommen, aber das gehört zu den Ausnahmen. Das Dub-Business ist in Deutschland für die Artists nicht so existenziell wie auf Jamaika. Hier bei uns wird wohl keiner dauerhaft und ausschließlich davon leben können.

HoR: Du bist inzwischen wahlweise mit der Oneness Band oder dem Roots Rockers Soundsystem unterwegs. Liegt dir beides gleichstark am Herzen?

Uwe Kaa: Auf jeden Fall. Beides hat seine ganz eigenen Reize. Bei einem Konzert spiele ich meine eigene Musik, kann die Reaktionen des Publikums auf die einzelnen Songs aufnehmen und unmittelbar darauf reagieren: das passiert durch spontane Textänderungen oder was auch immer mir gerade einfällt. Es ist sehr direkt. Bei einer Party mit dem Sound bedienen wir uns hingegen primär aus unserem Fundus an „fremder“ Musik und legen diese für die Leute auf, die dann gemeinsam mit uns dazu feiern.

Uwe Kaa
Uwe Kaa (c) Christian Böhm

HoR: Hat sich in den letzten zehn Jahren eigentlich viel bewegt in der deutschen Reggae-Szene?

Uwe Kaa: Einiges. Natürlich war früher alles besser, weil wir zunächst mal alle noch jünger waren. Inzwischen wird hiesige Reggae-Musik ernst genommen, damals hatten sogar noch die mittlerweile im Mainstream erfolgreichen deutschen Hip-Hopper um ihre Daseinsberechtigung zu kämpfen. Die Szene selbst ist transparenter geworden, viele Artists sind gekommen, ein paar geblieben und sehr viele sind wieder gegangen. Alles ist viel schnelllebiger. Heute ein Hit, der morgen niemanden mehr interessiert.

Vor zehn Jahren verkaufte man auch noch einiges mehr an Schallplatten und CDs, heute darf man froh sein, selbst mit minimalen Produktionskosten über den digitalen Vertriebsweg seine Ausgaben einzuspielen. Durch das inzwischen allgegenwärtige Internet hat sich bei vielen der Eindruck festgesetzt, Musik sei umsonst und für jeden kostenfrei zugänglich, da man theoretisch komplett ohne physische Tonträger auskommt.

HoR: Bietet das Internet nicht auch eine Chance, neue Käufer zu erreichen. Du selbst lädst auf deiner Myspace-Seite ja auch immer wieder neue Songs hoch.

Uwe Kaa: Sicher. Das Netz bietet da schon viele Möglichkeiten. Gleichzeitig wird es für den Endverbraucher nicht gerade einfacher, sich seine Rosinen raus zu picken, da das Angebot an Künstlern und deren Musik nahezu unendlich ist. Das Schöne dabei ist aber, dass der Hörer wieder mehr gefordert wird und selbst aktiv werden kann. Er muss sich nicht mehr alles gefallen lassen was ihm der Mainstream anbieten will, sondern kann sich einfach über simple Wege seine persönlichen Alternativen und Favoriten suchen. Das kommt wiederum auch den Künstlern ohne zahlungskräftiger Maschinerie im Rücken zugute.

HoR: Kommen wir mal zu deinem Album. „Endlich Single“, das klingt stark nach einem Befreiungsschlag.

Uwe Kaa: Ist es letzen Endes auch. Zunächst war es mir wichtig, nach außen hin als Artist meine eigene Identität zu bekommen. Die „Dancehall Story“ war für diesen Prozess wohl der triftigste Grund und Auslöser. Der Tune wurde eigentlich unter dem Pseudonym „Roots Rockers“ veröffentlicht, so wie auch die anderen Artist-Releases davor. Die Szene hat ihn aber direkt als „Uwe Kaa“ Tune angenommen und so wurde er dann – wenn auch unabsichtlich – promotet. Sounds fragten plötzlich den Uwe Kaa um Dubplates, nicht mehr die Roots Rockers, was so auch stimmt, weil ich beim Sound der Einzige bin, der singt und Dubplates voicen kann.

Dennoch war es für viele Konsumenten schwierig, zu differenzieren, wer denn jetzt eigentlich was ist und macht. Zum Teil wurde der Sound für einen Juggling-Dance gebucht, die Partygäste erwarteten aber eine Live-Show, weil alles unter dem gleichen Namen stattgefunden hat. Heute ist es so, dass Uwe Kaa der Artist ist, Live-Shows spielt und Tunes veröffentlicht. Die Roots Rockers sind weiterhin ein DJ-Team und Soundsystem, das Partys beschallt und Mixes macht. Und genau so soll es auch sein.

Für mich selbst hat sich auch einiges geändert: den Major-Vertriebs-Deal mit Sony/ BMG gibt’s nicht mehr und von meinem damaligen Label Chet Records habe ich mich getrennt. Plötzlich stand ich ganz schön alleine auf weiter Flur. Ich sagte mir aber „okay, jetzt erst recht“ und habe angefangen, auf Riddims von verschiedenen Produzenten neue Song-Layouts zu machen. Ich glaube, es waren an die 30 Entwürfe, von denen es jetzt knapp die Hälfte als fertige Songs auf das Album geschafft hat.

Der Titel „Endlich Single“ spielt natürlich ein bisschen auf diesen Prozess an. In einer Beziehung geht man durch Höhen und Tiefen, und wenn man an einen Punkt kommt, an dem es nicht mehr weiter geht, ist es am Besten, sich zu trennen oder etwas Entscheidendes an der Situation zu ändern.

Uwe Kaa (c) Christian Böhm
Uwe Kaa (c) Christian Böhm

HoR: Du hast deine neue Freiheit genutzt und gleich ein halbes Dutzend Produzenten für dein Album verpflichtet: Andybee, DJ Chrome, Jstar, Scrucialists, Oneness Band, Irievibrations Records. Was können wir von dieser Mischung erwarten?

Uwe Kaa: Jeder der Producer hat seinen ganz eigenen Sound und Style. Meine Stimme ist dabei der rote Faden, der durch die Produktionen auf dem Album führt und sie zusammenhält. Ich bin überaus happy, dass die genannten Leute alle mit dabei sind, sozusagen meine Wunschauswahl, mein „Dream-Team“. So unterschiedlich und abwechslungsreich die Produktionen auch sind, das Album klingt sehr ausgewogen, auch wenn es zum Teil in verschiedenen Studios aufgenommen und produziert wurde. Der Sound reicht von Modern Roots über Dancehall und R&B bis hin zu Baltimore-artigen Beats und das, obwohl „Endlich Single“ zweifelsohne ein Reggae-Album ist.

HoR: Der Schweizer Phenomden ist als einziger Gast mit dabei. Ein großer Unterschied zu deinem Roots Rockers Album „Tanzen und Schrei’n“, auf dem mehr als die Hälfte der Tracks von anderen Sängern gefeatured wurden.

Uwe Kaa: Richtig. Eigentlich wollte ich bei dem Album gänzlich auf Features verzichten und getreu dem Titel zeigen, dass ich es auch alleine kann. Da ich aber ein großer Phenomden-Fan bin und wir uns gut verstehen, musste dieses Feature einfach sein.

HoR: Mit Phenomden scheint dich noch mehr zu verbinden. Der Tune „Das Mic“ hätte gut auf sein Album „Style-Generator“ gepasst, mit dem er im letzten Jahr den digitalen Dancehall der 80er Jahre wiederbelebt hat.

Uwe Kaa: Nun, „Das Mic“ ist ein Tune, den Jstar aus London produziert hat. Als mir Jstar den Riddim vorgespielt hat, wusste ich sofort, welchen Style ich Gesangs- und Lyrics-mäßig darauf machen will. Es ist auf jeden Fall London-England-UK-Digital-Style. So Zeug hör ich auch privat sehr gerne.

HoR: Songs wie „Tut Gut“, „Nie Genug“ und „Das Mic“ machen vor allem Spaß. Gibt es auch eine ernste Seite von Uwe Kaa?

Uwe Kaa: Natürlich gibt es die, aber ich fang mal so an: Für mich soll Musik in erster Linie Spaß machen, und da ich selbst ein lustiger Typ bin, versehe ich meine Texte gerne mit einem Augenzwinkern. Ich bin aber definitiv nicht der, der sich jetzt ´nen Stempel mit der Aufschrift „Spaß-Reggae“ verdienen will. Um Spaß auch als solchen zu verstehen, muss man den eigentlichen Ernst einer Sache erkennen können. Somit ist in jedem auch noch so lustigen Song eine ernste Kernaussage zu finden. Gleichzeitig gibt es auf dem Album mindestens eine handvoll Songs, bei denen es nicht um Fun und Halli-Galli geht.

HoR: Wem würdest du denn den Stempel „Spaß-Reggae“ aufdrücken wollen?

Uwe Kaa: Keinem. Dafür nimmt sich doch jeder selbst viel zu Ernst.

HoR: Zusammen mit Andybee und Philipp Radovanovic hast du vor kurzem das Label African Beat Records gegründet. Warum kommt dein Album beim österreichischen Label Irievibrations Records raus?

Uwe Kaa: African Beat Records ist primär als 7“-Single Label gedacht, was unter anderem an der Tatsache liegt, dass Andybee und Philipp gemeinsam das 7“-Presswerk www.my45.de betreiben. Die Vertriebsstruktur ist ebenfalls eher in die 7“-Richtung gelagert, nicht zuletzt durch Philipps Online-Shop und Vertrieb www.africanbeat.de.

Zu den Jungs von Irievibrations hab ich schon seit längerem Kontakt und verstehe mich blendend mit ihnen. Nicht nur, dass Österreicher und Bayern einen ähnlichen Humor haben, auch sonst passen die Teile wie bei einem Puzzle zusammen: Ich hatte ein unfertiges Album und einige Riddims von Irievibrations. Sie wiederum haben mir die Möglichkeit geboten, mein Album in ihrem Studio fertig zu stellen. Die Entscheidung, die LP dann auch bei Irievibrations Records zu releasen, lag also nahe und ich bin sehr froh, dass wir gemeinsam diesen Weg gefunden haben.

HoR: Wohin führt dein Weg in Zukunft? Stehst du in zehn Jahren immer noch auf der Bühne?

Uwe Kaa: Ich hoffe es doch. Ich werde weiterhin die Musik machen, die mir Spaß macht, wie auch gute Musik von anderen Künstlern promoten. Was sich daraus ergibt und wohin der Weg letztendlich führt, wird die Zeit zeigen. Das Leben ist spannend und es gibt noch viel zu entdecken.

HoR: Ein letzter Satz für die Leserschaft?

Uwe Kaa: Tut was ihr wollt, aber macht es richtig. Danke für die Aufmerksamkeit!

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

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