Dubchek: Lee Perry Was Ma Daddy

Kategorien Gute Musik

Dubchek / Down Memory Gap Lane

Mi Momma told mi Lee Perry was ma daddy.“ Das ist eine Aussage. Und sie steht so ziemlich für alles, was Dubchek repräsentiert: musikalisches Improvisationstheater.

Im Sommer habe ich Daniel Whalgren in Schweden kennengelernt. Ein sehr sympathischer Typ, der als Papa Dee großartige Musik macht. Über sein Album „Papa Dee Meets The Jamaican Giants“ habe ich schon geschrieben. Vor einigen Tagen bekam ich zwei CDs seines Projekts Dubchek.

Down Memory Gap Lane

Dubchek, das sind Papa Dee und der Produzten / Songschreiber David Barratt. Ende der 1990er haben sie gemeinsam ein paar Track aufgenommen. Später reiste das Duo damit nach Jamaika, um den Dub Sounds den letzten Schliff zu verpassen. 2001 erschienen die Aufnahme unter dem Titel „Down Memory Gap Lane“.

„Dubchek is all about improvisation freestyle writing and making riddim tracks and lyrics in the moment. Electronic, dub, jazz, madness.“

So beschreibt Daniel das Projekt. Improvisation, anders kann ein Track wie „Lee Perry“ wohl nicht entstehen. Innerhalb von vier Minuten entwickelt sich:

„Mi Momma told mi Lee Perry was ma daddy

Lee Perry told me mi mommy was my daddy.“

Football Dub“ ist ein ähnlicher Höhepunkt. Der Tune funktioniert wie Scooters „Hyper Hyper“, nur langsamer und wesentlich angenehmer. Statt DJs werden die Namen von Fußballern aneinandergereiht. Dennoch ist „Down Memory Gap Lane“ noch ziemlich normal, verglichen zur neuen Dubchek Platte „The Far East End“.

The Far East End

David Barratt verschlug es in der Zwischenzeit von Brooklyn nach Bangkok. Dort hat er mit Papa Dee mal eben das Genre „Dub Thung“ kreiert. Die Zutaten sind einfach: Luk Thung, die Schlagermusik Thailands, trifft auf Dub. Für Küchenfreunde trifft Jerk Chicken auf Ingwer, Zitronengras und Tamarinde.

Dubchek / The Far East End
Dubchek / The Far East End

Ich bin sonst ein Klangpurist, aber diese Mischung passt. Die bunten Klänge werden durch teils absurde Lyrics von Papa Dee und dem Dubpoeten Everton Sylvester ergänzt. Wer von euch hat schon mal einen Tune über die Prostata gehört, bitte melden?

„dubcheck yu prostate
dubcheck yu prostate
dont bother wait dont hesitate
dubcheck yu prostate„

Das macht Spaß. Das gilt auch für „Leslie Hylton Was A Murderer“, wobei die Geschichte dahinter nicht lustig ist. Leslie Hylton war ein Cricketspieler von den West Indies. 1959 ermordete er sein Frau und wurde dafür hingerichtet. Dubchek nutzt diese Vorlage, um ein paar weitere Mörder der Geschichte aufzuzählen: Pol Potty, Stalin, Hussain, Walt Disney, McDonald’s.

Papa Dee am Mikrofon
Papa Dee am Mikrofon

„The Far East End“ wurde nur auf 100 CDs gepresst. Mehr wird es wahrscheinlich nicht geben. Ein echtes Dub Sammlerstück. Das Debüt „Down Memory Gap Lane“ findet ihr noch bei Amazon. Außerdem könnt ihr beide Alben über Bandcamp anhören und herunterladen. Mich interessiert wirklich, ob ihr damit Etwas anfangen könnt?

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

4 Gedanken zu „Dubchek: Lee Perry Was Ma Daddy

  1. Hallo, also dass McDonald’s a murderer ist, ist wohl den meisten Leuten mehr oder weniger bewusst, aber inwiefern hat Walt Disney diesen Titel verdient ? Google war mir bei der Suche leider keine große Hilfe.

    Die Alben hab ich mir noch nicht angehört, vielleicht etwas später mehr dazu.

    Bless !

    1. @Felix Eventuell bezieht sich der Text auf Walt Disneys Tätigkeit als Kommunistendenunziant, siehe Wikipedia „Disneys Bezug zur Politik“.

  2. @Roger | Danke für die Antwort, werd mich da mal etwas schlau machen :)

    Höre gerade das zweite Album an und muss sagen… Mich als einen richtigen DUB-Liebhaber ob in King Tubby Style oder eher moderner ala. Dub Panda, hat das Album Down Memory Gap Lane leider kaum angesprochen. Nicht nur dass es oft an tiefgründigen Lyrics fehlt (Nicht bei jedem Lied)… nein, zu eintönig fand ich das Album nach ein paar Lieder auch.

    Umso mehr habe ich mich auf das The Far East End
    Album gefreut. Gelockt wurde ich wohl mit dem neuen „DUB Thung“ Genre Begriff. Da ich immer noch von der Kombination aus asiatischer Musik in der DUB Form sehr begeistert bin (Das Beste Beispiel bietet da JAH Wobble mit Chinese Dub / Japanese Dub), hat mich leider auch The Far East End ein wenig enttäuscht. Zu eintönig und zu wenig traditioneller Elemente wie ich finde.

    Nicht falsch zu verstehen, die Musik ist auf keinen Fall schlecht und der Preis mit 4$ für den Download echt schon ein Schnäppchen. Bloß eben meiner Meinung nach nicht gerade das wofür ich DUB so sehr liebe und zwar für das abwechslungsreiche Abenteuer, jedesmal wenn man seine Augen schließt, sich leiten lässt und sich hinter jeder Ecke eine neue Überraschung versteckt und auf dich lauert :)

    PS : Das Lied „The Slapper“ find ich aber trotzdem recht angenehm :)

    Bless !

  3. @Felix Vielen Dank für deine ausführliche Meinung. Das gibt es hier selten. Wie geschrieben, ist Dubchek vor allem in Improvisationsprojekt und das hört man auch, finde ich. Zugegeben, ein bisschen mehr Thailand hätte „The Far East End“ noch vertragen.

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