Sebastian Sturm / Get Up & Get Going (Album Review)

Kategorien Alben & EPs, Gute Musik
Sebastian Sturm / Get Up Get Going
Sebastian Sturm / Get Up Get Going

Bob Marley ist nicht tot. Er heißt Sebastian Sturm und hat vor ein paar Tagen sein drittes Album „Get Up & Get Going“ bei Rootdown Records veröffentlicht.

Richtig gelesen: Bob Marley ist nicht tot. Der König des Reggae hat sich 1981 in Miami einfrieren lassen. Der ganze Ruhm war zu viel Stress für den Soul Rebel. Aufgrund der globalen Erwärmung taute er jedoch früher auf als geplant.

Seine Familie hatte um 2004 herum entschieden, ihn aus den USA in die kühlere Schweiz zu überführen. Auf dem Weg vom Münchner Flughafen nach Zürich passierte es.

Marley hatte aber absolut keine Lust, wieder er selbst zu sein. Keine Lust, mit bulgarischen Straßenhändlern über die Verwertung seines Gesichts auf billigen Ansteckern zu diskutieren. Seinen Jungs ging es auch gut. Ach, dachte er sich, fange ich nochmal von vorn an. Eine glaubhafte Biografie war schnell gezimmert.

Deutschland kannte Bob Marley schon von seiner 1976er „Rastaman Vibration Tour“. Damit konnte er sich anfreunden. Heimatstadt Aachen. Klang klein genug, um nicht aufzufallen. Mutter aus Indonesien, Vater aus Deutschland. Damit könnte er seine Hauptfarbe gut erklären.

Nun brauchte Bob noch einen neuen Namen. Wie er auf Sebastian Sturm kam, weiß ich leider nicht.

Auf jeden Fall wollte Sebastian Sturm wieder Reggae machen. Daran führte kein Weg vorbei. Gelernt ist gelernt. Aber nicht irgendein Reggae. Es sollte der Foundationstoff aus den 1970ern sein.

Leider hatte sich Peter Tosh 1987 auch einfrieren lassen und mit Bunny Wailer war es so ein Sache. 2006 erschien Sturms erstes Album „This Change Is Nice“ und fast wäre seine wahre Identität aufgeflogen.

„Ein Bob Marley aus Aachen“ (tonspion)

„Der Bob Marley von Aachen versüßt trübe Sonntage“ (laut.de)

So titelten die Reviews einschlägiger Medien. Und schon nahm die neue Karriere Fahrt auf. Sebastian Sturm spielte Konzerte und Festival in Frankreich und Italien.

Erst zwei Jahre später konnte er sein zweites Album „One Moment In Peace“ rausbringen. Es folgten weitere Reggae Festivals und ein Tour mit Gentleman. Sebastian Sturm füllte sich sicher in seiner neuen Identität. Doch dann schrieb wieder ein Kritiker:

„Bob Marley lugt hinter jeder Ecke hervor.“ (bloom)

Na gut, dann erstmal kein weiteres Album, sondern nur Konzerte. Schließlich schreiben Kritiker seltener über Musik, die sie nicht im eigenen CD-Player hören. Aber auch das half nichts. Sebastian Sturm musste neue Wege gehen.

Er trennte sich von der Jin-Jin Band und seinem Manager. Er baute sich die neue Band Exile Airline zusammen. Den Namen fand Sebastian ganz passend. Schließlich ist er ja irgendwie im Exil und nicht in seiner Heimat Jamaika.

Sebastian Sturm & Exile Airline / Get Up Get Going
Sebastian Sturm & Exile Airline / Get Up Get Going

Der vielleicht wichtigste Schritt: Der „Bob Marley von Aachen“ unterschrieb bei Rootdown Records und veröffentlichte am 14. Oktober 2011 sein drittes Album „Get Up & Get Going“ mit Exile Airline. Ein großartiges Album, das um den Titel „Roots Reggae Platte des Jahres“ kämpfen wird.

Hier endet die Geschichte. Ich gehe davon aus, dass sich Bob Marley nicht mehr lange hinter seiner Fassade verstecken kann. Sie wird bröckeln wie derzeit die babylonischen Mauern in ganz Europa.

Hörprobe

Trackliste: Sebastian Sturm & Exile Airline – Get Up & Get Going

  1. Get Going
  2. Responsibility
  3. Don’t Look Back
  4. Children, Don’t Go Blind (ABSOLUTER HÖRTIPP)
  5. Never Been As Said
  6. Burn The Money
  7. It’s Not Just
  8. Movin‘ Away
  9. Faith
  10. Life Was A Bubble
  11. Upside Down
  12. Tear Down The Walls feat. Kiddus I

Sebastian Sturm im Plattenladen

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

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