Hans Söllner über Rasta, Freiheit und gutes Essen

Kategorien Interviews

Hans Söllner

Seit fast einem Jahr steckt mir Guido Barth gelegentlich großartige Gespräche zu: Tiken Jah Fakoly, Ziggi Marley, Doreen Shaffer – und nun Hans Söllner. Ein Interview über Freiheit, Rastafari und vegetarisches Essen.

Hans, du lebst zu 100% vegetarisch?

Hans Söllner: 100%, ohne Fleisch und ohne Fisch.

Warum?

Ich finde, wir haben das in der heutigen Zeit nicht nötig. Das Angebot, das es an Nahrungsmitteln gibt, ist so vielfältig und ausreichend, dass wir Tiere nicht essen müssen.

Also, deine Lebensweise ist klar ethisch begründet?

Ethisch und religiös – ja.

Hat das etwas mit deiner Nähe zum Reggae und zur Rastafari-Religion zu tun?

Ja, viele Rastas leben vegetarisch. Das ist eine Frage des Respekts: Respekt vor dem Leben.

Die Rasta-Bewegung ist ja eher klein, wie bist du zur Rastafari–Religion gekommen?

Ich hab ja schon früh mit der Reggae-Musik angefangen und da natürlich auch gleich eine gewisse Nähe zu den Rastas gespürt. Ich bin dann oft nach Jamaica gefahren – zum Sehen und Lernen, so wie andere nach Asien zum Buddhismus gefahren sind.

Wieviel Einfluss hat dieser Glaube auf dein Leben genommen?

Soweit der Rasta Glaube für mich in der heutigen „westlichen“ Welt praktikabel ist, orientiere ich mich schon daran. Allerdings gibt es, gerade auch Frauen gegenüber, Regeln, die ich für unzeitgemäß halte. Ich will aber mit meiner Frau in „diesem Jahrhundert“ zusammen leben. Dazu gehört, dass meine Frau die gleichen Rechte hat wie ich. Es ist auch ein ganz wichtiger Aspekt meiner Religion dass ich auf mich und meine Gesundheit aufpasse. Meine Frau und ich, wir leben beide vegetarisch, wir rauchen nicht und leben auch sonst gesund. Meine Frau ist anerkannte Gesundheitsberaterin.

Hans Söllner mit Gitarre
Hans Söllner mit Gitarre

Wo leben die Rastas in Jamaica eigentlich, sind die dort schwer zu finden?

Eher nicht, du musst nur nach Kingston gehen, oder in die Berge. Die Leben eher zurückgezogen und es sind meistens recht arme Leute, die auch diskriminiert werden. Du wirst sie sicher nicht in den Touristen Zentren treffen: in Montego Bay oder in Port Antonio oder am Strand in Negril. Du musst schon ein bisschen in den Busch hinein, hin zu den einfachen Leuten.

Einfach und arm?

Ja, auch arm. Aber die Menschen gehen anders mit ihrer Armut um. Sie sind trotzdem fröhlich. Finanzielle Armut bedeutet auch nicht gleich, dass sie hungern. Das Land auf dem sie leben, gibt immer ein bisschen her und ernährt sie mit dem Nötigsten. Wenn du natürlich Autofahren musst und wenn du glaubst, du brauchst all das, was die anderen auch haben: Drogen, Handys, Jeans oder sonst irgendetwas, dann bist du natürlich schlecht bedient.

Du hast Hühner zu Hause, wofür?

Ich esse die Eier. Ich esse Eier nur von diesen Hühnern. Sie kriegen dafür das beste Futter und einen guten Stall und leben bis an ihr Lebensende bei mir. Ich mag halt als Bayer gerne ab und zu Mal Semmelknödel und da brauche ich Eier dazu.

Würdest du wieder Tiere essen, wenn sie besser behandelt werden würden?

Die Frage habe ich mir auch Mal gestellt und dachte, ja. Inzwischen bin ich aber darüber hinweg, so dass sich die Frage nicht mehr stellt. Ich bin jetzt seit gut fünfzehn Jahren vegetarisch. Ich glaube auch, dass es mir wirklich schlecht gehen würde, wenn ich das wieder essen würde. Außerdem habe ich mit dem Fleischessen ja nicht aus gesundheitlichen Gründen aufgehört, sondern aus religiösen Gründen.

Hans Söllner mit Mundharmonika
Hans Söllner mit Mundharmonika

So wie du als Mensch und Künstler lebst, gerade auch in deinem permanenten Spannungsverhältnis zum Staat, was änderst du damit gesellschaftlich?

Ich ändere erst mal nichts, ich lebe vor. Nichts weiter. Ich brauche nichts ändern. Bob Marley hat auch nichts geändert, außer, dass er etwas vorgelebt hat. Er hat vorgelebt Rasta zu sein, er hat freie Sexualität vorgelebt, freien Konsum von Marihuana und für seine schwarze Welt war er ein Beweis dafür, dass Erfolg nichts mit Hautfarbe oder mit Herkunft zu tun hat.

Wie würdest du das beschreiben, was du machst?

Ich bin friedlich: das mache ich für die Welt, das mache ich für die Kinder, das mache ich für meine Frau. Würde ich etwas ändern wollen, hätte ich ein Ziel. Ich hab aber nur einen Weg. Ein Ziel wäre es, das ich sage, ich möchte, dass in 15 Jahren Marihuana legalisiert ist und dass in zehn Jahren Frauen dasselbe Gehalt für dieselbe Arbeit bekommen, wie Männer. Im Endeffekt ist es aber so, dass jede Änderung in den Köpfen der Leute stattfinden muss. Ich kann ja auch nicht rausgehen und die Leute zwingen, frei zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Anmerkung von mir, Roger Reggae: Hans Söllner kann man lesen, aber man muss ihn hören. Deshalb hier noch eine Hörprobe: Ein Geschichte von Söllner’s erster Jamaikareise.)

Hans Söllner auf Jamaika



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2 Gedanken zu „Hans Söllner über Rasta, Freiheit und gutes Essen

  1. Auf seiner Facebookseite schreibt Hans Söllner, dass er einen Angelschein hat und Fische fängt, was hat dieses Verhalten mit Vegetarisch zu tun? Einerseits kritisiert er zurecht Tierausbeuter die Schweine, Rinder, Hühner usw. quälen, töten lassen und deren Leichenteile dann zum Verkauf angeboten werden. Andererseits angelt er Fische, quält und tötet damit selbst Lebewesen, die leben wollen. Ich finde so ein Verhalten verlogen und heuchlerisch.

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