Sara Lugo im Interview

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Sara Lugo What About Love
Sara Lugo / What About Love

Was ist mit der Liebe los? Das fragt sich Sara Lugo auf ihrem am 6. Mai 2011 erschienen ersten Album „What About Love“. Für House of Reggae hat Benjamin Gruner mit der Münchnerin über das neue Allbum, ihre musikalische Entwicklung und ein Treffen mit Loomis Green gequatscht.

Du hast 2009 deine erste EP „Sara Lugo“ veröffentlicht. Wie schätzt du deine Entwicklung seitdem ein?

Sara Lugo: Ich würde meine musikalische Entwicklung als gut einschätzen. Ich hab in den letzten Jahren sehr viel über das Leben, die Musik, meine Mitmenschen und über mich gelernt. Vieles davon habe ich umsetzen können. Und ich glaube das kann man jetzt hören. Die Inhalte der Songs sind besser (lacht) bzw. für mich wichtigere Themen, die da jetzt noch angesprochen werden.

Welche Themen haben sich geändert?

Nicht geändert, aber es sind neue Sachen dazugekommen. Der Glaube ist jetzt eine Sache, die viel mehr reinspielt als bei der EP. Dieses Thema ist zu EP-Zeiten zwar schon da gewesen, aber nicht in dieser Form. Die Sicherheit, die ich in bestimmten Dingen nicht hatte, die war dann plötzlich da. Ich war auch sicherer in der Musik und wusste, was ich vom Sound her haben wollte. Jetzt weiß ich welche Themen mich bewegen und was ich den Leuten sagen möchte.

Das Album hat neben Reggae sehr viel R‘n‘B, Soul Einflüsse. Wie hat sich die Vorliebe entwickelt?

Ich bin Sängerin, ich singe natürlich gerne. Das lässt sich sehr gut im Soul & R‘n‘B machen. Reggae ist nach wie vor meine erste Liebe. Aber mit Soul kann man den Worten viel mehr Ausdruck geben. Deswegen habe ich die verschiedenen Richtungen einfach miteinander verbunden.

Sara Lugo Live (c) Hoizge
Sara Lugo Live (c) Hoizge

Gab es musikalische Vorbilder in die Richtungen?

Ja, z.B. India Arie hat mich schon immer angesprochen. Erykah Badu hat mich auch immer wahnsinnig fasziniert mit dem, was sie stimmlich macht. Das ist großartig! Oder auch Lauryn Hill, das sind einfach Künstler, die mich sehr inspiriert haben und die nicht aus dem Reggae kommen.

Umberto Echo ist ein bekannter Dub Produzent aus München. Was machte die Zusammenarbeit für das Album mit ihm besonders?

Die Zusammenarbeit ist einfach großartig! Mit dem Sound, den er produziert, trifft er genau das, was ich mir vorstelle, wie etwas zu klingen hat. Ich bin ein sehr großer Dub Fan. Ich liebe Delays, Reverbs, Hall und diese ganzen tollen Sound Spielereien. Er beherrscht das einfach. Außerdem ist er schon lange im Business bzw. macht schon lange gute Platten. Er kennt sich sehr gut aus was das Gebiet Reggae/ Dub angeht. Das ist natürlich perfekt, weil ich da neu reingekommen bin und nicht so viel Ahnung hatte. Er hilft mir meine Musik so umzusetzen, wie ich das gern haben möchte.

Erzähl mir über die Geschichte: Jan Delays Gitarrist Loomis Green hat dich zufällig auf dem Parkplatz singen hören (als er aus dem Tourbus stieg) und hat sich spontan entschieden ein Song mit dir zu machen!

Locked Away“ heißt der Track, den wir gemeinsam aufgenommen haben. Das war vor glaube ich drei Jahren. Da war ich in Aschaffenburg beim Afrika-Karibik Festival und hab bei „Da Sandwichmaker“ mitgearbeitet. Da gibt es ein Soundsystem und ich hab am Morgen ein paar Lieder geträllert. Hab das Mic dann wieder weggepackt, Musik angemacht und mich in die Sonne rausgesetzt.

Da kam dieser große Typ auf mich zu, hat sich dazugehockt und fragte, wer denn da grad gesungen hätte. Ich habe geantwortet, dass ich das war. Dann hat er erzählt, dass er Loomis Green heißt, bei Jan Delay Gitarre spielt, im Tourbus war, mich singen gehört hat und die Stimme so gut fand, dass er gerne mit mir arbeiten möchte.

Genau ein Jahr später ist das dann auch passiert. Wir haben uns getroffen und den Song aufgenommen. Das war Wahnsinn! Er hat den Song komplett selbst gemacht. Er hat den Beat produziert. Er hat den Text geschrieben, die Vocals arrangiert, die Melodien ausgecheckt. Das war für mich wahrscheinlich die beste musikalische Schule, die ich je in meinem Leben hatte.

Ich glaube, als Sänger ist das immer so in Egoding. Es fällt vielen Sängern schwer, sich von jemandem etwas sagen zu lassen z.B. wie man singen soll. Da muss man über seinen Schatten springen. Und das war super! Von „Locked Away“ haben wir auch einen Reggae Remix gemacht. Dazu haben wir erst kürzlich ein Video gedreht.

Sara Lugo (c) Murxen Alberti
Sara Lugo (c) Murxen Alberti

Welcher ist dein Lieblingssong auf dem Album und wieso?

Ich glaube mein Lieblingssong ist „Nothing to worry“. Dieser Song ist in einer Zeit entstanden, in der ich mir sehr viele Sorgen gemacht habe und mir es nicht gut ging. Deswegen ist „Nothing to worry“ inhaltlich sehr zutreffend und hat mir sehr geholfen. Außerdem ist der Song musikalisch total fett geworden, was wir alle so nicht erwartet haben. Er ist ursprünglich auf einem bekannten Riddim gemacht worden. Den konnten wir nicht für das Album verwenden. Da musste ein neuer her und den haben wir einfach gemacht. „Nothing to worry“ haut rein und geht gut ab! (lacht)

München ist bekannt für gute Produktionen, z. B. Uwe Kaa, die sich öffnen für viele Einflüsse. Spiegelt sich die qualitative und rege Szene auch in der Club- und Partyszene in München wieder?

Joa, es wird schon gut aufgelegt. Wir haben eine gute Reggae Massive in München. Wir haben zwei Regulars. Im Backstage immer Freitags „Jamaican Ting“. Und im Babalu gibts auch ein Regular. Da geht schon was, die Leute hören gerne die Münchener Produktionen und es wird gut dazu gefeiert! Da wird schonmal der ein oder andere heimische Song aufgelegt.

Auch für dich als Plattform deine Musik zu präsentieren?

Ich muss sagen, das letzte Jahr war ich nicht viel weg, weil ich viel zu tun hatte. Ich war lange Zeit oft und gern auf Dances und es war auch immer nice. Uwe Kaa macht ab und zu Soundshows mit Munich’s finest Renegade Sound. Die Plattform ist da, die so groß wie unsere Musik-Familie ist und ja, sie wird auch genutzt. Das ist ein großes Netzwerk an Musikern. Jeder unterstützt den andern wie er kann. It’s a family ting!

Sara Lugo (c) Benni Zecher
Sara Lugo (c) Benni Zecher

In Rot-gelb-grüne gehüllte Rastas sind in der deutschen Dancehall out. Es wird geswaagt und kräftig Rum&Redbull getrunken. Wie siehst du die Entwicklung?

Die Richtung geht natürlich ganz klar in Richtung Dancehall und weg vom Roots Rock Reggae. Aber das ändert nichts daran, dass Europa eigentlich der Ort in der Welt ist, wo Roots noch mit gutem Vorbild am Leben gehalten wird. Wenn du dich mit Jamaikanern unterhältst, sind die meisten Künstler sehr dankbar dafür, dass Reggae in Europa noch so gut funktioniert und so viel Nachfrage besteht. Viele von ihnen können hier Shows spielen, während sie in Jamaika nicht mehr gefragt sind.

Das ist leider so … modern times … irgendwie. In die Richtung bewegt es sich einfach. Das ist natürlich krass, diese ganze Dancehall Bewegung. Sex on the dancefloor und so. Aber das hat natürlich auch seinen Ursprung. Momentan findet Dancehall in Europa immer mehr willige Zuhörer. Oder vielleicht auch einfach partyfreudige Leute. Ich glaube, das ist so eine Phase, die irgendwann wieder vorbeigeht. Es wird zwar immer da sein, aber im Moment befinden wir uns einfach in einer Dancehall/ HipHop lastigen Zeit.

Das muss man mögen und wem’s nicht taugt, der muss um ein, halb zwei nach Hause gehen (lacht), wenn es auf der Tanzfläche eben zu krass wird! Zum Tanzen stehe ich persönlich eher auf modern Roots. Wobei es gegen guten Dancehall auch nichts zu sagen gibt.

Das letzte Wort überlasse ich dir …

Ich bedanke ich mich, dass du dieses Interview mit mir gemacht hast und mir die Möglichkeit gegeben hast, über die Musik zu quatschen. Ich hoffe, dass viele Leute sich die Musik anhören, auf die Texte achten und anfangen, ein bisschen darüber nachzudenken. Darüber nachdenken, wie sie selber handeln und mit ihren Mitmenschen umgehen.

Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder anfangen, mehr Mensch zu sein. Menschlich sein … menschlich und herzlich … Das ist ganz wichtig! Weil wir sind Menschen mit Herzen und keine kalten, gefühllosen Maschinen.

„What About Love“ im Mix

„What About Love“ ist bereits bei Oneness Records erschienen.

4 Gedanken zu „Sara Lugo im Interview

  1. Vielen Dank für dieses tiefgründige und informative Interview.

    Leider ist mir Sara Lugo immer noch wenig bekannt. Und ich glaube, das geht einigen so hier im Norden. DIe Fanbase liegt glaube ich eher im Süden?!

    Danke für das Licht im Dunkeln und die Infos zum neuen Album. Big Up…

  2. Pingback: Chiemsee Reggae Summer Festival 2011 (Verlosung) | House of Reggae

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