Musically Mad: Doku-Regisseur Karl Folke im Interview

Kategorien Interviews, Soundsystems

MUSICALLY MAD – UK SOUND SYSTEM DOCUMENTARY (2010)

Fertig ist er, der schwedische Dokumentarfilm „Musically Mad“ über die englische Roots Reggae- und Soundsystem-Szene.

Seit 1. Juli gibt es die DVD mit viel Extramaterial und einem 16-seitigen Booklet geschrieben von David Katz. Zu Wort und Ton kommen Mad Professor, Joe Ariwa, King Shilo und viele andere.

Wie man so ein Projekt mit einem Hosentaschen-Budget finanziert und weitere interessante Details erzählt Regisseur Karl Folke im Interview mit Houseofreggae. 

Hi Karl, stell dich bitte mal vor.

Karl Folke: Hallo, ich bin Karl, vor Kurzem 27 Jahre alt geworden. Ich habe eine zeitlang beim Fernsehen gearbeitet als Fotograf, Redakteur und Produzent. Davon hatte ich genug und jetzt mache ich eine Ausbildung zum Gärtner. Ich bin außerhalb von Uppsala aufgewachsen. Die Stadt ist eine Art Roots Reggae Hauptstadt von Schweden.

Welche war die erste Reggae-Platte, die du je gehört hast?

Das muss Bob Marley oder Eek-a-Mouse gewesen sein, als ich noch sehr jung war. Die ersten Artists, die ich gehört habe, als ich mich ernsthaft mir Reggae zu beschäftigen begann, waren Prince Far-I und King General. Danach bin ich in den UK Roots Reggae eingestiegen.

Kannst du dich noch an deinen Einstieg in die Soundsystem-Szene erinnern?

Ich habe Schlagzeug gespielt in einer Rockband zusammen mit einem Freund, der schon in dem Reggae-Ding drinsteckte. Er war beteiligt am ersten echten Soundsystem in Uppsala, Meditative Sounds. Ich lernte Andreas (Andreas Weslien, Produzent von Musically Mad) kennen, der auch bei Meditative war, und nach ein paar Jahren beschlossen wir einen Dokumentarfilm zu machen.

Außerdem habe ich Freunde, die nach London gezogen sind, um in Pubs und Cafés zu arbeiten (KF: fast ein Muss für Schweden nach der Highschool). In London habe ich dann Jah Shaka Dances besucht und mir die neuesten UK Roots Scheiben besorgt.

Was fasziniert dich gerade an der englischen Soundkultur?

Es ist eine Szene, die sehr positiv und interessant ist und fantastische Musik produziert. Trotzdem wissen nur wenige Menschen etwas davon. Es ist interessant, wie sie sich entwickelt und etwas Eigenes geschaffen hat, das sich von Jamaika unterscheidet. Die Botschaft und der Bass – das fasziniert mich am meisten.

Wie seid Ihr auf die Idee für „Musically Mad“ gekommen?

Andreas und ich wollte etwas machen, um auch andere Leute in die Szene zu bringen, die wir so großartig fanden und immer noch finden. Viele wissen nicht, was ein richtiges Soundsystem ist, all die technischen Details etc. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Roots Reggae Szene mehr Aufmerksamkeit haben sollte im Gegensatz zum Slackness Reggae, der sehr populär ist.

Karl Folke, Musically Mad Regisseur
Karl Folke, Musically Mad Regisseur

Es gibt viele große Namen in dem Film wie die Iration Steppas, Mad Professor, King Shiloh, Murray Man, um nur einige zu nennen. Wie bist du mit ihnen in Kontakt gekommen?

Die meisten Kontakte kommen von Andreas, er hatte mit ihnen über Meditative Sounds zu tun. Während unserer Reisen nach UK haben uns die Leute, mit denen wir uns trafen, wieder mit anderen zusammengeführt. So haben wir langsam immer mehr Interviews bekommen. Wir hätte noch ewig weiterfilmen können, aber mussten dann einen Schlussstrich ziehen. Sonst hätte es noch 10 Jahre länger gedauert, fertig zu werden.

Wie haben die Artists auf euer Projekt reagiert?

Alle waren sehr glücklich, dass wir diesen Film machen, um die Musik zu promoten. Wir haben viel Zustimmung bekommen.

Und hat dich jemanden bei den Dreharbeiten besonders beeindruckt?

Wir haben so viele nette, warme, positiv und intelligente Menschen getroffen, alle mit einer einzigartigen Persönlichkeit. Wenn ich jemanden bestimmen müsste, dann wohl Reuben Addis. Er war so bescheiden und hatte eine gute Energie. Ich muss selbst jetzt noch immer lächeln, wenn ich an ihn denke. Es hat viel Spaß gemacht, all diese Menschen zu treffen, sie haben so viel Liebe für die Musik.

Ihr ward sicher an vielen Orten, um die Interviews zu bekommen.

Die meisten Interviews wurden in den härteren Ecken von London aufgenommen. Soundsystems machen niemanden reich, also die meisten Leute, die wir getroffen haben, leben in Gebieten weit weg vom Buckingham Palace. Manchmal hatten wir echt Angst mit unserer Kamera und der Ausrüstung. Neben London haben wir noch in Amsterdam, Leeds und Uppsala gedreht.

Wie lange hat es gedauert vom Anfang bis zur fertigen DVD?

Zum ersten Mal haben wir beim Notting Hill Carnival 2004 gefilmt. Seitdem haben wir jedes Jahr ein paar Trips nach London gemacht. Wir haben das aber nie in Vollzeit gemacht. Wir haben am Abend und am Wochenende gefilmt und geschnitten. Es war sein sehr langsamer Prozess.

Kommen wir mal auf die Kosten zu sprechen: Wie teuer war die Produktion und woher kam das Geld?

Das ist ein Taschengeld-Projekt. Wir haben kein Geld von niemandem bekommen. Wir haben gespart für die Tickets nach London, das waren die größten Ausgaben. Die Ausrüstung hatte ich schon wegen meiner Arbeit beim Fernsehen. Das hat uns viel geholfen.

Zeit ist Geld und wir haben viel Zeit in das Projekt gesteckt. Nur so konnten wir das ohne großes Budget schaffen. Ich hasse Papierkram und wollte mir von niemandem sagen lassen, wie ich einen Film mache. Daher haben wir uns nicht um Unterstützung von Filminstituten oder ähnlichem bemüht.

Es war sehr schön das Projekt exakt so durchzuziehen, wie wir es wollten. Wir haben auch viel Unterstützung von der Reggae Community bekommen. Die Leute haben uns mit Fotos, altem Footage, Übersetzungen etc. geholfen, ohne dafür bezahlt zu werden. Vielen Dank dafür!

David Katz, einer der großen Journalisten in Sachen Reggae, hat das Booklet zur DVD geschrieben. Wie kam es dazu?

Wir wollten, dass die DVD etwas wird, das die Leute auch kaufen und nicht einfach aus dem Internet herunterladen. Also mussten wir einen kleinen Bonus ins Paket stecken. Andreas und ich schreiben nicht sonderlich gut und hatten dafür auch keine Zeit. Wir haben David gefragt, ob er eine Story für das Booklet schreiben würde. Er war sehr motiviert und hat eine tolle Geschichte geschrieben.

Gibt es noch etwas, dass du gern loswerden möchtest?

Dieses Projekt hat meine ganze Freizeit geschluckt für eine lange Zeit. Manchmal habe ich mich gefragt, warum ich das eigentlich mache. Aber als ich vor ein paar Tagen die DVD zum ersten Mal in den Händen hielt, habe ich gefühlt, dass es das wert war.

Die Unterstützung und das Feedback aus der Community war eine große Motivation für uns. Ich hoffe, dass so viele Leute wie möglich „Musically Mad“ sehen werden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, worum es bei einem Soundsystem geht. Und ich hoffe auf die nötige Anerkennung.

Musically Mad DVD-Details:

  • 1 Stunde Dokumentation
  • 1 Stunde Extramaterial
  • 16 Seiten Booklet von David Katz
  • Untertitel in Deutsch, Englisch und Französisch
Nils. Ohne E. Mit Hut.
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

3 Gedanken zu „Musically Mad: Doku-Regisseur Karl Folke im Interview

  1. Auf das habe ich lange gewartet,

    gut dass es Menschen wie Karl und seine Unterstützer gibt,
    persöhnlichen Dank an ihn wegen eines Pre Cuts das gescreent worden ist…

    also kaufen leute ..

    spread the word,sound and power

  2. Nils, klasse mit deiner Seite geht es richtig vorwärts. Geile Aktion mit dem schönen Interview weiter so.
    Weiter viel Erfolg im Reggaeuniversum, liebe Grüße ein treuer Leser

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