Uwe Kaa – Danebenbenehmen: Interview

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Uwe Kaa
Ich kann das gar nicht oft genug erwähnen: Am 15. April 2011 erscheint Uwe Kaas neues Album „Danebenbenehmen“ über Irievibrations Records. Vorab habe ich mir Uwe via Skype geschnappt, leider ohne Headset. Ein Tippinterview über kaputte Gitarren, organische Musik und charmante Slackness.

Guten Abend, Uwe.

Uwe Kaa: Guten Abend, Nils.

Ich habe gerade nochmal dein neues Album „Danebenbenehmen“ gehört und mir ist aufgefallen, dass du ziemlich viel für und über Frauen singst. Ist „Endlich Single“ (Uwe Kaas Solo-Debüt-Album von 2008, Anm. d. Red.) doch kein erstrebenswerter Zustand?

„Danebenbenehmen“ ist ja die Konsequenz aus dem Umstand, dass man „Endlich Single“ ist und dann ist viel Platz für Neues :)

Das war Pressetext.

Ich weiss, daher die Lache. Aber im Ernst, Frauen sind ja immer ein Teil des großen Ganzen, egal in welchem Umstand man sich befindet. Das Ying zum Yang. Ohne geht einfach nichts.

Danebenbenehmen bedeutet für mich aber auch, dass man laut und auffällig ist. Deine Platte klingt auffällig ruhig.

Findest Du? Die gefühlte durchschnittliche BPM-Rate liegt schon höher als bei „Endlich Single“, wenngleich die Spannweite zwischen dem schnellsten und langsamsten Stück sehr groß ist. Das eigentliche Konzept hinter „Danebenbenehmen“ ist, dass sich jeder Song irgendwie mit dem Titel in Verbindung bringen lässt. Der Zusammenhang erschließt sich mal schneller und mal dauert’s auch ein wenig. Das „Laut und auffällig sein“ liegt eher im Auge des Betrachters und dessen Erwartungen.

Ja, das stimmt wohl. Besonders danebenbenommen hast du dich bei „Fit & In Form“, in dem du schlüpfrige Geschichten erzählst. „Charmante Slackness“ hast du das genannt.

Das ist der offensichtliche Teil des Danebenbenehmens … für den Einen ist die Story vielleicht sehr wild, für den Anderen einfach nur witzig; der Nächste findet das wieder normal. „Danebenbenehmen“ bedeutet, außerhalb von gesetzten Normen sein, aber wer definiert die Norm? Und, äh … irgendwie kann ich mich hier grad nicht konzentrieren … Moment …

Gut, weiter mit der nächsten Frage.

Stopp! Ich glaube, so geht das nicht … ich kann hier keine Denkpausen anzeigen :)

Die ersten Anzeichen deines neuen Album sahen ganz und gar nicht nach danebenbenehmen aus: Pressefotos mit Uwe Kaa und Akustikgitarre; die erste Single „Unter’m Strich“. Ich hatte schon Angst, du wirst Liedermacher.

Okay, die Gitarre war aber kaputt.

Auf einem der hinteren Bilder schon.

Auf jedem Bild, aber nicht so offensiv. Das ist ein Zeichen mit Klischees aufzuräumen und dass Sachen nicht immer unbedingt so vorhersehbar sind. Es ist ein Reggae-Album und dennoch nicht gerade typisch für das Genre. Der rote Faden dabei bin ich. Natürlich kokettiere ich gerade jetzt vor dem Album ein wenig mit den Extremen. Die Scheibe muss man hören …

Uwe Kaa und die Gitarre
Uwe Kaa und die besagte Gitarre

Dancehall gibt es überhaupt nicht auf der Platte, dafür aber Funk, Blues und Soul.

Doch, mit „Fit & In Form“ ist eigentlich auch ein klassischer Dancehall Tune dabei. Das reicht mir persönlich aber auch. Ich bin vom Sound her eher organisch veranlagt.

Wurden die Instrumentale alle live eingespielt?

Bei fast allen Tracks sind die Instrumente live gespielt und selbst bei den programmierten Sachen sind echte Instrumente mit dabei.

Das ist einmal „Klingelton“ und … ?

„Fit & In Form“.

Für „Klingelton“ hat DJ Deliciouz doch Samples von Prince Busters „Jugde Dread“ benutzt, oder?

Nein, das klingt nur so. Das ist nicht Prince Buster … echt nicht … ich dachte genauso, als ich den Riddim zum ersten Mal gehört habe. Als mir Dizzle (Deliciouz) die Produktions-Session dann gezeigt hat, hat mich das dann eines Besseren belehrt.

Auf jeden Fall hat das Stück seine Wurzeln in den jamaikanischen Foundationtage. Auf deinem vorherigen Album „Endlich Single“ hattest du schon ein neues Arragement von Eric Donaldsons „Cherry Oh Baby“ drauf.

Auf „Danebenbenehmen“ sind keine Relick-Riddims in dem Sinne drauf. Es geht schon um Foundation. Aber um meine eigene. „Endlich Single“ war klassischer, vorhersehbarer, vielleicht auch ein klein wenig gefälliger. „Danebenbenehmen“ ist individueller und an manchen Stellen rauher, trotzdem insgesamt poppiger. Ich hab all das raus gelassen, was zum jeweiligen Zeitpunkt in mir war … textlich wie auch musikalisch. Während „Endlich Single“ eher ein Best-of-Tunes der damaligen letzten 3 Jahre war, sind die Songs für „Danebenbenehmen“ und das Album selbst in weniger als einem Jahr entstanden.

Wo wir gerade bei Jahren sind. 2011 feierst du 15-jähriges Bühnenjubiläum. Herzlichen Glückwunsch!

Danke! Im Rückblick ist das schon eine lange Zeit, in der viel passiert ist. Gleichzeitig freue ich mich auf die nächsten Jahre. Es macht Spaß.

Leben kannst du aber nicht davon, oder?

Ich könnte es vermutlich, aber man muss es sich echt leisten können, auf gutem Niveau und professionell Musik zu machen: Du musst viel investieren … Liebe, Zeit und Leidenschaft sowieso aber auch Geld. Man kriegt nirgends etwas geschenkt. Daher hab ich nicht nur die Musik als Einkunftsquelle, bin aber auch nirgends fest angestellt.

Was machst du nebenbei?

Wie sagt man? Ich mache in Marketing :) Ich bin Berater, sozusagen.

Dann ist Social Media für dich tägliches Brot. Wie hast du Facebook & Co. genutzt, um dein Album zu bewerben?

Sehr stark. Den Leuten heute noch einen Flyer zuzustecken, das funktioniert einfach nicht mehr so gut. Viele kennen das gar nicht mehr, kein Witz. Außerdem sind die Netzwerke sehr schnell und fast jeder benutzt Social Media. Und selbst die, die diese Netzwerke nicht benutzen, erfahren neue Dinge über Leute, die genau da drin sind. Eine klassische Homepage habe ich im Moment gar nicht, das läuft alles über Facebook, Twitter, YouTube usw.

Du hast vorab vor allem Videoschnipsel ins Netz gestellt, um dein Album anzukündigen. Was noch?

Vor allem Videos, aber auch Fotos. Die Leute konnten auf diese Art ganz gut den Entstehungsprozess der Scheibe mitverfolgen: Fotos von mir beim Schreiben und beim Recorden, nach dem Recording ein kurzes Video als Hörprobe und so weiter und so fort … das sollte auch einen Eindruck geben, wie viel Arbeit tatsächlich in so einem Album steckt. Direkt jetzt zur Platte gibt es den Teaser, das Singlevideo „Unter’m Strich“ in der Album Version. Zusätzlich schwirrt auf einer anderen Plattform das Video mit dem Song im Radio Edit rum. Jetzt gibt es dann noch ein Mega Mix-Video und wir haben darüber hinaus noch ein weiteres Video vorbereitet.

Uwe Kaa beim Texte schreiben
Uwe Kaa beim Texte schreiben

Ich muss mich als Fan und Berliner jetzt mal beschweren: Du informierst also über Facebook und Co. die Leute, machst sie heiß – und tourst dann nur in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich herum.

Der deutschsprachige Raum ist halt so gesehen wirklich groß und aufgrund der Nähe sind wir natürlich oft auch in der Schweiz und in Österreich, öfter als im Norden Deutschlands. Wir kehren einfach vor der eigenen Haustür.

Seit Jahren schon, da muss es doch bald mal sauber sein.

Klar, das ist es. Wir kommen auch gerne in nördlichere Gefilde. Das sind dann aber auch Distanzen und die damit verbundenen Kosten machen es für eine größere Mannschaft nicht unbedingt leicht. Wie ich schon erwähnt habe: es muss alles irgendwie bezahlt werden.

Das ist verständlich. Oh, das Kind schreit :) Ich bin dann eigentlich auch durch. Möchtest du noch was gefragt werden?

Momentan fällt mir nichts ein. Obwohl, darf ich fragen: Wie gefällt dir denn eigentlich die Scheibe?

Das darfst du natürlich nicht fragen. Ich bin unabhängiger Blogger.

Easy, dann sag ich mal: Danke für deine Zeit.

Ich mag die unerwartete Platte. Gott, dieses Intro von „Wegen Dir“. Ich meine, das klingt wie Tetris, aber irgendwie … ich muss es immer loopen.

Das ist ja schon mal was … :) Danke, beste Grüße und einen schönen Abend.

Ich wünsche dir auch ein schönes Wochenende in Wien.

Uwe Kaa auf dem Sprung
Uwe Kaa auf dem Sprung

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

7 Gedanken zu „Uwe Kaa – Danebenbenehmen: Interview

    1. @Loc Ja, das stimmt. Und wenn er auf dem Weg dorthin noch in Berlin Pause macht, wäre das wundervoll.

  1. ah…endlich mal wieder ein deutschspachiges Reggae-album auf das man sich freuen kann, und dann auch noch „handgemacht! Das Interview macht auf jeden Fall Laune auf mehr!

    1. @Fabi Ich hoffe, dass deine Soundkommode viele Schubladen hat, denn ein reines Reggae-Album ist es nicht; eine wunderbare deutschsprachige Platte aber auf jeden Fall.

  2. Dann mache ich hier gleich mal weiter. Du hast nicht zuviel versprochen, ein sehr nettes Interview ist es geworden, mit coolen Einblicken und Anregungen zum neuen Album.

    Da Uwe Kaa eh einer meiner Lieblingskuenstler ist, freue ich mich um so mehr, neben den News nun dieses Interview lesen zu koennen.

    bless, Swede

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