Skatalites und Doreen Shaffer im Interview

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Über die Skatalites, die beste Skaband der Welt, und Doreen Shaffer, die Königin des Ska, braucht man nicht viel sagen. Allerdings haben sie einiges zu erzählen. Guido Barth hat aufmerksam zugehört. Ein Interview über 40 Jahre Musikgeschäft, schöne Wohnort und den jamaikanischen Dollar.

Ken Stewart, Skatalites-Mitglied seit Mitte der 1980er, Keyboard

Ken, das letzte Skatalites Album „On The Right Track“ habt ihr in Australien aufgenommen. Wie kam es dazu?

Ken Stewart: Vielleicht haben uns die Kängaruhs inspiriert (lacht), Spaß beiseite, aber das ist eine nette Geschichte. Wir haben auf dem West Coast Blues & Roots Festival gespielt – eines der größten Festivals überhaupt. Wir hatten zwar gutes Material im „Gepäck“, aber ein neues Album war noch nicht wirklich fest geplant. Wie auch immer, dort auf dem Festival haben wir jemanden vom Studio 301 in Byran Bay kennengelernt. Jetzt kannst Du dir schon vorstellen, wie es weiterging. Die wollten gerne mit uns zusammenarbeiten; wir hatten das Material und Lust. Los ging’s.

Das wievielte Skatalites-Album ist das?

Ken Stewart: (Lacht) Das wird wohl das 24ste sein, glaube ich. Daneben haben wir natürlich extrem viel auch für andere Musiker gespielt. Besonders wundert es mich in diesem Zusammenhang, dass viele Menschen überhaupt nicht wissen, dass die Skatalites die erste Band Bob Marleys war.

Du bist seit gut 20 Jahren dabei, was war das für ein Gefühl, als du angefangen hast?

Ken Stewart: Das war phantastisch. Stell dir vor, der Schlagzeuger der berühmtesten Skaband aller Zeiten klopft bei dir an und fragt, ob du bei ihnen mitspielen willst?

Klingt ja fast ehrfürchtig.

Ken Stewart: Na ja, Ehrfurcht wäre etwas viel gesagt, aber einen riesengroßen Respekt hatte ich schon – klar. Den habe ich übrigens immer noch. Ich habe hier soviel gelernt und wir haben sehr, sehr viel Spaß.

Wie stehst du zur Rastabewegung?

Ken Stewart: Ich würde mich nicht als Rasta bezeichnen, aber die Prinzipien und die Philosophie sprechen mich an und haben einen wichtigen Platz in meinem Leben.

Skatalites live (c) Guido Barth
Skatalites live (c) Guido Barth

Lloyd Knibb, Gründungsmitglied von 1963, Schlagzeug

Llyod, die Skatalites sind über vierzig Jahre im Geschäft und ihr tourt immer noch sehr viel. Du bist von Anfang an dabei gewesen – verrätst du uns das Erfolgsrezept?

Lloyd Knibb: Was heißt verraten, das ist gar kein Geheimnis: Liebe zur Musik, der Rest ist harte Arbeit.

Du gehst auf die 70 zu, machen monatelange Touren überhaupt noch Spaß?

Lloyd Knibb: Aber sicher, wie ich schon gesagt habe, wir lieben die Musik und wir bringen eine Message; das gibt schon viel Kraft. Was gibt es schöneres, als das Publikum mit der Musik glücklich zu machen. Ich sage dir aber auch ganz ehrlich, in meinem Alter steckst du das nicht mehr so einfach weg wie Ken oder Kevin (Batchelor, Trompete), die ja viel jünger sind.

Probt ihr eigentlich viel?

Lloyd Knibb: Eher weniger. Ganz zu Anfang haben wir sehr viel geübt. Seit wir mit der Musik Geld verdienen, spielen wir sowieso fast jeden Tag stundenlang. An den freien Tagen treffen wir uns dann oft noch zu Sessions. Klar, wenn du neues Material bearbeitest, wird natürlich geprobt – solange, bis alles passt.

Ist das Musikbusiness über die Jahre härter geworden?

Lloyd Knibb: (Lacht) Was denkst Du denn? Einfach war es in den Anfangsjahren zwar auch nicht, etwa im Studio von Clement ‚Sir Coxsone‘ Dodd , wie in allen anderen auch. Geld gab’s nur, wenn du gespielt hast, fertig. Du musstest halt sehen, dass du zurechtkommst.

Heute ist die Geschwindigkeit im Business viel schneller. Heute entscheidet nicht immer gute Musik über den Erfolg eines Albums oder einer Band. Viel wichtiger ist das Marketing, weltweites Marketing. Das können sich aber nur die Großen im Geschäft leisten. Damals war die Qualität viel wichtiger und wir waren ja richtig gut, deswegen hatten wir auch genug Aufträge.

Vin „Don Drummond Jr.“ Gordon, Skatalites-Mitglied seit 2004, Posaune

Vin gilt als Jamaikas bester Posaunist. Während des Gesprächs spielt ununterbrochen Bob Marley-Musik aus seiner Hosentasche.

Bist Du Bob Marley Fan?

Vin Gordon: Sure. Ich mag seine Musik und er hat Jamaicas Musik überall auf der Welt zum Durchbruch verholfen. Sein Album „Exodus“ ist zum Album des Jahrhunderts gewählt worden und wurde vorletztes Jahr neu veröffentlicht.

Du kommst ursprünglich aus Kingston, wohnst aber jetzt in Ocho Rios, warum?

Vin Gordon: Ganz einfach, in Ochi kann ich besser Geld verdienen. Wenn ich nicht mit den Skatalites unterwegs bin, spiele ich viel in Hotels und für die Kreuzfahrt-Touristen. Die wollen die Standards hören, manchmal gibt es auch Acapella. Wem die Musik gefällt, der kauft meine CDs.

Lloyd Knibb: Wieviel nimmst Du für eine CD?

Vin Gordon: 15,- bucks.

Lloyd Knibb: US? (Der Jamaica Dollar ist praktisch wertlos.)

(alle lachen)

Vin Gordon: US, klar.

Was ist aus dem Jamaica Dollar geworden?

Vin Gordon: Den kannst du vergessen. Dafür kannst du nicht Mal mehr im Bus bezahlen. Im Supermarkt geben sie ihn dir als Wechselgeld, du kannst aber nicht damit bezahlen.

Skatalites live (c) Guido Barth
Skatalites live (c) Guido Barth

In Jamaika gibt es viele arme Leute, es gibt Ghettos und Korruption; auf der anderen Seite gibt es viele Touristen, die Spaß haben wollen und ein paar Eindrücke von der wunderschönen Insel mitnehmen wollen. Das passt nicht zusammen.

Vin Gordon: Ja, Jamaika ist wunderschön, aber viele Menschen leben ein trauriges Leben. Leider gehen die meisten Touristen da einfach nur durch, erleben das wie ein „sicheres“ Abenteuer und verschwinden abends wieder auf ihr Kreuzfahrtschiff. Für die Probleme interessieren sich die wenigstens – aber auch da gibt es Ausnahmen. Letztlich ist es aber so, dass es ohne den Tourismus noch viel schlimmer wäre. Ich lebe ja auch davon, zumindest zu einem Teil.

Wie geht es mit den Skatalites weiter?

Vin Gordon: Wir touren weiter wie bisher und irgendwann gibt es wieder ein neues Album. Mehr kann ich dir dazu gar nicht sagen, da fragst du am besten Lloyd, der kriegt auch das meiste Geld.

Lloyd Knibb: Ich sorge ja auch für den Rhythmus.

Bist Du also der Bandleader?

Lloyd Knibb: Wir haben keinen Bandleader, jedenfalls nicht wirklich. Wir besprechen eigentlich alles gemeinsam und auch unsere Musik entsteht gemeinsam. Jeder gibt seinen Beitrag.

Doreen Shaffer, Gründungsmitglied von 1963, Gesang

Don lebt in Ocho Rios, Lloyd hat ein Haus in Harbour View (Kingston), wo lebst du?

Doreen Shaffer: Ich lebe schon länger in New York. Ich mochte die Stadt schon bei meinem ersten Besuch. Irgendwann bin ich dann dort hingezogen. Ich habe aber auch oft Heimweh nach Jamaika. Zum Glück kann ich jederzeit dort hingehen und Freunde besuchen. Das mache ich natürlich auch.

Wie erinnerst du dich an damals, als ihr angefangen habt?

Doreen Shaffer: Das war eine verrückte Zeit. Ska ist ja mit uns populär geworden und wir haben mit so vielen Künstler gespielt: Bob, Peter, Toots, Jimmy Cliff, Alton Ellis, Ken Boothe, Derrick Morgan, Beverlys, Rudys, Delroy Wilson, Desmond Dekker und vielen anderen.

Monatelang auf Tour und das nur mit Männern, ist das nicht doppelt anstrengend?

Doreen Shaffer: Ich mache das ja nicht zum ersten Mal, außerdem sind die Jungs sehr nett und hilfsbereit. Das klappt sehr gut.

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