Ziggy Marley im Gespräch

Kategorien Interviews

Ziggi Marley-Fans werden es wissen: Das Album „Love Is My Religion“ ist bereits 2006 erschienen. Damals sprach Guido Barth mit dem Reggae-Künstler über die Platte, Liebe, Politik und gesunde Ernährung. Ein Interview mit Ziggi Marley, dessen Inhalt und Aussage kein Verfallsdatum hat.

„Love is My Religion“ ist der Titel deines aktuellen Albums. Es dreht sich also alles um die Liebe.

Ziggy Marley: Ja, Liebe – das ist meine Botschaft.

Du hast diesmal in Los Angeles aufgenommen und nicht wie sonst in
Kingston. Außerdem hast du einen weiten Bogen um die großen
Musikkonzerne gemacht. Was bedeutet das Album für dich?

Ziggy Marley: Ich bin mächtig stolz, besonders weil ich mit dem Album einen Traum verwirklichen konnte. Den hatte bereits mein Vater gehegt, konnte ihn aber nicht verwirklichen, weil er so jung gestorben ist. Das heißt, ich habe dieses Album selbst produziert, die Songs selbst geschrieben und auch viele Instrumente gespielt. Mir gehören also alle Rechte an den Liedern. Ich bin völlig unabhängig von einem großen Label.

In dem Video zum Titelsong spielen Hippies eine Hauptrolle und du beziehst dich woanders auch auf einem Beatlessong aus den 60ern…

Ziggy Marley: „All You Need is Love“, ja, daraus wurde „All We Need is Love“, das ist die
Message!

Ziggy Marley in der Hängematte (c) Johnny Black
Ziggy Marley in der Hängematte (c) Johnny Black

Die Realität sieht aber oft anders aus. Auf der Welt gibt es nicht nur Liebe. Was kann man für eine bessere Welt tun?

Ziggy Marley: Da gibt es keine schnellen Rezepte, das umfasst eher das Ganze. Ich kann niemandem sagen, okay, du musst das so und so machen und der Rest klappt dann schon. Das ganze Leben lang musst du dich bemühen, dass die Liebe gedeiht und die Welt besser wird. Geben, geben, geben – lebenslang, so funktioniert das.

Du sprichst in deinen Texten von einer Kultur der Liebe, des Herzens und der Harmonie: Hast du eine konkrete Idee, wie das praktisch aussehen könnte?

Ziggy Marley: Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Das ist nicht immer einfach und jeder muss sich anstrengen. Das fängt damit an, dass der Geist offen ist. Irgendwann hinterfragt man sich, was man alles sieht, fragt nach den Werten, etwa „Wer hat mir das beigebracht und mit welcher Absicht?“. So erkennt man Schritt für Schritt, was wirklich wichtig ist im Leben. Das ist ein schwieriger Prozess, aber anders geht es nicht.

Das heißt nicht, dass alles schlecht ist. Jedoch kommt alles aus ein und demselben System, und genau dieses System – das nicht universell ist – ist für die jetzige Situation verantwortlich. Liebe aber ist universell. Es geht dabei um das spirituelle, mentale Ringen, nicht um das politische oder soziale.

Es geht um den Kampf, den jeder Mensch mit sich selber austragen muss, der Kampf um Liebe. Der Kampf darum, dass sich die Menschen nicht mehr gegenseitig hassen und töten. Und das ist etwas, dass wir in uns selbst finden müssen. Das lässt sich nicht politisch oder sozial lösen.

Du schätzt die Vorteile einer vegetarischen Ernährung aus gesundheitlichen und ethischen Gründen. Was genau bedeutet das für dich?

Ziggy Marley: Menschen und Tiere sind von Gott erschaffen, also sind wir, so möchte ich das formulieren, wie Brüder und Schwestern. Wir gehören alle zur einer Familie und deshalb respektiere ich die Tiere.

Ziggy Marley am Tresen (c) Johnny Black
Ziggy Marley am Tresen (c) Johnny Black

Was bedeutet für dich die Aussage „Du bist, was du isst“?

Ziggy Marley: Ich denke, dass unser Körper nicht dafür gedacht ist, dass er mit Blut voll gestopft wird. Es ist besser, wenn wir Obst, Gemüse und solche Sachen essen und Tierprodukte reduzieren – zumal wir es für ein gutes Leben nicht brauchen.

Wie wichtig sind für dich ökologische Lebensmittel?

Ziggy Marley: Sie sind sehr wichtig.

Warum?

Ziggy Marley: Ich möchte möglichst natürlich leben und die Sachen eher einfach haben. Ohne dabei Grenzen setzen zu wollen. Aber der gesunde Menschenverstand sagt einem eigentlich, was die richtige Richtung ist.

Und das Richtige ist Bio?

Ziggy Marley: Ja, genau. Organisch, Bio eben. Ich bin in Jamaika auf einer Farm aufgewachsen und da haben wir biologisch angebaut. Meine Mutter Rita, sie lebt jetzt in Ghana, betreibt eine Farm für ökologischen Anbau. Außerdem führen wir auf den Bahamas das „Marley Resort & Spa“. Dort verarbeiten wir ausschließlich biologische Nahrungsmittel.

Wie ernährst du dich während einer Tour?

Ziggy Marley: Unsere Caterer werden sehr genau angewiesen. Das bedeutet z. B. dass heißes Essen auch wirklich heiß sein soll und kaltes wirklich kalt. Wir wollen auch immer richtiges Geschirr und auf gar keinen Fall Plastik. Alle Lebensmittel sind von allerbester Qualität und die Leute, die das für uns machen, wissen genau wie wir das haben möchten. Das läuft sehr gut.

Wenn du nicht auf Tour bist, lebst du in Los Angeles. Wer kauft bei dir zu Hause ein?

Ziggy Marley: Darum kümmert sich eher meine Frau. Sie kauft natürlich Bio-Lebensmittel. Wir haben zwei Kinder und könnten ihnen gar nichts anderes zu Essen geben, das wäre ganz unmöglich.

Ziggy Marley im Profil (c) Johnny Black
Ziggy Marley im Profil (c) Johnny Black

Lass uns noch mal über deine aktuelle CD sprechen, bitte. „Love is My Religion“ wurde in den USA direkt von dem Einzelhandels-Unternehmen Target vertrieben und du hattest anders als üblich kein Major Label, die das alles erledigen, dafür besitzt du alle Rechte an den Masters. Wie ist das gelaufen, wie ist dein Fazit?

Ziggy Marley: Es ist okay, aber es war nur für ein Jahr vereinbart. Das ist jetzt vorbei. Es war ein Experiment, aber ich möchte das nicht noch mal machen. Wie auch immer, ich lerne aus diesen Erfahrungen.

„Into The Groove“ von deinem aktuellen Album gibt es als free-download auf dem Podsave Network und du sagst Musik sollte und wird eines Tages völlig frei sein.

Ziggy Marley: Ja, alles wird frei.

Wovon willst du dann leben, schließlich hast du einiges, was du bezahlen musst, die Musiker, Touren, die Familie und wer weiß, was noch?

Ziggy Marley: Wir finden einen anderen Weg, da ist immer ein Weg; die Vögel und die Bienen, sie haben ihren Weg und wir finden auch einen. Da mach ich mir gar keine Sorgen. Es gibt immer einen Weg.

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