Die Buju Banton Festspiele von Köln – So war das Summerjam 2019

Kategorien Veranstaltungen

Die Vorzeichen waren klar. Alle – okay fast alle – warteten auf einen Mann an diesem Samstagabend. Kurz nach 23:30 hieß es Vorgang auf: Die Reibeisenstimme des Reggaes war zurück in Europa, zurück auf dem Summerjam Festival. Buju Banton has returned.

Es war die Line-Up Ankündigung, auf die Reggae-Deutschland gewartet hat im April diesen Jahres: Buju Banton,der Gargamel, wird das Summerjam Festival 2019 headlinen und damit seinen ersten Europa-Auftritt nach seiner mehrjährigen Haftstrafe in Deutschland performen. Leute, ich sag euch eins: es war der absolute Kracher! Die Show, die Band und Buju natürlich selbst: auf den Punkt! Jeder Ton saß, jedes kleinste Detail stimmte und ein Hit folgte auf den nächsten. Die Show strotze nur so von Professionalität, die man von jamaikanischen Artist ja nicht immer so gewohnt ist…

Klar, Buju ist der wohl ungekrönte Nachfolger Bob Marleys. Aber mit welcher Akribie und Stringenz die Marketingmaschinerie seit Day One der Entlassung Bantons durchgezogen wird erstaunt mich schon. Gleichzeitig sollte man aber auch eher nicht darüber nachdenken, wie das mit „Bun Babylon“-Floskeln und ähnlichem zusammenpasst…

Es war tatsächlich so etwas wie ein Kribbeln zu spüren. Eine Magie der Vorfreude lag in der Luft bevor Buju sein „Our Father in Zion“ am Festivalsamstag hinter der Bühne anstimmte. Was dann folgte waren 90 Minuten Musikgeschichte.

Doch das Summerjam hatte freilich nicht nur Buju zu bieten. Die erste Überraschung gab’s direkt zur Opening-Party am Donnerstag. Denn das ehemalige Roots-Center am P2 wurde zur „Vibez Village“ und hat sich nicht nur namentlich verändert. Das große Regen-Dach ist Geschichte und wich einem liebevoll gestalteten Neo-Hippie-OpenAir Gelände mit größerer Bühne. Gut, dass das Wetter sich am gesamten Wochenende von seiner guten Seite zeigte.

Freitag boten Koffee, Agent Sasco und Popcaan – allesamt auf der Green Stage – die sehenswertesten Shows. Immer noch verrückt, welchen Hype Koffee in den letzten ein, zwei Jahren erlebt. Talentiertes Mädel. Wir können gespannt sein, welche Entwicklung sie in den kommenden Jahren noch nehmen wird. Am Sound der Green Stage müssen die Jungs & Mädels vom Summerjam aber weiterhin arbeiten. Erstens: oft zu leise und zweitens: steht man nicht mittig vor der Bühne, ist es schwer überhaupt etwas zu verstehen. Einfach das gleiche Prinzip der Red Stage anwenden und Boxen auch seitlich hängen. Damit wäre viel getan.

Ich sprach bereits viel vom Highlight am Samstag. Möchte aber nicht das Gegenteil, direkt davor, verschweigen. Wizkid war der Reinfall des Wochenendes. Wer als sein eigener MC über Playback nur ab und zu ins Mikro quatscht, hat seine Gage eigentlich gar nicht verdient. Naja anyway. Danach kam ja Buju. Kabaka Pyramid, Dub Inc. und Protoje haben dazu schon tagsüber wie gewohnt ordentlich abgeliefert.

Am Sonntag haben dann viele auf Cypress Hill gewartet. Ich sag nur „Insane in the Brain“. Mit mir hat der Auftritt zwar nicht viel gemacht. Aber ich bin halt auch nicht der große HipHop Head. Handwerklich war‘s jedoch gut gemacht. Jimmy Cliff hingegen ist dann hingegen auch für mich wieder ein Volltreffer gewesen. Die perfekte Besetzung für diesen Abschlussslot. Einfach ultra sympathisch, wie viel Spaß Jimmy nach all den Jahren auf der Bühne noch hat. Von Nyabinghi über Gospel, Ska und Reggae: in anderthalb Stunden einmal quer durch die jamaikanische Musikgeschichte. Und als sich danach beim traditionellen Ende mit Mr. Summerjam Andrew Murphy alle einhakten und schunkelt gemeinsam Bob Marleys Redemption Song schmetterten war wieder dieser besondere Vibe zu spüren und bei dem ein oder anderen eine kleine Abschiedsträne im Auge.

Flo
Musik machen, Musik hören, über Musik schreiben – Musik ist mein Leben. Die Liebe zu Reggae und Dancehall begleitet mich seit einigen Jahren und lässt mich nicht mehr los. Big up!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.