Wie deutsche Dancehall Kultur begann und was sie jetzt ist …

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Key To The City - Dancehll in Stuttgart

Im Club tropfte es noch von der Decke. Die neuesten Tunes hatte zuerst das Lieblings-Soundsystem und nicht Spotify.

Und irgendwie war in den 90ern sowieso alles anders. Die neue Doku „Key to the City – Dancehall in Stuttgart“ zeigt, wie Jamaika erstmals in deutschen Clubs landete.

Gleichzeitig aber auch, was in den letzten Jahren an Partykultur verloren ging …

Elmar Jäger, Gründer vom World-Clash-Gewinnersound Sentinel, sitzt an seinem Küchentisch und kramt in Fotoalben. Shotta Paul von den Jugglerz erinnert sich, wie er am Tag nach seinem Deutsch-Abitur im „Landespavilion“ von der Energie des jamaikanischen Heavyweight-Sounds Stone Love Movement beeindruckt war. Und Riddim Magazin-Autor Uli Nefzer erzählt, wie Gentleman eher zufällig mit Freundeskreis und nicht mit Fanta 4 im Studio stand.

Key to the City – Dancehall in Stuttgart

All das und mehr zeigt die neue Online-Doku „Key to the City – Dancehall in Stuttgart“. Respekt und Big Up! an die Jungs von Pinnacle Clothing, die mit der Doku ein Stück deutsche Reggae- und Dancehall-Geschichte aufarbeiten und diese wahnsinnige Arbeit auf sich genommen haben. 1A recherchiert und top produziert. Die erste Episode der vierteiligen Doku dauert gut 45 Minuten. Gut investierte Zeit, die dich nicht langweilen wird.

Key To The City – Dancehall in Stuttgart | Doku (1/4)

Detailliert zeichnen sie den Weg vom allerersten Sound der Stuttgarter Region, African Princess, bis zur großen, breiten Szene, die in Deutschland auch heute noch eine der führenden ist. Dabei kommen alle zu Wort, die Teil dieser Entwicklung waren: von Selecter Manitu des Lucky Punch Soundsystems, über die Skill Battery Soundstation bis hin zu Fabi Benz, der Keep it Real Crew oder Kingseyes.

Besonders beeindruckt mich Uli Nefzer, der mit seiner Umtriebigkeit und einer unglaublichen Expertise die tragende Figur dieser ersten Episode ist.

Immer wieder fallen die Namen Silly Walks und Gentleman. Aber auch Sound-Urgesteine wie Soundquake und Pow Pow Movement werden genannt, wenn es um die Leute geht, die Reggae und Dancehall in der deutschen Clublandschaft verankert haben.

Was ist los mit der Dancehall Kultur?

Ich rede selten von „guten alten Zeiten“ oder glorifiziere Vergangenes. Aber ich werde ein bisschen wehmütig, während ich die Archiv-Videoschnipsel der illegalen Partys unter den Autobahnbrücken sehe.

Auch ist in der Doku häufiger von „Sich gehen lassen“-Läden die Rede. Eine Spezies Club, die mittlerweile fast tot ist. Outfit und Frisur sind heute wichtiger als die Party. Die Feierkultur hat sich in den letzten Jahren  verändert. Klar, alles entwickelt sich weiter. Aber leider haben Dances in diesem Punkt etwas an Charakter verloren.

Wo sind sie hin, die Rags und Torches? Wo sind die Leute, die wie wild gegen die Wände schlagen, wenn ein Big Tune gespielt wird? Heutzutage bin ich ja fast der Einzige im Club, der noch ein Handtuch einstecken hat. Vieles gleicht sich an, vermischt sich zu einer Einheitssoße. Dancehall wird mit EDM zu „Tropical House“ und alles muss einer breiten Masse gefallen.

Das Besondere an Reggae- und Dancehall-Partys ist doch aber das spezielle Feiern diese Musik, oder?

Back to the Rotz im Dancehall

Dances verkommen zunehmend zum „Money Ting“. Der reine Spaß an der Sache reicht oft als Antrieb nicht mehr aus. Stellt wieder mehr Soundsysteme in den Wald und feiert, bis die Polizei den Dance auflöst. Einfach mehr machen. Alles wirkt so professionalisiert. Mir fehlt die Rotzigkeit von damals. Das wäre mein Wunsch für 2019.

Habt ihr euch die Doku auch schon angesehen?

Denkt ihr auch, dass Dances in gewissen Punkten an Charakter verloren haben?

Schreibt es mir in die Kommentare.

Flo
Musik machen, Musik hören, über Musik schreiben – Musik ist mein Leben. Die Liebe zu Reggae und Dancehall begleitet mich seit einigen Jahren und lässt mich nicht mehr los. Big up!

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