11 erprobte Tipps für deinen ersten Live-Auftritt

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Live Aufritt auf einer grün beleuchteten Bühne

Das Jahr mit einem Gast-Auftritt beim Berlin Boom Orchestra starten: Check.

Hat Spaß gemacht, die 600 Leute (?) im SO36 in Kreuzberg ein paar Minuten zu unterhalten. Zusammen mit Mal Élevé (ja, der von Irie Révoltés). Irre.

Und weil’s so schön war, teile ich heute meine Erfahrungen mit dir und geb meine eigens erprobten Tipps zum ersten Live-Auftritt weiter.

Gut, das war nicht mein erster Live-Auftritt. Es war der sechste, vielleicht. Ich mach das ein bis zwei Mal im Jahr, eher bei Soundsystem-Sessions. Fühlt sich immer wie der erste Auftritt an.



Warum ich dir Tipps gebe? Ich will mehr MCs in der Reggae-Dancehall-Szene sehen. Ich glaube, es gibt einige Leute wie mich, die Texte schreiben, in der eigenen Bude über Riddims reiten, aber nie rausgehen.

Falls du so einer bist, lies dir genau durch, was jetzt kommt. Das hilft dir beim ersten Auftritt mit Band genauso wie bei einer Soundsystem-Sause (da kannst du uneingeladen hin und freundlich nach dem Mikrofon fragen).

Vor deinem ersten Live-Auftritt …

Vor dem Konzert ist die wichtigste Phase. Wenn du dich hier reinhängst, läuft’s live (fast) automatisch. Wenn du das halbherzig machst, wird’s schwierig.

  • Sag JA: Du musst dir selbst sicher sein, dass du live abreißen willst. Also sag JA zu jeder Chance, die du bekommst. Ich habe meist halbherzig zugesagt und dann Angst vor den Auftritten gehabt. Schaff ich das? Verkack ich das nicht? Diesmal habe ich JA zu mir gesagt. Was es gebracht hat? Ich habe mich auf das Konzert gefreut und mich mit dem Auftritt beschäftigt.
  • Lern deinen Text bis zum Kotzen: Je besser du deine Texte kannst, desto sicherer bist du auf der Bühne (und kannst improvisieren, wenn du Wörter vergisst). Ich musste nur einen Text für meinen Gast-Auftritt lernen. Ich habe ihn mit Kugelschreiber notiert und auswendig gelernt wie damals Schulgedichte. Dann habe ich den Text gesungen. Laut, leise, schnell, langsam, auf unterschiedlichen Instrumentalen, auf dem Fahrrad, unter der Dusche. Bestimmt 127 Mal in drei Tagen. (Beim Konzert habe ich ihn trotzdem vergeigt, aber dazu später mehr.)
  • Stell dir deinen Auftritt vor: Such dir eine ruhige Ecke, schließe deine Augen und stell dir vor, wie du auf der Bühne stehst. Wie das Publikum aussieht. Wie es sich anfühlt oben zu stehen. Nimm dein Mikrofon (oder alternativ eine Banane) in deine Hand und sing dein Lied. Beweg dich mit deinem Mikrofon und deinem Körper so, wie du’s später live machen willst. Probier aus, was sich für dich gut anfühlt. Klingt komisch? Mir hat’s sehr geholfen. Wenn du weißt, wie du dich auf der Bühne bewegst willst, bist du lockerer. Also lieber vorher im Kopf durchspielen, damit du später nicht verkrampfst.
  • Keine Angst vor den Profis: Auf Mal Élevé war ich nicht vorbereitet. Der Mann hat mit den Irie Révoltés in 17 Jahren sechs Alben gemacht und über 1.000 Konzerte gespielt. Mindestens 24 Ligen höher als ich. Aber hey, die Jungs sind alle nett, freundlich und unterstützen dich. Zumindest alle, die ich bis jetzt getroffen habe. Und wenn du die ersten drei Tipps umsetzt, bist du selbstbewusster. Big Up! Mal Élevé, Longfingah und Tonto Addi.

Bei deinem ersten Live-Auftritt …

Du kannst deine Texte. Du hast dir grob vorgestellt, was dich auf der Bühne erwartet. Dann geht’s los.

  • Sei pünktlich: Du willst guten Stress. Aufregung. Also nicht den Oh-Gott-ich-hab-nur-noch-zwei-Minuten-Stress. Komm einen Stunde vorher, mindestens. Rede mit der Band oder dem Soundsystem-Betreiber, fühl dich in die Stimmung des Abends ein.
  • Mach einfach weiter bei Fehlern: Live verzeiht Fehler, vor allem wenn du frisch dabei bist. Beim Berlin Boom-Konzert habe ich den Text nicht so gebracht, wie ich ihn aufgeschrieben und gelernt habe. Aber ey, du bist frisch, die Leute kennen deine Lyrics nicht. (Das wird später schwierig, wenn du echte Fans hast.) Mach einfach weiter, falls du dich verhaspelst. Hauptsache, du bleibst im Flow.
  • Hab Spaß: Wichtig! Wichtig! Wichtig! Hab die Zeit deines Lebens. Wer weiß, wann dein nächster Auftritt kommt.
  • Such dir eine Person, die abgeht: Die Zuschauer kennen dich meist nicht. Vielleicht sind einige skeptisch, was du da machst. Andere sind eh gut drauf und lachen dich an. Halte dich an sie. Ihre Freude wird dich anstecken und locker machen.

Nach deinem ersten Live-Auftritt …

Du bist durch. Jetzt erst mal entspannen und dann nacharbeiten.

  • Freu dich, atme aus: Du hast es geschafft. War geil, oder? Feier dich, ehrlich. Und bedank dich bei der Band oder dem Soundsystem-Betreiber, die das ermöglicht haben.
  • Analysiere deinen Auftritt: Guck mit etwas Abstand, was gut gelaufen ist und was nicht. Vielleicht filmt ein Kumpel mit oder nimmt den Ton auf. Dann kannst du deine Stimm hören, deine Bewegungen sehen. Ich muss unbedingt kontrollierter atmen und meine Stimme besser beherrschen. Und lernen, damit ich den Text nächstes Mal durchziehen kann. Vielleicht kennen ihn einige Leute dann schon.
  • Übe, übe, übe!

Dein erster oder nächster Auftritt kommt bestimmt. Sag JA und zieh’s durch.

Ich hoffe, meine Tipps helfen dir.


Hast du jetzt ’ne Minute? Dann schreib deine Live-Tipps bitte unten in die Kommentare. (Interessiert mich sehr. Ich antworte dir 100 %.)


Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

4 Gedanken zu „11 erprobte Tipps für deinen ersten Live-Auftritt

  1. Hallo Nils,

    vielen Dank für die Tipps. Leider habe ich meine Ambitionen bereits vor einigen Jahren beiseite gelegt. Als es Anfang/Mitte des letzten Jahrzehnts noch eine dicke Soundsystem-Szene bei uns gab und ich fleißig textete fehlten mir genau diese Tipps.
    Vielleicht strebt ja in ein paar Jahren eines meiner Kids nach der Bühne, dann werde ich gerne darauf zurückgreifen.

    Auf jeden Fall habe ich mir den kurzen Clip angesehen und möchte dir sagen, dass ich positiv überrascht war. Neben einem wie Mal Élevé kann man schon ehrfürchtig werden und das hast du wirklich super gemacht. Ich ziehe meinen Hut. Chapeau!

    Bleibe auf jeden Fall am Ball und ermuntere weiter junge Talente sich selbst auszuprobieren. Es wäre doch schade, würde die Szene noch weiter schrumpfen – immerhin sprechen wir hier von einem immateriellen Weltkulturerbe.

    Hochachtungsvoll
    Claudius

    1. Hi Claudius,

      ich freu mich über deinen Kommentar und dein Lob.

      Ich habe über Google Tipps gesucht. Die bekommst du meist auf Musikmarketing-Blogs, aber nie von Künstlern direkt. Schon gar nicht von Anfänger (höchstens in Foren).

      Deshalb habe ich meine Erfahrungen aufgeschrieben.

      Gib deinen Kids die Tipps gern weiter … oder mach selbst noch mal. Ich hab mit Mitte 30 angefangen.

      Liebe Grüße

      Nils

  2. Hallo Nils,

    habe die ganze Zeit schon auf einen Post von dir zum BBO-Konzert gewartet. Leider hab‘ ich diesen Eintrag hier erst jetzt mitbekommnen.

    Warum hab‘ ich darauf gewartet? Einfach mal m dir den dicksten Respekt überhaupt zu zollen! Vielleicht klingt es für dich komisch aber deinen Part hab‘ ich am meisten gefeiert. Für mich ganz klar das Highlight des Konzerts!

    Vielleicht lag’s daran, dass ich dich schon kannte und meinem Freund, mit dem ich auf das Konzert gegangen bin, schon am Abend vorher deine Sachen vorgespielt habe.

    Anyways, dein Flow, dein Auftreten, einfach deinen kompletten Style den du ausgepackt hast war einfach ’ne absolute Nummer, zwischenzeitlich dachte ich du legst das Mic garnicht mehr aus der Hand, haha!

    Hätte dir das gerne alles persönlich nach dem Konzert gesagt, musste aber aus Zeitgründen schon direkt nach Ende los.

    Die Tipps, die du hier geschrieben hast, haben sich für dich auf jeden Fall gelohnt, und ich hoffe dich irgendwann nochmal auf der Bühne zu sehen. Würde mich riesig freuen (für dich und für mich)!

    Mach bitte weiter so und behalte deinen Style bei!

    Dickste Grüße,
    Yannick

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