Dub und Schweden? Ja, Internal Dread konnte das richtig gut!

Kategorien Alben & EPs, Gute Musik
papa dee, jamaican giants, internal dread

Wie fällt man bitte aus einem fahrenden Tourbus, nachts, auf der Autobahn?

Komische Frage, aber ich stell sie mir jedes Mal, wenn ich diese Platte in der Hand hab und Internal Dread seh. Das schwedische Dub-Genie ist genau so gestorben vor sechs Jahren. Hat mich richtig umgehauen damals. Wir waren befreundet.

Danach lag Papa Dee Meets The Jamaican Giants vs Internal Dread – In Dub brach. Zum Glück hat sich Sänger Papa Dee darum gekümmert, dass das Album jetzt rausgekommen ist.

Schweden und Reggae klingt für dich vielleicht so passend wie Pudding mit Bratensoße. Aber nein, die Szene ist lebendig, mit vielen muttersprachlichen Künstlern, Sounds, Produzenten.

2011 und 2012 hab ich mir das beim Rebel Music Festival angeschaut – und Internal Dread getroffen (nach unzähligen Skype-Chats und E-Mails). Leider eine viel zu kurze Freundschaft.

Ab und an schaffen es schwedische Künstler sogar in die große Welt, Million Stylez zum Beispiel. Oder Junior Natural, der 2017 mit Sly und Robbie das Militant-Album gemacht hat.

Papa Dee war auch schon überall unterwegs. Mischt ja seit Ende der 1980er Jahre mit. Aber durchschlagend bekannt ist er nicht geworden. Obwohl er echt gut singt. Also wirklich richtig gut, mit kräftiger und gefühlvoller Stimme.

2008 erschien Papa Dee Meets The Jamaican Giants, die Basis der In Dub-Platte. Der Name ist Programm. Ja, die Phrase ist ausgelutscht wie Wassereis im Hochsommer, aber sie passt einhundertdrei Prozent.

Jamaikanischen Musik-Riesen wie Earl „Chinna“ Smith, Errol „Flabba“ Holt, Leroy „Horsemouth“ Wallace und Dwight Pickney spielten die Musik ein. Darauf singt Papa Dee bekannte und weniger bekannte Lieder von jamaikanischen Künstlern wie Gregory Isaacs, Errol Dunkley und Dennis Brown.

Einfach wunderschön.

Und genauso wunderschön ist In Dub. Die Bässe laufen schwer, meditativ. Echo-Fahnen wehen endlos. Hier und da singt Papa Dee oder sagt nur ein Wort und verliert sich dann wieder im Raum. Keine wilden Experimente. Alte-Schule-Dub, so warm wie meine Wollmütze.

Internal Dread hat das Dub-Handwerk unter anderem von Dennis Bovell gelernt und stand zeitweise bei seinen Live-Auftritten am Mischpult. Übrigens auch für den Dub-Poeten Linton Kwesi Johnson.

Das Artwork ist künstlerisch so nah am Original wie die Dub-Versionen musikalisch. Handgemalt mit allen Beteiligten, ergänzt um den Dub-Meister selbst.

Was mich richtig glücklich macht: Ich bin Teil dieses Projekts. Auf der Rückseite ist ein Foto von Tom Hofwander alias Internal Dread. Das hab ich 2011 in seinem Weedwood Studio geschossen.

Internal Dread im Weedwood Studio
Internal Dread im Weedwood Studio

Daniel alias Papa Dee schrieb mir, dass nur 250 Platten gepresst wurden. Ich hab gerade geguckt: Noch bekommst du sie in allen großen Online-Shops.

Leider kann ich dir keine Hörprobe vorspielen. Du musst mir einfach glauben, dass Papa Dee Meets The Jamaican Giants vs Internal Dread – In Dub eine unfassbar dufte Scheibe ist.

Oder du glaubst Dennis Bovell, der in den Liner Notes schreibt:

„He mastered the art of ‚Dub‘ mixing as portrayed in this magnificent work alongside Papa Dee and the Jamaican Giants. … Bbbbrrrrraaaaaddddooooowwww!!!“

Jupp. Ich stimm zu.

Rest in music, Tom.

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

2 Gedanken zu „Dub und Schweden? Ja, Internal Dread konnte das richtig gut!

    1. Salut Brownie, du machst alles richtig mit der Scheibe. Wenn du sie hast, schreib mir bitte deine Meinung hier in die Kommentare. Liebsten Dank und einen schönen Tag für dich.

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