Karneval der Kulturen 2018 in Berlin – Einmal Karibik und zurück

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Karneval der Kulturen 2018 in Berlin

Für ein Wochenende im Jahr verwandelt sich Berlin zum Mekka für alle Liebhaber des karibisches Karnevals und der Soca Musik. Auf dem Karneval der Kulturen von Donnerstag bis Pfingstmontag gibt’s Partys fast rund um die Uhr. Da erlebt man so einiges …

Die Sonne färbt sich inzwischen tieforange und sinkt immer tiefer in den Berliner Samstagabend – ich laufe nach links, gehe die Treppen vom Oberdeck ins Schiffinnere herunter und stehe auf einmal mitten auf einem Dance in Kingston oder Port of Spain. So fühlt es sich jedenfalls an.

Eine feiernde Masse von Carribeans aus der ganzen Welt (viele Soca Fans aus Holland, UK und Frankreich) tanzt Ding Dongs Shoulder Fi A Fling, palanced von links nach rechts und wined zu Machel Montano als gäbe es kein Morgen mehr. Dabei haben die meisten hier schon zwei Tage Eskalation hinter sich und auch noch vor sich. Aber der Reihe nach.

Freitagmittag, das Auto ist voll besetzt und wir sind bereit fi di Road. Also zuerst einmal die Autobahn-Road. Ich feiere dieses Jahr ein kleines persönliches Jubiläum, denn für mich ist es der fünfte Karneval der Kulturen in Berlin und jedes Jahr hat sich dabei meine Aufenthaltsdauer verlängert. War ich 2014 nur Sonntag zum Roadmarch in Berlin, stehen in diesem Jahr schon sieben Events auf dem Programm. Und selbst bei der Anzahl ist noch Luft nach oben, denn der Weekender startet bereits traditionell Donnerstag mit dem J’ouvert.

Soca on the Beach beim Karneval der Kulturen 2018

Nach einem kurzen Check-In im Hotel geht’s für uns direkt los. Zu Fuß heißt das Ziel „Badeschiff Berlin“ – an dieser wunderschönen Location steigt „Soca on the Beach“. Für die Party im Sand ist das Wetter leider noch etwas trüb und kühl. Aber der Wetterbericht verspricht Besserung. Einige Wenige wagen sich trotzdem in den Pool, der mitten in die Spree gebaut ist, und der Rest genießt einfach die (für uns) ersten Soca Vibes in diesem Jahr. Von Stunde zu Stunde steigt schließlich auch die Stimmung.

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Trübes Wetter am Freitag war den Soca Fans egal. Gefeiert wurde trotzdem. Foto: Florian Kneffel

Am frühen Abend geht es für uns dann aber nochmal ins Hotel, um uns in den Dresscode der „Fire Fete“ zu schmeißen. In diesem Jahr sind fast alle Partys in neuen Locations, was einen schönen frischen Wind in die jahrelang aufgebaute Carnival-Routine bringt. „Huxleys neue Welt“ ist 2018 also Heimat für die Party am Freitag und erweist sich als gute Wahl.

Mit der U-Bahn gut zu erreichen, genug Platz für viele Soca-Fans und recht kurze Wartezeiten an der Bar. Auf dem Weg zum Club treffen wir zunächst auf unsere sächsischen Soca-Kollegen der „Soca Lions Leipzig“ und vor dem Club schließlich auf unsere Freunde vom „Durchclub“ aus dem Bielefelder Raum. Der Bacchanal kann also starten! Highlight des Abends: das Set von Willy Chin – wir tanzen bis kurz vor 6 Uhr und liegen kurz danach glücklich im Bett.

Erst BBQ im Pirates Berlin, dann Carnival Cruise auf der Spree

„Kurz“ – gutes Stichwort. Auch die Nacht ist recht kurz und nach einem stärkenden Frühstück geht’s schon wieder zur nächsten Party. Direkt hinter den Resten der alten Berliner Mauer und in Nachbarschaft zur Oberbaumbrücke steigt im „Pirates Berlin“ das alljährliche BBQ. Wunderschöne Location, die das Samstag-WarmUp schon fast in eine weitere Beachparty verwandelt. Für alle Kurzentschlossenen gibt’s hier auch noch die letzten Shirts für die Road am Tag danach. Und heute stimmt nun auch endlich das Wetter: Sonne und 24°C – perfekt!

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Das BBQ fand dieses Jahr erstmals im „Pirates Berlin“ statt. Eine wundervolle Location. Foto: Florian Kneffel

Gegen 18 Uhr legen wir schließlich mit dem Carnival Cruise ab. Freunde haben mir bereits begeistert von den letzten Jahren berichtet und somit freu ich mich umso mehr auf dieses vorläufige Highlight. Das Oberdeck muss aufgrund Lärmbestimmungen die ersten Minuten noch ohne Musik auskommen, aber nach der dritten Brücke kann die Open-Air-Party schließlich auch beginnen. Der Cruise startet jedoch recht verhalten – haben mir die Freunde doch zu viel versprochen?

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Das BBQ war das perfekte WarmUp für den anschließenden Carnival Cruise. Foto: Florian Kneffel

Okay, nein – haben sie nicht. Von Minute zu Minute steigen die Vibes und spätestens an der Wendeschleife, als alle vier Boote aufeinandertreffen ist die Stimmung am Siedepunkt. Verrückt, was hier abgeht. Der Rum fließt in Strömen und an der ein oder anderen Stelle fragt man sich schon, ob die Schiffe das aushalten, denn durch die feiernde Meute springt man automatisch – auch wenn man eigentlich fest auf dem Deck steht. Trillerpfeifen, wedelnde Rags und auf-den-Tischen-tanzende-Menschen bestimmen das Geschehen. Im Bootsinneren das gleiche Bild – man steht gefühlt direkt in der Karibik.

Ganz in Weiss zum Carnival Glow

Nach gut vier Stunden Bootsfahrt ist im Hotel noch einmal Zeit für genau 30 Minuten Powernap und 15 Minuten Umziehen, bevor die nächste Party steigt. „Ganz in weiß, mit einem Blumenstrauß…“ – zugegeben: ohne Blumenstrauß, aber in Weiß heißt es nun: „Carnival Glow“. Ursprünglich für die Columbia Halle geplant, ist der Soca-Floor wegen technischen Gründen in die bekannte „Huxleys neue Welt“ verlegt worden. Zum Dancehall-Floor mit einem sehenswerten LineUp (Jugglerz, Warrior Sound,…) wurde ein Shuttle-Service eingerichtet.

Carnival heißt für mich jedoch Soca! Und nicht nur deswegen bleiben wir die ganze Nacht dem Soca Floor treu. „Kes“ reißt mit seiner Band ordentlich ab und es wird einem noch einmal bewusst, wie viel Hits der Junge eigentlich hat. Für mich das beste Konzert, was es die letzten Jahr bei der Glow gab – eine Liveband im Rücken gibt einfach eine Dynamik, die man nicht so leicht toppen kann.

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„Kes“ lieferte beim „Carnival Glow“ ein hervorragendes Konzert ab. Foto: Florian Kneffel

Pon di Road beim Karneval der Kulturen 2018

Diesmal liegen wir erst 7 Uhr im Bett mit dem Wissen, dass es gleich wieder rausgeht. Wir brauchen früh zu lang, um es zum „Mas Camp“ – dem zentralen Carnival Fever Treffpunkt –zu schaffen und laufen also gegen 15 Uhr direkt zum Straßenumzug. Dieses Jahr verläuft die Strecke in umgekehrter Richtung. Ich hatte gelesen, dass dies wohl die Sicherheit erhöhen soll. Keine Ahnung wieso, aber es wird sich jemanden etwas dabei gedacht haben.

Für mich wirkt der Weg zum Truck noch voller und ich plädiere deswegen wieder für die alte Routenführung. Pon di Road ist dann wieder alles beim Alten: Es wird gewined, gefeiert und das Leben in vollen Zügen genossen. Man verliert seine Freunde in der Masse und trifft immer mal wieder einen wieder. Immer mehr Leute schließen sich dem letzten Truck des 68-Wagen-umfassenden-Straßenumzugs an und feiern die von uns allen geliebte karibische Kultur. Nicht wenige, die am Straßenrand bei der expliziten Tanzweise einen kleinen Kulturschock erleben…

Gegen 22 Uhr am Hermannplatz angekommen, endet der Roadmarch für dieses Jahr. Da das alles echt in die Beine geht und man zu diesem Zeitpunkt schon ganz gut erschöpft ist, entscheiden wir uns – wie jedes Jahr – für das YAAM als Aftershow. 10 Meter vom Hotel entfernt, göttlich.

Gegen 3 Uhr ruft das Bett und Montag stehen nur noch der Check-Out und ein kleiner Spaziergang über das Straßenfest an, da wir die Tage davon ja nicht wirklich etwas mitbekommen haben. Und schon wieder ist der Berlin Carnival Geschichte.

Ich kann nur jedem wirklich empfehlen, dieses Spektakel einmal selbst zu erleben. Und wer jetzt sagt: „Oh nein, ein ganzes Wochenende voll Soca ist mir zu viel“ – es gibt genügend Dancehall-Alternativen auf den Partys, das ist also schon einmal keine Ausrede.

Danke an Hendrik und das ganze Team von Carnival Fever Entertainment für die ganze Orga und die guten Vibes.

Und zum Schluss noch meine Lieblings-Carnival-Tunes der diesjährigen Saison. Die Goldmedaille geht an Splinters von Shal Marshall, Platz 2 sichern sich Lil Natty, Thunda & Machel Montano mit Top Striker und Bronze geht an Hulk von Blaxx.

Flo
Musik machen, Musik hören, über Musik schreiben – Musik ist mein Leben. Die Liebe zu Reggae und Dancehall begleitet mich seit einigen Jahren und lässt mich nicht mehr los. Big up!

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