Summerjam 2018: Zurück zu den Karibischen Wurzeln? (Recap)

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Vielleicht ist es nur so ein Gefühl, aber das Summerjam 2018 wirkte wieder deutlich mehr als das Reggae-Fest, als das es von vielen in den letzten Jahren nicht mehr so wahrgenommen wurde.

Line-up, Vibes und Wetter – dieses Jahr stimmt in Köln einfach alles! Meine Highlights habe ich euch nachfolgend aufgeschrieben.

„Back to the roots“ also? Mhh, kann ich das so sagen? Einerseits stimmt das sicherlich, anderseits trifft es den Nagel nicht ganz auf den Kopf. Das Summerjam entwickelt sich weiter und lässt sich dabei erfreulicherweise wieder mehr von karibischer Kultur beeinflussen.

Bestes Beispiel: Die Soca Party am Samstagnachmittag im Roots Center mit den Soca Twins, Fabi Benz und den Young Jugglerz. Aufgrund des sensationelles Line-ups habe ich es traurigerweise nicht geschafft zu palancen, denn das Bühnenprogramm hielt mich einfach ununterbrochen auf der Festivalinsel.

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Zur Opening-Party am Donnerstag sorgten Toke, Exile di Brave und Schwarzpaul mit Akustikshows für nice Vibes. beim Summerjam 2018

Dancehall Night auf der Green Stage

Allein der Samstag: Woah. Seid ihr bereit? Jesse Royal, Tarrus Riley, Skarra Mucci, Jahmiel, Konshens und Alkaline – dazwischen rissen die Jugglerz dann sogar jeweils noch kurz ab und brachten die Stimmung vor der Bühne zum Kochen. Kracher folgte auf Kracher, Highlight auf Highlight.

Auch eine weitere Neuerung vom Summerjam 2018: die Dancehall Night auf der Green Stage. Während in den letzten Jahren nur vereinzelte Dancehall-Acts auf der Bühne standen, gab es dieses Jahr ein wahres Feuerwerk. Skarra, Jahmiel und Konshens wurden jeweils von der hervorragenden Dub Akom Band aus Frankreich gebacked, sodass zwischen den Acts keine Umbaupausen entstanden, die die Stimmung schnell abkühlen lassen. Im Gegenteil: Shotta Paul und Meska haben kleine, feine Sets zwischen den Acts auf die Bühne gebracht und so diesen Abend perfekt abgerundet.

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Charly Black begeisterte am Freitag die vielen Dancehall Fans mit Hits wie „Party Animal“ oder „Perfect“

Alle Dancehall-Heads waren natürlich auf die Show von Alkaline gespannt – nach Vybz Kartel der wohl derzeit hotteste Artist in den Tanzhallen weltweit. Auf dem Summerjam 2018 spielte er seine einzige Europa-Show.

Die Meinungen danach: geteilt. Die einen fanden es super, die anderen weniger gut. Das war wohl zu erwarten. Dass ein solcher Act keine gesanglichen Höchstleistungen auf die Bühne bringt, dürfte vorher klar gewesen sein, aber Spaß hat’s gemacht und enttäuscht war ich jedenfalls nicht. Allerdings gibt’s auch bessere Shows.

Ich habe meinen Frieden mit Chronixx geschlossen

Weitere Konzerthighlights vom Wochenende: Christopher Martin, Charly Black, SOJA, Memoria und Chronixx. Zu beiden Letzteren muss ich jeweils nochmal ein paar kurze Worte verlieren: Memoria, eine junge Band aus Köln, denen eine große Zukunft bevor steht. Musikalisch auf höchstem Niveau, mit starker Bühnenshow. Beachtlich, chapeau! Auch wenn ich Lyrics wie Ten Pounds of Weed oder We’re All Jah Jah Children von Europäern im Alter von 17-24 Jahren, die teilweise eher wie Justin Bieber statt Buju Banton aussehen, einfach nicht abnehmen kann. So bleibe ich bei dieser Band immer noch im Zwiespalt zwischen euphorisch feiern und skeptisch hinterfragen.

Chronixx bildete schließlich den perfekten Festival-Abschluss als letzter Act der großen Hauptbühne am Sonntag. Nachdem ich 2016 von Chronixx‘ Show eher gelangweilt war, er mich aber letztes Jahr auf dem Ruhr Reggae Summer doch überzeugen konnte, hab ich dieses Jahr endgültig meinen Frieden mit ihm geschlossen. Eine Show voller Hits, die den richtigen Vibe für eine solche beschließende Festivalperformance besaß.

Fast ungläubig musste ich jeden Tag in den Himmel schauen. Besseres Festivalwetter hätte es nicht geben können. Circa 27 Grad, Sonne-Wolken-Mix mit nicht allzu heißen Nächten für angenehmen Schlaf im Zelt. Dass die Nächte dann gefühlt doch on fyah waren, dafür sorgten die Juggerz, Pow Pow Movement, Talawah Sound und Warrior Sound mit tollen Sets in der Dancehall Arena.

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Pow Pow Movement brachte Freitagnacht gemeinsam mit den Jugglerz die Dancehall Arena zum Kochen.

Ihr seht, ich finde dieses Jahr wirklich keine negativen Punkte. Bändchenkontrollen zum Campinggelände wurden endlich strenger gehandhabt, sodass auch Diebstahl weniger oft vorkam und der Vibe unter den Campern entspannter war. Das Publikum hatte dieses Jahr auch viel weniger Partytourismus-Charakter als beim Summerjam 2017.

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Campen direkt am See. Der Fühlinger See bietet jedes Jahr aufs Neue eine tolle Kulisse für das Summerjam.

In den sonst so kritischen Kommentaren von Summerjam-Besuchern auf Facebook gab es dieses Jahr viel Lob und ähnliche Meinungen wie die Meine. Es scheint also doch nicht nur so ein Gefühl gewesen zu sein. Liebes Summerjam, weiter so! Dann gewinnt ihr hoffentlich auch einige Herzen wieder, die sich in den letzten Jahren von diesem tollen Festival verabschiedet haben. Ich werde jedenfalls nächstes Jahr definitiv wieder vor den Bühnen stehen und das Summerjam in vollen Zügen genießen.

PS.: Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache an die Organisatoren: Bitte regelt das mit der Bändchenausgabe für Pressevertreter nächstes Jahr doch bitte etwas besser oder bereitet ein paar Camping-Bänder vor. Sechs Stunden am Mittwochabend voll beladen vor dem Geländeeingang warten zu müssen, war nicht unbedingt optimal. Einziger kleiner Minuspunkt.

Mehr Bilder, Videos und Meinungen findet ihr hier (Reggaeville) sowie hier und hier (Irie Ites). Viel Spaß beim Stöbern.

Falls ihr das Summerjam 2018 besucht habt, schreibt mir eure Highlights mal in die Kommentare. Bin gespannt.

Flo
Musik machen, Musik hören, über Musik schreiben – Musik ist mein Leben. Die Liebe zu Reggae und Dancehall begleitet mich seit einigen Jahren und lässt mich nicht mehr los. Big up!

1 Gedanke zu „Summerjam 2018: Zurück zu den Karibischen Wurzeln? (Recap)

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