Was ihr über Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit wissen solltet …

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Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit

Zwei ECHO-premierte Rapper, von denen einer mit hinkendem Ausschwitz-Vergleich kommt. Ein jamaikanischer Dancehall-Artist, der sich nie von seinen homophoben Liedern distanziert hat.

Alle drei haben aktuell in Deutschland mit mehr oder weniger großen Protestwellen zu tun. Die Verteidigung sieht Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit angegriffen. Ich habe von kulturellen Missverständnissen gelesen.

Wird Zeit, das aufzuklären.

Und dabei hilft mir der großartige Jens, Chef des großartigen Labels und Medienhauses Urban Tree. Mit freundlicher Genehmigung darf ich hier seinen heutigen Facebook-Post zitieren:

Was ist Kunstfreiheit?

„1. Kunstfreiheit ist nicht gleichbedeutend damit, dass jeder Mensch beschissene Kunst auch gut finden muss und ihr eine Bühne geben muss. Kunstfreiheit ist nicht eingeschränkt, nur weil dich nicht die gesamte Welt dafür abfeiert und dich dabei unterstützt, deine Scheiß-Kunst weiter zu verbreiten!“

Was ist Meinungsfreiheit?

„2. Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass du deine kleingeistige Meinung überall kritikfrei rausposaunen darfst und dir die gesamte Welt zustimmen muss oder dir Redezeit dafür einräumen muss. Deine Meinung darf glücklicherweise kritisiert und verachtet werden!“

Zusammengefasst:

„Beide Dinge bedeuten NUR, dass du den Scheiß machen oder haben darfst, aber NICHT, dass du dafür keinen Widerstand aushalten musst.“

So. Jetzt sollte alles klar sein. Aber da sind noch zwei Punkte in den Diskussionen, die mich beschäftigen:

Die Künstler spiegeln nur wider, was die Gesellschaft vorgibt.

Nein, verdammt. Rapper und Dancehall-Künstler kommentieren und reflektieren nicht einfach nur gegebene Verhältnisse. Sie prägen diese Verhältnisse auch mit, wenn sie über die entsprechende Fan-Menge verfügen. Das geht bei der Sprache los (bestes Beispiel ist wohl der Moneyboy-Slang) und weiter über Frauenbilder, Umgang mit Gewalt etc.

Die Künstler meinen das nicht wörtlich, was sie sagen.

Ob die Rapper, Dancehall-Artists etc. nicht meinen, was sie sagen, ist vollkommen egal. Sobald die Worte den Mund des Künstlers verlassen, liegt ihre Deutung komplett beim Hörer. Ein ausgesprochener Mordaufruf oder eine ausgesprochene Diskriminierung ist ein ausgesprochener Mordaufruf oder eine ausgesprochene Diskriminierung. Und was ist das überhaupt für ein Künstler, der irgendwas sagt und keiner weiß so richtig, ob er das jetzt auch meint oder nicht?

Falls ihr Gedanken dazu habt, schreibt sie mir gern in die Kommentare.

Nils
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

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