Dactah Chando – Global CityZen (Album Review)

Kategorien Alben & EPs, Gute Musik
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Bisher hat Dactah Chando seine Botschaften überwiegend auf Spanisch verbreitet. Ich habe sie kaum verstanden, fand den kanarischen Sänger aber immer sehr eigenständig mit einem besonderen Vibe.

Für sein sechstes Album Global CityZen sattelt der Dactah mehr auf Englisch um und lässt sich Riddims von Gentlemans aktueller Live-Band The Evolution spielen.

Mit neun Liedern und zwei Dub-Versionen hat es eine angenehme Länge, über die Chando komplett auf Gäste verzichtet. Lediglich Sara Lugo unterstützt im Hintergrund. Dabei hätte sich mit der Evolution Band ein Gentleman-Feature ja fast aufgedrängt. Geht aber auch sehr gut ohne.

Dactah Chando lädt zum Tanzen und Nachdenken ein

Der Sound reicht von leichtfüßigem Roots bis zu schweren Produktionen mit dicken Bläsern, wie sie aktuell fast nur in Europa gespielt werden. Der Titel-Track Global CityZen ist so ein großartiges Ding. Für meinen Geschmack hätte es davon noch mehr geben können.

Immer wieder zieht das Tempo tanzbar an, um dann ein, zwei Lieder weiter zu entschleunigen. Viel Abswechslung für gerade mal neun Lieder. Dass Umberto Echo mitproduziert hat, hört ihr an dezent eingesetzten Dub-Effekten und natürlich den zwei Dub-Versionen Dubal Citizen und Children Of Dub am Album-Ende.

Dactah Chando
Dactah Chando (Pressefoto)

Inhaltlich am interessantesten finde ich Ring The Alarm. Nein, das ist kein Soundkiller-Lied. Dactah Chando läutet die Glocken, um auf die klimatischen Veränderungen aufmerksam zu machen, die zu immer mehr Katastrophen und Hungersnöten führen. Selten habe ich das im Reggae so konkret thematisiert gehört.

Aber keine Sorge, Global CityZen ist kein Album mit erhobenem Zeigefinger. Neben kritischen Themen und einigen Jah-Preisungen feiert Chando auch ausgiebig das Leben.

Ich habe oft Probleme damit, wenn Künstler ihre Muttersprache gegen englische Lyriks tauschen, um mehr Zuhörer zu erreichen. Für mich geht da ein Stück Authenzität flöten. Außerdem glaube ich, dass wir uns muttersprachlich am besten und vielseitigsten ausdrücken können. Das verstehen vielleicht weniger, aber der Vibe ist ein anderer. Spürbar, wenn Chando dann doch mal ins Spanische wechselt wie bei Everyday oder Children Of Jah.

Aber klar, ich versteh die Künstler schon. Je mehr Leute dich verstehen, desto mehr Möglichkeiten haben sie in der Welt. Und wenn man sich wie Dactah Chando als Weltbürger versteht, ist es nur sinnvoll mit englischen und spanischen Texten zwei Weltsprachen abzudecken.

Ich hoffe, dass sich das für den Dactah auszahlt, denn die Platte macht mit jedem Hören mehr Spaß.

Spannender Randfakt: Global CityZen ist eines der ersten Alben, die im brandneuen Planet Earth Studio in Berlin aufgenommen wurden.

(Mein absolutes Dactah-Chando-Lieblingslied bleibt aber weiterhin Sabiduria in der Roots Version. Unfassbarer Vibe!)

Nils
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

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