Warum ihr Lince von Stereo Luchs hören solltet

Kategorien Alben & EPs, Gute Musik
Stereo Luchs / Lince (Universal Music Schweiz, Island Records, 2017)

2007. Der Schweizer Phenom Melody knallt vollkommen unerwartet sein duftes Digi-Dancehall-Album Style Generator auf den Markt. Als Gast hat er Stereo Luchs im Gepäck. Seit damals bin ich Fan.

2017. Phenom Melody (Phenomden) hat sich weitgehend verabschiedet und Stereo Luchs veröffentlicht sein zweites Album Lince veröffentlicht, eine Co-Produktion mit dem deutschen Erfolgsteam KitschKrieg.

Ganz andere Klänge, und ich bleibe weiterhin Fan.

Über Stereo Luchs zu schreiben ohne Trettmann zu erwähnen, ist fast unmöglich. Die beiden verbindet einfach zu viel:

  • lange Jahre vor allem im Reggae-Soundsystem-Cosmos unterwegs
  • lange Jahre deutschsprachige Dialekt-Musik
  • Dancehall-Könige in ihrem jeweiligen Heimatland
  • 2013 Debüt-Alben mit gegenseitigem Feature (Stereo Luchs – Stepp Usem Reservat, [Ronny] Trettmann – Tanz Auf Dem Vulkan).
  • 2014 gemeinsame Kombination Bodyguard
  • Sinn- und Schaffenskrise vor ein, zwei Jahren
  • Erfolgsproduktionsteam KitschKrieg im Rücken
  • 2017 das jeweils zweite Album (mit Trettmann-Feature auf Lince und Riddim-Co-Produktion vom Luchs auf #DIY)
  • Autotune und Trap-Reggae-Hybrid-Sound

Bei all der gemeinsamen Vergangenheit und Gegenwart unterscheiden sich Stereo Luchs und Trettmann vor allem in zwei Punkten: Während Trettmann vor allem Artist ist, singt Pupa Stereo und produziert auch große Teile seiner Musik selbst bzw. gemeinsam mit Team KitschKrieg und anderen.

Und im Gegensatz zu Trettmann zieht der Luchs weiterhin seinen Dialekt voll durch. Dafür schick ich einen Tanker voller Sympathiepunkte über den Zürichsee.

Nein, Stereo Luchs ist nicht Trettmann aus der Schweiz

Ja, Schweizerdeutsch ist schwer zu verstehen und wahrscheinlich ist das ein Hauptgrund, warum Pupa Stereo mit seinem Album Lince aktuell nicht direkt neben Trettmann auf dem deutschen Rap-Thron sitzt. Lyrisch und stilistisch ist das ein Level, wenn auch jeweils ganz anders.

Schon 2015 hat der Luchs das klassische Reggae-Dancehall-Reservat verlassen und mit Eastrow Redemption den Steppers-Tune Semi Auto gebracht. Das Album Lince klingt für mich nach entgültiger Befreiung, ohne die Wurzeln zu vergessen. Immerhin ist das Album über das Reggae-Traditions-Label Island Records erschienen.

Stereo Luchs, der Mann für die Melodie

Pupa Stereo scheint einfach alles gemacht zu haben, was ihm gerade gefällt und worauf er Bock hat. Moderne Dancehall-Klänge wechseln sich mit sphärischen, schweren KitschKrieg-Sounds ab.  Gastauftritt des unbekannten Jamaikaners Natel. Der Luchs überlässt seinem Schweizer Landsmann Pronto einen kompletten Solo-Track auf dem eigenen Album. Wie irre ist das eigentlich?

Mit unglaublichem Gespür für Melodien sitzt Stereo Luchs sicher auf allen Instrumentalen, egal ob eher melancholisch oder in Club-Stimmung. Die erste Album-Auskopplung Ufe feat. Pronto mietete sich direkt in meine Ohren ein. Ein paar Wochen später zog das ebenso großartige Ziitreis mit dazu.

Stereo Luchs – Ziitreis

Richtig gute Platte und ich freu mich riesig, dass der Luchs jetzt endlich in Medien wie VICE und dem HipHop-Magazin JUICE auftaucht. Endlich hört ihm ein größeres Publikum zu, trotz Dialekt.

Zusammenfassung
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Bewertung für:
Stereo Luchs - Lince
Bewertung:
51star1star1star1star1star
Nils
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

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