Wir brauchen mehr Rub-a-Dub-Sessions in Berlin!

Kategorien Soundsystems, Veranstaltungen
mehdiman, high smile hifi

Ich bin noch immer voll im Glückmodus, denn am Wochenende hat sich ein kleiner Traum für mich erfüllt.

Dank großartiger Menschen haben wir eine Rub-a-Dub-Sause auf einem fetten Soundsystem im YAAM, Berlin organisiert.

Auf den Soundsystem-Sessions, die ich bisher besucht habe, liefen vor allem Roots Reggae und Steppers. Ist auch dufte, aber kaum etwas kickt mich mehr, als diese alten Aufnahmen von King Sturmars aus den 1980er mit Supercat, Nicodemus, Junior Cat, Tenor Saw und alle den Jungs am Mikrofon.

King Sturmars – PNP Rally, Skateland, 1985 (Complete Session)

In der Ankündigung zur Sause schrieb ich:

„Ich stelle mir schon länger vor, dass in Berlin eine nachmittägliche Rub-a-Dub-Sause auf einem fetten Soundsystem läuft, meine Jungs aus der Schweiz ihre Riddims kreisen lassen und vielleicht ein paar MCs das Mikrofon rumreichen.“

Und genau so kam es: Lion’s Den Sound System im YAAM, Hotta Henne und High Smile Hifi an den Reglern und irgendwann in der Nacht sechs MCs am Mikrofon. G-E-I-L!

Lion's Den Sound System
Lion’s Den Sound System

Mein ganz besonderer Dank geht an die Lion’s Den Crew. Eigentlich einer dieser klassischen Roots- und Steppers-Sounds, aber trotzdem war Ras Lion sofort dabei, als die Idee für die Sause im Raum stand. Und dann schleppten sie ihr Soundsystem ran und waren sogar noch so freundlich, dass sie nur drei Stunden Warm-up spielten und die Prime Time den anderen überließen bzw. freundig den Sound am Kontrollturm regelten.

Das hat mich sehr beeindruckt. Definitiv ein Eene-Liebe-Moment.

hotta henne, tonto addi, lions den crew
Hotta Henne (rot), Tonto Addi (Mikro) und Lion’s Den Crew

Bei der Line-up-Planung hat wir schnell Hotta Henne und Tonto Addi auf dem Zettel. Zusammen als Selectah-DJ-Gespann habe ich sie zum ersten Mal erlebt. Lief dufte. Henne hat eine tiefe Plattenkiste mit viel tanzbarer Musik und Tonto Addi derbe 80er-Stil, den ich schon auf verschiedenen anderen Sessions gefeiert habe.

Demnächst kommen zwei frische 7inches auf Hennes Label Hotta Riddims raus, mit zwei Tunes von Tonto Addi und einem vom russischen Sänger Tenor Youthman. Klang richtig dick auf dem Soundsystem. Ich freu mich drauf.

high smile hifi
High Smile Hifi: Kebili, Icky Top & Papa Irie (v. l.)

High Smile Hifi, die digitalen Dons aus der Schweiz, spielten viele eigene Produktionen, unter anderem auch einen neuen Tune von Flo Mega. Deutscher Rub-a-Dub bricht durch, ich sag’s euch. Spezielle Anfrage an Icky Top, Kebili und Papa Irie.

Longfingah und ich operierten am Mikrofon. Immer wieder ein duftes Gefühl und so langsam werde ich auch lockerer, obwohl ich solche Sessions nur ein, zweimal jährlich mitmache. Muss mehr werden.

Später kamen noch Mehdiman und Naja Naja rum. Mehdiman kannte ich bisher nur von seinem Soundcloud-Kanal, auf dem er im gefühlten Tagestakt neue Lieder raushaut. Meist hart mit Autotune verzerrt. Mag ich nicht so. Aber live auf dem Lion’s Den Sound System war er top-a-top, bis zum Rand voll mit Lyrics – und grundsätzlich ein unglaublich herzlicher Mensch.

Konta
Konta
Naja Naja
Naja Naja
Longfingah und High Smile Hifi
Longfingah und High Smile Hifi

Richtig überrascht hat mich eine junge Dame, die „… nur mal kurz ein paar Zeilen probieren wollte“, dann derbe über ein digitales High-Smile-Brett rappte und wieder verschwand. Davon hätte ich gern noch mehr gehört.

Und dann war da noch dieser Dread, der plötzlich bei uns rumstand, das Mikrofon nahm und mit Burro-Bass losfeuerte. Wow!

Ich hab erst ein paar Tage später erfahren, dass es Black Kappa war. Klingelt es? Gemeinsam mit SEEED hat er 2001 die Berlin-Hymne Dickes B gemacht und verschwand dann ziemlich schnell wieder, zumindest von meinem Schirm.

Black Kappa
Black Kappa

Eine rundum dicke Session, die laut nach Wiederholung schreit. Genug MC-Talent ist in der Stadt und die anwesenden Leute fanden es auch dufte, mal nicht nur Musik aus der Dose zu hören, sondern abwechslungsreiches Live-Programm zu feiern. Das war zumindest mein Eindruck. Und wenn alle beim Soundauf- und Abbau anpacken wie am vergangenen Sonntag, freut sich auch der Herr Soundowner.

Offene Fragen:

  • Wie lässt sich eine regelmäßige Session finanzieren?
  • Wo lässt sich eine regelmäßige Session (vllt. alle 2 Monate) umsetzen?
  • Wie begeistert man mehr Publikum dafür?

Schreibt eure Ideen und Anregungen gern in die Kommentare.

Aber egal ob und wie es weitergeht: Vielen, vielen, vielen Dank an alle, die unsere Sause ermöglicht haben und an alle Besucher.

#EeneLiebe

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

4 Gedanken zu „Wir brauchen mehr Rub-a-Dub-Sessions in Berlin!

  1. Blessed Love, ihr sprecht mir aus der Seele und hätte ich von der Session gwusst, wäre ich gerne bei der Micsession dabeigewesen. Sagt mir doch beim nächsten mal bitte Bescheid.
    Berlin braucht mehr von diesen Veranstaltungen.
    One Love
    DreaDnuT

  2. Kann mich Dreadnut nur anschließen!

    Seitdem die Soundsystems fernab von Rub-A-Dub Sessions sind, sofern man es Systems nennen darf, ist mein Besuch in der Dancehall gleich Null.

    Ich komme aus dem Veranstaltungsberich und kann mir vorstellen, die Finanzierung mit Sponsoren hinzubekommen. Es sollte ein logisches Konzept ausgearbeitet werden, bei dem die Sponsoren nicht nein sagen können.

    Wo ist immer die große Frage, da ich nicht gebürtig hierherkomme, müsste man sich zusammensetzen und die ganzen Venues mal auf Publikum, Kapazität und Verfügbarkeit checken.

    Das Thema Publikum ist schon komplizierter. Wenn es eine Massive gäbe, hätten wir ja schon einige Rub-A-Dub Sessions in Berlin.
    Genau da könnte aber der Vorteil liegen…

    Gibt es zum Beispiel noch für die oben genannte Veranstaltung eine Facebook-VA, damit man die Leute die da waren, anschreiben kann?
    So könnte man eine Basis-Massive aufbauen und zum Beispiel die Nachfrage ermitteln, ob es sich lohnt soetwas aufzuziehen!

    Falls du (Nils) Hilfe brauchst, schreib mich ruhig an, es würde mir eine Freude sein da mitzuhelfen!

    Viele Grüße,
    Marco

    1. Hi Marco,

      vielen Dank für deinen Kommentar und dein Angebot. Ich kenn mich mit dem Veranstaltungsgeschäft nicht aus. Ich bin eher so ein Zusammenführer, weil ich ein paar Leute kenne. Aber wenn wir genug finden, die Bock haben, wär das dufte.

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