Interview: Kabaka Pyramid über sein neues Album, Damian Marley und den perfekten Reggae-Song

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Es dürfte vor fünf Jahren gewesen sein, als Kabaka Pyramid das erste Mal in meiner Playlist auftauchte, damals noch als Feature von Sara Lugos High & Windy. Es folgten Hits über Hits: Lead the Way, Well Done, No Capitalist und viele weitere.

Aber erst jetzt kommt Kabaka mit einem Album um die Ecke. Auf dem Fühlinger See habe ich ihn im Juli getroffen und dazu befragt …

Kabaka, schön, dass du dir für uns Zeit nimmst. Du bist derzeit auf Europa-Tour. Wie läuft’s?

Kabaka Pyramid: Es läuft großartig, der Vibe ist super! Wir spielten bereits in Frankreich, in Großbritannien und sind nun hier beim Summerjam. Es ist toll, neue Musik zu präsentieren und das Tourleben macht einfach Spaß.

Du machst ja schon eine Weile Musik. Wieso kommt dein erstes Album erst jetzt?

Weißt du, ich wollte kein Album veröffentlichen, bevor ich mir nicht eine bestimmte Fanbase aufgebaut habe. Wenn ich jetzt ein Album veröffentliche, weiß ich, dass es auch eine Wirkung erzielt. Ich habe mir über die Jahre eine Fanbase erspielt. Jetzt ist der richtige Moment. Zudem hatte ich nun die Möglichkeit mit Damian Marley an der Platte zu arbeiten. Es ist wirklich super. Die Musik ist klasse und ich bin wirklich glücklich damit.

Wie hast du dich persönlich in dieser Zeit weiterentwickelt? Gab es einen Reifeprozess, den du vor einem Albumrelease durchmachen wolltest?

Oh ja, sicherlich. Ich meine, mir geht es immer um eine spirituelle Entwicklung. Das ist eine Konstante in meinem Leben. Ich lese sehr viel und erlange ständig weitere Erkenntnisse zur Entwicklung unserer Welt und Menschheit. All das beeinflusst und unterstützt natürlich auch meine persönliche Entwicklung.

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Kabaka Pyramid bildete das Highlight des Summerjams 2017 (Foto: Florian Kneffel)

Eine der Hauptpersonen auf deinem bald erscheinenden Album ist Damian „Jr. Gong“ Marley. Er ist der ausführende Produzent vieler Songs von Contraband. Du hast bereits für deine Hit-Single Well Done mit ihm zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?

Es begann so, dass Damian vor Jahren einen Riddim produzierte und darauf Artists der neuen, jungen Generation voicen wollte. Also sendete er mir den Riddim, ich begann sofort einen Song darauf zu schreiben, nahm diesen auf und schickte ihn zurück. Er war begeistert. Wir haben uns vernetzt, zusammen an Songs gearbeitet und einfach gemeinsam Musik gemacht.

Damian Marley ist vor allem als einer der besten Reggae Entertainer unserer Zeit bekannt. Was ist so besonders am Produzenten Damian Marley?

(lacht) Yeah, er hat so viele Songs über einen so langen Zeitraum produziert. Sogar an einem meiner Lieblingsalben, nämlich Bob Marleys Chant Down Babylon (Anm. der Red.: Remix-Album mit Bob Marley Covern verschiedener HipHop und Rock Künstler), war er maßgeblich beteiligt. Er programmierte viele Sounds für das Album und gab der Platte den letzten Schliff, bis sie den richtigen Vibe hatte. Damian unterstützt mich seit einer langen Zeit. Ich schätze seine Erfahrung als Produzent sehr.

Was macht für dich einen guten Song aus?

Vor allem braucht der Song einen Riddim, der das Gefühl von Qualität vermittelt und dir eine bestimmte Richtung aufzeigt. Der Text muss zur Musik passen und den Riddim schließlich durch Worte und Message ergänzen. Die Lyrics brauchen diesen gewissen „Wow-Faktor“, die Leute müssen über den Song reden wollen, er muss sie berühren. Das ist mein Verständnis eines guten Tunes.

Ich versuche über Dinge auf einer Erkentnissebene zu sprechen – ich glaube, dass dies die Dinge sind, die die Gesellschaft und Medien nicht selbst fördern.

Was können deine Fans vom neuen Album musikalisch erwarten?

Mein Ding war es schon immer, Reggae, HipHop und Dancehall zu verbinden. Und dieses Album ist ganz klar eine Verbindung aus Reggae und HipHop. Genau das ist auch Damians Art und Weise, Musik zu machen. Er produzierte schon immer vielfältige Alben. Es ist also nichts Neues für ihn und nichts Neues für mich. Ihr könnt definitiv ein breitgefächertes Album erwarten.

Das Album heißt Contraband – auf Deutsch also „verbotene Ware“. Welche Messages enthält deine Platte, die die Menschen durch Obrigkeiten und Medien sonst nicht erfahren?

Messages von Einigkeit und Aufschwung. Die Medien versuchen, negative Dinge zu pushen und die Feindseligkeit unter den Menschen zu schüren. Also versuche ich Botschaften von Einigkeit zu verbreiten – echte Einigkeit! Denn wir sind buchstäblich alle Eins. Ich versuche über Dinge auf einer Erkentnissebene zu sprechen. Ich glaube, dass dies die Dinge sind, die die Gesellschaft und Medien nicht selbst fördern.

Wie behältst du das Gleichgewicht zwischen dem Sound von Rebel Music und der positiven Aussage deiner Texte?

Ich finde, das passt super zusammen. Bei Bob Marley war es das gleiche. „I’m a rebel, soul rebel“, sang er. Trotz dieses sehr leichten Klangs sind es harsche Texte. Sogar One Love – wenn du den Chorus hörst, denkst du, dass es ein wirklich fröhlicher Song ist. Aber hörst du dann die Strophen, erkennst du, dass ein Mann da ein lyrisches Feuer abbrennt. Es gibt schließlich immer diesen Ausgleich zwischen Text und Musik.

Kabaka Pyramid – Can't Breathe (Official Video)

Du hast bereits ein Mixtape mit Walshy Fire von Major Lazer produziert. In den letzten Jahren ist Reggae/Dancehall wieder stärker im Mainstream vertreten. Auch ein Verdienst von Major Lazer, die die Stile immer wieder mit anderen Sounds mischen. Denkst du, dass sich Reggae anderen Genres öffnen sollte, um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen?

Ich habe kein Problem damit. Es geht darum, gute Musik zu produzieren und ich bin keine der Personen, die sagen, dass Reggae nur in seiner Ursprungsform bestehen sollte. Wenn du meine Musik hörst, dann ist diese schon immer von HipHop inspiriert und ich denke, Musik sollte auch genau das sein: vielschichtig. Die Menschen sollen kreativ sein und experimentieren dürfen.

Das wohl beste Beispiel eines Reggae/Dancehall/Hip Hop-Crossovers ist dein Song Kabaka vs. Pyramid von 2016. Wird es davon eigentlich eine Fortsetzung geben?

Du meinst eine Art zweiten Teil? (lacht) Hm, darüber habe ich ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht, aber klar ist das möglich. Ich habe einen Remix von dem Song, möglicherweise bekommt ihr also einen Remix von Kabaka vs. Pyramid zu hören. Aber ich weiß nicht, ob es wirklich einen zweiten Teil geben wird. Wir probieren gern verschiedene Dinge aus.


Das Debütalbum „Contraband“ wird im November erscheinen. Noch mehr zu Kabaka Pyramid und seinem neuen Album findet ihr in der neuen Ausgabe des riddim Magazins. Außerdem könnt ihr darin Artikel von mir zu Gentleman, Sizzla und Irie Révoltés lesen.

Freut ihr euch auf das Debütalbum von Kabaka? Tippt es mir in die Kommentare!

Flo
Musik machen, Musik hören, über Musik schreiben – Musik ist mein Leben. Die Liebe zu Reggae und Dancehall begleitet mich seit einigen Jahren und lässt mich nicht mehr los. Big up!

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