Hinter den Kulissen von King Size Dub – Reggae Germany Downtown Chapter 3

King Size Dub - Reggae Germany Downtown Chapter 3 (Echo Beach, 2017)

King Size Dub – Reggae Germany Downtown Chapter 3 (Echo Beach, 2017)

Dub aus Deutschland habe ich nur mäßig auf dem Schirm, also die üblichen Verdächtigen. Wenn es euch auch so geht, ihr aber tiefer eintauchen möchtet, hört mal in King Size Dub – Reggae Germany Downtown Chapter 3 (Echo Beach) rein.

Karsten Frehe von IrieItes.de hat mit viel Liebe 18 deutsche Dub-Produktionen zusammengestellt, von entspannt bis Steppers. Im folgenden Interview erfahrt ihr, wie Karsten die Lieder ausgewählt hat und weitere Details zum Projekt.

Hi Karsten, welchen Eindruck hast du von der deutschen Dub-Szene?

Karsten Frehe: Die Szene ist wirklich bunt, vielfältig und sehr aktiv. Stilistisch zudem weit weg von eindimensional. Und auch, wenn gerade Steppers wieder gern gehört und produziert wird, vor allem im Soundsystem-Umfeld, so gibt es doch ganz unterschiedliche Ansätze. Insgesamt wird Dub in Deutschland allerdings sträflich als Nische behandelt. Das sieht man zum Beispiel daran, dass es hierzulande kaum Festivals gibt, die diesem Genre nennenswert Raum geben. Das ist in europäischen Ländern wie zum Beispiel Polen, dem Vereinigten Königreich und Frankreich ganz anders. Es wäre schön, wenn hier mehr Mut aufgebracht werden würde.

Wie kam es zum dritten Kapitel von King Size Dub – Reggae Germany Downtown Chapter 3 und wie bist du da reingerutscht?

Karsten Frehe: 2014 hatten Nicolai Beverungen von Echo Beach und ich ja schon das zweite Kapitel mit viel Spaß zusammen gestrickt. Irgendwann Ende 2016 hab ich ihm dann den neuen Op’Ra-Dub-Tune von Aldubb und AudioArt feat. Saralène zugemailt, der jetzt ganz am Ende, quasi als „Grande Finale“, zu hören ist. Das war der Impuls für ein weiteres Kapitel. Wir haben uns zusammengesetzt und ein erstes Brainstorming für Produzenten, Artists und Bands veranstaltet. Zunächst greift man dabei auf diejenigen zurück, die man schon kennt. Klar war allerdings von Anfang an, dass die Suche auch darüber hinaus gehen soll. Im Laufe des Prozesses hat mir Nicolai das Zusammenstellen maßgeblich überlassen, was mir nochmal mächtig Energie gegeben hat, einen wirklich herausragenden Sampler zusammenzubekommen, der eine größtmögliche Vielfalt der deutschen Szene abbildet.

War es schwierig, die 18 Lieder zusammenzubekommen, die jetzt auf dem Album zu hören sind?

Karsten Frehe: Ehrlich gesagt: ganz und gar nicht. Die Szene ist hierzulande sehr lebhaft, was leider oft nicht genug wahrgenommen oder gewürdigt wird. Es gibt sehr viele Künstler, die auf ganz verschiedenen Wegen wandeln und erstklassig arbeiten. Dabei brauchen sie den internationalen Vergleich nicht scheuen.

Karsten Frehe (IrieItes.de) unterwegs in Sachen Reggae (Foto: Silverback)

Karsten Frehe (IrieItes.de) unterwegs in Sachen Reggae (Foto: Silverback)

Nach welchen Kriterien hast du die Lieder ausgewählt?

Karsten Frehe: Wichtig war dabei, wie schon gesagt, die Vielfalt. Steppers ist gerade wieder angesagt, auch in Deutschland, doch dazwischen oder daneben gibt es unglaublich viele verschiedene Ansätze, die berücksichtigt werden sollten. Ein ganz wichtiges Kriterium ist zudem die Qualität der Produktionen, sprich: überzeugt der Tune, ist alles rund und weist, im besten Fall, auch mal ein paar Ecken und Kanten beziehungsweise eigene Ideen auf.

Zum Thema Vielfalt werfe ich mal ein: Warum ist Aldubb gleich mit drei Liedern vertreten?

Karsten Frehe: Gute Frage! Wie bereits gesagt, war die Kooperation von ihm mit AudioArt und Saralène bei Oh Fortuna der Startschuss für den Sampler. Zudem hatte er gerade mit den Looney Roots über einen langen Zeitraum an deren Album From Roots We Rise gewerkelt und einen erstklassigen Dub gemixt. Das Album lege ich allen Roots-Fans ans Herz. Insofern war es cool, einen Track von ihnen im Aldubb-Mix dabei zu haben. Und dann gab es auch noch diverse unveröffentlichte Dubmixe von The Evolution feat. Gentleman, die bislang ungehört im Archiv schlummerten. Von denen fand ich Another Drama am allerbesten. Eine recht lange Dubversion, bei der von Seiten der Musiker und im Mix bei genauerem Hinhören wahnsinnig viel passiert. Ein sehr organischer Tune. Und zudem, das muss hier auch mal gesagt werden, halte ich Aldubb für einen Musiker und Produzenten, der hierzulande auf jeden Fall in der 1. Liga spielt.

Wurden für die Compilation auch extra Lieder produziert oder gab es alle schon vorher?

Karsten Frehe: Der Lounge Dub von Oliver Frost entstand während der Sammlungsphase für den Sampler. Zudem hat sich Brian May aka Beam Up eigens an eine neue Version seines Hammertunes Hanabi Dub gemacht. Jetzt gibt es also Hanabi Redubbed auf die Ohren. Zusammen mit diesen beiden sind insgesamt 8 von 18 Tracks vorher noch nicht veröffentlicht gewesen – eine, wie ich finde, sehr hohe Anzahl.

Aus wie vielen Tunes hast du die finalen 18 gewählt?

Karsten Frehe: Es dürften ungefähr doppelt so viele Produktionen gewesen sein. Ein Auswahlprozess, der viel Spaß gemacht hat. Spannend war auch die Zusammenstellung der Reihenfolge. Die habe ich ganz Oldschool mit kleinen Zetteln gemacht, die ich auf dem Tisch hin- und hergeschoben habe. Die Reihenfolgen habe ich dann fotografiert, damit ich sie nicht vergesse.

King Size Dub, Reggae Germany Downtown

Diese Lieder hört ihr auf King Size Dub – Reggae Germany Downtown

Das Cover der CD sieht ziemlich bunt aus. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Künstlerin Maya Mitten?

Karsten Frehe: Maya Mitten lebt und arbeitet in Wales. Ich habe sie virtuell kennengelernt, als wir bei Irie Ites Music Ende 2011 eine 7inch mit Earlyworm aus Toronto gemacht haben. Sie ist ein Fan von ihm und er bat mich, ihr doch mal ein paar Platten rüberzuschicken. Das habe ich gemacht und bin nebenbei auf ihre Collagen aufmerksam geworden. Die sind wirklich toll! Mittlerweile haben wir uns auch persönlich kennen gelernt. Sie hat das Artwork zum Album AudioArt presents Op’Ra Dub Style gemacht und 2016 haben wir eine Ausstellung mit ihr hier in Hamburg organisiert. Im Jahr davor gab es einen ersten Collage-Workshop mit Maya an der Elbe. Es lag also nahe, sie in Sachen Artwork anzuhauen. Nebenbei bemerkt legt sie auch richtig gut Reggae und Dub auf, was inhaltlich ja auch prima passt.

Jupp, passt. Liebsten Dank, Karsten.

Trackliste: King Size Dub – Reggae Germany Downtown Chapter 3

  1. Mungo’s HiFi ft. Charlie P – Nice It Up (Irie Worryah Edit)
  2. Uwe Kaa vs. JStar – Das Mic (Frankminister Dub)
  3. Eddie Domingo ft. Italee – Dub Coming
  4. Illbilly Hitec ft. Kinetical & Parly B – Blaze
  5. Looney Roots – Liberator (Aldubb Remix)
  6. Chassy Wezar – Morgenrot (Dub)
  7. Oliver Frost – Lounge Dub
  8. The Evolution ft. Gentleman – Another Drama (Aldubb Remix)
  9. Dub Divison – Peaceful Dub (Dubvisionist Dub)
  10. Frost & Wagner ft. Tetrack – In These Times
  11. Senior Allstars – Flex
  12. Beam Up ft. Terence Alfonso Bowry – Hanabi Redubbed
  13. Umberto Echo ft. Runkus – Energy (Umberto Echo Dubmix)
  14. aDUBta – Wiseman (Cut 2)
  15. Roger Robinson – Smash And Scatteration
  16. Jah Schulz – Dubrise
  17. TVS ft. James Joseph – Hard Times
  18. Aldubb meets AudioArt ft. Saralène – Oh Fortuna

Drüben bei Echo Beach hat Karsten zu jedem Lied ein paar Sätze geschrieben. Leider könnt ihr diese Liner-Notes nur online lesen.

Ihr bekommt das Album in allen gängigen digitalen Musikläden.

Meine Favoriten sind der Frankminister Dub Das Mic, aDUBtas Wiseman und das epische Oh Fortuna am Ende. Klingt nach großem Chor, aber für die Interpretation von Carl Orffs Oh Fortuna (Carmina Burana) haben der Sänger Uly E. Neuens und Saralène alle Stimmen allein eingesungen. Wahnsinn!

2 Kommentare zu “Hinter den Kulissen von King Size Dub – Reggae Germany Downtown Chapter 3

    1. Nils Socialdread
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      Hi Karsten, vielen Dank für die Zusammenstellung ;)

       

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