Inna de Yard – The Soul Of Jamaica (Review)

Kategorien Alben & EPs, Gute Musik
inna de yard, the soul of jamaica

Ich lege mich fest: Inna de Yard The Soul Of Jamaica ist das beste Reggae-Album, das 2017 rauskommen wird. Punkt.

Zumindest wird es nichts Besseres geben, wenn du handgespielte Musik mit Bläsern und Trommlern liebst, auf der Reggae-Veteranen wie Ken Boothe, Kiddus I und Cedric Myton (The Congos) sowie ein paar jüngere Stimmen singen.

Eine Frage habe ich allerdings an die Macher.

Warum ist auf der Trackliste mit 13 Liedern keine einzige Frau dabei? Die musikalische Seele Jamaikas kann doch unmöglich nur in Männern schlummern und Frauen auf den Background reduzieren. Oder waren die Damen nicht verfügbar für Inna de Yard?

Inna de Yard = Aufnahme an der frischen Luft

Nun ja, The Soul Of Jamaica ist auch ohne Sängerinnen in der ersten Reihe ein großartiges Projekt. Die Lieder wurden an der frischen Luft aufgenommen und nicht in einem Tonstudio. Das klingt natürlicher, erdiger, voller. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil ich um den Entstehungsprozess weiß. Einen direkten Vergleich Studio- vs. Outdoor-Aufnahme werden wir nicht bekommen.

Wenn du eine aufgeräumte Reggae-Foundation-Sammlung hast, wirst du diese Lieder kennen: The Viceroys Love Is The Key (1982), Lloyd Parks Slaving (1972), Cedric Myton Youth Man (1979), Ken Boothe Artibella (1970).

Für mich sind das die Höhepunkte des Albums. Ich bin immer beeindruckt, wie gut die Veteranen noch bei Stimme sind und mit welcher Energie sie ihr Ding machen. Wie sagt Ken Boothe in diesem Doku-Video so schön:

„I don’t just sing for money, you know. […] I have to sing for the love of singing.“

Klar, das ist ein sehr dankbares Zitat für die Inna de Yard-Macher. Wenn ich mir Ken Boothes Let The Water Run Dry anhöre und das Video dazu anschaue, ist das aber keine leere Worthülse. Das ist echt. Ich erinnere mich gern an The Congos auf dem Reggae Jam 2016. Die Herren hatten auch ohne Ende Liebe.

Inna de Yard – Let the Water Run Dry Feat. Ken Boothe

Wenn die Musik allein schon zu gut ist …

Sowohl die Alten als auch die jüngeren Vertreter wie Kush McAnuff, Var (Pentateuch Movement) oder Derajah machen gute Jobs am Mikrofon. Und ich finde es grundsätzlich löblich, dass die Inna de Yard-Crew für The Soul Of Jamaica mehrere Generationen eingeladen hat. Manchmal ist die Musik allein aber so großartig, dass mich die Sänger stören. Das geht mir besonders mit Kush McAnuffs Black To I Roots so.

Inna de Yard – Black to I Roots Feat. Kush McAnuff

Ok, ich kritisiere in einem Pott voll Gold eine einzelne Münze. Ich könnte mir aber einfach stundenlang nur die Bläser und Trommler anhören.

Liebe Inna de Yard-Jungs, macht doch bitte noch ein Instrumental-Album. Danke.

Trackliste: Inna de Yard – The Soul Of Jamaica

  1. The Viceroys – Love Is The Key
  2. Ken Boothe – Let The Water Run Dry
  3. Lloyd Parks – Slaving
  4. Kush McAnuff – Black To I Roots
  5. Cedric Myton – Youth Man
  6. Var – Crime
  7. Kiddus I – Jah Power, Jah Glory
  8. Ken Boothe – Artibella
  9. Steve Newland – Sign Of The Time
  10. Winston McAnuff – Secret
  11. Derajah – Stone
  12. Lloyd Parks – Money For Jam
  13. Bo-Pee – Thanks And Praise

Wenn du richtig ins Yard abtauchen willst, besuch unbedingt den YouTube-Kanal zum Album.

Inna de Yard? Kenn ich doch irgendwoher

Falls du die ganze Zeit denkst: „Inna de Yard? Inna de Yard? Da war doch was.“ Ja, da war in den 2000er Jahren mal was.

Die Franzosen Romain Germa und Nicolas Maslowski gründeten das Label Makasound und brachten ein paar Inna de Yard-Alben raus, unter anderem mit Kiddus I, Linval Thompson, Junior Murvin und The Mighty Diamonds.

Das Konzept damals wie heute: Aufnahmen im Hof und nicht im Studio. 2011 machte Makasound dicht. Ein paar Monate später starteten Germa und Maslowski das neue Label Chapter Two Records. Dort erscheint am 10. März 2017 The Soul Of Jamaica in allen Formaten.

Zusammenfassung
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Inna de Yard – The Soul Of Jamaica (Album)
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51star1star1star1star1star
Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

10 Gedanken zu „Inna de Yard – The Soul Of Jamaica (Review)

  1. Hi Nils,

    hab‘ bisher nur den Tune mit Ken Boothe gehört, den fand‘ ich aber schon so toll, dass ich mir die scheibe bestelle. Bin sehr gespannt drauf. Bzgl. der Einschätzung was die Geschlechterverteilung angeht: in der Tat nicht vorstellbar, dass da keine Frauen zu finden waren.

    Cheers
    Thomas

    1. Salut Thomas, vielleicht ist es einfach so, dass die Frauen in der jamaikanischen Musikkultur hauptsächlich im Hintergrund geackert haben, früher zumindest. Obwohl Sampler wie Studio One Women oder Feel Like Jumping – The Best Of Studio One Women etwas anderes sagen.

    2. Marcia Griffiths war ja seitens der Produzenten angefragt. Das angebotene Honorar war nicht ausreichend. Kann ich verstehen. Lebenshaltungskosten sind in JA fast wie in BRD. Also keine Marcia dabei.
      Und „Frauenquote“ ist halt ein europäisches Ding. Kann man nicht nach JA exportieren :-))

    3. Hi Lion,
      vielen Dank für die Info zu Marcia. Ist das offiziell zu finden (in einem Interview oder ähnlichem) oder hast du geheime Kontakte? Ich glaube übrigens nicht, dass hier jemand „Frauenquoten“ nach JA exportieren möchte. Ich wundere mich nur, dass sie bei dem Projekt keine Rolle spielen, obwohl es um die jamaikanische Seele geht.

  2. Hallo Nils,

    gutes review insgesamt, zumal wir da einer Meinung sind, allerdings hättest du vielleicht noch erwähnen können, das es auf dem gleichen Label bereits 2 Vorauskopplungen vom Album auf 12inch gibt…

    Gruß, „Roots Operator“ Wolle

    1. Hi Wolle, vielen Dank für die Info. Das ist an mir vorbeigegangen. Welche Lieder sind auf der 12inch drauf?

      #EeneLiebe
      Nils

    2. Auf der 1. sind drauf von Ken Boothe – Let The Water Run Dry und von Kush Mc Anuff – Black To I Roots,
      und auf der anderen von Var – Crime und von Lloyd Parks – Slaving…
      Gruß Aus Münster, Wolle

    3. Ich verschwinde direkt im Plattengeschäft :) Da sind ja die besten Lieder drauf. Vielen Dank nochmal für den Hinweis, Wolle.

  3. Hi Nils!

    Im Int. auf Munchy`s Seite…..funding did not afford our bringing in a Bob Andy, a Marcia Griffiths…

    Ich könnte mir als Folgeprojekt vorstellen: Roots Dawtas Inna de Yard – als klass. 12″ Disco Selection aufgebaut. A-Side female Vocal / Dub ; B-Side Toasting (Pr. Jazzbo, Jah Youth, U-Roy,…) / Dub

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