Summerjam 2016 … 3 Tage, 65 Kilometer und viel Musik

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summerjam 2016

Ein fulminanter Festival-Samstag mit einem gigantischen Line-up. Ein HipHop-Act, der, zumindest für mich überraschenderweise, zu den besten Acts des Wochenendes zählte.

Ein bisschen Matsch und trotzdem viele gute Vibes. Aber alles der Reihe nach: So war das Summerjam Festival 2016.

Irgendwas höre ich da unterbewusst. Ist das der Wecker? Schon wieder Zeit für Arbeit? Es ist der Wecker, doch hey – da war doch was! Stimmt: Abreise! Urlaub! Summerjam!

Es geht also los. Knapp sieben Stunden mit dem Zug von Dresden nach Köln. Nach kurzem Schreck ein paar Tage zuvor, dass es wieder Störungen auf der Strecke geben soll, fährt uns die Deutsche Bahn sogar problemlos vor die Haustür des Doms. Big Up Deutsche Bahn an dieser Stelle. Noch kurz die S-Bahn bis Chorweiler und von da aus mit dem Summerjam-Shuttlebus direkt zum Gelände.

Es ist mittlerweile Donnerstagnachmittag. Die besten Plätze sind also schon lange vergeben. Wir haben Glück, denn Teile unserer Crew ergatterten sich schon Mittwochmorgen den Platz. Angekommen. Tosh-Islands. Bester Platz – nah zum Festivalgelände, den See und die Regattabahn in Sichtweite und das Schönste: schlammfrei. Da das Zelt in zwei Sekunden aufgeworfen und in 5 Minuten fertig abgesteckt und eingeräumt ist, kann der Urlaub direkt starten.

Zisch. Klack. Das erste Dosen-Bier wird geöffnet und los geht’s. Doch so viel passiert eigentlich nicht mehr: auf die Konzerte einstimmen, Festivalbändchen abholen, Campingsite auschecken, und den Fühlinger See genießen. Irgendwie quatscht man dann aber doch wieder bis zum Morgengrauen. Naja, alles wie immer – Zeit, schlafen zu gehen.

Summerjam 2016, Tag 1: ein bisschen HipHop, ein bisschen Reggae

Hallo Freitag. Hallo Festivaltag Eins. Wach werde ich durch Techno- oder House-Musik, die von irgendwo über den Campingplatz schallt. Jungs und Mädels, das muss doch echt nicht sein, oder? Wo sind wir denn hier? Egal. Für einen Sprung in den See ist es noch etwas kalt. Sowohl Luft als auch das Wasser – die nächsten Tage vielleicht …

moop mama, summerjam 2016
Moop Mama / Summerjam 2016

Kurz vor 17 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Festivalgelände. Im Ankommen hören wir noch die letzten Töne von Jaya the Cat, die Rock mit Reggae verbinden. Klingt gar nicht so übel, aber muss man mögen. Der erste Act, der bei uns auf der Liste steht, heißt: Moop Mama.

Und die legen gleich gut los. Sieben Blasmusiker, zwei Schlagzeuger und ein MC. Tolle Mischung, die live richtig gut abgeht. Macht Spaß und ist tanzbar. Erinnert ein bisschen an SEEED, aber dann auch wieder nicht. Wenn ihr die Chance habt, die Jungs mal live zu sehen, lasst es euch nicht entgehen.

Der Platz vor der, heute sehr HipHop-lastigen, Mainstage füllt sich. In den vorderen Reihen sind die ersten Fangirls zu erkennen. Ach, noch zum Thema HipHop und Summerjam: Jedes Jahr dasselbe Gehate auf Facebook – ja, das Summerjam ist nicht mehr das reine Reggae- /Dancehall-Festival, das es noch vor 15 Jahren war. Will es aber auch nicht sein. HipHop gehört mittlerweile dazu und das sollte man, solange es in Maßen bleibt, akzeptieren.

die orsons, summerjam 2016
Die Orsons / Summerjam 2016

Aber zurück zum Programm. Denn dass dieser HipHop-Einfluss auch gut sein kann, zeigen die nächsten Jungs, Die Orsons. Fetter Bass, witzige Texte und eine tolle Show. Hab ich echt so nicht erwartet. Aus gesunder Skepsis wird von Song zu Song ein breites Grinsen.

Einer der Orsons, nämlich KAAS, hat heute doppelt Grund zu feiern. Seine gemeinsame EP mit den JUGGLERZ droppt. Natürlich lässt er es sich nicht nehmen, noch ein paar Songs daraus zu performen und holt sich dazu MIWATA auf die Bühne. Jamaica, Jamaica – genialer Song. So, die Orsons haben die Messlatte echt hoch gelegt. Aber ein toller Reggae-Act sollte da wohl noch drüber kommen, oder!?

raging fyah, summerjam 2016
Raging Fyah / Summerjam 2016

Herüber geht’s zur etwas kleineren Green Stage. Und da wartet das eigentliche Highlight des Freitags: Raging Fyah. Tatsächlich hab ich die Band zum ersten Mal live an gleicher Stelle vor vier Jahren gesehen. Ein paar Konzerte kamen in den letzten Jahren noch hinzu und es ist immer wieder schön Raging Fyah live zu erleben.

Songs vom neuen Album „Everlasting“ fügen sich perfekt in die Show ein, die schon so manchen Big Tune zu bieten hat. Ein Bob-Marley-Cover zu No Woman, No Cry gibt’s obendrauf. Der Magic-Moment ist und bleibt Judgement Day, schon allein wenn das Keyboard-Klangbrett des Intros durch die Luft schwebt. Junge, ist das geil – Gänsehaut!

Wir entscheiden uns doch noch einmal kurz bei Alligatoah vorbei zu schauen. Der Typ, der euch fragt, ob ihr mit ihm Drogen nehmen wollt oder euch auffordert gemeinsam den Bach runter zu gehen – ihr erinnert euch? Kennt ihr sicher, wenn ihr mal auf eine Party in einen Studentenclub mitgeschleppt wurdet. Seine Show ist eine komische Mischung aus Comedy und Musik. Sorry, aber passt nicht. Stimmung kommt auch nicht so wirklich auf. Schade, für den Headliner am Freitag hätte man eine bessere Besetzung finden können.

Nach einem kurzen Stopp am Zelt geht es weiter zur Dancehall Arena. Der einzige Nachteil an unserem Zeltplatz: es ist nicht gerade der kürzeste Weg. Doch da noch bis zwei Uhr der Shuttle-Bus fährt, ist wenigstens hinzu der Weg nicht ganz so lang. Nachdem wir zu Fuß kurz falsch abbiegen, hören wir auch schon die fetten Bässe. Dann heißt es: „Welcome to Jugglerz City“.

Voll ist es hier. Jugglerz, Pow Pow und Friends heizen der Massive ordentlich ein. Big Tune folgt auf Big Tune. Und dann fängt es natürlich ordentlich zu regnen an. Wenigstens steht Shotta Paul mit einem Schirm auf der Bühne. Nass, aber glücklich – ich denke die Beschreibung trifft auf uns ganz ordentlich zu. Punkt vier Uhr ist dann Schluss. Ab zum Zelt.

Es folgt ein langer, langer Weg. Was sagt die Uhr mittlerweile? 04.42 Uhr, okay fünf Minuten später sind auch wir nun am Camp angekommen. Noch interessanter ist allerdings, was der Schrittzähler im Handy sagt: Nach fünf Stunden sind wir tatsächlich schon 14 Kilometer getanzt und gelaufen. Nun brauch ich wohl einen Monat nicht mehr joggen zu gehen.

Summerjam 2016, Tag 2: Miwata, Gentleman, Richie Campbell, …

Tag zwei verspricht ein super Tag zu werden. Ein Kracher nach dem anderen im LineUp. Allerdings steht hier die erste schwere Entscheidung an: Sara Lugo auf der Red Stage oder Miwata auf der Green Stage. Wir entscheiden uns für Miwata. Endlich steht der Junge mal mit einer kompletten Live-Band auf der Bühne und das macht schon was her.

miwata, summerjam 2016
Miwata / Summerjam 2016

Ich feier die Songs des Karlsruhers ja sowieso und live gefällt mir das Ganze auch richtig gut. Dazu zeigt sich das Wetter anfangs von seiner besten Seite. Auf dem Weg Richtung Sonne ist hier das Motto. Beim letzten Song und meinem persönlichen Highlight Daylight folgt dann allerdings der Wolkenbruch. Innerhalb von drei Minuten ist man also wieder von oben bis unten nass. Die Laune verdirbt es trotzdem nicht.

Als nächstes steht Richie Campbell mit seiner 911-Band auf der Mainstage. Ähnliche Show wie im Februar in Berlin, nur sogar noch besser. Noch mehr Energie und durch die etwas kürzere Länge einer Festivalshow bekommt das Set noch mehr Druck. Toll! Einen neuen Song und Richies Rihanna Remix zu Work gibt’s ebenfalls zu hören. So kann es weitergehen!

christopher martin, summerjam
Christopher Martin / Summerjam 2016

Auf den nächsten Act freu ich mich ganz besonders: Christopher Martin. Ach wie oft lief Paper Loving bei mir schon rauf und runter neben den vielen anderen tollen Songs, die der junge Jamaikaner kontinuierlich raushaut. Mi Friend Dem, Big Deal, Mama, Lock Di Endz, Indencisive und und und.

Auch live liefert Chris Martin eine super Show ab, es macht Spaß und er freut sich genauso, verrät er mit nach seinem Auftritt:

„Summerjam ist unglaublich. Wenn du ein Reggae-Artist bist, dann willst du auf Bühnen wie dieser performen. Summerjam ist nicht nur in Europa, sondern auch in der gesamten Karibik, auf der ganzen Welt bekannt. Hier ist, wo die Musik lebt.“

Weiter geht’s mit dem Reggae-Superstar der letzten Jahre: Chronixx. Solide Show, nice Vibes, aber trotzdem fehlt mir das letzte i-Tüpfelchen. Vielleicht stehen wir nur zur weit weg, dass der Funke nicht endgültig überspringt. Nächste Chance: Reggae Jam in gut drei Wochen.

Ein weiteres Highlight des Wochenendes folgt: Alborosie und sein Shenghen Clan. Für mich der beste Live-Artist, den Reggae zu bieten hat. Jedes Mal unglaublich, wie er Roots Reggae mit Mix-Sections zu einer derart energiegeladenen Liveshow ausbaut.

alborosie, summerjam
Alborosie / Summerjam 2016

Sein neues Album Freedom & Fyah ist erst kürzlich erschienen. Solltet ihr euch anhören und wenn möglich solltet ihr Alborosie auch diesen Sommer noch live erleben. Blaze up die Fyah, Puppa Albo!

Tatsächlich gibt es sehr viele Summerjam-Besucher, die es vorziehen, Fußball zu schauen, anstatt erstklassige Musik zu erleben. Gut zwei Stunden vor Anpfiff des EM-Viertelfinales Deutschland vs. Italien muss die Übertragungs-Area wegen Überfüllung geschlossen werden. Ich meine, ich bin auch großer Fußball-Fan – aber bei dem Line-up kann man eigentlich gar nicht anders, als das Spiel zu verpassen. Anyway.

Nach Albo geht es wieder herüber zur Green Stage. Collie Buddz kommt als Nächstes. Auf der Red Stage spielt zeitgleich Sean Paul, aber ihr wisst schon – auf Platte ist Sean Paul deutlich stärker als live. Bei einem Live-Konzert wird einem erst bewusst, wieviel Ganja-Tunes Collie Buddz eigentlich hat, denn die feuert er alle nacheinander ab. Fazit: Die Show kann man sich geben, haut mich aber nicht vom Hocker.

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Die Leute / Summerjam 2016

Neben Bühnenmodertor Andrew Murphy ist wohl er Mr. Summerjam: Gentleman. Als Kölner ist das Festival quasi sein zweites zu Hause. Viele Male stand er schon auf der Bühne am Fühlinger See. Nicht überraschend also, dass er 2016 wieder Headliner des Summerjams ist. Doch diesmal kommt Gentleman nicht alleine. Er hat seinen Bredren Ky-Mani Marley dabei, mit dem er zusammen gerade das Album Conversations herausbrachte.

Die Show ist eine Mischung aus neuen, gemeinsamen Songs vom Album und den jeweiligen Hits von Gentleman und Ky-Mani. Wobei Gentleman doch den Hauptteil der Show einnimmt. Nach unzähligen Jubelschreien und Raunen am Bierwagen hinter uns, steht dann auch fest, dass Deutschland ins EM-Halbfinale eingezogen ist. Ja, was will man mehr!?

In der Dancehall Arena ist heute Afrobeat-Nacht. Fuse ODG und viele weitere Acts sind am Start. Leider bekomme ich keinen meiner Crew mehr dazu aufgerafft, den weiten Weg in die Dancehall auf sich zu nehmen. Und alleine habe ich jetzt auch nicht mehr so Lust – schade, hätte ich gern gesehen.

Summerjam 2016, Tag 3: Roots and Culture zum Abschluss

So schnell vergeht die Zeit. Schon wieder Sonntag. Schon wieder der letzte Tag. Da das Wetter heute endlich mal fast sommerlich ist, chillen wir zu Beginn des Tages noch am Camp und gehen erst 16 Uhr Richtung Festivalgelände. Da wartet dann Dellé auf uns. Man sieht ihm förmlich an, welch Freude es für ihn ist und wie dankbar er ist, auf dem Summerjam solo performen zu können.

Sein erster Summerjam-Besuch liege sogar noch vor der Jahrtausend-Wende, erzählt er. Auch er hat gerade erst sein neues Album Neo veröffentlicht. Daraus gibt es einige Songs zu hören, aber auch alte Songs wie Pound Power hauen kräftig rein. Obendrauf gibt es mit Marry Me einen Hochzeitsantrag von Dellé ans Summerjam. Super Show mit Reggae- und Dancehall-Tunes zum Booty shaken.

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Dellé / Summerjam 2016

Das vorläufige Highlight des Sonntags bildet nun Dub Inc. aus Frankreich. Endlich sehe ich die Jungs auch mal live. Mit unserem Schul-Französisch wird laut mitgesungen, egal ob’s korrekt ist oder nicht. Mir wurde nicht zu viel versprochen: Tolle Show, die einen gespannt auf das neue Album warten lässt, das im September erscheint.

Vor dem Abschluss-Act gehen wir nochmal zur Green Stage zu Chefket. Recht wenig los bei einem der Shootingstars des deutschen HipHops. Star der Performance wird dann auch eher unfreiwillig eine Zuschauerin, die vom Rapper auf die Bühne geholt wird. Als „Clean Janine“ stellt sie sich vor, aber so clean ist die Gute glaube nicht mehr. Da zücken sogar die Securitys im Bühnengraben ihre Handys. Auf jeden Fall einer der skurrilen Momente des diesjährigen Summerjams.

Den Abschluss bildet die Royal Family of Reggae; Morgan Heritage. Roots and Culture heißt es also zum Ende des 31. Summerjam Festivals. Die Grammy-Gewinner liefern ordentlich ab und geben dem Wochenende mit ihren vielen Hits einen würdigen Abschluss. Die letzten Takte erklingen und das Feuerwerk steigt in den Kölner Abendhimmel.

Das letzte Wort allerdings gehört traditionell Andrew Murphy. Was wäre ein Summerjam ohne ihn? Er, seine Gitarre und der Redemption Song – mehr braucht es nicht für einen perfekten Abschluss.

Der Tag nach dem Summerjam

Am Tag danach beginnt nun das große Packen und Aufräumen. Das Campinggelände ist in diesem Jahr deutlich weniger von Pfandsammlern und Nicht-Festivalbesuchern bevölkert. Dies liegt vor allem an den verstärkten Sicherheitsmaßnahmen, die dieses Jahr auch endlich strenger durchgeführt wurden. Das muss an dieser Stelle einmal lobend erwähnt werden. Trotzdem sind einige von ihnen unterwegs.

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Der große Abbau / Summerjam 2016

Alles ist nun irgendwie in den Rucksack gestopft und das Wurfzelt wieder zusammengefaltet. Wochenende vorbei, Summerjam vorbei – schön war’s! Gut 80.000 Schritte und 65 Kilometer zeigt die Handy-App am Montagabend an. Ordentlich. Hat sich aber gelohnt. Tolle Acts und das Wetter war ja auch im Großen und Ganzen in Ordnung. Nächste Haltestelle: Reggae Jam, Bersenbrück!

Ach ja, falls euch dieser Artikel noch nicht reicht, prüft Leonies Rückblick bei Irie Ites.

Wart ihr auch beim Summerjam Festival 2016? Wie hat es euch gefallen? Welche Acts habt ihr gesehen? Schreibt es mir in die Kommentare! Ich bin gespannt!

Flo
Musik machen, Musik hören, über Musik schreiben – Musik ist mein Leben. Die Liebe zu Reggae und Dancehall begleitet mich seit einigen Jahren und lässt mich nicht mehr los. Big up!

1 Gedanke zu „Summerjam 2016 … 3 Tage, 65 Kilometer und viel Musik

  1. Das Line Up ist aufjedenfall gut. Weiß noch nicht, ob ich es dieses Jahr schaffe, aber gerade mit Raging Fyah und Macka B sind zwei der (meiner Meinung nach) besten aktiven Live-Acts da, die es im Roots Reggae gibt.
    Neben der jungen jamaikanischen Garde ist Naâman aus Frankreich, der hier noch nicht die Bekanntheit hat, einen Besuch wert. Hab hier ne Platte von ihm rumliegen und war letztes Jahr bei seinem Rototom Auftritt. Ich würde es als neuen europäischen Reggae bezeichnen. Nicht das was man kennt, aber trotzdem richtig gut.
    Nattali Rize hat auch schon ein paar schöne Combinations mit bekannteren Acts gehabt.
    Also insgesamt eine schöne Mischung aus bekannten, etablierten und unbekannteren, aber trotzdem ambitionierten Künstlern…

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