Warum mich deutscher Reggae langweilt (WDSUSDL 01/16)

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Warum deutscher Reggae mich langweilt (WDSUSDL 01/16)

Ich liebe Reggae und fast alle seine Spielarten, wirklich.

Und weil Liebe Ehrlichkeit vertragen muss, führe ich hier ein neues Format ein: WDSUSDL (Weck Die Stadt Und Sag’s Den Leuten).

Was ich euch sagen möchte? Meine Meinung zum Stand von Reggae, zur Szene … Hosen runter, Karten auf den Tisch.

Ich habe deutschen Reggae bisher immer verteidigt und ja, es gibt gute Stücke. Aber ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass Reggae wie Schlager ist.

Diesen Spruch habe ich mir nicht ausgedacht, sondern der dufte Uwe Kaa. Und er stimmt: Reggae ist weichgespült, inhaltlich und klanglich.

Das Beste, das ich in den letzten Monaten im deutschen Reggae und Dancehall gehört habe, sind HipHop-Remixe. Da war zum Beispiel Gzuz‘ Ebbe & Flut, das Fizzle von Soulforce auf den Bam Bam Riddim geknallt hat. Ehrlich. Dreckig. Anders. Absolut unterhaltend und absolut nicht, was deutscher Reggae und Dancehall ist.

Vielleicht liegt es nur am Instrumental, das seit Jahrzehnten jeden Tanz in Wallung bringt. Aber nur daran kann es nicht liegen, denn ich finde fast jeden HipHop-Reggae-Remix besser als die Lieder der eigentlichen Szenekünstler. Noch ein Beispiel? Gern, prüft MoTrips Mathematik.

(LEIDER SIND SOWOHL GZUZ ALS AUCH MOTRIP AUS COPYRIGHT-GRÜNDEN AKTUELL NICHT AUF SOUNDCLOUD VERFÜGBAR. HÄNG ICH HIER WIEDER EIN, SOBALD FIZZLE EINE LÖSUNG GEFUNDEN HAT.)

Spezielle Anfrage an Soulforce in jedem Fall.

Es steht die Frage im Raum: Was haben die Rapper, was deutscher Reggae und Dancehall nicht haben?

Deutscher Reggae braucht Dreck und Lässigkeit

Ok, Gzuz hat wirklich eine wahnsinnig dreckige Stimme – und volksnahes Vokabular. Ich weiß nicht, ob ich jemals „… Scheiße gefressen …“ im deutschen Reggae gehört habe? Aber gut, das ist nicht der Punkt.

Reggae klingt für mich häufig sehr angestrengt, die Texte zu konstruiert, jede Silbe exakt artikuliert, fast klinisch sauber. Immer auf der Suche nach der perfekten, staubfreien Produkten. Quasi Mainstream, nur dass Reggae nicht Mainstream ist und so nicht funktionieren kann.

Rap hingegen fühlt sich an, als würden die Jungs gerade aus dem Späti ins Studio kommen und ein paar Zeilen ins Mikrofon rotzen. Obwohl sie sicher ähnlich konzentriert bei der Aufnahme sind.

Ich kann mir modernen Roots Reggae komm noch anhören, weil das meist glatt wie Teflon ist. Wo ist der Rotz? Ich will rohes Ei und kein 5-Sterne-Omlette! Hört auf mit dem 200er Schleifpapier zu polieren. Holt die grobe Körnung raus. Das hinterlässt wahrnehmbare Spuren. Handwerker kennen das.

Deutscher Reggae braucht Wortschatz

Kevin Schram und sein Team haben 2015 für den BR analysiert, welcher deutsche Rapper den größten Wortschatz hat. Morlockk Dilemma und Kollegah verweisen Johann Wolfgang von Goethe (kein Rapper) auf Platz 3.

Mich würde interessieren, wie die Statistik für deutschen Reggae und Dancehall aussieht? Gefühlt nicht so gut. Aber die Anzahl der Worte allein macht es auch hier nicht aus. Sprachlich kaum unterhaltend, bis auf wenige Ausnahmen. Die Zeilen, die mir aufgrund ihrer Kreativität im Kopf hängen bleiben, kann ich an zwei Händen abzählen.

Wobei kreativ nicht unbedingt heißen muss, jeden Vergleich um drei Ecken zu denken. Kreativ könnt ihr auch mit Alltagssprache sein. Warum knallt Ronny Trettmann so rein? Weil er alltägliches Vokabular benutzt und Phrasen textet, wie er vermutlich spricht.

Deutscher Reggae braucht frische Themen

Party. Sozialkritik. Rauchkraut. Liebe. Das ist der klassische Themen-Vierklang im deutschen Reggae und Dancehall. Da frage ich mich immer wieder: Jungs und Mädchen, habt ihr Nichts aus dem Alltag zu erzählen, aus eurer Gegend, aus eurer Straße, aus dem Supermarkt? Es muss doch mehr los sein als Party, Rauchkraut, Liebe und Sozialkritik, die häufig ungreifbar verpackt oder zu sehr mit dem Zeigefinger kommt.

Aktuell sind zum Beispiel Landtagswahlen. Die AfD zieht derbe durch, weil zu viele Leute nicht wählen gehen. Wo bleiben die Aufrufe? Babylon am Arsch.

Ich gehe davon aus, dass deutsche Reggae- und Dancehall-Künstler nicht so straßensozialisiert sind wie die Rap-Zunft. Eher so Mittelstandskinder wie ich, die Knäste nur aus dem Museum und Filmen kennen. Trotzdem fühle ich die Geschichte von Gzuz und seinen Jungs, weil sie ehrlich rüberkommt, ein Blick ins tägliche Leben.

Verlasst den Themen-Vierklang und erzählt Geschichten von euch. Schreibt über Themen, über die ihr mit euren Freunden und Freundinnen sprecht. Und wenn Sozialkritik, dann greifbar und menschennah wie zuletzt Yellow Umbrella & Ronny Trettmann & Tiny Dawson.

Reggae braucht mehr Rap, mehr Punk, mehr Kante! Vielleicht finde ich ihn dann wieder spannend. Ich verweise hier immer wieder gern auf die Sleng Teng Challenge von 2014. Rohe Kunst, die viel Anklang im Netz fand, aber leider nicht weiter gelebt wurde.

Reggae braucht mehr solche Typen wie Rebel Musig.

Rebel Musig – As Lem in de Berg

Ihr habt weitere Gedanken zu diesem Thema? Schreibt sie mir in die Kommentare.

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

40 Gedanken zu „Warum mich deutscher Reggae langweilt (WDSUSDL 01/16)

  1. Hey, danke für den Artikel.
    Ich habe dir eine Antwort auf meinem Blog geschrieben.
    Meiner Meinung nach ist es nicht nur schuld der Künstler, dass keine Produktionen kommen.
    Es gibt Strukturen, die es den Underdogs oft schwer machen etwas „rauszurotzen“.
    Beispielsweise technische Hürden und auch fehlende Sendeplätze.

    1. Salut Roman,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Ich antworte dir mal hier, ne.

      Zur Foundation der deutschen Reggaeszene
      Ich weiß sehr wohl, dass die Szene einigermaßen gut aufgestellt ist, vor allem regional. Das verfolge ich seit mehreren Jahren und dokumentiere es hier gelegentlich im Blog. Das einzige „Problem“, das die Szene da vielleicht hat: Sie bleibt in ihrer Regionalität hängen. Das hatte ich, glaube ich, schon im Flashback 2014 in der Riddim geschrieben. Ich freu mich echt über jede E-Mail von unbekannten Künstlern, auch wenn ich die Musik nicht immer mag. Nur leider kommt da nicht viel. Es fehlt vielleicht am Selbstbewusstsein. Aber wenn ich durch Puppah Sock was gelernt habe, dann: Wenn du dich nicht zeigst, wirst du nicht gesehen und entwickelst dich nicht weiter.

      Live versus die Album Aufnahmen

      Einzelne Singles reichen erstmal aus und die kannst du heute besser promoten als jemals zuvor. Du musst dich halt kümmern.

      Technische Hürden verhindern weiten Hörerkreis

      „Zum einen hat nicht jeder die Skills sich selbst aufzunehmen, auch das Equipment fehlt.“ Meiner Meinung nach ist es auch hier einfacher denn je, selbst aufzunehmen. Ich habe einfach angefangen und nach und nach so ein paar Sachen gelernt, Leute gefragt. Die Technik bekommst du für übersichtliches Budget. Es hängt dann vor allem vom Anspruch ab, womit du rausgehst.

      Gegen die Großen Labels wird es schwer

      Das ist so eine klassische „Mimimimi“-Diskussion. Große Labels und große Artists dürfen gar nicht die Messlatte sein. Dann bist du nämlich bei diesem glattpolierten Sound. Du musst dich um deine eigenen Strukturen kümmern, wenn du was erreichen willst. Gucken, wo du unterkommst. Von den Großen lernen, ok, aber sich mit ihnen messen und gleich gegen sie antreten, ist die Bremse.

  2. Guter Ansatz. Ich wollte gern was schreiben, aber mir fällt tatsächlich gerade kein deutscher, kontemporärer Reggae-Artist ein, an dem ich etwas festmachen könnte. Außer Ganjaman und über den braucht man nix mehr schreiben. Vorschläge anyone?

  3. Klein, regional, unbekümmert – not’jacob aus Rottweil macht Weißbrot Reggae (Thema 5! Backwaren :) und rotzt gegen Pegida („Peggy“) genauso raus wie sie Deutschlands erste Reggae-Feuerwehrhymne (Thema 6!) geschrieben haben. Unbekannt? Ach…Egal, wir haben unseren Spaß!!

  4. „Hört auf mit dem 200er Schleifpapier zu polieren. Holt die grobe Körnung raus. Das hinterlässt wahrnehmbare Spuren. Handwerker kennen das“…….! Feiner Vergleich. Mir persönlich fehlen auch sehr oft die Ecken und Kanten, vor allem im Modern Roots. Und die Themenvielfalt, wie du schreibst, könnte auch größer sein.

  5. Oder Du wirst erwachsen, gründest eine Familie und überlegst Dir zwei oder drei Mal ob Du Asimucke von Gzuz und Konsorten (“isch fick dain gehiarn“) pumpst, wenn die Kleinen auf der Rückbank sitzen.

    1. Salut Orang, ich bin erwachsen und habe ein Kind. Dem spiele ich Gzuz tatsächlich nicht vor. Die Inhalte sind auch nicht immer meine. Mir geht es dabei mehr um Stil und alltäglichen Sprachgebrauch – wie oben auch geschrieben.

  6. Ok, dann könnte Grime vielleicht besser passen. Skepta, Wiley und Co sind in ihrem Stil genauso aggressiv und haben den Vorteil, dass die Kleinen sie nicht verstehen.
    Wenn Du sagst die Inhalte von Gzuz seien nicht immer Deins. Magst Du noch einen Tipp geben an welcher Stelle sie es sind?

  7. Nette Diskussionsgrundlage!
    Ich bin seit Jahren kein großer Fan vom deutschen Reggae ( Ausnahmen bestätigen die Regel)
    Vor vielen Jahren durch deutsche Reggae Musiker geprägt und in die Szene eingeführt worden, hat sich dann die Musik nicht weiterentwickelt.
    Trettmann und Rudebwoy die frischen Wind in die Szene gebracht haben, sehe ich eher als deutschrap-dancehall mischlinge, die fast gar nichts mit Reggae oder Roots zu tun haben.
    Deutscher Reggae leidet vielleicht auch unter der oft nicht qualifizierten social media Kritikern.

  8. Hi,
    ich denke dadurch das nicht immer sehr differenziert und qualifiziert über die sozialen netzwerke, kritisiert und beurteilt wird, oft eine gewisse eigendynamik sich in ein Thema einschleicht die es neuem oder anderem schwierig macht, sich zu entwickeln.
    Es wird zu oft und zu intensiv geshitstormt, dadurch wird glaube ich vieles Neue und Kreative im Keim erstickt.

    1. Die Kritiker haben sich aus dem Publikum ins Netz verschoben. Früher wurdest du als angehender Künstler vielleicht mit Flaschen und Obst beworfen, heute bekommst du Kommentare. Wenn du liebst, was du machst, musst du halt drüberstehen. Es wird immer Menschen geben, die sich entmutigen lassen und andere, die durchziehen.

      Allerdings sehe ich auch, dass alle neuen Reggae-Künstler heute immer dem Vergleich mit der Garde der 2000er Jahre standhalten muss. Nicht ganz einfach, weil die Szene damals auch ein anderes Level hatte.

  9. Deutscher Reggae läuft bei mir schon noch ab und zu, allerdings fast nur aus der großen Rootdown-Zeit.
    Was ich mich manchmal frag: Wo sind eigentlich die ganzen guten Artists hin?
    Bei Nosliw, Maxim oder Mono & Nikitaman weiß ich was sie jetzt für Musik machen. (taugt mir nicht mehr so wirklich) Mellow Mark tritt hier noch regelmäßig auf (vor kurzem mit House of Riddim) und scheint wenigstens wieder etwas besser zu werden. Künstler wie Ede Whiteman oder Lazy Youth habe ich damals sehr gefeiert, eben auch weil sie teilweise sehr ungewöhnliche auch alltagsbezogene Texte hatten, aber ich habe keine Ahnung was aus ihnen geworden ist…
    Ganjaman ist so ziemlich der einzigste deutsche Künstler, der immer wieder die gleichen Themen behandeln kann ohne, dass es mir langweilig wird; ganz im Gegenteil er reist mich emotional immer mal wieder mit. Allerdings kann man ihn schlecht als Messlatte verwenden.
    Regionale Künstler, die sich dem Deutsch-Reggae verschrieben haben, sind meiner Meinung nach im Moment oft eher schwach und fungieren auf den Partys zu oft als Störfaktor, wenn sie sozusagen in der Prime-Time das Mikro in die Hand bekommen.

    1. Salut Simon,
      vielen Dank für deine ausführlichen Kommentar. Zumindest Lazy Youth lebt und noch hat 2014 was zur Sleng Teng Challenge gemacht. Aber vermutlich sind einige auch Eltern geworden und brauchten richtig Jobs, um die Familie zu finanzieren :)

      Mich interessiert vor allem dein letzter Satz:

      „Regionale Künstler, die sich dem Deutsch-Reggae verschrieben haben, sind meiner Meinung nach im Moment oft eher schwach und fungieren auf den Partys zu oft als Störfaktor, wenn sie sozusagen in der Prime-Time das Mikro in die Hand bekommen.“

      Woran liegt das? Sind sie inhaltich oder stilistisch schwach? Und im Vergleich zu wem sind sie schwach?

    2. Die meisten regionalen deutschsprachigen Künstler sind auf dances im Moment fast in allen Bereichen schwach.

      Inhaltlich kommt ehrlich gesagt bei den wenigen, die ich in letzter Zeit auf Soundsystem-Veranstaltungen (meine damit nicht Dubsoundsystem-Veranstaltungen) gesehen hab, nichts neues rüber. Oft geht es um Party machen, Kiffen oder gegen Babylon; was an sich vielleicht gar nicht so schlimm wäre, wenn das nicht immer in so ähnlichen Phrasen geschehen würde, dass von Kreativität nicht wirklich die Rede sein kann.

      Vom Stil her ist es nicht immer durch die Bank schlecht, allerdings begegnet man oft Artists die deutlich hörbar aus dem Hip-Hop kommen. Oft finde ich diesen Rap-Stil ganz gut, aber viele von ihnen können einfach nicht singen und probieren es trotzdem. Abgesehen davon, dass es bei manchen so klingt als würden sie sich mehr auf Beats heimisch fühlen und mit dem Offbeat nicht so ganz klarkommen.

      Am meisten stört mich aber, dass sie oft das Feuer aus dem Dance rausnehmen. Das liegt nicht immer nur an den Künstlern selbst, da der Sound der auflegt vielleicht auch selber darauf achten könnte, dass man so um halb 2 oder 2, wenn die Massive gerade so langsam den Peak erreicht, nicht einen Cut machen sollte. Dieser Cut bedeutet oft, dass ein Live-Act eine Stunde oder so ein paar Riddims bekommt und diese besingen darf. Die Riddims und gesungen Texte sind jedoch häufig so unpassend zur Stimmung des Publikums, dass sich diese mit der Zeit in den Außen-Bereich verlagert.

      Mit wem ich die regionalen Künstler vergleiche ist mir glaube ich selber nicht hundertprozentig bewusst. Ich denke ich empfinde sie schlecht, weil ich von dieser Rootdown-Zeit etwas anderes gewöhnt war. Vielleicht bin ich auch einfach älter geworden und nicht mehr so leicht zu begeistern wie früher. Ich denke das manche mich früher eher begeistert hätten, als die typischen Themen auf deutsch noch nicht so oft da gewesen sind.

      Abschließend muss ich noch sagen, dass ich wahrscheinlich nur einen Bruchteil der regionalen Künstler bis jetzt gesehen habe und ich vielleicht gelegentlich ein wenig zu Hyperbeln neige, aber wie hat es mal ein Bekannter von mir gesagt: „Übertreibungen machen Geschichten immer spannender!“

    3. Ich kenne leider viel zu wenig regionale Künstler, die deutschsprachig bei Soundsessions über Riddims gehen. Die letzten, die ich gehört habe, warem Ganjaman und Junior Randy :D Schon eine Weile her. Allerdings war ich in letzter Zeit auch fast nur noch bei Sessions mit richtigen Soundsystemen und da geht das mit den MCs schon immer ziemlich steil, wenn auch englischsprachig.

  10. Moin, moin!
    Ich würde die Anfangs von Socialdread formulierte Kritik ausweiten wollen…
    „Reggae ist weichgespült, inhaltlich und klanglich“
    Gilt das nicht für den internationalen, wie nationalen Reggae???

  11. servus bin hier durch Zufall vorbeigekommen – und hab mich persönlich angesprochen gefühlt(als deutschsprachiger, regionaler, Reggae-Sänger). Es gibt sie. Überall. In jeder Stadt – irgendeine kleine Reggae Band die den Reggae nicht nur spielt sondern auch lebt. Muss nicht immer alles bekannt sein. Muss nicht immer super sein. Nur echt.
    sonst: nette Website!
    alles klar
    bis bald
    daHansi

  12. Hallo Freunde,
    eine schöne Unterhaltung hab ihr hier.

    Ich möchte euch mal die Reggae Boys Deutschland vorstellen.
    Das ist kein Schleifpapier mehr , das ist ein Sandstrahler.
    https://www.youtube.com/watch?v=ekJ6BaJpyr0

    Dann zum Thema Live MCíng. Das hier ist meine Wenigkeit.
    Live und Direkt auf der Straße. Dreckig & Gemein.
    https://youtu.be/497MzHOI0U8

    Natürlich ist das regional, da hast Du Recht.
    Ich danke Dir für den Tipp.
    Da haben wir immer zu klein Brötchen gebacken.
    Es hier zu posten , ist doch mal ein Anfang

    1. Salut Klauz,
      Reggae Boyz brauchst du mir nicht vorstellen, kenn ich schon ;) Die Straßensause ist wunderschön. Machst du das regelmäßig?

  13. servus nochmal
    nach meinem tollen text hier hab ich natürlich gehofft das irgendwer mehr von meine Band wissen will – na ich bin recht ungeduldig, drum „stell“ ich mich hier mal eurer Kritik. Also schaut/hört Euch mal folgendes an:; https://www.youtube.com/watch?v=jzkraaqckLM und dann freu ich mich über jede Anmerkung dazu. Weil: wir hier in der Region haben im Grunde alle des gleiche Problem: keine Sau kennt uns.
    alles klar
    bis bald
    daHansi

    1. Salut daHansi,
      ich finds großartig. Aber was ist da los? Warum kennt selbst in eurer Region niemand eure Band? Kumpels, Familie, … da muss doch was laufen?

    2. Auch wenn ich bei bayrischen Reggae immer nur die hälfte verstehe, klingt des doch ganz solide. Wo ist den eure Region?
      Liebe Grüße aus dem Norden von Bayern

  14. morgen Leut
    stimmt schon, wir sind inzwischen 9 Leut in der Band, haben insgesamt 9 Kinder glaub ich, und die kennen uns keine Frage. Ist auch immer recht lustig die ganze Bagage vor der Bühne zu sehen. Aber um mal darzustellen um was es geht: Beispiel: Reggae in Wulf – geiles Festival nicht zu groß – im Grunde könnten wir da spielen, gut genug sind wir ja.
    Also bewerbe ich mich. Und dann? NIx, keine Antwort. Und warum? Weil wir zu schlecht sind? Weil uns keiner kennt? weil wir zu wenig likes auf facebook haben?
    Hey ich mach Musik und versuch ned zwanghaft likes zu bekommen.
    Des ist irgendwie ein Teufelskreis.

    1. morgen nochmal, dank Euch fürs anhören und kommentieren. Unsere „Region“ ist zwischen München und Garmisch – in Weilheim. Ist ne schöne Ecke, aber mit Reggae haben die Leut hier wenig am Hut. Stoiber, Aigner, Strauss; die CSU Wasserköpfe kommen alle hier aus der Gegend. Also nicht unbedingt die beste Gegend für ne ReggaeBand.

  15. Hm, spricht mir aus der Seele! Ich würde es sogar noch radikaler formulieren. Seit Jahren kommt nichts neues und kreatives mehr! Ich habe aber auch nicht das Gefühl, dass die Leute die Qualität zu hoch schrauben, vielleicht versuchen sie es aber schaffen tun ja die meisten nichtmal das! Abgesehen davon muss ein Song aber auch in reudiger Qualität ein guter Song sein!

    Hachja… arme Reggaeszene! Ich wäre ja glücklich, wenn es wieder spannendes gäbe! Wir haben ein Label und stehen parat! ;)

    1. Salut Jens,
      volle Zustimmung. Ein Lied muss auch dreckig laufen, kennen wir ja alle von jamaikanischen Vinylpressungen und -produktionen.

  16. Einige Faktoren, warum deutschsprachiger Reggae scheinbar immer mehr „langweiliger“ zu sein scheint, wurden bereits thematisiert. Ich erinnere mich auch dunkel an einen Riddim-Mag Artikel, wo man schon vor 1-2 Jahren die Meinung vertrat „Nosliw hat wieder kein Album heuer rausgebracht – deutscher Reggae ist tot“ oder in Radioshows „Keine neue Tür“ von Trettman begeistert gespielt wurde.Ich für meinen Teil, muss zugeben, dass ich früher viel mehr und lieber deutschsprachige Reggaemusik gehört habe und scheinbar geht es doch einigen Menschen hier ähnlich und heute auch gar nicht mehr so dahinter bin.

    Warum früher scheinbar alles besser war?

    1) Um 2000 herum gab es einen Reggae/Dancehall-Hype. Man denke an Sean Paul, Seeed, uvm. in den Mainstream-Charts. Es war ein allgemeines für „Reggae-Verhältnisse“ relativ großes Interesse für die Musik da beziehungsweise war es so möglich, auch als nicht von Geburt an „reggaefizierter“ Mensch mit der Musik in Kontakt zu kommen (und sich dann natürlich von diesen Artists zu anderen Artists weiterzuarbeiten).

    2) Es gab damals auch diesen „Dancehall-Fieber-Sampler“, der gerade auch für noch unbekannte Artists eine gute Plattform darstellte Gehör zu finden. Da waren damals KünstlerInnen darauf zu finden, die man kannte und andere die man eben durch die CD kennen lernte. Ich bin mir sicher, es gibt hier genug Leute, die wissen was ich meine. Ich kam so zum Beispiel zu Lazy Youth oder Benjie.

    3) Zeitgeist/Generationsding: Ich persönlich wurde in meiner Jugend auch von deutschsprachigem Hip Hop sozialisiert, vor allem von jenem, des „conscious raps“ (Torch, FK, usw.) Dort wurde es ebenfalls nach einiger Zeit bedeutend ruhiger und so fand ich die Inhalte, die ich gerne gehört habe, eine Zeit lang im deutschsprachigen Reggae/DH. Aber auch dort ging irgendwann einmal die Luft raus. Hier kommt natürlich dazu, dass viele der Artists (zB von Rootdown) eben älter wurden und auch durch bestimmte Umstände einfach nicht mehr so viel gemacht haben beziehungsweise…

    … gibt es eben nun mal die Grundproblematik für jeden Artists. Es wird irgendwie erwartet, dass man sich als KünstlerIn weiter entwickelt (man erwartet das wahrscheinlich auch von sich selbst), damit es nicht heißt „ das klingt alles gleich“ und verändert/entwickelt man sich, dann gibt es auch wieder Leute, die das „Neue“ absolut nicht verstehen können und ablehnen. Es ist eine Gradwanderung, die es eben schwierig macht, konstant in den Köpfen der Menschen zu bleiben. Und hier sehe ich auch den oben angesprochenen „Schleifpapier-Effekt“. Spontan denke ich da an Mellow Mark (Sturm vs. Metropolis) oder M&N (zb „Booom“ vs Songs vom neuen Album).

    Also mein Fazit: Man kann zurückblicken und gewisse Strukturen erkennen, die dafür gesorgt haben, dass deutschsprachiger Reggae mal bessere Zeiten erlebt hat. Ich aber dennoch der Meinung bin, dass es noch einige gute Artists gibt ( durch das Internet kommt man zwar leichter ran, aber die Quantität überschattet vielleicht den Weg zur Qualität). Und ja Geschmäcker sind verschieden. Wenn Reggae/DH mit viel Autotune, Dubstep-Einlagen und schlichteren z.B. auch sexistischen Texten kommt – dann muss ich auch ehrlich sagen, ist/das auch nicht so das, was ich hören möchte, nur damit es einen „frischen Sound und Style hat“.

    Ich kenne die aktuelle Szene in Deutschland nicht wirklich (außer jene, die schon länger dabei sind, zB Ganjaman, Raggabund, usw). Ich kenne eher die öster. Szene (Wien) und da läuft und lief nie ein einziger deutschsprachiger Tune auf irgendeinem Dance. Aber es gab und gibt hier Artists, die unter anderem deutschsprachige Songs machen, die vielleicht nicht mit der Rootdown-Epoche vergleichbar sind, aber durchaus für mich gute, solide Musik darstellen (zB Souldja, Menzo Chant).
    Was vielleicht helfen würde, damit sich da etwas ändert? Die Artists und Sounds usw müssten mehr zusammen helfen (Unity! Siehe auch Sleng Teng Challenge). Aber soweit ich das wahrnehme, sind viele Artists zu Ego-fixiert. Dabei denke ich, dass eben genau dies den Unterschied gemacht hat, auch zu früher. Sei es Dancehallfieber, wo du diverse unbekannte Artists auf die Ohren bekommen hast oder auch so im Hip Hop-Bereich damals, wo ich mir auch vorstellen kann, dass Gentleman eine gewisse Hörerschaft damals durch die HörerInnen zB von FK generieren konnte. Und ich für meinen Teil nehme nicht viele Combinations wahr oder Projekte, wo mehrere Artists gemeinsam daran beteiligt sind ( wie es zB bei Rootdown früher der Fall war)

    Zum Schluss möchte ich noch kurz anmerken, weil es vielleicht ganz gut passt. Im letzten Bassrunner Reggaecorner wurde eine CD präsentiert, welche in Kürze erscheinen wird (Homegrown), worauf nur deutsche, österreichische und schweizer Artists zu hören sein werden und dies soll erst der erste Streich sein.

    1. Salut Lion,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich finde vor allem das Fazit interessant und den Unity-Punkt. Davon erlebt ich tatsächlich auch nicht viel. Gefühlt ziehen die Jungs im HipHop eher mal einen unbekannten Künstler mit nach oben und arbeiten enger miteinander zusammen, mal abgesehen von den harten Lagern, die sich eher gegenseitig beißen.

      Die letzte übergreifende, große Kombination im deutschen Reggae / Dancehall war Trettmann, Slonesta, Phenomden und Stereo Luchs mit Skiurlaub 2013. Ansonsten passiert regional einiges, aber da kreisen die Leute halt auch in ihren Landstrichen herum. Zudem fehlt häufiger die Qualität (sowohl in der Produktion als auch lyrisch), um höher zu kommen. Und selbst da oben, beim Gentleman passiert nichts. Der kollaboriert lieber mit deutschen Rappern, Pop-Leuten oder internationalen Größen, als mal einen heimischen Reggae-Artist mit hochzunehmen oder als Gast einzuladen. Gut, vielleicht trauen sich die anderen auch nicht, ihn anzufragen.

      Die Nummer in der Reggae Corner klingt ganz gut. Bin gespannt, was auf dem Album kommt.

  17. Vielleicht schon ein bisserl spät, aber weil mich dieser Blog zu ein paar neuen Artists geführt hat (fettes Merci), kommt hier noch ein (zu) unbekannter Künstler:
    LukkeSchukkeTiger !
    https://www.youtube.com/watch?v=Qymjaq4aa6Y&sns=em

    Die Perlen der Szene sind meist untergründig unterwegs und im Gegensatz zum deutschen Rap weniger aggressiv auf Vermarktung und Bling Bling aus. Finde ich eigentlich auch ziemlich cool so!
    Vielleicht fehlt einfach die Platform oder ein Shouter, der sich dieser verborgenen Schätze annimmt und konstant nach ihnen sucht. Dieser Blogpost ist doch schon mal ein Anfang!
    Big up!

    1. Hi Nice Lion,

      es ist nie zu spät ;) Vielen Dank für den Link zum Tiger. Ich hab mich schon ein bisschen durch seine Diskografie gehört. Sind ein paar schöne Sachen dabei.

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