Tenor Youthman … Original Hill & Gully Rider aus Moskau

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2015 war ein großartiges Jahr für digitalen Reggae. Die Durchstarter des Jahres waren George Palmer aus Spanien – und ganz sicher Tenor Youthman. Wahnsinns-Typ!

Den russischen Singjay habe ich aus Platzgründen im Riddim Magazin (1/16) unterschlagen. Dafür bekommt ihr jetzt die volle Breitseite mit Interview und hörbarer Diskografie.

„Russian sound system pioneer, singjay and producer”, so steht es in seiner Biografie auf Soundcloud. Und er mag den jamaikanischen Singjay Nitty Gritty (1957-1991). Ein bisschen dünn, deshalb habe ich Tenor Youthman per Facebook kontaktiert und nachgefragt.

Er wurde 1986 geboren und lebt derzeit in Moskau. Sowohl sein Künstlername als auch sein Stil verweisen auf die 1980er. „Tenor spielt auf Tenor Saw an und mit Youthman ehre ich mein Lieblings-Soundsystem, Youthman Promotion aus Jamaika”, schrieb er.

Gleichzeitig erläuterte er, dass Tenor Saw ihm eigentlich zu seicht sei und ihn eher ungewöhnliche Sänger und Stimmen inspirieren, wie Nitty Gritty, Clancy Eccles oder auch Otis Redding und Nina Simone.

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Tenor Youthman am Mikrofon (Foto: Roman Yurkin)

Tenor Youthman entdeckt digitalen Dancehall

Digital war nicht seine erste Liebe. Das waren Ska und Early Reggae. Er spielte in einer Band namens The Absolutes, die sogar mal mit The Aggrolites auf der Bühne standen.

Nachdem sich die Band auflöste, startete Tenor Youthman als Selector: „Ich stieg immer tiefer ein und stellte fest, dass jamaikanische Musik gar nicht in den 1970ern gestorben war. Viele Skinheads sehen das so. Mit ein paar Kumpels entdeckte ich Rub-a-Dub, Steppers und digitalen Dancehall.“

Für Tenor war digitaler Dancehall ein kulturelles Phänomen: „Diese Musik kann jeder machen. Egal ob du tausende Dollar oder einen billigen Syntheziser hast. Du kannst Musik machen und deine Gedanken und Gefühle teil. Fantastisch.“

Digitale Musik ist für ihn die Musik der einfachen Menschen: „Sie wird sicher nie im Radio gespielt, eine echte Alternative zu dieser ganzen Musikindustrie.“

Am Mikrofon beim ersten russischen Soundsystem

Um 2011 herum stieg Tenor Youthman beim Lion Posse Soundsystem ein, dem ersten echten Reggae Soundsystem in Russland. Sein Freund Pushkin I-Fi hatte es ein Jahr zuvor gegründet.

Sie stellten Lautsprecher auf die Straße und spielten Roots Reggae und Rub-a-Dub. Russische Reggae Artists wie Prophet P, Culture Farmer, Jah Rave und eben Tenor reichten sich das Mikrofon herum.

Wenig später starteten sie ein eigenes Studio, kontrolliert von Tenor Youthman, und das Netlabel Lion Posse Recordings. 2014 veröffentlichte Tenor darüber sein erstes englischsprachiges Lied Writing On The Wall. Nicht nur von ihm gesungen, sondern auch der Riddim, Gitarre und zwei Dubs sind handgemacht.

Im selben Jahr nahm er noch zwei russische Lieder auf: Meditation für den Produzenten Rebelsteppa und Awaken Me gemeinsam mit der Moskauer Band The Stereodrop.

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Tenor Youthman beherrscht Mikrofon und Bass und noch einiges mehr (Foto: Sophie Neemaign)

Tenor Youthman startet international durch

2015 ging es richtig los: „Ich hatte plötzlich richtig Bock Lyrics zu schreiben. Darüber bin ich sehr glücklich und versuche, das weiter auszubauen”, schrieb Tenor Youthman. Er began mit internationalen Labels und Produzenten wie Egoless und Interrupt zu arbeiten.

Inzwischen ist er vor allem mit King Hi-Fi / Pure Niceness aus Lyon verbandelt: „Sie entdeckten mich auf Soundcloud und produzierten meine erste Vinly-Single.“

Gemeint ist eine kleine 7inch-Selection, produziert von Romain „Iron Dubz“, auf der neben Tenor auch Lasai und Bongo Chilli vertreten sind. „Ich habe 2015 mit sehr vielen Leuten zusammengearbeitet. Das Internet macht viel möglich. Ich würde niemals sagen, dass es böse ist.“

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Tenor Youthman in der Soundsystem Session (Foto: Egr Ega)

Seine zukünftigen Projekte möchte er noch unter Verschluss halten, weil einige selbst für ihn noch geheim sind. „Auf jeden Fall warte ich auf meine EP mit Interrupt, die bald über Reggae Roast erscheinen wird, und ein Lied mit Egoless, das auf ZamZam rauskommen wird.“

Weitere Namen in der Liste: King Toppa, Huba Records, Alter Echo & E3, Brainless Sound. Zudem leakte der spanische Produzent Alex „Raggattack“ López kürzlich ein paar Töne mit Tenor Youthman auf Facebook. Ein Vorgeschmack auf insgesamt fünf Lieder plus Versions.

Ich bin mir sehr sicher, dass 2016 ein richtig duftes Jahre für Tenor werden wird. Hier könnt ihr ein paar seiner Lieder hören. Ich werde die Playlist immer wieder aktualisieren.

Tenor Youthman Discography

Folgt Tenor auf seinem Soundcloud-Kanal. Wenn ihr mehr über die russische Reggae-Szene erfahren wollte, ich habe vor ein paar Jahren mal einen Artikel dazu geschrieben.

(Titelfoto: Evgeniy Mironov)

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

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