Tschüss Ronny. Hallo TRETTMANN.

Kategorien An der Ecke, Gute Musik
trettmann skyline

Tja, was soll ich schreiben. Der Ronny ist weg. Der Reggae ist (vorerst) weg. Aber der TRETTMANN, der bleibt und erobert neue Klangwelten, in denen ich bisher nicht zuhause war.

Ende Januar 2016 kommt seine KitschKrieg-EP raus. Der Vorbote Skyline hat mich seit Montag fest im Griff. Episch – oder wie Andre S. auf Facebook schreibt: „Man sagt nicht umsonst: ‚Drake ist der schwarze Ronny TRETTMANN!’“

Der ehemalige deutsche Dancehall-Direktor war ja schon immer experimenteller als der Rest der Reggae-Republik:

  • Reggae auf Sächsisch
  • 25 Geil-Feature mit MC Fitti (was macht der eigentlich?)
  • Clash gegen OK Kids
  • Sleng Teng Petition (das absolute Highlight meines bisherigen Blogger-Daseins)
  • Crowdfunding mit Tischtennis-Match

Das sind nur ein paar Auszüge. Spätestens nach seinem Feature mit Megaloh und der deutschen Version zu Drakes Hotline Bling war klar, dass mein deutscher Lieblings-MC nicht mehr lange im Reggae zu halten ist.

Unpürierte Kartoffel im Einheitsbrei

Sein bisheriges Schaffen hat TRETTMANN alle möglichen Titel in der jährlichen Umfrage des RIDDIM Magazins eingebracht: bester nationaler Künstler, schlechtester Künstler, bester Tune, schlechtester Tune. Da kommen höchsten Culcha Candela ran, natürlich nicht musikalisch.

Ja, der Bursche hat noch was bewegt in der Szene, für Gespräche gesorgt. Das Stück unpürierte Kartoffel im Einheitsbrei.

Ich werde seine unglaublichen Lyrics auf Reggae-Instrumentalen vermissen. Einer der wenigen Künstler, die nicht nur im üblichen Kosmos zwischen One Love, Babylon und moralischem Zweigefinger kreisen. Und wenn, dann zumindest inhaltlich großartig aufbereitet.

Einer, der es verstanden hat, Mittelstandsjungs wie mich thematisch und sprachlich abzuholen. Irgendwie grundehrlich. Seine Ostseemuse spricht mir aus dem Herz, weil ich als Ostkind sehr viel Zeit dort verbracht habe und immer noch verbringe.

Einer, der es mit relevanten Themen in die große Medienwelt schaffte, wie zum Beispiel 2008 mit Hand ab! oder im vergangenen Jahr mit No Pegida.

Und was ist nun mit deutschem Reggae?

TRETTMANN ist (vorerst) raus. Uwe Kaa ist raus. Rojah rappt. Slonesta macht … auch Dinge. Der Nachwuchs ist maximal lokal erfolgreich.

Gut, der Kimoe schraubt noch an neuen Tunes und Ganjaman hat sein neues Album Sinnphonie für April angekündigt. Dem Artwork nach zu urteilen, könnt das auch überraschend anders klingt. Aber was sagt schon ein Artwork aus, ne.

Ich nehme mal an, dass die Zeit nun endlich reif für die Jungs hier ist.

Pupa Sock feat. Socialdread – Tanzsaalbabo (offizielles HD Video)

Lieber Herr TRETTMANN, ich verneige mich vor deinem musikalischen Schaffen der vergangenen zehn Jahre und freue mich riesig auf die nächsten zwanzig. #EeneLiebe

Wenn ihr noch kurz trauern möchtet, hört euch hier das ultimative Ronny Trettmann Mixtape an.

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

2 Gedanken zu „Tschüss Ronny. Hallo TRETTMANN.

  1. Was meinst du mit Slona macht Dinge? No Mango, oder was? Der macht doch weiterhin Reggae: Kurz Vor Zukunft ist doch eine astreine Dancehall EP

    1. Salut Johnny,
      vielen Dank für den Hinweis. Kurz Vor Zukunft habe ich mir tatsächlich noch nicht angehört. Meine letzten Eindrücke waren mehr so Richtung Major Lazer :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.