Berlin Boom Orchestra / Kopf, Stein, Pflaster (Album Review)

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Berlin Boom Orchestra / Kopf, Stein, Pflaster (SPRINGSTOFF, 2015)

Berlin Boom Orchestra, das sind die Punker der deutschen Reggaeszene.

Vor ein paar Tagen ist ihr drittes Album Kopf, Stein, Pflaster erschienen – ein Roundhouse-Kick gegen alles, was gerade nicht so richtig läuft bei uns.

Papst, Politiker, Nazis, selbst die Berliner Verkehrsbetriebe müssen herhalten, wenn Sänger Filou abrechnet. „Diese […] nachdrücklich zelebrierte Konfrontation ist keine leichte Kost“, schreibt Gardy.

Stimmt, inhaltlich ist Kopf, Stein, Pflaster bestimmt keine Tüte Pommes für mal eben zwischendurch. Einige Texte und Gedankengänge wären im politischen Kabarett gut aufgehoben.

Philosophische Lieder wie Gedankenkreisen und All Die Jahre wechseln sich mit klaren Ansagen wie Mörder und Ums Ganze ab. Kein Babylon-Geschwubbel und Rastafari-Gepreise, alles echter Alltag.

Filou wechselt die Themen wie die Tonhöhen und Stile. Von Rub-a-Dub bis Doubletime ist alles dabei. Sehr sauber vorgetragen. Mir fehlt gelegentlich der Berliner Dreck.

Musikalisch ist Kopf, Stein, Pflaster ein Glanzlicht im deutschen Reggae 2015. Die acht Musiker des Berlin Boom Orchestra spielen einen wunderschönen warmen Klang. Mal schnell, mal langsam – und vor allem mit fetten Bläsern. Die Musik ist die Soße, die die lyrisch schwere Kost locker runterflutschen lässt.

Empfohlene Lieder? Alle, ganz ehrlich. Na gut, auf jeden Fall solltet ihr Collie Contemplation laut aufdrehen. Filou nennt das einen „… Anti-Ganja-Tune-Tune …“. mit wichtigen Zeilen wie:

„Versteht mich nicht falsch, ich scheiß auf Einstiegsdrogen, aber Kiffen kein Problem, ist einfach mal gelogen. Zu viele Kumpels hab ich vor die Hunde gehen sehen …“

Kritische Töne zum Rauchkraut beziehungsweise zur Legalisierung, höre ich auf Reggae-Alben eher selten. Dafür spende ich Applaus. Alle Text könnt ihr am Booklet nachlesen und auswendiglernen.

Habt ihr die Platte schon und eine Meinung dazu? Schreibt sie mir in die Kommentare.

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

4 Gedanken zu „Berlin Boom Orchestra / Kopf, Stein, Pflaster (Album Review)

  1. Na toll. Mein Kommentar hat sich grad vorm abschicken einfach aufgelöst -.-

    Naja, ich versuchs nochmal in kürzer. Ich finde das Album ist eine kleine Enttäuschung. Als BBO-Fan der ersten Stunde (ca. 30 Konzerte zwischen 2006-2012) kenn ich schon 2/3 der Songs obwohl ich seit 3Jahren kein Konzert mehr besucht hab. Dies liegt auch daran das die Band, vielleicht wegen der Personalwechsel, in meinen Ohren mit der Zeit ein bisschen Groove verloren hat. Aber „neu“ ist bei 6 Jahre alten Songs eher nichts.

    Filou hat immer noch unglaublich Flow und Style, hat aber leider langsam alles gesagt, was er zu sagen hat. Zummindest haben die Texte nicht mehr diese unbändige Kraft und gleichzietige Unbekümmertheit wie beim Vorgängeralbum Hin&Weg (Von dem ich mehr als Hin&Weg war).

    Die Dubversionen sind wie bei den anderen Alben top. Mehr braucht man da nicht sagen.
    Gedankenkreisen, Du Allein, Mörder und Du bist noch so ungewiss sind in meinen Augen die Highlights.

    Betty erzeugt beim ersten Hören ein Lacher, aber leider kommen danach nicht die Aussagen, die ich von Filou beim Thema BVG erwartet hätte. Retro wirkt als käme der Text von einem Friedrichshainer Hipster und das ist sehr sehr traurig. Aber diese Oberflächlichkeit gepaart mit „ich bin so besonders cool“, obwohl das Thema langweiliger Standard ist, zumindest in der Altersgruppe von Filou oder mir.

    Collie Contemplation ist in meinen Augen auch ein schwacher Track. Die Idee des Anti-Ganja-Tune-Tune ist ja erstmal nicht schlecht. Die Umsetztung in meinen Augen schon. Allein die Glorifizierung das illegal immer cooler und damit besser ist, ist erschreckend. Und auch die von dir hervorgehobene Textzeile, finde ich jetzt nicht so der Hammer. Ich glaube, bei keinem anderen THC-Thema ist sich die Wissenschaft so einig, wie beim Einstiegsdrogenmythos. Das der jetzt von einer Reggaeband hochgehalten wird, ist irgendwie erschreckend. Und grade eine so linksautonom-verwurzelten Band (vielleicht trifft das auch nur auf Filou zu) sollte da vielleicht mehr über soziale Aspekte im Bewusstsein haben.

    Kurz: Ich würde dem Album 2 von 5 Sternen geben. Obwohl der Vorgänger von 2010 Hin&Weg noch mit 5 von 5 Sternen da steht. Und auch das erste Album Kaboom würde von mir immernoch 4 von 5 Sterne bekommen.

    1. Hallo Preed, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Im Gegensatz zu dir bin ich kein 1-Stunde-Fan und habe BBO eher weniger auf dem Schirm. Zuletzt 2009. Vielleicht sollte ich mir die früheren Werke doch nochmal anhören. Was den Anti-Ganja-Tune-Tune betrifft, finde ich es gerade gut, dass BBO nicht die gängigen Ansichten vertritt, sondern den Scheinwerfer mal aus einer anderen Richtung positioniert.

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