Dancehall und Homophobie durch die Wissenschaftsbrille

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Dancehall und Homophobie / Autor: Patrick Heller / Verlag: transcript, 2015

Seit ein paar Monaten kämpfe ich mit dem Buch Dancehall und Homophobie von Patrick Helber. Heute habe ich auf Seite 200 aufgegeben.

Am Thema liegt es ganz bestimmt nicht. Mich überfordert die wissenschaftliche Schreibweise dieser Doktorarbeit.

Patrick Helber ist promovierter Geschichtswissenschaftler und betreibt mit ein paar Freunden das Scampylama Soundsystem. Der Vorwurf, er sei szenefremd, ist also gleich vom Tisch.

Worum es ihm mit seinem Buch Dancehall und Homophobie. Postkoloniale Perspektiven auf die Geschichte und Kultur Jamaikas geht:

„Die Publikation hat das Ziel, das bislang in der deutschen Diskussion Versäumte nachzuholen und dem hiesigen öffentlichen Diskurs über Homophobie auf Jamaika und der jamaikanischen Populärkultur ein akademisches Fundament zu liefern.“

Genauer heißt das: Patrick Helber beleuchtet, inwiefern die koloniale Vergangenheit Jamaikas die heutige homophobe Gesellschaft auf der Insel bedingt.

Nach einer kurzen Einführung in die Landes- und Musikgeschichte geht es rüber zu den „Theoretischen Grundlagen von Geschlecht und Sexualität“, zum Begriff Homophobie und zu den Rollenbildern in der Dancehall. Als Hörer sollten euch zumindest die Rollenbilder klar sein.

Homophobie in jamaikanischen Zeitungen

Spannend wird es, wenn Patrick Helber untersucht, wie jamaikanische Zeitungen mit Homophobie umgehen. Dafür hat er knapp 250 Artikel aus dem Jamaica Gleaner, dem Jamaica Observer und dem Jamaica Star analysiert.

Alle erschienen im Jahr 2004, als Outrage! die Kampagne Stop Murder Music startete und die häßliche Seite Jamaikas ins Licht zerrte. Für mich interessant:

  • Homosexualität wird stark auf den sexuellen Akt beschränkt (vor allem bei Männern)
  • Unwissenheit und Religion sind noch immer starke Einflussfaktoren
  • Homosexualität wird als etwas Fremdes, von den Weißen ins Land Gebrachtes betrachtet
  • Die Leute haben Angst vor der Homosexualisierung ihres Landes

Wie schon häufiger geschrieben: Ich war noch nie auf Jamaika und ich kenne keine Jamaikaner persönlich. Trotzdem vergleiche ich diese homophobe Haltung gern mit der aktuell in Deutschland kreisenden Angst vor der Islamisierung. Beide speisen sich offenbar aus Unwissenheit und tendenziösen Medienberichten.

(Ganz abgesehen davon: Wie fühlt man sich als Nation, wenn der weiße Mann einem per Bibel beibringt, dass Schwule und Lesben nicht ok sind – und dann später wiederkommt und protestiert, dass man etwas gegen Schwule und Lesben hat?)

Das Buch Dancehall und Homophobie bekommt ihr hier. Wie geschrieben, ist es harte wissenschaftliche Kost. Viele Quellenangaben, Zusatztexten, Zitaten etc. verhindert leider, das Buch flüssig lesen zu können.

Anregend ist es trotzdem und allein für die Arbeit verdient Patrick Helber meinen Respekt. Ergänzend zu meinem Beitrag empfehle ich euch dieses Interview mit Patrick beim Deutschland Radio Kultur.

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

19 Gedanken zu „Dancehall und Homophobie durch die Wissenschaftsbrille

  1. Guten Tag auch !
    Gegen jemanden, der sich 4 Jahre wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt hat, erscheint meine Frage sicherlich „etwas“ oberflächlich. Dennoch brennt mir die Frage auf der Zunge.
    Vorausgesetzt die Doktorarbeit verfolgt nur oder eben hauptsächlich den kolonialen Ursprung der Homophobie in Jamaica muss ich mich dann doch fragen, woher denn dann meine eigene Homophobie kommt und woher die Homophobie der Kolonialisten und die Homophobie der übrigen ca. 90 % der Weltbevölkerung kommt. Dazu frage ich mich, warum ausgerechnet Gesetze, die sich gegen Homosexualität richten, von jeder Bevölkerung so dankend angenommen werden, zumal sie auch noch von den Kolonialisten, den Sklaventreibern und allen anderen rassistischen Unterdrückern erlassen wurden. Die natürliche Reaktion wäre doch, wenn der Massa sagt Axxxxxxxxxn [geändert von Socialdread] ist verboten, sich den ganzen Tag gegenseitig in den Axxxx zu fxxxx [geändert von Socialdread]. Aber ausgerechnet dieses angeblich auferzwungene Verbot wird ohne Widerstand akzeptiert und zwar Weltweit von nahezu jedem Menschen. Warum können Homosexuelle nicht akzeptieren, daß deren Verlangen den meisten Menschen unheimlich ist ?

    Mag sein, daß ich die genze Debatte „in den falschen Hals“ bekommen habe aber ich bin der Meinung, daß jeder Mensch ein Recht auf Homophobie hat !!! Homosexualität per Gesetz zu verbieten ist allerdings Geisteskrank und wider mal typisch für die Kontrollfreaks, die leider auch niemals aussterben und spaß daran haben uns Menschen zu regieren. Homosexuelle einzusperren oder anders zu bestrafen finde ich unmenschlich und vollkommen überzogen. Homosexualität darf nicht bestraft werden und Homophobie ist etwas, was tief in der Seele des Menschen verankert ist. Wir werden wohl solange es Menschen gibt, damit leben müssen.

    Ganz speziell die Schwulen sollten aber endlich aufhören, uns das Schwulsein als schön und ganz normal „verkaufen“ zu wollen. Das nervt extrem. Und Heiraten und wohlmöglich noch Kinder haben zu wollen …….. naja, besonders letzteres is ja wohl völlig abwegig, weil biologisch unmöglich und wenn überhaupt nur möglich, weil es in der Welt so viel Armut,Krieg und Verderben gibt. Zwei Männer mit Kind oder Kindern, ist aus meiner Sicht der Gipfel unserer postkolonialen Dekadenz. Bei Frauen ist das etwas anders, weil diese nunmal die Kinder bekommen und bei einem kleinen Seitensprung oder eben mit künstlicher Befruchtung oder weil jemand in die Tomaten gewichst hat und eine Frau später in die Tomaten gefallen ist ….. schwanger werden können.
    Eigentlich ganz einfach die Sache, man muss ihr nur ganz realistisch und unbefangen ins Auge sehen.

    Tschüss erst mal ……………… lemmi

    1. Ja, das Buch verfolgt genau das, was auf dem Titel steht.

      Woher deine Phobie kommt und woher du die 90% nimmst, weiß ich leider nicht. Ich gehe aber stark davon aus, dass es keine Phobie per Definition ist. Wobei, keine Ahnung wie genau du auf Homosexuelle reagierst.

      Hast du mal versucht zu ergründen, woher dein Problem kommt bzw. womit genau du ein Problem hast?

      Ach, und erkläre mir in diesem Zug bitte noch folgende Aussage bezüglich homosexueller Männer: „Und Heiraten und wohlmöglich noch Kinder haben zu wollen …….. naja, besonders letzteres is ja wohl völlig abwegig, weil biologisch unmöglich und wenn überhaupt nur möglich, weil es in der Welt so viel Armut,Krieg und Verderben gibt.“

      Danke.

  2. Tja nun, ich denke schon, daß meine Homophobie angeboren ist. Jedenfalls wurde sie mir nicht anerzogen. In meiner Jugend wurde da überhaupt nicht so viel drüber geredet. Das Thema wurde speziell für mich erst durch diese ganze „Homo-Dancehall-Debatte“ Akut. Da ich aber schon länger als dreißig Jahre Reggae aufsauge bin ich mit der Ausdrucksweise der Jamaicaner vertraut und weiß daher deren Texte zu deuten. Zumindest kann ich mit den Ausdrücken „burn dem“ oder „hang dem“ und ähnlichen radikalen Äußerungen wohl mehr anfangen als die Gegner der Homophobie. Und alle mir zu Ohren gekommenen „Argumente“ der Dancehall-Gegner trampelten ständig und immer wider auf diesen Ausdrücken rum. Und sorry aber das fand ich lächerlich und ich finde das auch immer noch lächerlich. Die Jamaicaner verbrennen täglich jeden weißen Geldschnösel hundertfach aber eben nur verbal, so wie es eben nunmal deren Art ist. „Die Jamaicaner“ ist jetzt eine Verallgemeinerung. Sicherlich gibt es da jede Menge, die auch nach Geld und Macht streben oder nach drei Handys, den neuesten I-Pot und den neuesten gekrümmten drei – d – multifunktions – liquid – Plasma – Fernseher. Achtung dies war nur ein Nebensatz, der sich auf „die Jamaicaner“ und nicht auf die Homophobie bezog.
    Es ist also vor allem auch die Argumentation der „wohlerzogenen gutmenschen“ die meine ( wie soll ich sagen ) Intoleranz erst richtig entfacht hat und in den meisten Fällen sogar noch verschlimmert hat. Sie wirkt auf mich geradezu in provokanter Weise lächerlich. Mag sein daß ich das falsch sehe aber es ist ein Erklärungsversuch, der einzig und allein auf meiner Wahrnehmung des ganzen Themas beruht. Womit ich jetzt auch versuchen möchte darzustellen, wie ich auf Homosexuelle reagiere. Ich kann da nur Antworten : Ich reagiere schizophren. Mein Kopf sagt mir „hey kumpel, bleib cool, bleib tolerant, das sind auch Menschen. Mein Bauch hingegen vermittelt mir das Gefühl von Fremdschämen und ja irgendwie auch Abscheu. Wenn das nicht angeboren ist, kann ich Dir echt nicht sagen, woher es dann kommt.
    Du meinst, ich könnta ja mal versuchen zu ergründen, woher mein Problem kommt, bzw. was mein Problem überhaupt sein könnte. Nun, vielleicht ist mein Problem, daß ich da gar kein Problem bei mir sehe. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes tolerant gegenüber den Homosexuellen. Toleranz bedeutet Duldung und ich erdulde Homsexualität solange ich lebe. Ich gehe weder gewaltsam noch mit Worten auf Homosexuelle los. Nur wenn ich sehe wie zwei Männer sich küssen oder …. und wenn ich „Argumente“ höre wie „oh, die bösen Jamaicaner wollen Schwule verbrennen“, dann dreht sich mir der Magen um. Woher das kommt muss ich komischerweise sonst nirgends erklären, da es wie gesagt ca. 90% ( ein von mir pauschal und dem Gefühl entsprechend eingesetzter Wert ) genauso empfinden wie ich. Muss ich das mit dem Heiraten und dem Kinder-kriegen bei männlichen Ehepaaren wirklich erklären ? NEIN !!! Ich bitte viel mehr Dich, mir zu erklären, wie Du dir das vorstellst. Wobei die Sache mit dem Heiraten meinetwegen tolerierber ist. Mein Kollege und ich hatten auch schon überlegt, ob wir nicht aus steuerlichen Gründen heiraten wollen. Ich habe Ihm auch einen Antrag gemacht, habe aber nicht damit gerechnet, daß er „Ja“ sagt ……………….

    Greetings ……………………… lemmi

    1. Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ich muss gestehen, dass ich selbst nie auf Jamaika war und all mein Wissen aus Berichten unterschiedlicher Quelle ziehe.

      Mag sein, dass du die Ausdrucksweise der Jamaikaner verstehst. Fakt ist, dass es einige Berichte darüber gibt, dass Homosexuelle in Jamaika angegriffen wurden / werden. Und wenn nun Vorbild-Artists mit „burn dem“ und „hang dem“ kommen, ist das lyrisches Öl ins Feuer. Die Ausdrücke mögen überspitzt sein, wirken auf mich dennoch auffordernd, etwas gegen Homosexuelle zu unternehmen.

      Interessant ist dein Punkt, dass auch täglich mehrfach „weiße Geldschnösel“, der Papst und was weiß ich wer verbal verbrannt werden. Dadurch fühlt sich aber offenbar niemand zu Taten angestiftet. Zumindest kenne ich keine konkreten Berichte (bis auf die klassischen Touristen-Überfälle), die internationale Relevanz hätten. Oder kennst du Meldungen, in denen Christen auf Jamaika angeriffen wurden oder reiche Geldschnösel? In diesem Bereich wäre eine Forschungsarbeit spannend.

      Eine Frage habe ich weiterhin: Du sollst mir natürlich nicht erklären, warum zwei Männer biologisch keine Kinder kriegen können. Erklär mir bitte, welche Rolle Armut, Krieg und Verderben bezüglich homosexueller Partnerschaften spielt?

      Und eine zweite Frage kommt dazu. Wie geht dein Satz nach den drei Punkten weiter: „Nur wenn ich sehe wie zwei Männer sich küssen oder …“? Ich vermute mal, du spielst auf sexuelle Praktiken an. Dann frage ich mich allerdings, wo und wie genau du damit in Kontakt kommst bzw. gekommen bist?

      Und warum wird – wie oben im Artikel schon erwähnt – Homosexualität vor allem auf den Sex beschränkt? Das ist doch nur ein Teil davon. Partnerschaft, Liebe etc. werden offenbar vollkommen ausgeklammert. Und sind wir mal ehrlich: Es gibt bei Heterosexuellen genug Praktiken, von denen ich mir wünsche, nie gehört zu haben.

  3. Obwohl Du wohl von uns beiden mehr Empathie für die Probleme von Homosexuellen aufbringst als ich, fühlst Du dich durch diverse Texte aufgefordert etwas gegen Homosexuelle zu unternehmen. Ok, vielleicht nicht unbedingt Du persönlich aber Du siehst darin eine gewisse Aufforderung. Ich selbst fühle mich aber in keinster Weise aufgefordert, obwohl ich mich ja aufgrund meiner Homophobie viel eher aufgefordert fühlen müsste. Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich meine nicht, daß Du dumm bist aber wer aufgrund solcher Texte losgeht und Schwule verprügelt ist extrem verblödet und gehört in eine Besserungsanstalt, bzw. ins Gefängnis. Auf Jamaica gibt es leider sehr viele Leute, die ( nun ja ) – ich sag mal – extreme Bildungslücken aufweisen. Zwischen mangelnder Bildung und Dummheit besteht allerdings noch ein riesiger Unterschied. Die Übergriffe, die es auf Jamaica gegeben haben mag sind dann aber wohl eher von den Dummen und Primitiven begangen worden. Das ist jetzt aber ehrlich gesagt auch von mir nur Spekulation. Ich sehe ( vielleicht will ich es auch nicht sehen ) da allerdings auch nicht unbedingt einen Zusammenhang zu irgendwelchen Duncehall-Texten, denn es gibt Weltweit ( unlängst wurde aus Russland davon berichtet ) gewalttätige Übergriffe auf Homosexuelle und die verstehen noch nicht mal Englisch, geschweige denn Patwa. Ich will damit sagen, daß diese Übergriffe auch auf Jamaica eventuell sowiso passiert wären, egal ob ein Sizzla oder ein Buju dazu nen Text abliefern. Auf Jamaica werden auch Menschen ermordet, obwohl sie nur an den Drums vom Dub Syndicate gesessen haben.
    Gewalt ist auf Jamaica leider alltäglich. Die Christen und die Geldschnösel vor allem aber die ganz großen „Monopoli-Spieler“ haben es hinbekommen, daß die Jamaicaner sich gegenseitig abschlachten. Ich würde eine Forschungsarbeit spannend finden, in der sich jemand der schlauer ist als ich damit beschäftigt, wie man diesen Umstand weltweit beseitigen kann.
    Zitat :
    „Eine Frage habe ich weiterhin: Du sollst mir natürlich nicht erklären, warum zwei Männer biologisch keine Kinder kriegen können. Erklär mir bitte, welche Rolle Armut, Krieg und Verderben bezüglich homosexueller Partnerschaften spielt?“
    Das hast Du wohl falsch verstanden. Es ging ja in meinem Satz um die „Möglichkeit“ für zwei Männer an Kinder heranzukommen. Biologisch unmöglich !!! Also bleibt nur kaufen !!!
    Klingt komisch also nennen wir es Adoptieren. Normalerweise haben Kinder aber eine Mutter und einen Vater. Diese jahrmillionen alte Idülle wird allerdings ebenfalls schon seit Menschengedenken durch Krieg, Armut und Verderben zerstört. Die Folge ist, daß Kinder ihre leiblichen Eltern verlieren und sehr oft mittellos auf den Straßen dahinvegetieren müssen oder eben von irgendwelchen anderen Eltern adoptiert werden können. Und da kann es nun auch passieren, daß da plötzlich zwei Männer vor der Tür stehen und so ein Kind abholen wollen. Wenn es nun keinen Krieg und diese ganze andere scheiße geben würde, wären im Normalfall keine Elternlosen Kinder vorhanden. Und wo sollten zwei Männer dann welche herbekommen ?! Es ist in keinem fall ein natürlicher Weg.
    Du fragst mich weiterhin, wo ich mit sexuellen Praktiken von Homosexuellen in Kontakt gekommen bin. Natürlich bei Youporn, Xhamster und co. Dazu kommen aber noch ganz alltägliche Sachen. Ich bekomme schon Beklemmungen, wenn sich ein Typ wie eine Frau bewegt und umgekehrt finde ich Frauen ganz ganz komisch, die sich ausschließlich wie ein Mann kleiden und sonst nichts weibliches durchblicken lassen.
    Dann fragst Du noch, warum Homosexualität vor allem auf den Sex beschränkt ist. Die Antwort liegt doch schon in dem Wort selbst. „homo – SEX – ualität“. Wer führt denn schon eine Beziehung ohne Sex ?! Eine Beziehung ohne Sex ist keine Beziehung im klassischen Sinne. Das nennt man dann Freundschaft. Ich teile doch auch nicht meine wertvolle Freizeit mit einer Frau, wenn ich mit Ihr keinen Sex haben kann. Auch Frauen sagen Sex macht nur ( jetzt kommt wieder ne Prozentangabe ) pauschal 20% in einer Beziehung aus. Diese 20% sind aber wichtiger als die restlichen 80%. Sex ist quasi der Motor des Lebens !
    Ich will hier aber auch nicht den Eindruck erwecken, daß ich der große Sexgott bin, nein mein Leben ist auch eher von der Sehnsucht nach Sex bestimmt oder besser gesagt beeinflusst. Und die heterosexuellen Sexpraktiken die Du meinst, stehen hier momentan nicht zur Anklage. Da hat sicherlich jeder seine individuellen Grenzen. Die Texte in jamaicanischen „Liedern“ richten sich aber auch gegen Oral – und Analverkehr bei Heterosexuellen. Für mich ist da immer noch der „Fungus Rock“ von Lee „Scratch“ Perry brandaktuell.
    Ok, ich hoffe ich hab´s einigermaßen rübergebracht.
    Zusammenfassend möchte ich eigentlich nur sagen, daß ich bei Homosexualität – aus welchen Gründen auch immer – ein komisches Gefühl habe aber auch vollkommen dagegen bin, Homosexuelle per Gesetz zu bestrafen oder irgendwie anders zu verfolgen.

    Greetings ……………. lemmi

    1. Salut Lenni, vielen Dank, dass du meine Fragen beantwortet hast. Ich geh deinen letzten Kommentar mal der Reihe nach durch:

      „Du siehst darin eine gewisse Aufforderung.“

      Ja, die ist allein dadurch gegeben, dass „verbrennt sie“ und „hängt sie“ Imperative sind, also klassische sprachliche Aufforderungsformen.

      „aber wer aufgrund solcher Texte losgeht und Schwule verprügelt ist extrem verblödet und gehört in eine Besserungsanstalt, bzw. ins Gefängnis.“

      Ich sehe die Texte nicht als direkten Auslöser, sondern als Brandbeschleuniger bzw. als Bestätigung. Wenn diese einfache Bildsprache auf einfache, medial gesteuerte Gemüter trifft, wird es vermutlich keine metaphorischen Analysen geben, sondern direkte Assoziationen.

      „denn es gibt weltweit (unlängst wurde aus Russland davon berichtet) gewalttätige Übergriffe auf Homosexuelle und die verstehen noch nicht mal Englisch, geschweige denn Patwa.“

      Wir reden hier über Jamaika. Wenn ich Homophobie in Russland betrachten möchte, müsste ich mich mit der dortigen Szene auseinandersetzen. Aber so grob aus der Pistole geschossen: Jamaika hat da sehr wahrscheinlich keinen Anteil dran.

      „Du fragst mich weiterhin, wo ich mit sexuellen Praktiken von Homosexuellen in Kontakt gekommen bin. Natürlich bei Youporn, Xhamster und co.“

      Ähm, jetzt muss ich doch nochmal nachfragen: wenn dir Schwule, Lesben etc. Unbehagen bereiten, warum guckst du dir solche Filmchen an? Forschungszwecke?

      „Ich bekomme schon Beklemmungen, wenn sich ein Typ wie eine Frau bewegt und umgekehrt finde ich Frauen ganz ganz komisch, die sich ausschließlich wie ein Mann kleiden und sonst nichts weibliches durchblicken lassen.“

      Das ist vermutlich ein Fall für psychologische Aufarbeiten (absolut nicht böse gemeint).

      „Zusammenfassend möchte ich eigentlich nur sagen, dass ich bei Homosexualität – aus welchen Gründen auch immer – ein komisches Gefühl habe aber auch vollkommen dagegen bin, Homosexuelle per Gesetz zu bestrafen oder irgendwie anders zu verfolgen.“

      Schöne Zusammenfassung und wenn du Zeit hast, versuch doch mal zu ergründen, woher das komische Gefühl kommt.

      #EeneLiebe

  4. Hehe, als „Homophobiker“ liegt es mir natürlich ganz besonders am Herzen, den von mir selbst ins Spiel gebrachten Verdacht auszuräumen, daß ich mir Schwulenpornos anschaue. Ich habe auch schon damit gerechnet, daß da noch was zu kommt. Ich versuche zwar fast immer, mich unmissverständlich auszudrücken aber in diesem Fall habe ich es mal drauf ankommen lassen. Ja die Bilder kann ich gar nicht so schnell wegzappen, wie sie erscheinen. Ich klicke die aber nicht an. Die Bilder verfrachte ich alle in mein Fotoalbum mit dem silbernen Knopf und den Schlüssel dazu schmeiße ich weg.
    Homosexuelle „Mädels“ schaue ich mir dagegen immer wieder gerne an. Mehr sage ich dazu nicht, denn ich möchte jetzt doch nicht alle meine sexuellen Vorlieben ausbreiten, sonst holt mich noch die CIA oder NSA oder wie die alle so heißen.
    Ich merke auch immer wider, daß ich nicht derjenige bin, der diesen Konflikt komplett nachvollziehen kann und schon gar nicht zu einer Lösung beitragen kann. „Time Will Tell“ würde Bob Marley vielleicht sagen. Und ein Satz, den ich bisher noch nicht übers Reggae-Fanatiker-Herz gebracht habe, wird Dich vielleicht auch etwas gnädiger stimmen. Solche Texte, wie sie in der Kritik waren und vielleicht auch immer noch sind, müssen auch aus meiner Sicht echt nicht sein. Sie werden zwar dem Dancehall zugeordenet haben aber dem Reggae insgesamt mehr geschadet als genutzt. Womit ich jetzt zum Niveau von Dancehall allgemein kommen könnte aber das würde das Thema hier dann doch sprengen. Außerdem ist auch das wohl Ansichtssache. Die meisten Menschen stehen wohl auf das primitive …. einfache, schnell hingerotzte wegwerfriddims mit einer Haltbarkeit von maximal einer Woche. Sorry, jetzt ist mir meine Meinung über diese Mucke doch rausgerutscht. Is auch wieder zu pauschal, denn es gibt auch Dancehall-Riddims, die mir gefallen. Ausnahmen bestätigen immer die Regel.

    Bis denne SocialDread ………………….. lemmi

    1. Das war eine Doku von 3-Sat über Dancehall und Homophobie mit Shotta Paul von den Jugglerz und K.I.Z. Sorry … scheinbar ist das Video wieder offline. Hat es noch jemand oder den Link?

  5. Hmmmm, wahrscheinlich überflüssig, was ich jetzt schreibe ( ihr denkt bestimmt … so wie alles was ich schreibe ) aber ich glaube ich habe einen Teil der Doku sogar gesehen. Da war ein Rasta oder war es doch „nur“ irgendein Jamaicaner ….. jedenfalls fand ich es sehr schön, wie dieser Mann es ganz ruhig und mit einfachen Worten erklärt hat. Im grunde ist es unfair von mir diesen Mann jetzt zu zitieren, da ich echt nur noch Fetzen von seinem Statement behalten habe. Er schildert dort wie sehr Homosexualität der ganzen Lebensphilosophie der Rastas widerspricht. Die Rastas praisen das Leben und alles was zum Erhalt eines widerspruchsfreien Lebens dazu gehört. Unter anderem eben auch die Verweigerung von Fleisch und Salz ( würde nur zu gern wissen, wie die Geschmack in ihr Essen bekommen ) und immer wieder wird das sogenannte ITAL FOOD hervorgehoben. Sie sind unendlich stolz darauf, viele Kinder zu haben ( auch wenn sie diese nicht ernähren können ) . Homosexualität bringt aber nunmal definitiv keine Kinder hervor und widerspricht somit einem großen Teil der Rastaphilosophy.
    Warum die Rastas so sehr auf der Bibel rumreiten weiß ich auch nicht. Denn sie wurde vom weißen Unterdrücker geschrieben aber letztenendes wurde sie von Rastas wie Burning Spear bzw. Winston Rodney neu interpretiert. Die oft besungene Textzeile, „The Half Has Never Been Told“ findet dabei ihren Ursprung. So weit ich weiß, gibt es weder von Bob Marley noch von Peter Tosh und auch nicht von Burning Spear irgendwelche Texte die zum killen von Homosexuellen aufrufen. Das hatten die einfach nicht nötig. Obwohl natürlich jedem klar ist, daß auch sie nicht unbedingt in eine Schwulen – und Lesbenkneipe gegangen wären.
    Ja, sorry an alle Rastas, vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte deren Standpunkt hier nicht versucht zu erläutern aber ein Versuch war es mir wert. Besser wäre es, wenn sich jeder von uns mal wirklich mit einem real Rastaman darüber unterhält. Ich mein ja nur, so ganz bin ich auch nicht auf deren Wellenlänge. Ich esse Fleisch für mein Leben gern und Salz is halt nunmal „das Salz in der Suppe“ und das die Frau aus der Rippe des Mannes gemacht worden sein soll is mir jetzt auch ein wenig zu metaphysisch.

    Mist, jetzt fragt meine Chefin bestimmt, warum die Arbeit noch nicht erledigt ist. Naja egal jetzt ist erst mal Wochende …………………… lemmi

    1. Hallo Lemmi,
      ich glaub du meinst ne ältere Doku. Die gibt es auf youtube. In der, die ich mein, war kein Rasta. Nur Shotta Paul, der von „gay pirate of the Caribbean“ und „batty man music“ sprach. Außerdem K.I.Z. und Irie Revoltés. Es ging um Homophobie in der deutsche Reggae Szene und lief dieses Jahr auf 3Sat.

  6. hey, ich hab mir jetz mal die ganze „Diskussion“ durchgelesen und ich weiss, über das Thema kann man ewig diskutieren, aber eine Sache versteh ich einfach nich:
    Warum regen sich Leute über Privatangelegenheiten anderer Menschen auf, die sie zum einen rein garnix angehn und zum anderen auch keinen Einfluss auf sie haben? Ist es denn nicht schön wenn zwei Menschen sich lieben? Wen interessiert schon, wer wen wie und wieso?
    Und gerade im Reggae frag ich mich leider zu oft, was is eigentlich aus den großen Idealen „LOVE, PEACE and EQUALITY“ geworden? Sie waren der Grund, der mich für Reggae gewann, sind aber leider doch oft nur noch hohle Worthülsen. Für mich gelten diese noch immer und daher ist für mich unverständlich, wie man Menschen aufgrund ihrer Herkunft, phänotypischen Erscheinung, ihrem Geschlecht oder eben ihrer sexuellen Orientierung abwerten kann! We’re all created equal!
    In diesem Sinne: #EeneLiebe

    Auch wenn das folgende Musikstück genretechnisch nicht der Familie der Offbeat-Tracks zuzuordnen ist, lege ich Ihnen dennoch den zeitnahen Konsum aufgrund des thematisch passenden Bezuges ans Herz: ;)
    https://www.youtube.com/watch?v=4sVLtq3eqA0&spfreload=10

    Grüße aus Dresden!
    FCK PGD !!!

    1. Salut Wessy, vielen Dank für deine Gedanken zum Thema. Leider kann ich dir all die Fragen auch nicht beantworten und wahrscheinlich können das die betreffenden Personen auch nicht so richtig, wenn sie mit normalen Argumenten konfrontiert werden.

      Vielen Dank auch für den musikalischen Tipp.

  7. Ach, sowas aber auch! jetz is es mir doch tatsächlich wieder eingefallen:
    manche Menschen werten andere Menschen auf Basis von Belanglosigkeiten ab, um in ihrem Selbstbild über den anderen zu stehen und damit als angeblich (bspw. moralisch) überlegen gelten zu können. Und da kommen ja Irgendwelche die irgendwie nicht ins Bild passen wie gerufen um ausgegrenzt und diskriminiert zu werden,nur damit man sich selber besser und „wertvoller“ fühlt. Is auch ne Methode, wenn man keine wirkliche Persönlichkeit hat, wenigstens einen Schein von Selbstwertgefühl zu erzeugen… traurig…

  8. Ich habe Lemmis Statements in den vergangenen Jahren immer mal wieder gelesen. Und: Auf der einen Seite bin ich mir sicher, dass er uns Leser alle an der Nase rumführt – der Satz: „Homosexuelle „Mädels“ schaue ich mir dagegen immer wieder gerne an. “ hat den Vogel abgeschossen – andererseits ist er für einen Troll doch ganz schön ausführlich geworden.

    Wie auch immer: Danke Patrick Helber für die wunderbare und, wie ich finde, gelungene wissenschaftlich-wertfreie Aufarbeitung der Thematik!

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