22.930 Reggaemiles: Jugglerz‘ Tour durch Amerika

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Shotta Paul & DJ Meska auf Reggaemiles Tour 2015 (Foto: facebook.com/jugglerz.de)

[Gastbeitrag] „What happens in Vegas, stays in Vegas“, antwortet DJ Meska lachend auf die Frage, was denn für verrückte Dinge während der Reggaemiles-Tour 2015 der Jugglerz passiert seien.

In Las Vegas waren die beiden zwar nicht, aber der Tourplan konnte sich sehen lassen: Drei Wochen tourten Jugglerz als erstes europäisches Dancehall-Soundsystem im Januar durch die USA, Bermuda und Panama und rissen dabei Clubs von New York über Los Angeles bis nach New Orleans ab.

Eine Ehre für den noch recht jungen Jugglerz-Sound. „Das ist natürlich geil und vor allem auch eine Bestätigung für unsere Arbeit. Wenn man weitere Schritte nach vorn machen kann und dann auch das Feedback zurückbekommt an solch unterschiedlichen Orten, ist das Wahnsinn“, erzählt Shotta Paul begeistert.

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Shotta Paul in New Orleans / Reggaemiles Tour 2015 (Foto: facebook.com/jugglerz.de)

Egal ob eine umjubelte Show beim Dream Weekend auf Jamaica, erfolgreiche Riddims oder Mixtapes – all das bleibt auch über dem Teich nicht unbemerkt: „An der Westküste feiern alle unseren Penthouse-Riddim. Dort ist es echt so, dass die Leute die Songs mitsingen können.“

In New York trafen Paul und Meska auf Artist Screechie Dan, der wiederum vom Vybz Kartel Mixtape begeistert ist: „Yo, ‚Bars From Behind Bars‘ – dis is di baddest Kartel mix ever!“

Und den Promoter in New Orleans, ein bekennender Clash-Fan, überzeugten die Jugglerz mit ihren Performances in Jamaica vor einigen Monaten. „So merkt man halt: Egal, was man macht und in die Welt rausschickt, irgendwo begegnet es einem wieder“, sagt Shotta Paul.

Aus ursprünglich zwei Booking-Anfragen aus Panama und Bermuda entsprang, aufgrund des logistischen Aufwands, schließlich die Idee einer Tour. Denn zwei Europäer extra für zwei Shows nach Amerika einzufliegen wäre alles andere als billig.

„Egal, was man macht und in die Welt rausschickt, irgendwo begegnet es einem wieder.“ (Shotta Paul)

Und einen Joker hatten Meska und Paul auch noch in der Hinterhand: Jah Sun! Den amerikanischen Reggae-Artist, der im Januar das sehr gelungene Album New Paradigm bei House of Riddim rausbrachte, lernten Jugglerz beim Ruhr Reggae Summer letztes Jahr in der Hotellobby kennen.

Nach gemeinsamen Abhängen und ein paar Chicken auf dem Festival war klar: „You Guys are crazy, I have to bring you on Tour, you have to come to see the Westcoast!“ Und dann kam eins zum anderen. So übernahm Jah Sun das Booking für die Westküste, sprang vor den Jugglerz gleich immer noch selbst für ein paar Songs auf die Bühne und zeigte ihnen die USA.

Hummer fahren mit Jah Sun in Santa Monica

Ein bisschen Star-Lifestyle durfte da nicht fehlen. Auf Bildern im Social Media sieht man die Drei am Strand von Santa Monica oder im Hummer durch Hollywood fahren: „Jah Sun ist ein sehr gastfreundlicher und witziger Typ. Als wir das Bild mit dem Hummer gepostet haben, kam ein Kommentar: ‚Ja, aber Jah Sun singt doch von Humble-Life.‘“

„Als ich ihm das vorlas, meinte er lachend: ‚No no, I meant Hummer-Life‘, aber gleichzeitig erzählt er einem im Hummer, dass er Yoga angefangen hat und sich bewusst ernähren will. Es ist also noch nicht in die Dekadenz abgerutscht. Es war uns schon allen bewusst, dass es nur eine Woche ist, wo man dieses Leben fährt, auf Show macht und das ja auch dazugehört“, erklärt Shotta Paul.

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Shotta Paul und Meska posen im Hummer / Reggaemiles Tour 2015 (Foto: facebook.com/jugglerz.de)

Nach Bermuda packten sich die Jungs zudem einen anderen guten Bekannten in den Flieger: Warrior Sound aus Wuppertal. Zwei deutsche Sounds brachten die winzige Insel mitten im Atlantischen Ozean zum Kochen und verwandelten den „Global Madness“-Dance zur „German Edition“.

Um 2 Uhr ist Schluss an der Westküste

Dass eine Show in den USA nicht gleich einem Dance in Deutschland ist, bekamen die Jugglerz schnell zu spüren: „An der Westküste gehen die Partys immer nur bis zwei Uhr nachts. Das ist ein ganz anderes Feeling. Dadurch spielt man auch nicht so lange Sets wie bei uns.“

Auch die Massive unterscheidet sich, je nach dem wo man sich befindet. Die Westküste zeichne sich durch einen Surfer/Hippie-Vibe und Livebands aus und sei nicht so soundsystemlastig wie Deutschland, Italien, Jamaica oder die Ostküste.

„Wenn du an der Ostküste bist, wo auch viel mehr Jamaicans leben, ist dann natürlich auch eher Jamaican-Style auf dem Dance angesagt“, erzählt Shotta Paul. Doch generell ist in den USA auch das Reggae-Revival zu spüren und Artists wie Chronixx und Protoje groß im Geschäft.

Der Jugglerz-Effekt

Eine Anekdote konnte ich den Beiden dann doch entlocken: Schon einmal vom Jugglerz-Effekt gehört? Der beschreibt, laut eigener Definition, einen Menschen, der am Anfang ganz normal daher kommt und am Ende der Party völlig abgeht und einen Champagner springen lässt.

So passiert in San Diego. Veranstalter Carlos Culture, der neben seinem Hauptberuf als Lehrer, monatlich seine Reggae-Party am Leben erhält, war von den ‚German-Jugglerz‘ so beeindruckt, dass er mit Grüßen von der Bar noch während der Show eine Champagner-Flasche auf die Bühne brachte und köpfte.

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Wenn der Promoter Champagner bringt … / Reggaemiles Tour 2015 (Foto: facebook.com/jugglerz.de)

Unterwegs mit FlipsFlops und Winterjacke

Doch hinter dem ganzen Spaß einer Tour steckt natürlich auch viel Arbeit. „Allein die Flüge zu koordinieren und zu buchen hat Tage gedauert“, gibt Meska zu. Auch die enormen Temperaturunterschiede mussten vorbereitet werden.

Die richtigen Klamotten in den Koffer zu packen, war da gar nicht so einfach – vom Blizzard in New York bis zum strahlenden Sonnenschein und Hitze auf Panama haben Meska und Paul alles erlebt: „Wir mussten von den FlipFlops bis zur Winterjacke alles einpacken, doch man verkraftete es auf der Reise besser als ich erwartet hätte.“

„Wenn man Reggae spielt, merkt man einfach, dass es überall diesen gemeinsamen Nenner gibt.“ (Shotta Paul)

Und was nehmen die Jugglerz mit aus der Tour? „Es hat mir nochmal ein allgemeineres Bild von Reggae gegeben. Zusätzlich erarbeitet man sich wirklich Fans und Leute, die da Bock drauf haben, wie uns auch durch unseren zweiten Besuch in Panama bewusst wurde. Wenn man Reggae spielt, merkt man einfach, dass es überall diesen gemeinsamen Nenner gibt, auf dem man sich befindet“, meint Shotta Paul.

In den Startlöchern: der Reggaemiles-Riddim

Nach den mehr als erfolgreichen letzten Monaten geht es bei Jugglerz ereignisreich weiter. Der Reggaemiles Riddim steht in den Startlöchern! Das Konzept dahinter: Den ganzen Reggae-Globus zu umfassen und Artists aus aller Welt zu featuren.

So werden unter anderem Perfect Giddimani und Luciano aus Jamaica, Million Stylez aus Schweden, Mono und Nikitamann aus Deutschland und Ras Manuel aus Costa Rica vertreten sein. Einer darf auf dem Reggaemiles-Riddim natürlich auch nicht fehlen: Jah Sun. Ich bin gespannt, einen Veröffentlichungstermin gibt es allerdings noch nicht.

12 Shows, 14 Flüge, 5 Mietwagen, 11 Hotels und 22.930 zurückgelegte Meilen in drei Wochen. So lautet die nüchterne Bilanz der Jugglerz-Tour durch Amerika. Oder wie Shotta Paul sagte: „Fett war’s!“

Flo
Musik machen, Musik hören, über Musik schreiben – Musik ist mein Leben. Die Liebe zu Reggae und Dancehall begleitet mich seit einigen Jahren und lässt mich nicht mehr los. Big up!

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