Guter Reggae Nachwuchs: MC Brother Charity

Kategorien Gute Musik, Interviews
Brother Charity / My Road To Tomorrow
Brother Charity / My Road To Tomorrow
Brother Charity / My Road To Tomorrow

Zehn Sekunden Bob Marley reichten aus, um Brother Charity zum Reggae Fan zu machen. Der 24-jährige Kölner ist einer dieser Künstler, die Dank der Digitalisierung Musik zu Hause machen.

Im November hat er sein selbstproduziertes Album My Road To Tomorrow veröffentlicht, das mir sehr gefällt. Deshalb habe ich nachgefragt, wer dieser hoffnungsvolle Reggae Nachwuchs ist.

Am Ende des Interviews solltet ihr unbedingt in Brother Charitys Album reinhören.

Salut Brother Charity, wie bist du zum Reggae gekommen?

Ich habe irgendwann mit 12 Jahren mit Kumpels meine erste Punkband gegründet. Damals saß ich noch hinter dem Schlagzeug. Das hab ich relativ lang beibehalten und in vielen verschiedenen Bands gespielt.

Weil ich immer ziemlich Musik begeistert war, hat mich mein Vater mit den wichtigsten Scheiben und Künstlern vertraut gemacht und da war dann im Alter von ca. 14 Jahren auch die Catch a Fire Platte von Bob Marley dabei.

Ich glaub, es hat höchstens zehn Sekunden gedauert und mein Schicksal war besiegelt. Das Album hat mich umgehauen. Diese Power, dieser Vibe. Ich hab ja noch nicht wirklich verstanden, worum es in den Songs ging. Mein Vater hat immer übersetzt. Es war sehr prägend.

Seit damals ist Reggae als Konstante immer da gewesen und immer noch aktuell.

Brother Charity (c) Mike Dyna Photographie
Brother Charity (c) Mike Dyna Photographie

Und dann hast du deine ersten eigenen Lieder aufgenommen.

Meine ersten eigenen Lieder habe ich mit ungefähr 18 Jahren aufgenommen. Damals noch im Proberaum bei uns im Dorf, mit dem immer noch sehr guten Kollegen Malte. Der hatte das Know-how. Da sind Tracks entstanden, alter Schwede.

Ist teilweise echt besser, das die nicht ins Internet gekommen sind. Sind aber alles kleine Goldstücke mit vielen Erinnerungen an gute Sessions. Vor allem kann ich hören, wie ich mich entwickelt habe, ohne dass ich es selbst so richtig gemerkt habe.

Irgendwann wollte ich einfach selbst Reggae Musik machen. Ich habe auch mal bei einer Reggae Band gesungen. Das lief nicht schlecht, ging aber aus Zeitgründen auseinander. Danach fing ich an, Riddims zu voicen.

Vor ein paar Wochen ist dein erster Album My Road To Tomorrow erschienen, das du selbst produziert und aufgenommen hast.

Wie schon gesagt, habe ich sehr lange Schlagzeug gespielt. Das ist aber auch das einzige Instrument, das ich wirklich beherrsche. Die restlichen Instrumente habe ich alle am Computer produziert. Bei drei Tracks hat mein Dad die Gitarre für mich eingespielt.

Vor ein paar Jahren hat mir ein guter Kumpel das Programm FL Studio 5 gegeben. Damit hab ich rumgespielt, ein paar Beats gebaut. Vor knapp zwei Jahren war ich an einem Punkt angelangt, wo ich gesagt habe: „So, jetzt produziere ich meine eigene Riddims, dann gehören die mir und ich kann damit machen was ich will.“

Brother Charity (c) Mike Dyna Photographie
Brother Charity (c) Mike Dyna Photographie

Die ganze Copyright Geschichte hat mich einfach irgendwann genervt. Außerdem dachte ich mir, wie nett es wäre, während einer Riddim Produktion direkt den Text zu schreiben und es so zu machen, wie ich mir es vorstelle. Völlige Freiheit haben in der Gestaltung der Musik.

Ich kann keine Noten lesen (noch nicht) und habe einfach alles nach Gefühl eingespielt. Einfach mit einem Chord am Keyboard angefangen und dazu schon mal ein wenig gesungen. Dann den Rest drum herum gebaut.

Natürlich wird so ein produzierter Riddim immer etwas Digitales haben und auf der Bühne macht es mit einer richtig Band auch viel mehr Spass. Aber die Möglichkeit eine Idee direkt festzuhalten und umsetzen zu können, egal welches Instrument, ist einfach super.

Welche deutschsprachigen Reggae Künstler inspirieren dich?

Mich inspirieren Seeed, Hans Söllner, Sebastian Sturm, Ganjaman, Nosliw, Uwe Banton … eigentlich inspiriert mich alles, was ich so höre, in gewisser Weise, egal ob deutsch oder englisch.

Was machst du, wenn du nicht Musik machst?

Dann versuche ich so gut wie möglich meine Kollegen und Familie beisammen zu halten und zu sehen. Gerade schreibe ich an meiner Bachelorarbeit. Das nimmt einige Zeit in Anspruch. Ansonsten denke ich trotzdem viel an Musik.

Vielen Dank. Ich wünsche dir alles Gute für die Bachelorarbeit und deine musikalische Zukunft.

Brother Charity / My Road To Tomorrow

Mehr über Brother Charity erfahrt ihr auf seiner Facebook-Seite und auf Soundcloud. Wenn, euch das Album gefällt, könnt ihr es hier kaufen.

Und, was sagt ihr? Hat der Mann eine musikalische Zukunft? Schreibt es mir in die Kommentare.

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

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