Africa Stop Ebola, das bessere Band Aid Projekt

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Africa Stop Ebola

Das deutsche Band Aid 30 Projekt wurde in Grund und Boden kritisiert. Dabei ist fast untergegangen, dass der afrikanische Reggae Star Tiken Jah Fakoly und ein paar Kollegen zeitgleich ein eigenes Hilfslied aufgenommen haben: Africa Stop Ebola.

Ein Thema. Zwei Projekte. Zwei vollkommen unterschiedliche Wege. Mir gefällt der afrikanische Ansatz deutlich besser, sowohl musikalisch als auch inhaltlich.

Africa Stop Ebola = Hoffnung und Selbsthilfe

Klar, ich mag Reggae. Allein deshalb ist Africa Stop Ebola besser als der Popschmalz Band Aid 30 Germany. Wenn ihr das Lied kauft, spendet ihr an Ärzte ohne Grenzen.

Ich mag aber auch, dass Tiken Jah Fakoly und Co. nicht einfach nur ein Lied aufgenommen haben, das die Leute kaufen sollen. Vielmehr geben sie praktische Tipps, die den Betroffenen helfen. Zum Beispiel: Vertraut dem Arzt (scheint nicht selbstverständlich zu sein).

„The song is a message to citizens about what they can do to help stop the spread of Ebola in Africa. The song is performed in French and vernacular languages widely spoken across the region to ensure that the message is understood regardless of the level of literacy and education of the population.“ (Quelle: youtube.com/africastopebola)

Statt traurige Bilder zu malen, gibt Africa Stop Ebola den betroffenen Menschen Hoffnung. Hilke Fischer hat dazu einen lesenswerten Beitrag für die Deutsche Welle geschrieben:

„’Africa Stop Ebola‘ ist ein Lied von Afrikanern für Afrikaner. Praktische Verhaltensregeln, gepaart mit der Überzeugung, dass die Epidemie überwunden werden kann. Es klingt wie ein Gegenentwurf zu Bob Geldofs Neuauflage des Charity-Hits ‚Do they know it’s Christmas‘, in dem namenhafte westliche Künstler statt der Hoffnung die Trostlosigkeit in den von Ebola betroffenen Ländern besingen.“

Band Aid 30 Germany = Trostlosigkeit und Mitleid

Trostlosigkeit, genau darum geht es bei Band Aid 30 Germany und wahrscheinlich auch den französischen und britischen Versionen. Campino und seine Musikerfreunden erzählen nur von Leid und Tod, Regisseur Paul Ripke zeigte die passenden Bilder zu Beginn auch im Video. Patrice, der ebenfalls mitsingt, nannte es später Charity Porn und distanzierte sich von der Aktion.

Inzwischen hat das verantwortliche Label Universal ein sauberes Musikvideo hochgeladen, ohne die sterbenden Frau, die wie Vieh aus einem Zimmer getragen wird. Musikalisch nicht besser, aber immerhin. Alle Einnahmen gehen übrigens an den Band Aid Trust, der das Geld an Hilforganisationen verteilt.

Bisschen Promo und Geld einsammeln

Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, denkt ihr vielleicht: Africa Stop Ebola ist echt gut, aber so ein Lied würde doch in Deutschland gar nicht funktionieren. Ebola betrifft hier niemanden, wir brauchen keine praktischen Tipps, um uns zu schützen.

Die deutschen Künstler machen genau das, was Hilfsorganisationen hier meist machen: Geld einsammeln über Mitleid. Im Fall von Band Aid 30 kommt noch ein bisschen Künstlerpromo dazu.

Alles richtig und hoffentlich erreicht das Lied sein Ziel. Ändert aber nichts daran, dass Band Aid 30 Germany liebloses Geschlunze ist. Dabei hätte es wirklich gut werden können.

Lieber Campino, du hast schon genug Kritik eingesackt. Deshalb gebe ich dir ein paar konstruktive Tipps, was du von Africa Stop Ebola lernen solltest:

  1. Wenn du so ein Projekt machst, steck all deine Liebe rein und sei überzeugt davon.
  2. Sag niemals Sätze wie „Kauft die Platte, ladet sie euch runter. Ob ihr den Song mögt oder nicht, ist eher zweitrangig.“
  3. Frag nächstes Mal weniger Künstler an und gib ihnen mehr Raum im Lied.
  4. Nutze das Potential deiner Kontakte und schaffe etwas Eigenständiges.
  5. Wenn du nicht mehr Liebe in so ein Projekt stecken möchtest oder kannst, spar dir das Lied und spende die Gagen deiner nächsten drei Auftritte oder zehn Prozent aus dem Biografie-Verkauf.

Und damit jetzt keine Kommentare kommen wie „Kritisieren kannste, aber machen tust du och nüscht“ – doch, ich habe Africa Stop Ebola gekauft, obwohl ich nie MP3s kaufe.

africa stop ebola
In meiner MP3-othek: Africa Stop Ebola
Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

3 Gedanken zu „Africa Stop Ebola, das bessere Band Aid Projekt

  1. Abgesehen davon, dass die dt. Version wirklich grausam ist und das anfangs gezeigte Video total deplatziert war, ist diese Version musikalisch eindeutig besser und mMn auch viel authentischer.

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