Internal Dread – Lee Perry aus Schweden

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Internal Dread ist so etwas wie der schwedische Lee Perry: ein Mann mit vielen Talenten, noch mehr Wissen über Musik und vielleicht ein bisschen verrückt. In seinem Rub-a-Dub Studio zaubert er Klänge, die jeden Hardcore-Roots-Fan in Seligkeit schwelgen lassen. Mehr über seinen Weg zum Reggae, warum analog Trumpf ist und wie Barack Obama die Welt verändert, erfährst du im Interview mit Internal Dread.

Das Video zu Desmond Fosters „Reggae Music“ ist der beste Werbeclip, den ich mir für ein Aufnahmestudio vorstellen kann. Hast du dadurch mehr Arbeit als vorher?

Internal Dread: Seit ich das Studio 1983 eröffnet habe, bin ich ständig mit Aufnahmen beschäftigt. Ich kombiniere kommerzieller Aufträge mit eigenen Projekten für Rub-a-Dub Records. Ich hoffe, dass noch mehr Leute mein Studio buchen, jetzt wo sie es sehen und hören können.

Zurzeit baue ich ein neues Studio draußen auf dem Land, wo ich lebe. Es heißt WeedWood Studio und wird ein Klon von Rub-A-Dub. Die gleiche Ausstattung, Bandrekorder, Mischpult, Lautsprecher, Kompressor etc. WeedWood wird im Dezember aufmachen, ich will es vor allem zum Mixen und Mastern benutzen.

In deinem Studio scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Während heute überall am Computer produziert wird, arbeitest du mit Tonband und anderen analogen Geräten. Warum?

Internal Dread: Ich arbeite seit über 20 Jahren in dem Studio und die Welt draußen hat sich verändert, but not in the Rub-a-dub, thanks god. Ich glaube an Beschränkungen. 24 Kanäle, kein Ausschneiden und Einfügen, kein Verschieben oder Korrigieren. Nur Gott ist vollkommen.

Für die Musik sind Computer wie Photoshop, alle Fehler werden korrigiert. Aber das sind eigentlich die Zutaten, die die Musik einzigartig machen. Ich möchte den magischen Moment aufnehmen, the magic moment when all it was happening, when everything was criss. Musik ist heilig, Musik ist Revolution. Sie hat die Kraft uns auf eine höhere Ebene zu bringen und uns mit dem Schöpfer zu verbinden.

Internal Dread am Mischpult
Internal Dread an seinem Arbeitsplatz

Analog ist die Realität, das ist kein Abbild, kein Sound-a-like. Das sind Wellen und keine Zahlen. Wir fühlen viel mehr als die 20 Kilohertz, die wir hören. Wir fühlen bis zu 100 Kilohertz. Analog bewegt unser Herz und unsere Seele. Außerdem haben Bandaufnahmen eine gute Kompression und klingen fantastisch.

Zu deinem Label Rub-a-Dub Records gehören neben Reggae-Artists wie Desmond Foster, Joseph Beckford und Iya Karna auch Künstler, die ganz andere Musik machen: die Blues-Band Baba Blues, Flamenco-Musiker Eric Steen oder Hatuey, die musikalisch in Südamerika zuhause sind.

Internal Dread: Über all die Jahre habe ich als Engineer und Produzent mit Latin, World, Ethnic, Blues, Jazz, Flamenco, Reggae, Dub, Pop, Electronica und Film-Musik gearbeitet. Es war eine lange Reise, die mich die Geheimnisse dieser Musikstile gelehrt hat. Dieses Wissen hat mich zu einem guten Engineer gemacht.

Ich habe viel Salsa mit Hatuey, Hot Salsa und anderen Artists gemacht, aber meine Salsa-Tage sind vorbei. Zusammen mit Baba Blues habe ich fünf großartige Blues-Album aufgenommen mit dubbigen Sounds. Also habe ich mit Dub und Reggae begonnen, made a musical journey round the world back to reggae and dub, where I now have landed.

Warum wird auf deinem Label so wenig veröffentlicht, gerade mal ein oder zwei Produktionen pro Jahr?

Internal Dread: Rub-a-Dub ist ein Ein-Mann-Projekt. Ich bin als Engineer und Musiker viel unterwegs und mache den Live-Sound für Linton Kwesi Johnson, Dennis Bovell & The Dub Band, Papa Dee, für viele schwedische Reggae-Bands und Pop-Artists wie Salem Al Fakir und Robyn. Außerdem mische ich Jazz für Goran Kaifes, Eagle-Eye, Neneh Cherry und arbeite mit den Brooklyn Funk Essentials aus New York zusammen.

Nebenbei toure ich mit meiner Band (The Reggaeterians, Anm.) und mache Dub-Shows. Ich habe Zeit und Kraft für vielleicht zwei bis vier Produktionen, die ich jährlich rausbringe.

Du bist Produzent, Musiker und Sänger. Welche Rolle ist dir am liebsten?

Internal Dread: Oh, ich mag sie alle, zurzeit mixe ich am liebsten. Das variiert. I am composing all the time as a way to clean my head and reboot.

2006 hast du mit deiner Band The Reggaeterians das Album „Party Time“ veröffentlicht. Der Titel ist ziemlich irreführend, denn es geht um Politik, Verschwörungstheorien, Ausbeutung und andere schwerwiegende Themen.

Desmond Foster, Internal Dread, Joseph Beckford
v. l.: Desmond Foster, Internal Dread, Joseph Beckford

Internal Dread: Wenn du den Text zu „Party Time“ liest, wirst du verstehen. Das ist die letzte Party, mit einer Überdosis Kosum: „while they’re dying, we continue buying, them are useless eaters, we want everything cheaper“. Verstehst du? Es ist kein Party-Album, sondern eine weltweite Party der Mittelklasse in den letzten Tagen. Sodom and Gomorra.

In „American Shit” singst du: „American Shit is in my brain. Them American values are driving me insane.” Wie groß ist der amerikanische Einfluss auf Schweden und dich persönlich?

Internal Dread: Der Imperialismus aus UK und den USA, ihre Werte sind versteckt in der Musik, in Filmen, in der Werbung, Nahrung, Autos. Wenn du heute um die Welt reist, wirst du sehen, dass jeder das gleiche Programm anschaut, die gleichen Werte vermittelt bekommt, die gleichen Wünsche hat das Gleiche zu konsumieren, das gleiche Essen zu essen, dass uns letztendlich umbringen wird.

Das Fernsehen ist eine Gehirnwäsche. Es füllt unsere Köpfe mit einem Haufen Mist, den wir kaum abbauen können. Was wir verstehen müssen, ist folgender Punkt: Ein Mensch im 16. Jahrhundert hat im Laufe seines Lebens so viele Eindrücke aufgenommen wie wir in einem Monat.

Wir können unsere armen Gehirne nicht davor schützen. No time to think and realise. So, again, music is holy.

Meinst du, dass sich etwas ändern wird mit Barack Obama als Präsident?

Internal Dread: Jemand hat gesagt: „Die Menschen sind nicht so dumm wie du denkst, sie sind noch dümmer.“ Es ist deprimierend, wie die ganze Welt auf Obama als den neuen Retter schaut. Das zeigt die große Gefahr global kontrollierter Medien. Obama wurde von Zbigniew Brzezinski (außenpolitischer Berater und US-Globalstratege, Anm.) ausgewählt, ein Neo-Konservativer, der für (Henry) Kissinger arbeitet. Er steckt hinter der neuen Weltordnung und allen Präsidenten seit (Jimmy) Carter.

Ich glaube nicht, dass du Präsident der USA sein kannst ohne eine Puppe zu sein. In der Innenpolitik wird sich einiges zum Besseren wandeln, aber international werden die Ausbeutung und der Krieg weitergehen. Babylon must fall!

„God is too big to fit in just one religion”, heißt es in einem anderen Song. Woran glaubst du?

Internal Dread: Meine Religion ist mein Leben. Ich glaube, das Leben ist eine mystische Straße, ich glaube an die heilige Verbindung zwischen allem, an die magische Begegnung zwischen Menschen. Als ich junge war, habe ich Tantra Yoga praktiziert. Ich habe täglich mehrere Stunden meditiert, über Jahre hinweg. Dabei habe ich gelernt meine Gedanken zu beobachten und zu erkennen, dass jeder Eindruck, den ich aufnehme, eine Reaktion hervorruft.

Ich glaube an das Schaffen, nicht das Konsumieren. I believe in Italness, in respect to all good people out there. Ich glaube an das Gute und die heilige Schaffenskraft. Ich lehne Satan ab. Jah Bless!

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

1 Gedanke zu „Internal Dread – Lee Perry aus Schweden

  1. Pingback: Houseofreggae.de – The Radio Show: November 2009 | Reggae Blog

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