7 Fragen an Diego Cichy Don, den Erfinder der #SlengTengChallenge

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Diego Cichy Don (Foto: Michal Kowalski)

Als Diego Cichy Don aus Warschau die #SlengTengChallenge startete, ahnt er nicht, dass dieser musikalische Wettbewerb weit über die polnischen Grenzen hinausgehen würde. Aktuell reiten Reggae Künstler aus fünf Ländern auf dem legendären Sleng Teng Riddim.

Während meiner Recherche stellte ich fest, dass Diego Cichy Don selbst ein unglaublich guter Reggae Künstler ist. Im Interview erzählt Diego, wie er über einen MP3 Player zum Reggae kam und warum Rub-a-Dub auf Polnisch nicht so einfach ist. Hörproben findet ihr am Ende.

Im September 2014 hast du die #SlengTengChallenge gestartet. Wie kam es dazu?

In der polnischen Rap Szene gab es die #hot16challenge. Die Regeln waren einfach: nimm 16 Zeilen auf, poste das Video auf YouTube und nominiere andere Rapper, die ebenfalls 16 Zeilen aufnehmen sollen. Das ging steil. Einige der Top Künstler der polnischen Rap Szene haben mitgemacht.

Ich fand, das wäre auch eine großartige Sache für Reggae Deejays und Singjays. Mit einer kleinen Änderung, um auf die Besonderheiten von Reggae einzugehen. Bei der #hot16challenge musste jeder Rapper auf einem anderen Beat aufnehmen. Das war eine der Regeln.

Im Reggae wird ja eher derselbe Riddim immer wieder benutzt. So kannst du auch besser sehen, wie gut die Künstler mit dem Instrumental umgehen. Ich dachte, es wäre doch großartig, das wie eine Soundsystem Session zu machen, derselbe Riddim, unterschiedliche Stimmen.

Zum Anfang dachte ich, es würden nur ein paar Leute einsteigen. Ich habe auf jeden Fall nicht damit gerechnet, dass die #SlengTengChallenge so groß wird.

Inzwischen machen Leute aus Polen, der Tschechische Republik, der Slovakei, Finnland und Deutschland mit. Ich lerne dadurch viele Künstler aus anderen Ländern kennen, die sonst nicht so sichtbar sind, weil sie außerhalb des Mainstreams laufen.

Wie bist du zu Reggae und Dancehall gekommen?

Ziemlich spät und es war eher ein Zufall. Als Teenager habe ich ganz andere Sachen gehört. Was Reggae betrifft, kannte ich nur Bob Marley und polnische Punk Reggae Bands. Vor ungefähr sieben Jahren borgte ich mir einen MP3 Player von einem Kumpel. Darauf waren unter anderem Lieder von Vavamuffin, einer polnischen Reggae Raggamuffin Band.

Plötzlich erkannte ich, dass Reggae viel mehr kann als ich bisher dachte. Von da an hörte ich Reggae 24/7 und begann irgendwann, selbst zu singen. Zuerst kopierte ich den Stil meiner Lieblingskünstler. Dann fing ich an, meinen eigenen Stil zu entwickeln.

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Diego Cichy Don (Foto: Maja Kloczko)

Hast du schon eigene Lieder veröffentlicht?

Wie gesagt, ich bin noch nicht so lange aktiv dabei, ungefähr vier Jahre. Offiziell habe ich noch nichts veröffentlicht, aber ich habe schon zwei inoffizielles EPs gemacht. Eine zum zehnjährigen Bestehen des Zjednoczenie Soundsystems, zu dem ich auch gehöre, und eine EP in diesem Jahr.

Welche Reggae Künstler beeinflussen dich am meisten?

Ich glaube, das erkennst du ziemlich deutlich in meinen Liedern. Ich mag vor allem klassischen Raggamuffin und Rub-a-Dub von Super Cat, Sister Nancy oder Nicodemus.

Ich versuche, den jamaikanischen Stil mit polnischen Texten zu verbinden. Das ist gar nicht so einfach, weil meine Sprache ganz anders ist als Patois. Es ist viel schwieriger, ein Lied auf einem einzigen Reim zu machen. Vor allem, weil wir wenig einsilbige Wörter haben und es meist künstlich klingt, wenn du die Betonung anpasst.

Von den aktuellen Reggae Künstlern hat es mir vor allem Damian Marley angetan. Zurzeit ist er für mich der beste. Ich verfolge auch, was Mungo’s Hi Fi und Dreadsquad machen oder Kabaka Pyramid.

Hast du darüber nachgedacht, englische Texte zu machen?

Ich habe schon ein paar aufgenommen, sogar auf Französisch. Aber ich konzentriere mich aufs Polnische, weil mich damit aktuell besser ausdrücken und mehr sagen kann.

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Diego Cichy Don (Foto: Ewa Czuperi)

Du hast erwähnt, dass du ein Teil des Zjednoczenie Soundsystems bist.

Richtig. Zjednoczenie ist einer der ältesten Reggae Sounds in Polen. Er ist seit fast 15 Jahren aktiv. Aktuell gehören Pablopavo, Krzak Selecta und ich dazu.

Krzak und Pablopavo haben den Sound gegründet. Pablopavo ist übrigens Deejay bei der Reggae Band Vavamuffin, die ich schon erwähnt habe. Ich bin erst seit vier Jahren dabei. Pablopavo holte mich während einer Party ans Mikrofon.

Zjednoczenie ist kein echtes Soundsystem. Wir haben keine großen selbstgebauten Lautsprecher. Aber damals nannten sich alle Soundsystem, um zu zeigen, dass sie Reggae und Dancehall spielen. Wir legen vor allem Raggamuffin und Rub-a-Dub auf und haben Deejays am Mikrofon. Uns ist wichtig, dass wir die Verbindung zur Foundation bewahren.

Bei uns in Deutschland ist es nicht unüblich, dass Soundsystems selbst Musik produzieren. Veröffentlicht ihr eigene Lieder über Zjednoczenie?

Ja. Zum zehnjährigen Bestehen haben wir eine EP veröffentlicht. Am 14. Dezember 2014 werden wir unser erstes offizielles Album rausbringen. Es werden ungefähr 15 Lieder drauf sein, Raggamuffin, Rub-a-Dub und UK Dub Style.

King General aus UK wird ein Lied beisteuern und verschiedene polnische Deejays und Singjays. Die Riddims kommen von Top Produzenten aus Polen wie Dreadsquad und auch aus dem Ausland von Bush Chemist, Riddim Tuffa und anderen.

Lieber Diego, vielen Dank für das Interview und alles Gute für dich.

5 Hörproben von Diego Cichy Don

Für euch habe ich ein paar meiner Lieblingslieder von Diego Cichy Don zusammengestellt. Ich finde den Typen unfassbar gut!

Aktuelle Infos zu Diego Cichy Don findet ihr hier (leider auf Polnisch).

Schreibt mir bitte in die Kommentare, wie euch Diego gefällt.

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

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