Schon gehört, Uwe Kaa macht keinen Reggae mehr

Kategorien Gute Musik
Uwe Kaa / Eine Liebe

Mutig ist er ja, der Uwe Kaa. Nennt sein neues Album Eine Liebe (seit Bob Marley ein besetzter Begriff) und dann ist kein Reggae drauf.

Ich habe mich sehr auf das neue Uwe Kaa Album gefreut, schließlich ist Danebenbenehmen schon drei Jahre alt. Endlich mal wieder deutscher Reggae mit lebensnahen Inhalten. Bisher habe ich nur den Megamix und die jeweils 30 Sekunden pro Lied auf Amazon gehört.

Nun ja, zumindest die lebensnahen Inhalte haben es auf Eine Liebe geschafft. Reggae leider nicht mehr. Mit Wurzeln & Flügel ist ein Dancehall ähnliches Lied auf der Platte. Die anderen elf wandern meist zwischen rappendem Sänger / Liederschreiber und sanftem HipHop hin und her.

Solche Töne waren zum Teil schon auf dem Vorgängeralbum zu hören, kommen also nicht ganz überraschend. Sehr überraschend hat mich Sonnenblende mit Sportfreunde Stiller Gefühl im Refrain. Diesen Sprung ins Pop-Becken hätte ich dir nicht zugetraut, Uwe. Das muss ich erstmal verdauen.

Ich freue mich aber riesig über die zwei Akustiknummern Dein Hass und Nichts Zu Verlieren. Davon habe ich mir schon vor zwei Jahren mehr gewünscht. Insgesamt gefällt mir Eine Liebe auch ohne Reggae wirklich gut – bis auf die genannte Ausnahme – und das Mix Konzept oben ist großartig. Aber nun mal zur wichtigsten Frage: Warum macht Uwe keinen Reggae mehr?

Vom Rapper zum Reggae Künstler zum rappenden Liedermacher

Ich habe Uwe Kaa vor sechs Jahren als Reggae Künstler kennen und schätzen gelernt. Damals hatte er gemeinsam mit Phenomden das dufte Nie Genug auf dem Cherry Pie Riddim veröffentlicht. Im selben Jahr erschien sein erstes Solo Album Endlich Single, eines der besten deutschsprachigen Reggae Alben.

Ich war überrascht, wie thematisch vielfältig und wortgewandt deutscher Reggae sein kann. In seinem Wortfluss blickte immer ein bisschen der Rapper durch, als der Uwe Kaa 1995 mit Reim In Da Tube musikalisch startete. Statt nebulöser Floskeln, machte Uwe greifbare Ansagen und erzählte Geschichten, die jeder erlebt haben könnte.

2011 kam das zweite Solo Album Danebenbenehmen, das schon nicht mehr ganz so streng Reggae war. Uwe Kaa verlies zum Teil die ausgetretenen Off-Beat Pfade und probierte ein paar poppige Nummern wie Unter’m Strich, Egal Was Bleibt oder Munition. Das klang alles rund.

Folge ich dem Weg, ist Album Nummer drei also nur eine konsequente Weiterentwicklung, auf die schon Uwes internationaler Hit Aku Cinta aus dem letzten Jahr hindeutete. Weg vom Reggae, hin zum rappenden Liedermacher.

Warum Uwe Kaa keinen Reggae mehr macht

Vor ein paar Wochen traf ich Uwe (zum leider erst zweiten Mal in meinem Leben) in Berlin. Wir redeten über sein neues Album und er sagte mir, dass Reggae ihn inzwischen zu sehr einschränkt. Er kann damit nicht die Dinge erzählen, die er gern erzählen möchte und schon gar nicht auf die Art, wie er sie erzählen möchte. Seine Schreibe ist ja tatsächlich sehr speziell.

„Ich habe wieder angefangen zu rappen und bemerkt, dass ich dadurch meine Gefühle viel besser kanalisieren kann.“ (Uwe Kaa)

Rückblickend glaube ich, dass sich Uwe Kaa mit den Liedern, die nicht streng Reggae sind, schon immer am wohlsten gefühlt hat und in ihm der Liebermacher schlummerte. Darauf komme ich, weil ich mich durch seinen YouTube-Kanal geklickt habe. Mir ist aufgefallen, dass er sowohl für sein Album Endlich Single als auch für Danebenbenehmen jeweils ein Lied als Musikvideo veröffentlichte, das fern von Reggae ist.

Es kann natürlich auch Zufall sein, dass es genau diese beiben Lieder verfilmt wurden. Tja, und nun? Nun hat einer meiner Lieblingskünstler den Off-Beat in den Schuppen gestellt. Ich weiß noch nicht, ob ich Uwe hier im Blog weiter begleiten werde. Allerdings ist er mir in den vergangenen Jahren so an Ohr und Herz gewachsen, dass ich gar nicht anders kann. Sein neues Album Eine Liebe erscheint übrignes am 17. Oktober 2014 bei Irievibrations Records.

Was haltet ihr von Uwe Kaas Wandel? Schreibt’s mir in die Kommentare.

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, digital interessiert, freier Autor beim Riddim Magazin. Musiktipps immer gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

20 Gedanken zu „Schon gehört, Uwe Kaa macht keinen Reggae mehr

  1. Also,ich finde es okay. Ich höre sehr gerne Rap,aber so ganz will der Funke (noch) nicht überspringen,es ist etwas gewöhnungsbedürftig den Uwe nicht mehr auf Reggae Riddims zu hören,sondern quasi nur auf ruhigeren Beats.

  2. So ist das halt mit deutschen Reggae.
    2006-2010 war noch richtig viel los aber mittlerweile macht fast keiner mehr was neues.
    Machmal habe ich das Gefühl, dass es zwar ein guter Style ist den auch viele mögen, sich aber einfach nicht gut verkauft.
    Wir brauchen dringend neue Künstler die wieder bock auf deutschen Reggae haben.

    Hier habe ich mal eine Liste aufgestellt mit allen Deutschen Reggae Künstlern die mir gerade eingefallen sind.

    Miwata – aktiv
    Lyrical BaMa – aktiv
    Jonny M – aktiv
    Ganjaman – aktiv

    Ede Whiteman – kein Reggae
    Manu Ranking – Inaktiv
    Goldi – kein Reggae/inaktiv
    Kimoe – kein Reggae
    Nosliw – inaktiv
    Mono – inaktiv
    Nikitaman – inaktiv
    Nattyflo – inaktiv
    Maxim – kein Reggae
    Uwe Kaa – kein Reggae
    D-Flame – inaktiv
    Lazy Youth – inaktiv
    Dr. RingDing – inaktiv
    Uwe Banton – inaktiv
    Flaming Mo – inaktiv
    Empress Irina – inaktiv
    Benji – kein Reggae
    Jan Delay – kein Reggae

    Du könntest ja man darüber ein Bericht schreiben ;)

    1. Recht hast du auf jeden Fall,ist mir auch aufgefallen,dass es nicht mehr allzu viele deutschsprachige Reggae Sänger gibt,was eigentlich sehr schade ist.
      Aber Benjie muss ich korrigieren,der macht noch Reggae :) Und RastaBenji fällt mir noch ein neben den 4 genannten,aber die „goldene Ära“ ist vorbei…

    2. Salut Rasta, vielen Dank für die Austellung. Ich hatte neulich erst auf Facebook einen Post gelesen, in dem sich Kimoe die alte Garde zurückgewünscht hat. So ganz stimmt deine Liste übrigens nicht.

      Dr. Ring Ding ist noch sehr aktiv, nur nicht deutschsprachig.
      Uwe Banton hat auch erst kürzlich Sweet Sativa veröffentlicht, allerdings auch deutschsprachig.
      D-Flame hat im Juli ein neues Lied auf dem Bike Ryda Riddim veröffentlicht.

      Und zu den aktiven würde ich auf jeden Fall noch den neuen Jungen namens Dony rechnen und natürlich die ganze Schweizerdeutsche Szene um Stereo Luchs, Phenomden, etc. und Iriepathie nicht zu vergessen.

      Aber dann wird es wirklich schon sehr dünne.

  3. In der Tat geht Uwe auf alt bewährten Wegen weiter – wie es viele Künstler tun. Ich weiß garnicht ob es sosehr auf Reggae oder einfach Gute Musik mit Inhalt ankommt. Ich liebe deutschen Reggae aber manchmal sind die Grenzen fliessend – bis man dann ganz weg ist. Anbei habe ich dir einige meiner Lieblings-Künstler aufgelistet die zumindest mal mit Reggae in Berührung kamen… Hör einfach mal rein solltest du den ein oder anderen noch nicht kennen.

    Berliner Boom Orchestra, Berlinski Beat, Bürgermeista, Etobasi, Flixx`n`hooch, Horst Biewald, I-Fire, Hüttenzound, Jamaram, Losamoal, Mista Wicked & Riddim Disasta, Moop Mama, Mundwerk-Crew, Neonschwarz, Raggabund, Ratatöska, Rotfront, Staminah, 17 Hippies,

    Uwe Kaa werde ich unabhängig vom Blog – der mir immer sehr gefällt natürlich weiterverfolgen – denn seine Musik gefällt mir.

    1. Salut Stephan, liebsten Dank für deine Liste. Einige kenne ich wirklich noch nicht. Sind viel aus Süddeutschland dabei, oder? Wenn ich Zeit finde, werde ich mir das gern anhören.

    2. Da sag noch einer, deutscher Reggae stirbt. Ich mag Dialekt-Reggae auch sehr gern. Wie Ronny Trettmann schon vor Jahren sagte: „Deutsches Patwa“.

    3. Eine Liebe ist kein Reggae Album. Das ist Fakt, aber kein Problem. Ich finde auch nicht, dass diese Entwicklung überraschend kommt. Ein Punk- oder Techno-Album hätte mich überrascht. Aber das was er uns an Hörproben zur Verfügung gestellt hat, klingt nach Uwe Kaa und man hört Eine Liebe an, dass er sich mit dieser Musik wohlfühlt.

      Dementsprechend erweckt Eine Liebe bei mir auch nicht den Eindruck, dass Uwe Kaa dem Offbeat aus kommerziellen Gründen den Rücken zugedreht hat – auch wenn dies sicherlich kein Fehler gewesen wäre. Denn seien wir doch ehrlich: Die deutsche Reggae Szene hat sich selbst gekillt.

      Eine Szene, die sich extrem stark nach außen hin abgrenzt und fremden Klängen sehr ablehnend gegenüber steht, braucht sich nicht wundern, wenn sie irgendwann nicht mehr wahrgenommen wird. Eine Musikszene, die sich nur mit sich selbst beschäftigt, ist schlicht und ergreifend langweilig. Erschwerend kommt dann noch hinzu, dass in der Riddim – das „Sprachrohr“ der deutschen Reggae Szene – fast ausschließlich deren Homies stattfinden und die Reggae Szene bis heute weitestgehend unfähig ist, sich offensiv und selbstkritisch der Homophobie-Problematik zu stellen.

      Die wenigen tatsächlich guten und innovativen Reggae Musiker, haben es extrem schwer sich auf diesem „Nährboden“ zu entwickeln. Weil sich keine Sau mehr für Reggae interessiert, haben sie außerhalb der Reggae Szene keine Chance. Dementsprechend lassen sich diese an einer Hand abzählen. Das ist traurig. Aber wer weiß – vielleicht wacht die Szene ja irgendwann mal auf. Ich würde es begrüßen :-)

    4. Salut Michael, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Um deinen Ausführungen folgen zu können, würde mich interessieren, wer für dich die deutsche Reggae Szene ist? Die Fans? Die Künstler? Alle zusammen?

    5. Zu der Reggae Szene zähle ich alle, d.h. Fans, Künstler, Soundsystems und auch Medien wie bsp. Riddim. Und gerade das Riddim Magazin hat durch eine Berichterstattung, die stark auf Künstler aus Jamaika und einige wenige deutsche Künstler konzentriert ist (eigentlich immer die gleichen Protagonisten), bei mir entscheidend zu diesem kritischen Eindruck gegenüber der deutschen Reggae/Dancehall Szene beigetragen.
      Aber natürlich habe ich auch stark pauschalisiert :-) Denn so etwas wie eine homogene Szene gibt es ja eigentlich nicht. D.h. wenn ich von „der Reggae/Dancehall Szene“ spreche, dann meine ich vor allem diejenigen Protagonisten die immer laut aufschreien, wenn sich beispielsweise ein Festival musikalisch etwas öffnet oder ein Künstler/Band ein Album veröffentlicht, das nicht 100% ins Schema passt bzw. nicht den Erwartungen entspricht. Für diejenigen existiert scheinbar so etwas wie eine klar nach außen abgrenzbare Musikszene.
      Ich halte das für falsch. Für mich gibt es so etwas wie Genregrenzen gar nicht. Das Schöne an Musik ist doch, dass man seine Gedanken, Gefühle, Emotionen auf jede erdenkliche Art und Weise ausdrücken kann. Ob im Ergebnis dann ein Tune rauskommt, der zu 100% Reggae ist, das ist doch eigentlich zweitrangig. Vielleicht liegt es ja gerade an dieser Sichtweise die Ursache dafür, dass vor allem die deutsche Reggae/Dancehall Szene mich mittlerweile etwas langweilt.
      Übrigens: Dass man, um innovativ zu sein, nicht zwangsläufig Reggae/Dancehall den Rücken zudrehen muss, zeigt im Augenblick gerade die schweizerdeutsche Szene und meinet wegen auch Ronny Trettmann :-) Ganz so aussichtslos ist die Lage also nicht. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass die Szene an ihrer derzeit etwas schwierigen Ausgangslage selbst schuld ist.

    6. Ich bin eigentlich auch ziemlich konservativ und wenn ich Uwe nicht schon seit Jahren verfolgen und persönlich kennen würde, würde ich als Reggae Freund seine neue Musik vllt. auch nicht mögen. Ich finde es in Ordnung, einen musikalischen Standpunkt zu vertreten und sich dadurch auch abzugrenzen. Musik ist eben Geschmack. Ich glaube auch, dass die von dir angesprochenen Szene-Protagonisten eine sehr kleine Bande sind, die sich allerdings gern lautstark äußern.

    1. Jo Socialdread, bin ähnlicher Meinung wie Roman. Ich denke auch, dass es nicht für ein Ende der Karriere oder des Reggaes steht. Zumindest nicht zwingend.

    2. Salut Terence, das Ende von Karrieren und Reggae ist hier gar kein Thema, aber vielen Dank für deinen Beitrag. Den hinterlegten Link zum Ticketshop habe ich mal entfernt.

    3. Salut Roman, wie schon auf Facebook geschrieben, sehe ich keine Grundlage für eine Diskussion. Punkt 1: Ja, „Dein Hass“ kann man durchaus als Akustik Reggae durchgehen lassen. Ich habe das Lied einfach nur Akustik genannt. Punkt 2: Ich habe Uwe unten im Artikel zu diesem Punkt zitiert. Er ist erstmal durch mit Reggae, auch wenn sein Label vorrangig in diesem Genre unterwegs ist. Punkt 3: Auf Freundin als Nicht-Reggae-Lied habe ich im Artikel ebenfalls hingewiesen. Punkt 4: Egal, welche Songs rausgefallen sind, Uwe hat kein Reggae Album veröffentlicht. #EeneLiebe

  4. also, vielleicht werde ich ja alt, aber Dr. Ring Ding und Uwe Banton als inaktiv zu bezeichnen (wie da oben), finde ich nicht richtig. Da kommen doch immer mal wieder amtliche (zugebenermaßen traditionelle) Sachen raus. Und dann noch Zobel und Sturm… Da geht noch was für die Old school-Leute.

    1. Salut Thorsten, du bist immer so jung, wie du dich fühlst. Zobel und Sturm machen übrigens keinen deutschen Reggae.

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