Sind illegale Downloads eine Chance für Labels und Musiker?

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Heute gibt es keine musikalische Entdeckung. Heute erzähle ich euch, wie ich Musik konsumiere und wie Plattenlabels und Musiker mit illegalen Downloads umgehen sollten. Praktische Tipps findet ihr am Ende des Beitrags.

Kurz zum Hintergrund: Vor ein paar Wochen hat Rapper Simon Grohé sein duftes Album Mamaoerf (Urban Tree Music) veröffentlicht. Es dauerte natürlich nicht lange, bis die ersten illegalen Downloads angeboten wurden. Das ist nicht gut, aber heutzutage wohl kaum zu vermeiden. Dazu hat Label-Chef Jens gestern ein paar wichtige Fragen auf Facebook gestellt:

„Wie steht ihr heutzutage zu illegalen Downloads? Wie steht ihr zu Spotify/CDs/Vinyl/iTunes? Was würdet ihr gerne anders haben? Wie stellt ihr euch die Arbeit mit Musik vor und was wünscht ihr euch von euren Labels und Künstlern?

Die Diskussion wandert zwischen illegalen Downloads als Chance und Streaming als Alternative aus der Hölle hin und her. Ich habe das zwar schon auf Facebook kommentiert, doch finde ich das Thema zu spannend, um es dort verpuffen zu lassen. Deshalb schreibe ich hier im Blog nochmal darüber und ergänze an einigen Stellen.

Illegale Downloads sind Mist oder wie sich mein Musikkonsum veränderte

Vorweg: Illegale Downloads sind Mist. Ich habe fast 7 Jahre gebraucht, um das zu erkennen. Anfangs kaufte ich leere Kassetten, um Lieder aus dem Radio aufzunehmen oder andere Kassetten zu überspielen – die ersten Raubkopien. Später bekam ich einen CD-Player und kaufte meine ersten Alben und Singles.

In den 2000er Jahren entdeckte ich die finsteren digitalen Kanäle der Musikbeschaffung. Ich machte mir keine Gedanken darüber, wie viel Arbeit in Musik steckt. Ich wollte immer neues Material hören, war auf Entdeckungsreise. Ich habe alles auf der Festplatte gehortet (und meist nie wieder gehört). CDs habe ich sporadisch weiter gekauft.

Fast zeitgleich besorgte ich mir meinen ersten Plattenspieler und holte mir meine Lieblingslieder auf Vinyl. Tatsache ist, dass ich einige dieser Lieder erst durch Filesharing entdeckte. Heute nutze ich dafür vor allem Soundcloud, Bandcamp und YouTube (wobei die Dateien dort auch nicht immer legal hochgeladen werden). Nicht zuletzt durch die haptische Erfahrung mit Schallplatten wurde mir nach und nach der Wert von Musik bewusst. Digital ist mit einem Knopfdruck weg. Um eine Schallplatte oder eine CD zu entsorgen, muss ich zumindest zum Mülleimer gehen.

2007 startete ich mein musikalisches Blog. Ich bekam Kontakte zu Künstlern und Labels und dadurch natürlich auch immer mehr Einblick in deren Arbeit. Spätestens an dieser Stelle war illegal endgültig für mich gestorben, egal ob Download oder gebrannte CD. Seit ein paar Jahren kaufe ich nur noch Schallplatten.

Eine einfache 7inch Single ist für mich wertvoller als eine CD mit schönem Cover. CD-Pressungen sind für mich Massenware, Vinyl-Pressungen hingegen echtes Handwerk und damit zusätzliche Kunst. Sieht in der Wirklichkeit vermutlich anders aus, ist für mich aber so. Ich habe in meinem ganzen Leben eine einzige digitale Musikdatei gekauft. Sie fühlte sich wertlos an. Streaming-Dienste wie Spotify oder Deezer nutze ich gar nicht. So konsumiere ich also Musik.

Illegale Downloads vs. Streaming

Ich hatte Anfangs erwähnt, dass die Diskussion auf Facebook zwischen den guten Seiten des Filesharings und den schlechten Seite des Streamings hin- und herpendelt. Meine Meinung: Filesharing mag einen Werbewert haben, der sich aber kaum messen lässt. Dazu müsste man eine Umfrage machen wie: „Hast du dir die Musik von Band XYZ illegal herunter geladen, bevor du dir ihr Album gekauft hast?“ Habe ich so noch nicht gesehen. Beim Streaming ist der Erfolg direkt messbar. Der Künstler / das Label bekommt Geld, wenn auch nicht viel. Ein gutes Beispiel dafür habe ich weiter unten verlinkt.

Was Plattenlabels und Künstler gegen illegale Downloads unternehmen sollten

Wir sind uns sicher einig, dass Filesharing heutzutage kaum noch vollständig zu unterbinden ist. Dennoch würde ich als Plattenlabel regelmäßig Zeit darauf verwenden, den weiteren Austausch zu stoppen. Noch wichtiger wäre mir aber, den Leuten da draußen den Wert meiner Musik zu vermitteln.

Plattenlabels und Künstler müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ihre Musik Arbeit ist. Der Schlüssel dazu ist echte Transparenz. Dank Social Media ist das einfach umzusetzen und wird teilweise auch gemacht – nur leider falsch: Fotos aus dem Studio, Videos von der aktuellen Tour. Alle sind gut drauf. Alle haben immer Spaß.

[Tweet „„Musik sieht nach Spaß aus. Deshalb wird sie nicht wie Arbeit bezahlt.““]

Das ist kommunikativ falsch. Es sieht selten nach Arbeit aus, also wird es wahrscheinlich auch nicht als Arbeit wahrgenommen. Es gibt einen Grund, warum Kinder Popstars werden wollen. Echte Transparenz wäre auch mal zu sagen, dass man nach zwölf Stunden im Studio ziemlich durch ist.

Warum nicht mal Arbeitsstunden, Kosten etc. zu Alben veröffentlich? So können sich Unwissende einen Stundenlohn ausrechnen (der vermutlich unterhalb des aktuellen Mindestlohns liegt) und ein Gefühl für den Wert der Platte bekommen. Ich zum Beispiel habe erst durch einige Crowdfunding-Kampagnen erfahren, wie teuer einzelne Posten sind: Lieder schreiben, Studiozeit bezahlen, Musiker bezahlen, Mix und Mastering bezahlen, Grafiker fürs Cover bezahlen und so weiter.

Warum nicht mal veröffentlichen, wie viel Geld ein Album eingespielt hat und über welche Kanäle? Ein schönes Beispiel liefert Johnny Häusler für seine Band Plan B drüben auf Spreeblick. Dann erkennt auch der Unwissende schnell, dass er mit dem Kauf eines Albums vielleicht ein Brötchen für seinen Lieblingskünstler finanziert.

Darüber hinaus sollten Plattenlabels und Künstler Gesicht haben und greifbar sein. So entstehen zwischenmenschliche Verbindungen und meiner Meinung nach auch die entsprechende Wertschätzung für die Arbeit. Dazu reicht es schon aus, in Social Media auf Fans zu reagieren oder mal ein kleines Straßenkonzert zu spielen oder mit Fans eine Currywurst zu essen.

Kostenlose Downloads selbst anbieten

Auf Facebook wurde auch diskutiert, dass Plattenlabels und Künstler kostenlose Downloads auf ihren eigenen Seiten anbieten sollten, um den illegalen Anbietern zuvorzukommen. Das finde ich gut, obwohl es sicher nur anfänglich hilft. Allerdings sollte der Künstler oder das Label dafür zumindest einen kleinen Dank verlangen, zum Beispiel „Pay With A Tweet“ oder „Fan werden & Downloaden“. Der Nutzer muss dabei eine Kurzmeldung auf Twitter veröffentlichen oder eine Facebook-Seite liken, bevor er den Download-Link bekommt.

Das Thema wird hier zwar kritischen besprochen, ich finde es aber legitim. Wenn ich einen Künstler mag, empfehle ich ihn auch gern weiter und schenke ihm für den kostenlosen Download ein bisschen Aufmerksamkeit. Und wenn mir das Lied dann doch nicht gefällt, lösche ich den Tweet oder nehme das „Gefällt mir“ wieder zurück.

Wie konsumiert ihr eure Musik und was können Plattenlabels und Künstler besser machen? Schreibt’s mir gern unten in die Kommentare.

Nils. Ohne E. Mit Hut.
Schmeißt den Laden hier. Mag Reggae und Rub-a-Dub mit Bass. Und manchmal HipHop. Liebt echte Soundsystems. Schreibt auch für's Riddim Magazin. Musiktipps gern an: nils(at)houseofreggae(dot)de

21 Gedanken zu „Sind illegale Downloads eine Chance für Labels und Musiker?

  1. Interessantes Thema und sehr sehr vielschichtig. So mit 16/17 war ich auf jeden Fall auf der Schiene „Ich will alles an Musik (damals rein auf Rap bezogen) haben, egal wie“. Dementsprechend viel illegal geladen. CDs nur ganz ganz sporadisch mal mit nem Kollegen gekauft.
    Dann immer weiter in den Bereich Musik eingedrungen (u.a. mit GT, versch. Blogs usw.) und mein Konsumverhalten änderte sich ähnlich wie bei dir. CDs kaufe ich keine mehr. Meine (noch) winzige Plattensammlung wird immer mal wieder mit einem Schwung Platten erweitert und ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Habe Vinyl generell erst so mit 19/20 wirklich kennengelernt und finde es ein sehr positives Medium!
    Meine illegalen Downloads gingen auch massiv zurück – liegt aber mMn an Soundcloud & Bandcamp sowie diversen E-Mail eben von Künstlern direkt. Generell bin ich mittlerweile ein starker Verfechter der Bandcamp-Variante „Pay What You Want“. Klar, der allgemeine Media-Markt-Musikkäufer würde bei so einer Variante immer 0€ eingeben und sich ins Fäustchen lachen, aber wenn man ein paar Musiker kennt, weiß was dahinter steckt und einfach das Gefühl in der Musik feiert, dann geb ich gerne mal ein paar Euros aus.

    Da könnte man jetzt wahrscheinlich noch Stunden drüber schreiben, aber ich belass es erstmal dabei und wart mal ein paar weitere Meinungen ab .. so far!

    1. Salut One, vielen Dank für die Einblicke in deinen Musikkonsum. Offenbar machen wir Musikblogger sehr ähnliche Entwicklungen durch. Die Zahle-Was-Du-Willst Methode finde ich auch gut. Ich glaube wie du, dass sie nur funktioniert, wenn der Käufer eine entsprechende Verbindung zum Künstler hat und ihn auch schätzt.

  2. Das Thema ist sehr differenziert zu sehen. Für unbekannte Künstler und meinetwegen auch Labels, sind derartige Downloads existentiell vernichtend. Einerseits. Andererseits richtig Geld verdienen die unbekannten sowieso nicht, wie auch die Aufstellung in dem von dir zitierten Spreeblick Artikel deutlich macht.
    Als unbekannter Künstler erhalte ich Geld, wenn ich meine CD an das Publikum direkt verkaufe. Verdienen ist das zwar auch noch nicht, denn das fängt erst an, wenn alle entstandenen Kosten wieder eingenommen worden sind. Und da wird es diffus, denn prinzipiell müsste ich bei meiner ersten Gitarre anfangen und bei der letzten aufhören, das gilt dann für das ganze Equipment und wenn ich dann noch einen Stundenlohn ansetzte … . Dann kommt in drei Jahrzehnten ne ganze Menge zusammen.
    Also muss anders argumentiert werden. Entweder macht man Musik aus Spaß, dann kostet dieser Spaß eben etwas. Und wenn ich meine 500 CD Erstauflage verkauft habe, habe ich zwar nichts verdient, aber neben der Musik auch noch ne Menge Spaß beim Zählen der Taler gehabt. Oder aber man macht den Major Deal – meist erst Indie Deal -, dann wechselt man natürlich zum Major, verschuldet sich bei diesen Firmen und ist gezwungen, seine Stimme, Talent oder Körper zu Markte zu tragen.
    Wenn man Glück oder auch Pech gehabt hat, geht es einem wie Mick Jagger, der zur Karikatur seiner Selbst wird und am Ende seinen Rolls Royce nicht mehr verlassen kann, will er nicht von der Meute aufgefressen werden. Es kann einem aber auch wie Janis Joplin gehen bzw. einer der zahlreichen anderen Opfer der Musikindustrie, die ihr Elend – bei aller Genialität – mit Alkohol und Drogen im wahrsten Sinne des Wortes ausgelebt haben.
    Also illegaler Download ist, wie in oben stehendem Blog schon ganz treffend angedeutet wurde, ebenfalls eine Droge, die süchtig macht und den Cold Turkey auf den Festplatten hinterlässt. Geschädigt wird m. E. die Musikindustrie, die dann ja auch mit billigst Alternativen wie Spotify und Co. – auf Kosten der Musiker – den großen Reibach machen.
    Ich denke nicht das Vinyl die Alternative ist. Wenn auch kultig im 21. Jahrundert, so ist es dennoch ein billiger Massenartikel, was ich als ehemaliger Besitzer einer stattlichen Plattensammlung bestehend Massenpressungen von Beatles, Stones, Floyd, Roxy, Velvet und wie sie alle hießen, zwar nicht beweisen, aber dennoch glaubhaft versichern kann.
    Die Lösung liegt m. E. heute einfach darin, den ganzen Tonträger Kram selbst zu machen und sich sein zahlendes Publikum mit Musik zu erspielen. Auf die Massen Radios und andere Medien kann getrost verzichtet werden. Und wenn man nicht gerade Mick Jagger mit Band ist, ist da eh nicht viel zu holen.
    Oft frage ich mich auch, ob ich mich nicht schämen müsste, wenn meine Musik in Gesellschaft dessen gespielt wird, was in den etablierten Massenradios und TVs sich so das ganze Jahr hinüber versendet.

    1. Hallo ÄNDY, vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Ich finde deine Einteilung in „Musik aus Spaß“ oder Major Deal zu straff. Es gibt viele Künstler und Labels, die irgendwo dazwischen stattfinden. Die mit Spaß und Liebe auf einem Level dabei sind, auf dem sie auch gern etwas zurückbekommen würden. Mich würde es da sehr ärgern, wenn meine Musik kostenlos rausgeworfen wird. Dann doch lieber Streaming und ein paar Cent bekommen, zumal Streaming aktuell eh nur als Nebeneinkunft verstanden werden kann, meiner Meinung nach. Ich glaube übrigens auch nicht, dass Schallplatten die Lösung sind. Ich kaufe sie nur gern.

      Selbst machen ist ein guter Weg. Aber es muss den potentiellen Käufern auch vermittelt werden, dass alles selbstgemacht ist. Das ist ähnlich wie mit Gemüse vom regionalen Bauern. Die Leute geben dafür Geld aus, weil sie (glauben zu) wissen, dass der all seine Liebe in das Produkt steckt.

      Übrigens: Plan B ist alles andere als eine unbekannte Band ;)

  3. Ich würde nicht sagen, dass illegale Downloads eine Chance sind. Jedoch sind illegale Downloads eine tolle und vor allem kostenlose Promo für Künstler. Für mich war das am früher der einzige Weg, um neue Künstler kennen zu lernen. Ich hatte kein Geld und liebte Musik. Dank Filesharing kenne ich Künstler wie Ill Bill, Louis Logic, Celph Titled, Deltron, Square One usw….. Jedoch habe ich damals schon festgestellt, dass Filesharing diesen tollen Künstlern nicht hilft, weiter gute Musik (für mich) zu machen. So sparte ich und kaufte mir mit meinem Gesparten immer mal wieder ein Album. Wie ich mich damals gefreut habe, die Platte (CD) von Deltron – 3030 in der Hand zu halten. Heute habe ich um die 200+ CDs und ca. 30 Platten, ohne jemals ein Plattenspieler gehabt zu haben :D Dazu kam noch die Mundpropaganda. Ich habe vielen Freunden damals dazu gebracht, gute Sachen zu kaufen. Und woher wusste ich, dass sie gut waren? Aus Filesharing-Diensten. Damit will ich jedoch diese Möglichkeit keinesfalls schön reden. Aber illegale Downloads haben mir sozusagen die Türen geöffnet. Wieso sollten es anderen nicht genau so gehen?
    Heutzutage können Streamingdienste fast als Äquivalent zu Filesharing Diensten gesehen werden. Künstler verdienen zwar ein paar Cents im Gegensatz zu illegalen Downloads, aber helfen tun die Plattformen (jedenfalls noch) nicht wirklich. Auch die Möglichkeit einzelne Tracks kaufen zu können, finde ich keine geeignete Lösung für Künstler, aber wiederum besser als diese für Umme zu besorgen. Man kann alles aus vielen Seiten betrachten. Die perfekte Lösung gibt es nicht und wird es wohl auch nicht geben. Ich bin aber auch deiner Meinung, und finde Künstler und Labels sollten viel auf Transparenz setzen. Künstler sollten ihren Fans/Kunden nah sein, ein Teil von ihnen sein – und schon haben sie gewonnen.

    1. Salut Victor, vielen Dank, dass du es mit dem Kommentar noch geschafft hast ;) Es kristalisiert sich heraus, dass illegale Downloads so etwas wie die Rakete ins Musikuniversum für unsere Generation sind (oder waren). Gibt es Statistiken, dass die Downloads aufgrund von Streaming-Anbieter zurückgegangen sind?

  4. Ich persönlich glaube schon, dass illegale Downloads helfen einen Bekanntheitsgrad zu steigern, bzw. überhaupt zu erreichen. Ich bin nicht ganz in dieser Szene (gibts Kaazaa noch??) bewandert, aber überspitzt gesagt, kann man als Newcomer sogar froh sein auf solch einschlägigen Seiten gelistet zu sein.

    Seien wir ehrlich und ich unterstelle mal vielen Musikern ist es doch lieber, Ihr aktuelles Album hat 10.000 Downloads (illegal) als dass Sie 250 EUR umgesetzt haben mit 50 Downloads. Das hilft ja auch keinem.

    Selbstverständlich spreche ich hier von selbst gemachter Musik ohne Label etc. im Hintergrund. Für Majors sieht die Rechnung auch wieder ganz anders aus. Wobei es ja auch so ist (um bei dem Beispiel mit illegalen 10.000 Stück an Downloads zu bleiben) dass sicher nicht jedem die Musik dann auch zusagt die man sich gezogen hat. Man lädt blind einfach mal alles herunter wie ich oben auch schon gelesen habe.

    Wenn allerdings von den 10.000 Filesharern 1.000 aufs Konzert gehen und 20 EUR Eintritt bezahlen, ja dann…

    Dennoch möchte ich dringend jedem ans Herz legen, wenn Ihr eine Crew, einen Künstler habt, den Ihr gern hört… spendet doch 10 EUR via Bandcamp oder kauft euch ein T-Shirt oder was auch immer. Bin mir sicher die freuen sich meist sehr darüber.

    Viele Grüsse
    Taktiker

    1. Lieber Taktiker, ich freue mich sehr, dass du dich auch am Gespräch beteiligst. Ich stecke auch nicht mehr in der Szene, frage mich aber, wie ein Musiker 10.000 illegale Downloads ermitteln kann. Gibt es da Counter auf den Seiten? Ich stimme dir fast zu, dass 250 Euro den Braten vielleicht nicht fett machen, abhängig davon, ob der Musiker darauf angewiesen ist oder nur „für den Spaß nebenbei“ Musik macht. Aber es ist zumindest eine kleine Belohung für die Arbeit. Zudem ist es wahrscheinlich auch sehr schwierig nachzuweisen, dass von 10.000 Filesharer 1.000 auf ein Konzert gehen (die Zahlen übernehme ich nur beispielhaft).

      Deinen Aufruf unterstütze ich von ganzem Herzen.

    2. leider kann man da noch ne 0 streichen ;) wenn du für 50 downloads 25 euro kriegst, kannste happy sein. und das bevor der kuchen zwischen label, künstler und musiker aufgeteilt ist. mastering, artwork, evt. studio & proberaumkosten + promo mal außen vor gelassen.
      übrigens ist mastering ein wichtiger und kostspieliger punkt. die songs dürfen ja dem hörer nichts mehr kosten, sie müssen aber mindestens genauso fett klingen, als würden sie auf einer cd erworben sein.
      mastering kostet im schnitt zwischen 50-100 euro pro song. preise nach oben offen … bei einem album von 12 songs, sind also schon mal 600-1.200 euro investiert worden, nur damit es auch überhaupt den hörgewohnheiten eines hörers entspricht, also laut, fett und wohlklingend.
      was macht er sonst? den scheiß kostenlosen song auch noch löschen …
      alles nicht so einfach. ;)

    3. Salut Kimoe, vielen Dank für die Einblicke ins Geschäft. Diese Zahlen kennen da draußen wohl nur die Wenigsten. Alles wirklich nicht so einfach. Welche Strategie fährst du als Künstler?

  5. Ja, klar…

    sämtliche Zahlen sind auch nur Mutmaßungen meinerseits zu verstehen. Belegen kann ich da nichts davon.

    Und ich glaube auch nicht, dass auf illegalen Seiten die Downloads ermittelt werden, aber kann mir natürlich gut vorstellen, dass dort viele Leecher unterwegs sind ;) Weil kostenlos etwas runtergeladen ist viel schneller, als wie wenn was beispielsweise schonmal 1,00 EUR kostet…

  6. Hi there.
    Erst ´mal…
    d`û´b & THX für den Beitrag.

    Dann ´ne Gegenposition:
    Ich denke, daß es keine Illegalen DLs gibt. Das www. übergreift dermaßen viele Kultur~, Rechtssprechungs~ und IdeenLizensierungsZonen, daß es schier unmöglich ist, innerhalb von Illegalität zu schreiben.

    Lable sollten nichts gegen diese DLs unternehmen & Künstlern sollte ein erweitertes BewusstseinsToolset angereicht werden, das unter anderem die Aussage beinhaltet, daß es dank SocialMedia keiner Lables mehr bedarf, um sich zu vermarkten.

    Na klar: das is´ krass dahergeredet & klingt i~wie nach Utopie, aaaber:
    Als alter EvolutionsTheoretiker bin ich der Meinung, dass die Menschheit endlich lernen sollte dem www. die Chance zu geben, den innewohnenden Parasitismus in etwas erträglicheres umzuwandeln…
    Das wird natürlich stressig für alle beteiligten, sollte aber nicht als aus diesem Grund vermeidbare Unzumutbarkeit abgetan werden.

    Sry., daß ich mich etwas in Rage schreibe…
    das Thema nimmt mich mit. (8)
    … … …
    Vor allem wegen der Borniertheit mit der in Ger. also unter uns Pappnasen mit derartigem umgegangen wird…
    z.B. YT vs. GEMA my Ass,
    cc under conTroll & dergleichen mehr.

    Wer verhindern will, daß sich ein Gleichgewicht zwischen den Interessen der Dienste, der Produzenten von Content & den Wünschen der Konsumenten im www. einstellt, wird früher oder später aus dem Rennen sein.

    Meine ich mal wieder vor mich hin, …
    ~ hoffe ich, daß auch aufgefallen ist, daß ich das ‚ß‘ in ¨daߨ gerne wieder akzeptiert bekommen hätte… ~
    & dass mir meine Position hier unter MusicLovers nicht übelgenommen werden wird.

    Muck.ô.^, ?

    1. Hallo Muck, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich ziehe die Grenze zwischen legal und illegal ziemlich klar: Wenn ein Musiker seine Arbeit zum Kauf anbietet, aber irgendjemand diese Arbeit auf einem x-beliebigen Download-Portal kostenlos anbietet, ist das illegal, weil es verboten ist, diese Arbeit zu kopieren oder weiterzugeben.

      Was die Labels betrifft, stimme ich dir teilweise zu. Dank Social Media kann sich ein Künstler heute sehr gut selbst vermarkten. Das scheitert aktuell aber in vielen Fällen noch daran, dass sich Künstler nicht so richtig damit beschäftigen, so zumindest meine Beobachtung. Dann ist ein Label im Rücken doch ganz gut.

    2. Na klar! Du darfst natürlich Deine Grenze ziehen, wo sie Dir passt (zumindest solange Du dadurch niemandem Freiheit nimmst).
      Allerdings finde ich, dass der Grenze durch Methoden wie Covern, Remixen & Samplen oder Übernahme von Bass~, Melodielinien usw., die scharfe Ziehbarkeit genommen wird.
      Hast aber schon recht:
      Hinterrücks Bootlegs zu leaken (& am übelsten auch noch in einen Kontext zu setzen, der das Stück verunglimpft) ist auf alle Fälle zum kotzen…

      Hoffe ich einfach, daß auch der Rest der musikliebenden Menschheit irgendwann dahinter kommen wird.

      PS: Sry. wegden der Antipropaganda auf Twitter.
      & 1 Love!

  7. Verstehe ich das richtig, Künstler und Produzenten sollen sich mal nicht so anstellen und ihre Werke um sonst anbieten, bzw. ihr Verständnis dafür haben? Wie oft habe ich so etwas in der Art schon gehört… Dann sollte der Bäcker morgens auch nicht meckern wenn ich mir zwei Brötchen mehr nehme ohne zu bezahlen. Ist dann alles freies Gut, jeder nimmt sich was er braucht, war ja auch kein Aufwand. Ich denke man zäumt den Gaul von hinten auf. Es wird Zeit, dass die Leute/Konsumenten mal ihr Bewusstsein erweitern und mehr Respekt vor den Künstlern/Produzente etc. haben! Wenn ich was haben will, sollte ich’s auch mit Anstand erwerben…

    1. Hi Alex, das ist wirklich mal ne schöne Nummer. Die spanische Reggae Band Rampalion hat ihr erstes Album auch in einer schönen Holzkiste rausgegeben.

  8. Hallo,
    ich bin selbst Musiker in einer Band die unter Vertrag mit einen Label steht. Wir haben vor kurzem eine CD produziert, wir mussten die Produktionskosten selbst übernehmen, was so rund 5000 Euro ausmachte (Recording, Mastering, Coverart, Grafik, usw) von der Zeit ganz zu schweigen, wenn man das Songwriting mit einbezieht, waren es hunderte von Stunden. Das Label übernimmt nur die Vertriebskosten und Werbung. Kaum konnte man die CD im Handel (Amazon, etc.) erwerben, schossen auch schon Webseiten aus den Boden, die unsere CD zum illegalen Download anboten. Mir ist bewußt dass, wir wahrscheinlich durch unsere Musik nicht reich werden und auf einen Großteil unserer Kosten sitzen bleiben, daß wir Musik aus Überzeugung und Spaß machen, daß es uns Freude bereitet Musik zu machen. Aber ich sehe es auch nicht ein, dass unsere Kunst nichts Wert sein soll und die Musik kostenlos downloaden kann. Wir haben auch viel Zeit, Mühe und Geld investiert und das alles soll dann nichts Wert sein?

    1. Hallo DaRocka, vielen Dank für die Einblicke in euer Bandleben. Scheint, als könnte man heutzutage ohne einen Vollzeitjob im Hintergrund kaum noch Musik machen. Zumindest nicht, wenn man Miete und Essen bezahlen möchte.

  9. Hi,
    Fakt ist nun mal das die Digitalisierung das Problem der illigalen Downloads nun mal mit sich gebracht hat und sich auch nicht mehr umkehren lässt. Musiker wie auch Musikindustrie müssen sich dem stellen. Die althergebrachten Geschäftsmodelle funktionieren, wie man ja weiß, nicht mehr.
    Der „Schattenseite“ der Digitalisierung der Welt steht aber auch die andere Seite der Medallie gegenüber. Nie war es günstiger für Musiker ihre Musik zu produzieren. Gegenüber früher haben Musiker heute auch sehr gute Möglichkeiten sich selbst zu vermarkten. Um nur iTunes zu erwähnen die 30% der Einnahmen einbehalten, der Künstler erhält 70% der Einnahmen. Da kommt kein Künstler selbst mit Majordeal ran. Ok, Künstler müssen heutzutage mehr tun um ihre Kunst an den Markt zu bringen. Aber auch hier wieder: Die positive Seite der Medallie ist die Vielfalt an Künstlern die die Digitalisierung mit sich gebracht hat. Alles hat seine zwei Seiten. Früher waren Künstler mit Recorddeal zwar etwas besser gestellt, aber an einen Deal zu kommen war auch ein 6er im Lotto. Und verdient haben „kleine“ Künstler auch zu diesen Zeiten nicht viel. Dank Label, Vertrieb, Management und, und, und.
    Ein weiterer Gedanke ist das die Musikindustrie eines bis heute nicht schaffte (gilt auch für die Filmindustrie): Es ist um ein vielfaches leichter ein Album illegal zu downloaden. Künster mit Album googlen und es ist fast sicher das auf der ersten Ergebnisseite ein „illegealer“ Treffer erscheint. Wer nicht gerade ein Pfannkuchen ist hat das Album mit 2-3 Klicks. Keinen Acccount erstellen, keine endlosen Daten an Konzerne weitergeben, sich nicht an eine bestimmte Plattform binden, keine 30sek kurze Snippets nach denen ich einen Song beurteilen soll, keinen Zwang ein ganzen Album kaufen zu müssen, und, und, und.
    Das was die Industrie nicht verstanden hat das es „einfach“ ist. Die Industrie hat dem nichts entgegen zu sezten. Jedenfalls nicht in der Ausprägung.
    (by the way: Eine nicht veröffentlichte Studie der GfK legt nahe das Filesharer womöglich mehr Geld für Kino, DVD u.ä. ausgibt als der Normaluser.

    Okay gilt für die Musikindustrie aber ich denke das lässt sich auch für die Musikindustrie ableiten.
    Fazit: Zeiten ändern sich, Technik ändert sich, Musiker und Industrie sollten sich nicht beklagen sondern neue Wege der Vermarktung finden. Denn es gibt nun mal keinen Weg zurück. Ich denke der Größte Teil der Bevölkerung ist bereit für Kunst angemessen zu bezahlen.

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