Elijah: Interview zum Debüt-Album „Beweg Di“
Der Schweizer Singjay Elijah hat vor kurzem sein Debüt-Album „Beweg Di“ in Deutschland veröffentlicht – eineinhalb Jahre später als in seiner Heimat. Warum diese Reggae-Perle erst jetzt zu uns gekommen ist, erklärt Elijah im Interview mit Houseofreggae.de. Außerdem spricht er über Schweizer Fußball-Fans in Kopenhagen und wie man einen Fuß ins Radio bekommt.
Erzähl doch mal von deinen Anfängen. Woher kommst du, wer hat dich mit Reggae infiziert und wann hast du das erste Mal ein Mikrofon in die Hand genommen?
Elijah: Ich komm aus Zürich, aus der Schweiz und Reggae ist schon bei mir seit ich ein Kind bin. Das erste Mal, dass ich gesungen habe, war auch schon von Kind an. Hab dann einfach verschiedene Instrumente gelernt und so mit zwölf, dreizehn Jahren hab ich dann angefangen, mehr zu singen. Und dann mit 14 Jahren habe ich Gitarre gelernt und auch angefangen, meine eigenen Lieder zu schreiben.
Hast du von Beginn an auf Schweizerdeutsch getextet?
Elijah: Ja, ich habe eigentlich in verschiedenen Sprachen geschrieben und mach das auch jetzt noch. Schweizerdeutsch hat sich einfach als die beste Sprache entwickelt, weil ich die am besten spreche und mein Umfeld auf das am meisten reagiert hat. Es ist halt schön, wenn du Lieder singst und deine Leute verstehen dich und geben dir Reaktionen.
Weißt du noch, wann und wo du das erste Mal einen deiner Songs im Radio gehört hast?
Elijah: Das allererste Mal, dass ich im Radio gespielt wurde, war 2005, glaube ich, oder 2006 bei Radio Virus. Das ist ein Schweizer Radio, die haben junge Künstler vorgestellt, und das war damals mein erstes Lied, das ich aufgenommen habe. Das hieß „Cha Nöd Warte“, das ist auch auf dem Album drauf. Und das war cool, voll der Flash.

Foto: Elijah am Mic, www.elijah.ch
2008 war ein wichtiges Jahr für dich. Zusammen mit deiner Backing-Band The Dubby Conquerors hast du den European Reggae Contest in Italien gewonnen. Wie hat das deine Karriere vorangebracht?
Elijah: Das hat mich weiter dahin gebracht, wo es hingehen sollte. Ich war sehr glücklich, weil das hat mir die Chance gegeben, dass ich auch im Ausland auf Festivals spielen konnte und die Bühne mit großen Künstlern teilen konnte. Ich habe in der Zeit sehr viel gelernt. Wenn du plötzlich einem Tarrus Riley auf die Finger schauen kannst und einfach so viele Bands siehst und plötzlich auch auf diesen großen Bühnen spielen musst, dann lernst du viel. Und das hat mich persönlich extrem weitergebracht.
Musikalisch hat das einfach unseren Kreis erweitert, mehr Leute kennen uns und wir haben jetzt auch in Italien die Leute vom Rototom [Sunsplash Festival], die machen das Booking. Und in Deutschland geht immer mehr, wir können endlich das Album releasen. Es war ein weiterer Stein auf dem langen Weg, you know.
Und inzwischen bist du hauptberuflich Musiker.
Elijah: Genau.
Dein Debüt-Album „Beweg Di“ hat fast eineinhalb Jahre gebraucht, um den kurzen Weg von der Schweiz nach Deutschland zu finden. Warum?
Elijah: Anfangs hatten wir Probleme in der Schweiz. Eigentlich wollten wir es gleichzeitig oder zwei Monate nach dem Schweizer Release releasen. Aber nach dem Release des Albums hat sich das Management bei mir geändert und das hat sich dann alles irgendwie verzögert. In Deutschland haben wir einige Leute angefragt, aber niemand war so richtig ready. Und jetzt haben wir mit Soulfire [Artists] endlich jemanden gefunden, der auch hinter uns steht und das auch wirklich promoten will.
Wenn du etwas raus bringst, machst du’s lieber richtig als so halb. Da haben wir halt gedacht, warten wir lieber, bis wir die richtigen Leute haben, um das gut zu pushen. Ist inzwischen schon ein bisschen spät, aber für die meisten Leute in Deutschland ist es doch noch etwas Neues. Von daher macht’s keinen Unterschied. Es ist das erste Album und für mich persönlich ist es auch wichtig, dass die Leute das erste Album hören.
Laut Pressemitteilung laufen die Singles „Gib Mer Meh“, „Las Bliebe“ und „Sie Isch Wäg“ sehr gut im Schweizer Radio und Fernsehen. Das sind allesamt Songs über die Liebe. Dabei hat dein Album auch ganz andere Facetten wie „Falschi Gschichte“ und „Alles Nur Um S Glich“ zu bieten. Musst du deine kritische Seite vor der Öffentlichkeit verstecken?
Elijah: Nein, ich muss die überhaupt nicht verstecken. Die kann ich auf jedem Konzert und überall, wo ich mich präsentiere, zeigen. Das hat sich so ergeben, dass die drei Lieder im Radio gespielt wurden. Meistens sind es auch die Radios, die dir ein Feedback geben. Einen Track wie zum Beispiel „Alles Nur Um S Glich“ oder „Falschi Gschichte“, die habe ich auch schon im Fernsehen performt. Es ist halt immer die Frage, welches Lied willst du nehmen, das den Leuten am meisten bleibt, und da war „Gib Mer Meh“ die erste Single, das Lied, das den meisten Leuten in Erinnerung blieb.
Video: Elijah feat. Paco Mendoza – Las Bliebe
Radio ist immer ein bisschen ein anderes Ding. Da musst du erstmal einen Fuß reinbringen und dann geht’s weiter. Aber ich bin mir sicher, dass ich kein Blatt vor den Mund nehme, wenn ich in der Öffentlichkeit bin, überhaupt nicht.
In dem medienkritischen Song „Falschi Gschichte“ erwähnst du eine Reise nach Kopenhagen. Was ist dort passiert und wie haben die Schweizer Medien anschließend darüber berichtet?
Elijah: Es war ein Fußballspiel von meinem Team, dem FC Zürich, ein UEFA-Cup-Spiel gegen Bröndby Kopenhagen. Als wir dort angekommen sind, waren wir etwa 800 bis 1000 Supporter und als wir kurz vor dem Stadion aus dem Zug ausgestiegen sind, kamen plötzlich drei Zivilpolizisten und schlugen auf einen Fan ein. Der hatte so ein kleines FCZ-Tag im Zug gemacht. Die hatten das nicht gern und verprügelten ihn deshalb übel. Irgendwann hatten die Leute gedacht, so geht’s nicht weiter, die Polizei kann sich nicht so aufführen, und da haben die ihm geholfen. Riots gingen los, ein Polizist hat in die Lust geschossen und als wir aus dem Bahnhof raus kamen, sind da zwei Busse voll mit Polizisten, die dann einfach wild auf alle Leute einschlugen und sie verhafteten. Das war extreme Polizei-Willkür, das war das größte Problem.
Wir kamen dann nach Zürich zurück und die Berichterstattung war sehr einseitig. Kein einziger Schweizer Journalist war da, die hatten einfach das Polizei-Kommuniqué abgeschrieben. Das war dann auch die verbreitete Meinung vom Durchschnittsschweizer. Der hat dann in der Zeitung gelesen und hat gesehen, 100 Schweizer randalierten in Kopenhagen. Aber da stand nicht, die, die die Randale gestartet hatten, waren die Polizisten. Das hat mich einfach aufgeregt, wie so ein Polizei-Kommuniqué eine Wahrheit einfach umdrehen kann und niemand hinterfragt das. Und da habe ich das Lied geschrieben.
Kommen wir zurück zur Musik. The Dubby Conquerors sehen alle noch sehr jung aus, spielen aber unglaublich gut zusammen und scheinen das Wesen von Roots Reggae stark verinnerlicht zu haben. Woher kommt das?
Elijah: Von meiner eisernen Hand (lacht). Nein, als ich sie 2005 gegründet habe, waren sie, außer der Bassist, noch nicht so Reggae. Der Drummer und der Keyboarder haben vorher schon in einer Band gespielt und da auch ab und zu mal Reggae gespielt, aber es war eigentlich so ’ne Funk-Band. Der Gitarrist war früher in einer Metal-Band. Ich habe denen einfach meine CD-Sammlung an den Kopf geworfen und gesagt: „Checkt mal das aus.“ Irgendwie hat sich das dann selber entwickelt und ihnen hat’s so gefallen, dass die dann plötzlich zu mir kamen und mir CDs gezeigt haben, die ich noch nicht kannte. Sie hat es einfach infiziert und als wir an dem Album gearbeitet haben, war es eine kreative Zusammenarbeit.
Ich hatte oft eine Idee mit der Gitarre oder hab den Riddim schon vorproduziert und bin dann zu ihnen gegangen, und dann haben wir das gemeinsam umgesetzt. Als wir dann im Studio waren, waren noch die Scrucialists da und die haben den Riddims dann teilweise noch den letzten Schliff gegeben. So sind die Riddims für’s Album entstanden.
Gibt es Momente, in denen dir Reggae auch mal auf den Geist geht?
Elijah: Nein, eigentlich nicht. Vielleicht, wenn du auf ’nem Dance bist und nonstop … nein, eigentlich nicht. Reggae, Roots Reggae ist etwas, das ewig hält. Aus diesem Grund spielen wir das auch heute noch. Es ist eine Musik, die zeitlos ist. Der Beat, der ist so stark, da wird man nicht müde.
Was machst du diesen Sommer?
Elijah: Festivals spielen hauptsächlich. In Deutschland, der Schweiz und Italien. Vielleicht gehe ich noch zwei Wochen nach Salento im Sommer. Das ist im Süden von Italien, da ist das Reggae-Zentrum, um ein bisschen Vibez zu catchen. Ende September ist die Tour fertig und dann gehe ich für längere Zeit mal nach Jamaika.
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