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Interview: Nemo heilt mit Keymo’ Therapy

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Nemo Keymo Therapy CoverJedes Kind kennt Nemo, den Clownfisch aus dem Kino. Auf der Suche nach Nemo, dem Sänger, habe ich lange im Trüben gefischt. Dabei wurde er 2004 mit seinem Debüt-Album „Cross-Breed“ für einen Reggae-Grammy nominiert. Jetzt legt Nemo mit „Keymo’ Therapy“ (Notylius) nach und ein drittes Album ist schon in der Mache. Höchste Zeit also, den Welten- und Stylebummler auf den Fragenstuhl zu setzen – im Interview bei Houseofreggae.de.



Houseofreggae.de (HoR): Ich habe im Internet lange nach Nemo gesucht. Aber jedes Mal bin ich am Ende bei diesem kleinen bunten Fisch angekommen. Bitte stell dich doch mal vor.

Nemo: I’m like a fish hard 2 catch. Nein, eigentlich heiße ich Nemo, weil es Niemand bedeutet. Mit 15 Jahren war ich Little Nemo in meiner ersten Band Windsor McKay. Dann nannte ich mich für ein paar Jahre Captain Nemo und seit 2002 bin ich nur noch Nemo. Ich bin aufgewachsen in Venedig, dann Paris, habe für eine Weile in London gelebt und drei Jahre lang in Jamaika. I’am a crossbreed no limited outkast entertainer (lacht). Ich singe auf Beats von Null bis 200 Bpm.

HoR: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dir und dem Clownfisch Nemo, vielleicht die Suche nach Abenteuern?

Nemo: Irgendwie schon. Ich suche immer nach Abenteuern, Travellin’s my middle name. Mir geht es nicht gut, wenn ich nicht unterwegs bin. Wenn das Telefon klingelt: “Hey Junge, ich bin in der Stadt …“, dann mache ich mich auf den Weg nach New York, Jersey, Dakar, Kingston. Ich fühle mich überall zuhause.

HoR: Komplettiere bitte diesen Satz: Musik ist für mich …?

Nemo: Meine Sprache, meine Uhr für’s Leben, meine Frau, meine Geliebte, mein Passe-Partout, mein Schatten, mein Blut, Schweiß und Lachen, meine Freude, meine Angst, mein Mut, meine Mission, meine Bürde und Aufgabe, meine Reisen, mein Mittag und Abendbrot, mein bester Freund, mein Fluch und meine Freiheit.

HoR: Du warst drei Jahre auf Jamaika. Dort hast du im Tuff Gong Studio zusammen mit den Roots Radics und Sly & Robbie dein Debüt-Album „Cross-Breed“ aufgenommen, das prompt für den Reggae-Grammy nominiert wurde (Gewonnen hat Sean Pauls „Dutty Rock“, Anm. des Verf.). Was braucht man als europäischer Artist, um sich im Heimatland des Reggae durchzusetzen?

Nemo: Das kann ich dir gar nicht sagen. Vielleicht musst du einfach nur du selbst sein. Das habe ich gemacht. Die „Cross-Breed“-Erfahrung ist ein unauslöschlicher Moment, den mir niemand nehmen kann. Recording in the old fashioned way with my favourite jamaican musicians. Die Roots Radics bestanden darauf, dass ich Acapella singe, um die Riddims um meinen Song herum zu bauen. Selbst in meinen wildesten Träumen konnte ich mir das nie vorstellen.

Nemo Solo

Foto: Nemo (iwelcome.tv)

HoR: Funk, Hip Hop und Reggae werden als die Musikstile genannt, die deinen Sound am meisten beeinflussen. Kannst du sagen, was genau dich an den einzelnen Richtungen fasziniert?

Nemo: Wow, coole Frage. Gut, dass du mit Funk angefangen hast, coz it’s my first wife. Ich bin ein großer Fan von Prince Bohannon, Sly Stone und George Clinton. Wenn ich Funk sage, liebe ich die dreckige Seite wie P-Funk (Funk-Strömung Ende der 60er Jahre angeführt von George Clinton, aus der sich später der für den Hip Hop essenzielle G-Funk entwickelte, Anm. des Verf.) oder den echten Motown Funk. Sam Cooke, Billy Preston, die Liste ist endlos. Frankie Valli und Adriano Celentanos Disko Funk ist auch heiß. I like the dirt, the kinky lyrics & smoke.

Ich mag auch Hip Hop in all seinen Formen – East, West, Dirty South, Oldschool, Newschool … Das ist eine Mischung aus roher Energie, Straße, Dichtung und echtem Leben.

Reggae ist einfach ein Teil von mir. Ich mag vor allem die dunkle Seite dieser Musik, nicht die großen Namen. Toyan, General Echo, Eek a Mouse, Johnny Osbourne etc. Ich bewundere die Ironie und die Texte von Vybz Kartell und mag auch die neuen Talente wie Mr Evil und Mavado. Ich liebe Jamaika mehr als mein eigenes Land, aber nicht wegen Gras, Strand und GoGos. Es geht mir um die Menschen und die Kultur. Reggae ist Freiheit, eine Zillion Rhythmen, Witz, Ironie, Rebellion, Würze und Zucker, alles unter einem Hut.

HoR: Und wer sind deine Vorbilder?

Nemo: Musikalisch sind das Snoop, Nate Dog, Eminem, Akon, Prince, George Clinton. Echte Vorbilder sind für mich Peter Pan, Corto Maltese, Captain Nemo, Robin Hood. All the real pirates (lacht herzlichst)!

HoR: Die Idee zu deinem zweiten Album „Keymo’ Therapy“ soll in einer Vollmondnacht geboren worden sein? Was genau war da los, als du mit George Clinton zusammen gesessen hast?

Nemo: Stimmt. In einem Hotelzimmer in Paris haben George Clinton, Bernie Worrell (eine amerikanische Funk-Legende, Anm. des Verf.) und ich die ganze Nacht verbracht und diskutiert. Über das Leben, Höhen und Tiefen, Politik, Michael Moore, Drogen, das Musikgeschäft. Und dabei ist uns aufgefallen, dass es im Leben darum geht, Schlüssel zu sammeln ohne zu wissen, welche Türen sie öffnen werden. The Key Mo’Therapy was born.

Am nächsten Tag gab mir George 15 Minuten bei seinem Auftritt im Tryptique. Danach sagte George: “Komm, wir gehen ins Studio und nehmen ein paar Songs auf über Michael Moore, Drogen und das Musikgeschäft.“ Dabei sind auch die Interludes auf dem Album entstanden. Das war der bisher beste Tag in meinem Leben.

HoR: Der Titel klingt sehr medizinisch. Gibt es eine Krankheit, die du mit deiner „Keymo’ Therapy“ bekämpfen möchtest oder steckt etwas anders dahinter?

Nemo: Genau. Ich betrachte mich selbst als einen modernen Clown, a smile entertainer. Ich würde gern die Angst heilen, alle Arten von Angst, zum Beispiel die vor dem Unbekannten. Ich will die Welt davon überzeugen, dass Musik eine Sache ist und den Menschen Hip Hop, Crunk, Reggae, Dancehall und Electro näher bringen, die so etwas niemals hören würden. Ich denke auch, es geht um eine Heilung der Negativität. Das Glas ist halbvoll, nicht halbleer.

Nemo with Lady

Foto: Nemo mit sexy Lady (iwelcom.tv)

HoR: Erzähl doch mal etwas über das Album? Wer sind die Produzenten, wer ist als Gast dabei?

Nemo: Aiiight. Ich fange mal mit meiner “Familie” an: Die Beats kommen von DJ Redeyes, einem jungen talentierten Produzenten, mit dem ich sehr viel zusammenarbeite. DJ Faze aus Marseille, dem Dub Masta Molecule. Zu den bekannteren gehören Bunny Lee, mit dem ich einen Song auf einem Aggrovators Cut produziert habe, und Barracuda vom Wu Tang Clan.

Als Gäste dabei sind Original Lady K, this girl has too much talent, und Beenie Man. Den brauche ich nicht vorstellen, für mich der King of Dancehall. Von Lords of The Undergrounds sind Doitall und Funk dabei. Die Jungs sind meine Lehrer. Wir haben zusammen etwa 20 Songs aufgenommen. Sie haben mich dazu gebracht zu rappen und mir gezeigt, dass Hip Hop längst in mir steckt. Those are truly my musical friends.

Wayne Smith ist auf einem Track vertreten. Der Riddim wurde in Venedig produziert von meinem alten Freund Giallo, der auch mit einem Song auf dem Album ist. Wir spielen zusammen in einer Band in Italien, die Satta Connection heißt. Soon in stores.

Oh, ich darf natürlich mein ersten jamaikanischen Kumpels nicht vergessen: Braveheart, Mikey Tenor, John Junior und mein Freund MaaMaa Warrior – möge seine Seele in Frieden ruhen. Und nicht zuletzt der Bonus Track mit Enza of Codefendants, der mich eingeladen hat zu „Ready 2 Go“ mit Reynos & Akon.

HoR: Die Platte spiegelt laut Pressmitteilung die letzten sieben Jahre deiner Karriere wieder. Wie hast du dich in dieser Zeit verändert?

Nemo: „Keymo’ Therapy“ ist eine Einführung in das, was kommen wird. Es sind die gesammelten Eindrücke meiner Reisen, Freunde und auch traurigen Momente, eine Art Reisepass. Es geht vor allem um die Menschen, die mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin, die mir über all die Jahre geholfen haben.

Um deine Frage zu beantworten: Grundsätzlich hat sich alles in meinem Leben verändert, seit ich meine Verrücktheit akzeptiert habe. Ich will nicht länger zwischen Styles und Genres entscheiden müssen. Ich versuche alle Schlüssel zu benutzen, die ich zur Hand habe.

Es hat Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, dass „All-Styles“ mein Ding ist. Jetzt fühle ich mich wohl mit meiner Identität. Jeder Tag, jeder Song, den ich aufnehme, jeder Artist, mit dem ich arbeite, macht mich stärker und bunter.

HoR: Neben deinem zweiten Longplayer ist ein weiteres Projekt auf dem Weg “Whatever…?”. Warum geht es da?

Nemo: Das ist ein Album komplett auf Englisch und Patois. Es zeigt, wer ich heute bin. A musical cocktail molotov, irgendwo zwischen R&B und Hip Hop mit einer Prise Jamaika. Es sind auch unglaubliche Gäste und Produzenten drauf wie Das Efx, U-Roy, Buddha Monk, Pop’s von UB40, David Kennedy. The rest … surprise. In Kurzform: Auf „Whatever…?“ habe ich wirklich meinen Sound gefunden. Du wirst es mögen. Ich habe endlich Nemo gefunden.

HoR: Ist schon eine Tour geplant und werden wir dich auch bald in Deutschland hören können?

Nemo: Ja, wir arbeiten daran. Im Moment bin ich vor allem offen für Hip Hop Acts und Clubshows. Aber ich freue mich auch darauf nach Deutschland zu kommen. Ich liebe Berlin und hatte schöne Erlebnisse in Heidelberg und München. German ladies have a spezial place in my heart.

HoR: Last words to the audience?

Nemo: I’m gonna quote one of my favourite artists, Tiger:” It is nice 2 be important but more important to be nice.” And all of you german pricesses & Massiv, i beg ya. Please have a perfect day. “Boom again”!

Nemo a.k.a. “Da Pumpum Specialist”

Nemo “Keymo’ Therapy” erscheint am 27. Oktober bei dem französischen Label Notylius.

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