Phenomden – Gangdalang: Album Review

Phenomden GangdalangFür dieses Jahr kannst du Jamaika abhaken, denn eines der besten Modern Roots Alben kommt 2008 aus der Schweiz. Was der Züricher Phenomden mit „Gangdalang“ (One Ton/Nation Music/Soulfood Music) vorlegt, ist unfassbar. Vom ersten bis zum letzten Tune stimmt einfach alles – Reggae in Reinkultur auf Schweizerdeutsch.

Ein Jahr nach dem großartigen Album „Style-Generator“ ist Dennis Furrer alias Phenomden wieder da und singt Songs „… volle nachricht un melodie“. Klar, Dialekt ist nicht für jeden etwas, aber er bereichert ungemein und macht einiges einfacher. Denn gerade im deutschen Sprachraum kommen tiefe Botschaften oft belehrend rüber.

Eine Klippe, die Phenomden mit den Tunes „Steinig“ und „Gangdalang“ lockert umschippert. Er dreht und wendet die Laute und knüpft sie zu den herrlichsten Reimketten zusammen. Und nicht nur in seiner Sprache besinnt sich der Schweizer auf seine Wurzeln, wie der Tune „Roots“ beweist:

„alles woni bin bini wäge mine roots / ich luege graduus, doch ich dänk a mini roots.“

Phenomdens Texte kommen nicht von irgendwo her, sondern direkt aus seinem Leben. Er beschreibt das Dasein als Musiker („Stah Da“), erzählt von einem Piraten-Dance in Italien („Dance Im Olivehain“) und schildert zusammen mit Rebellion the Recaller die traurigen Eindrücke einer Afrika-Reise („Vill Lüüt“):

„hunger im buch und kei geld i de hand / berge vo abfall verbrenne mit gstank / nume wenig stunde weg, vo eusem land“

Neben den Reisen nimmt auch das Zwischenmenschliche viel Raum ein. Einer verflossenen Liebe müsste Phenomden mal wieder „Schriibe“, er sucht eine Frau „Für Immer“ und fragt „Was Isch D’Liebi“. Dabei jagt er seine Stimme in die Höhen von Richie Spice, wofür ich jeden anderen Sänger gleich abschalten würde. Doch Phenomden ist in seiner Art zu sympathisch, als dass du weghören könntest. Zumal er auch etwas für dein Musikwissen tut: Der Tune „Reggae-Kultur“ reduziert die gesamte Reggae-Geschicht auf drei Minuten und 57 Sekunden.

Phenomden

Foto: Phenomden (Rootdown Promotion)

Trotz der vielen Produzenten – immerhin acht aus Deutschland und der Schweiz – klingt das Album rund und schlüssig. Die warmen Roots-Riddims greifen nahtlos ineinander. Ein weiteres verbindendes Element sind die Stimmen der Background-Sängerinnen Brandy Butler, Nicole Tejada und Milena Buzzo, „… die wie Engel singen“. So formulierte es Phenomden im Interview mit Houseofreggae – und recht hat er.

Fazit: „Gangdalang“ ist kein Album zum Durchtrudeln lassen. Du musst gut zuhören, nicht nur wegen der etwas schwer verständlichen Sprache, sondern vor allem wegen der Botschaften. Kauft diese Scheibe, sonst gibt es Weihnachten keine Geschenke!

Am 10. Oktober 2008 erscheint das Album als CD und LP über One Ton / Nation Music im Vertrieb von Soulfood Music und mit freundlicher Unterstützung von Rootdown Records.

Trackliste: Phenomden – Gangdalang

  1. Stah Da
  2. Roots
  3. Steinig
  4. Schriibe
  5. Moderni Ziite
  6. Vill Lüüt (feat. Rebellion The Recaller)
  7. Dance Im Olivehain
  8. Für Immer
  9. Was Isch d’Liebi
  10. Chugle (feat. IBK Tribe)
  11. Reggae-Kultur
  12. Zrugg Zu Dir
  13. Lied Im Ohr
  14. Gangdalang

Phenomden im Plattenladen

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