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Beenie Man in Berlin: ein Konzert-Bericht

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Beenie ManSo ein Pech aber auch. Nach meinen letzten Erfahrungen vom Baby Cham Konzert bin ich extra eine Stunde später als angesetzt in der Berliner Kulturbrauerei erschienen – und was soll ich sagen: Das Konzert hat pünktlich begonnen, von Natty King im Vorprogramm konnte ich nur noch die letzten Töne hören. Was Beenie Man (Foto: Contour Music), der King of Dancehall, dann aber abbrannte, entschädigte für alles.



Nach einer langen Umbaupause pusht die Band das Publikum hoch, eine Stimme ertönt aus dem Off und auf die Bühne springt – Versatile. Wer ist das denn, fragt man sich? Vielleicht das nächste große Ding aus Jamaika? Nach zehn Minuten interessiert das niemanden mehr, der wahre King of Dancehall ist endlich da. Mit schwarzer Hose, Weste, silbernem Hemd und Brille sieht Beenie Man mehr nach Professor als nach König aus. Eine fette, glitzernde Gürtelschnalle straft den ersten Eindruck lügen. Jedes Mal, wenn Beenie seine Hüften kreisen lässt, springt sie schillernd auf und ab, und er lässt keine Gelegenheit aus, sie in Szene zu setzen.

Beenie Man in Berlin

Beenie Man ballert einen Hit nach dem anderen runter: „Romie“, „Who I Am“, „Bookshelf“, „Let Him Go“. Wie aus dem Maschinengewehr schießt er seine “Ziggi”s und “Zagga”s in die Menge. Oft erkennt man nur am Riddim, welchen Tune Beenie Man gerade vorträgt. Seine Stimme hört man kaum, die Band macht zu viel Druck. Eineinhalb Stunden reitet der König über alles hinweg. Nur ab und an gönnt er sich eine kurze Pause auf den Boxen, grinst und springt wieder los. Großen Zuspruch gibt es für ein Medley auf dem „Bam Bam Riddim“, auch der obligatorische Bob Marley Part kommt gut an.

Mitten in der Party-Stimmung wird es plötzlich ernst. Beenie redet von „Germany, the land where Hitler comes from“ und erklärt, dass er niemanden hasst. „I love everybody!“ Wie er auf der Bühne steht und freundlich über seine Professorenbrille hinweg schaut, möchte man ihm gern glauben. Vielleicht versteckt sich dahinter ein Hinweis für all diejenigen, die in letzter Zeit immer wieder versucht haben, Auftritte von Reggae-Artists zu verhindern. Seht her, auch ihr habt historisch gewachsene Probleme, die ihr nicht in den Griff bekommt.

Irgendwann kommt Versatile zurück auf die Bühne und darf Backing-Parts übernehmen. Dabei wirft er immer wieder lassive Blicke zu den Damen in der ersten Reihe, packt sich herzhaft in den Schritt und schaut nach links oben, wo ein paar Couches unbenutzt herumstehen. Klare Zeichen. Lachend holt er sich bei der Band den nötigen Zuspruch ab. Vorn präsentiert Beenie Man seine aktuelleren Hits wie „Back It Up“ oder „King Of Dancehall“.

Ich wundere mich, wie der Mann das durchhält, eine wahnsinnige Energie! Noch ein kurzer Ausflug zu Bob Marley, alle singen mit und dann ist Schluss. Ein bisschen bin ich froh darüber, denn das vorgelegte Tempo kann man nur schwer mitgehen und die Ohren dröhnen gehörig. Der King of Dancehall ist live ein bleibendes Erlebnis. Da muss man dringend dabei gewesen sein.

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