
Am 19. August 2011 soll Bounty Killer im Berliner Calabash Club auftreten. Der Dancehall Artist ist – wie auch schon 2008, als die Show gecancelt wurde – immer noch als homophob einzustufen. Und schon dreht sich das alte Karussell.
Wie viele andere sicher auch, verfolge ich das Ansage-Absage-Spiel seit einiger Zeit. Inzwischen habe ich ein Muster erkannt. Den aktuellen Stand habe ich hier mal in einer Checkliste zusammengetragen:
- Veranstalter buchen homophoben Reggae / Dancehall Artist [Check]
- Der LSVD nimmt Stellung [Check]
- Die spezielle Presse berichtet aus eigenem Interesse [Check]
- Die lokale Presse wittert Sensation und berichtet [Check]
- Ein Debatte über Homophobie im Reggae entwickelt sich online [Check]
- Volker Beck bringt den Fall zur Staatsanwaltschaft [Offen]
- Der Veranstalter verteidigt die Show [Check]
- Der LSVD organisiert eine Demonstration [Offen]
- Der Veranstalter sagt die Show ab [Offen]
- Lösung für weiteren Umgang mit dem Thema bleibt aus [Offen]
Falls noch Punkte fehlen bzw. einige nicht zutreffen, sag gern Bescheid.
@Anton Vielen Dank für deinen Kommentar. Selbstverständlich ist es kein Spiel. Die Checkliste soll vielmehr verdeutlichen, dass sich das Thema immer im selben Kreis dreht und es offensichtlich keine Lösung gibt. Zumindest keine, mit der beide Seiten leben können. Natürlich wäre es ein riesiger Schritt, wenn man einen Artist wie Capleton oder Sizzla dazu bringen könnte, in Jamaika eine Pro-Homosexualität-Position zu beziehen. Vielleicht muss es nicht mal pro sein, sondern einfach nur eine Offenheit für alle. Das halte ich jedoch derzeit für utopisch.
Mal ganz ehrlich. Das hier ist doch kein Spiel: Homosexuelle gegen Reggae Fans. Wir sind Menschen wie ihr auch und haben die gleichen Rechte. Warum lehnen sich diese Musiker nicht gegen das auf was wirklich in Ihrem Land nicht stimmt. Da gibt es ja einiges an Ungerechtigkeiten. Ich liebe Reggae und ich bin schwul. Ich kann aber nicht akzeptieren das ich in Berlin zum Beispiel meine Partnerschaft eintragen lassen kann und 100m weiter hetzt jemand das man mich am besten gleich anzünden und abknallen sollte. Geht’s noch? Schaut einfach mal in die Geschichtsbücher. Es geht nicht um einen rauen Ton auf den wir keinen Bock haben. Wir wollen keine Verhältnisse wie in Jamaika. Wo ein aufgehetzter Mob Schwule jagt und ermordet (leider wahr- und absolut traurig).
@Jahlice Das kann durchaus noch interessant werden und es ist auf lange Sicht keine Lösung in eben solcher.
Elephant Man und Capleton sind auch auf Tour. Ich bin gespannt wie das Katz und Maus Spiel ausgeht….
@Dancehall Fan Vielen Dank für die Stellungnahme. An dieser Stelle haut meine Checkliste leider nicht mehr hin, denn eigentlich hätte sich zunächst Volker Beck melden müssen.
Stellungsnahme
der Veranstalter
Bounty Killer 19.8 – Berlin
Aufgrund
der heftigen Diskussionen und negativen Politisierungsversuche zum
geplanten Konzert von Bounty Killer am 19.August 2011 in Berlin
möchten wir als Veranstalter wie folgt Stellung nehmen:
Zunächst
muss eindeutig festgestellt werden, dass wir absolut keine Form von
Gewaltverherrlichung, Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung
jeglicher Form teilen oder tolerieren.
Das Konzert von Bounty
Killer sollte im Berliner Club ADS (Ex Maria am Ostbahnhof)
stattfinden, hierfür gab es eine Zusage seitens des
Betreibers.
Aufgrund der Drucksituation wurde das Konzert von
Seiten des ADS Clubs im Einverständnis beider Parteien abgesagt.
Gewaltverherrlichung
in der Musik ist ein viel verbreitetes Phänomen, ob nun in Heavy
Metal, Rap, Dancehall. HipHop oder anderen Musikstilen. Hier wird zum
Teil mit einer Doppelmoral und Rhetorik agiert, die in den jeweiligen
geographischen, soziokulturell- wirtschaftlichen und moralischen
Zusammenhang zu kontextualisieren ist.
Hier
nennt U. Güldner, Redakteur der „Riddim“, z.B. Renitenz,
Rebellentum und rigorose Redefreiheit als «Werte» jamaikanischer
Pop-Musik. Auch er zeigt auf, dass Homophobie nicht einfach ein
Moment der jamaikanischen Pop-Musik ist, sondern der jamaikanischen
Gesellschaft überhaupt.
Wenn
es um die Motivation ginge, eventuell verwerflich
festgefahrene/dogmatische Identitätsmuster zu ändern, wäre dann
beispielsweise ein Einreiseverbot der richtige Weg?
Oder
bleibt es nur ein Kratzen an der Oberfläche einer fernen
gesellschaftlichen Denkstruktur, die sich nur weiter verhärtet, wenn
nicht der offene Diskurs, sondern die Tabuisierung als Methode zur
Zielerreichung gewählt wird?
Um
einer Verschärfung des problematischen Phänomens durch Bann und
Boykott entgegenzuwirken, sind Aufklärung, Kommunikation und Bildung
die Methoden, die ein lokales Umdenken ermöglichen würden.
Hierzu
werden wir 2€ des Erlöses aus jedem Ticketverkauf an das
Bildungsprojekt „HELP Jamaica e.V“ spenden um somit das Programm
„Education For a Chnage!“ vor Ort zu unterstützen.
Da
wir Bounty Killer als einen der weltweit besten Dancehall/Reggae
Artists in Berlin erleben wollen, werden wir mit allen Mitteln
versuchen, das Konzert stattfinden zu lassen.
Wir
möchten aber klar mitteilen, dass dem Interpreten keine Bühne für
menschenverachtenden Lieder in jeglicher Form geboten wird. Auch er
selbst hat sich von eigenen hassbehafteten Textinhalten distanziert.
Bounty
Killer 19.8 Calabash Club
max. 350
Tickets verfügbar
Eintritt: 35 €
Aftershow
– 2 Floors Ab 2.00 Uhr – 8 €
Start:
23 Uhr
Stagetime:
00.30 Uhr
Vvk:
Yardstore
Vorteil
bei Vvk: Wer drin ist ist drin!
Wir
zählen auf Eure Unterstützung und hoffen, dass Ihr mit uns im etwas
kleineren Rahmen am 19.8 den Club zur Dancehall macht!
Euer
Veranstalter Team
@Matze Das ist wirklich ein schwieriges Pflaster. Ich bin selbst auch hin- und hergerissen zwischen “Hey, das sind nur ein paar komische Songs im Lebenslauf” und “Guter Style, derbe Stimme, aber die Einstellung kann ich nicht unterstützen”. Und was Volker Beck betrifft: Er hat wohl einen Auftrag im Leben, den er zum Teil beeindruckend ausführt.
Wuerde ich genau so auch auffassen. Irgendwie kann ich die Homosexuellen ja auch verstehen, aber als Reggae-Fan will ich natuerlich nicht, dass das Konzert abgesagt wird. Sobald sich aber Volker Beck einschaltet, hoere ich auch auf da weiter nach zu haken, weil dieser Mann auch nur Aufmerksamkeit in seinem Politikerleben braucht, und dabei will ich ihn nicht unterstuetzen.