Bounty Killer in Berlin: eine Checkliste

Bounty Killer Konzert

Am 19. August 2011 soll Bounty Killer im Berliner Calabash Club auftreten. Der Dancehall Artist ist – wie auch schon 2008, als die Show gecancelt wurde – immer noch als homophob einzustufen. Und schon dreht sich das alte Karussell.

Wie viele andere sicher auch, verfolge ich das Ansage-Absage-Spiel seit einiger Zeit. Inzwischen habe ich ein Muster erkannt. Den aktuellen Stand habe ich hier mal in einer Checkliste zusammengetragen:

  1. Veranstalter buchen homophoben Reggae / Dancehall Artist [Check]
  2. Der LSVD nimmt Stellung [Check]
  3. Die spezielle Presse berichtet aus eigenem Interesse [Check]
  4. Die lokale Presse wittert Sensation und berichtet [Check]
  5. Ein Debatte über Homophobie im Reggae entwickelt sich online [Check]
  6. Volker Beck bringt den Fall zur Staatsanwaltschaft [Offen]
  7. Der Veranstalter verteidigt die Show [Check]
  8. Der LSVD organisiert eine Demonstration [Offen]
  9. Der Veranstalter sagt die Show ab [Offen]
  10. Lösung für weiteren Umgang mit dem Thema bleibt aus [Offen]

Falls noch Punkte fehlen bzw. einige nicht zutreffen, sag gern Bescheid.

Weck die Stadt und sag's den Leuten

Socialdread

Über

Chef im Haus, Reggae Vinyl Liebhaber, Sound System Enthusiast, Social Media Entdecker, auch zu Hause auf Twitter und gelegentlich auf Google+.

8 Kommentare zu “Bounty Killer in Berlin: eine Checkliste

  1. Socialdread
    12. August 2011 at 17:17

    @Anton Vielen Dank für deinen Kommentar. Selbstverständlich ist es kein Spiel. Die Checkliste soll vielmehr verdeutlichen, dass sich das Thema immer im selben Kreis dreht und es offensichtlich keine Lösung gibt. Zumindest keine, mit der beide Seiten leben können. Natürlich wäre es ein riesiger Schritt, wenn man einen Artist wie Capleton oder Sizzla dazu bringen könnte, in Jamaika eine Pro-Homosexualität-Position zu beziehen. Vielleicht muss es nicht mal pro sein, sondern einfach nur eine Offenheit für alle. Das halte ich jedoch derzeit für utopisch.

  2. 11. August 2011 at 15:32

    Mal ganz ehrlich. Das hier ist doch kein Spiel: Homosexuelle gegen Reggae Fans. Wir sind Menschen wie ihr auch und haben die gleichen Rechte. Warum lehnen sich diese Musiker nicht gegen das auf was wirklich in Ihrem Land nicht stimmt. Da gibt es ja einiges an Ungerechtigkeiten. Ich liebe Reggae und ich bin schwul. Ich kann aber nicht akzeptieren das ich in Berlin zum Beispiel meine Partnerschaft eintragen lassen kann und 100m weiter hetzt jemand das man mich am besten gleich anzünden und abknallen sollte. Geht’s noch? Schaut einfach mal in die Geschichtsbücher. Es geht nicht um einen rauen Ton auf den wir keinen Bock haben. Wir wollen keine Verhältnisse wie in Jamaika. Wo ein aufgehetzter Mob Schwule jagt und ermordet (leider wahr- und absolut traurig).

  3. Socialdread
    2. August 2011 at 22:09

    @Jahlice Das kann durchaus noch interessant werden und es ist auf lange Sicht keine Lösung in eben solcher.

  4. jahlice
    2. August 2011 at 13:43

    Elephant Man und Capleton sind auch auf Tour. Ich bin gespannt wie das Katz und Maus Spiel ausgeht….

  5. Socialdread
    2. August 2011 at 10:03

    @Dancehall Fan Vielen Dank für die Stellungnahme. An dieser Stelle haut meine Checkliste leider nicht mehr hin, denn eigentlich hätte sich zunächst Volker Beck melden müssen.

  6. Dancehall Fan
    1. August 2011 at 22:43

    Stellungsnahme
    der Veranstalter
    Bounty Killer 19.8 – Berlin

    Aufgrund
    der heftigen Diskussionen und negativen Politisierungsversuche zum
    geplanten Konzert von Bounty Killer am 19.August 2011 in Berlin
    möchten wir als Veranstalter wie folgt Stellung nehmen:

    Zunächst
    muss eindeutig festgestellt werden, dass wir absolut keine Form von
    Gewaltverherrlichung, Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierung
    jeglicher Form teilen oder tolerieren.

    Das Konzert von Bounty
    Killer sollte im Berliner Club ADS (Ex Maria am Ostbahnhof)
    stattfinden, hierfür gab es eine Zusage seitens des
    Betreibers.
    Aufgrund der Drucksituation wurde das Konzert von
    Seiten des ADS Clubs im Einverständnis beider Parteien abgesagt.

    Gewaltverherrlichung
    in der Musik ist ein viel verbreitetes Phänomen, ob nun in Heavy
    Metal, Rap, Dancehall. HipHop oder anderen Musikstilen. Hier wird zum
    Teil mit einer Doppelmoral und Rhetorik agiert, die in den jeweiligen
    geographischen, soziokulturell- wirtschaftlichen und moralischen
    Zusammenhang zu kontextualisieren ist.

    Hier
    nennt U. Güldner, Redakteur der „Riddim“, z.B. Renitenz,
    Rebellentum und rigorose Redefreiheit als «Werte» jamaikanischer
    Pop-Musik. Auch er zeigt auf, dass Homophobie nicht einfach ein
    Moment der jamaikanischen Pop-Musik ist, sondern der jamaikanischen
    Gesellschaft überhaupt.

    Wenn
    es um die Motivation ginge, eventuell verwerflich
    festgefahrene/dogmatische Identitätsmuster zu ändern, wäre dann
    beispielsweise ein Einreiseverbot der richtige Weg?

    Oder
    bleibt es nur ein Kratzen an der Oberfläche einer fernen
    gesellschaftlichen Denkstruktur, die sich nur weiter verhärtet, wenn
    nicht der offene Diskurs, sondern die Tabuisierung als Methode zur
    Zielerreichung gewählt wird?

    Um
    einer Verschärfung des problematischen Phänomens durch Bann und
    Boykott entgegenzuwirken, sind Aufklärung, Kommunikation und Bildung
    die Methoden, die ein lokales Umdenken ermöglichen würden.

    Hierzu
    werden wir 2€ des Erlöses aus jedem Ticketverkauf an das
    Bildungsprojekt „HELP Jamaica e.V“ spenden um somit das Programm
    „Education For a Chnage!“ vor Ort zu unterstützen.

    Da
    wir Bounty Killer als einen der weltweit besten Dancehall/Reggae
    Artists in Berlin erleben wollen, werden wir mit allen Mitteln
    versuchen, das Konzert stattfinden zu lassen.

    Wir
    möchten aber klar mitteilen, dass dem Interpreten keine Bühne für
    menschenverachtenden Lieder in jeglicher Form geboten wird. Auch er
    selbst hat sich von eigenen hassbehafteten Textinhalten distanziert.

    Bounty
    Killer 19.8 Calabash Club

    max. 350
    Tickets verfügbar
    Eintritt: 35 €

    Aftershow
    – 2 Floors Ab 2.00 Uhr – 8 €
    Start:
    23 Uhr
    Stagetime:
    00.30 Uhr

    Vvk:
    Yardstore

    Vorteil
    bei Vvk: Wer drin ist ist drin!

    Wir
    zählen auf Eure Unterstützung und hoffen, dass Ihr mit uns im etwas
    kleineren Rahmen am 19.8 den Club zur Dancehall macht!

    Euer
    Veranstalter Team

  7. Socialdread
    1. August 2011 at 21:43

    @Matze Das ist wirklich ein schwieriges Pflaster. Ich bin selbst auch hin- und hergerissen zwischen “Hey, das sind nur ein paar komische Songs im Lebenslauf” und “Guter Style, derbe Stimme, aber die Einstellung kann ich nicht unterstützen”. Und was Volker Beck betrifft: Er hat wohl einen Auftrag im Leben, den er zum Teil beeindruckend ausführt.

  8. Matz
    1. August 2011 at 20:43

    Wuerde ich genau so auch auffassen. Irgendwie kann ich die Homosexuellen ja auch verstehen, aber als Reggae-Fan will ich natuerlich nicht, dass das Konzert abgesagt wird. Sobald sich aber Volker Beck einschaltet, hoere ich auch auf da weiter nach zu haken, weil dieser Mann auch nur Aufmerksamkeit in seinem Politikerleben braucht, und dabei will ich ihn nicht unterstuetzen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *