Jamaican Warriors: Lesereise durchs Reggae-Land
Tags:bob marley, coxson dodd, jamaika, kingston, rastafari, reggae
In einem Amsterdamer Kaufhaus ist mir vor zwei Jahren dieses Buch in die Hände gefallen: „Jamaican Warriors. Reggae, Roots & Culture“ von Stephen Foehr. War im Sonderangebot, wurde mitgenommen. Heute endlich habe ich es ausgelesen. Das spricht nicht gegen das Buch. Der Autor schreibt sehr unterhaltsam, besucht Orte, die ich bei diesem Titel nicht erwartet hätte und spricht mit Menschen, auf die ähnliches zutrifft. Oder kennt jemand „Long Titty Susan“?
Die Reise beginnt mit einer Fahrt nach Nine Miles, zum Geburtshaus von Bob Marley. Weiter geht es nach Pinnacle, wo Leonard Percival Howell 1940 die erste Rasta-Kommune Jamaikas gründete (kleiner Tipp für die Jah-Army-Verlosung). Ein Besuch in Kingston darf nicht fehlen bei so einem Trip. Auf Bob Marleys Spuren geht Foehr in die finstersten Gegenden von Trenchtown. Sein jamaikanischer Fahrer und Kumpel Jah Earl wartet lieber im Auto.
Und so erkundet der Autor das Land, besichtigt eine Kaffee-Fabrik in Blue Mountain, unterhält sich in Negril mit einem Drogendealer, erlebt eine Massenpanik bei einem Capleton-Konzert und fährt tief ins Inselinnere zu den Maroon-Trommlern. Er spricht mit Zeitzeugen wie Ken Booth und Sugar Minott und wohnt einer Trommelsession mit Count Ossie bei.
Als passionierte Historiker reist Foehr immer wieder in der Zeit, macht Stationen bei Columbus und Marcus Garvey. Im Kapitel „Who Is Him“ zeichnet er die äthiopische Herrschaftslinie nach, um zu klären, warum His Imperial Majesty Haile Selassie I wie ein Gott verehrt wird.
„Jamaican Warriors: Reggae, Roots & Culture“ bietet einen leichten Einstieg in die Rastafari-Kultur und die Wurzeln jamaikanischer Musik. Wer sich dort schon ein wenig auskennt, wird amüsant unterhalten. Über kleine Fehler muss man hinwegsehen: Der Studio One-Gründer Clement Dodd heißt mal Clement Dodson (S. 226) und mal Clement Coxsone Dobb (Inhaltsverzeichnis). Stephen Foehr ist eben mehr Reisejournalist, und diese Arbeit erledigt er hervorragend.
Kleine Anmerkung: Die Geschichte zu „Long Titty Susan“ müsst ihr selbst nachlesen. Das Buch ist inzwischen günstiger als damals im Sonderangebot.
Englischsprachiges Original:
Jamaican Warriors: Reggae, Roots and Culture”
Autor: Stephen Foehr
Verlag: Sanctuary Publishing Ltd (2000)
Seiten: 240, gebunden
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