Gentleman und die Homophobie
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Am 9. April ist Gentlemans neues Album „Diversity“ erschienen. Doch im Vorfeld interessierte sich kaum jemand für die Platte. Alle wollten wissen: Was denkt der bekannteste deutsche Reggae-Artist über Homophobie im Reggae. Wenn du das nicht nachlesen möchtest, kannst du es dir im Video-Interview von Motor.de anschauen. Update: Gentleman lädt zum Runden Tisch ein.
Gleich vorweg: Gentleman distanziert sich von der Homophobie. Er ist aber auch wütend. Wütend darüber, dass Reggae-Artist auf eine Stufe mit den Taliban und Rechtsextremisten gestellt werden, dass Reggae von Menschen wie Volker Beck kriminalisiert wird.
Gentleman-Interview
Eine Lösung, wie man den schwulenfeindlichen Jamaikanern beikommen kann, hat Gentleman natürlich nicht, dafür ist die Sache zu komplex. Vielmehr wirbt er für kulturelles Verständnis.
Gentleman gibt ein paar kluge Statements, neue Sichtweisen auf die Homophobie im Reggae offenbart aber auch er nicht. Die Reaktionen von Volker Beck und dem LSVD steht noch aus. Gentlemans Album habe ich übrigens auch noch nicht gehört.
Update vom 15.4.2010: Gentleman bittet zum Runden Tisch
Gentleman hat einige seiner Aussagen widerrufen, weil er sich nicht sensibel genug ausgedrückt habe. In einem Interview mit dem Magazin Laut bittet er Volker Beck und die LSVDs an den Runden Tisch. Was das woll bringen soll?
Update vom 14.4.2010: Volker Beck meldet sich
Wie erwartet, hat sich Grünen-Politiker Volker Beck heute mit einem Artikel in der taz gemeldet. Ich habe den Artikel wie folgt kommentiert:
Sehr geehrter Herr Beck,
vielen Dank für Ihren Kommentar in der taz. Ich gebe Ihnen in fast allen Punkten recht. Als Reggae-Fan finde ich es ebenfalls traurig, dass überhaupt Energie in negative Texte gesteckt wird, auch wenn es weit weniger sind, als viele nach der medialen Hetze glauben.
Widersprechen möchte ich Ihnen in folgendem Punkt: “Das liegt auch an einer Gesellschaft, die durch einen Rastafari-Glauben geprägt wird, der das Gebot der Nächstenliebe nicht für Schwule, Lesben und Transgender gelten lässt.”
Das Auswärtige Amt liefert folgende Zahlen für Jamaika (Stand: 14.4.2010): Christen: 1,7 Mio., Rastafarian 24.000 (http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Jamaika.html). Keine Frage, die Rastafari haben sehr konservative Ansichten. Von einer Prägung kann aber nicht die Rede sein, zumal die Rastafari als Glaubensgemeinschaft lange Zeit unterdrückt wurden.
Fakt ist: 1,7 Millionen Christen arbeiten mit der Bibel, die unter anderem Zeilen enthält wie:
“Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.”
“Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.”
“desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.”
(unter anderem http://www.bibleserver.com/ref/3018001#/text/LUT/3.Mose18)
Ich glaube, diese Zeilen christlichen Ursprungs waren und sind prägender für die jamaikanische Gesellschaft.
Mehr Infos:
- Gentleman lädt zum Runden Tisch (Laut.de)
- “One Love” (Volker Beck, Kommentar in der taz
- “Was mich stört, ist diese Doppelmoral” (Interview bei taz.de)
- “Ich akzeptiere Jesus als Lehrer” (Interview bei welt.de)
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